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Nulleinspeisung: Zero Export bei PV und Balkonkraftwerk 2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Nulleinspeisung (Zero Export) bedeutet: Am Netzanschlusspunkt fließen dauerhaft 0 W ins öffentliche Netz – der erzeugte Solarstrom wird ausschließlich selbst verbraucht oder im Speicher gepuffert.
  • Anmeldepflicht besteht trotzdem: Auch bei Nulleinspeisung gilt jede netzgekoppelte PV-Anlage als anmeldepflichtig – Registrierung im Marktstammdatenregister (MaStR) und Anmeldung beim Netzbetreiber sind Pflicht. Bußgeld bei Verstoß: bis 50.000 Euro.
  • Drei Komponenten sind für Zero Export immer nötig: Wechselrichter + saldierender Smart Meter am Netzanschlusspunkt + Regelkomponente (Zero-Export-Controller oder EMS).
  • Saldierend vs. phasenscharf: Deutsche Haushaltszähler saldieren über alle drei Phasen. Echter Zero Export bedeutet 0 W saldiert – nicht 0 W pro Phase.
  • Solarspitzengesetz (ab 25. Februar 2025): Neue PV-Anlagen ohne Smart Meter und Steuerbox sind auf 60 % Einspeiseleistung begrenzt. Nulleinspeisung mit Steuerbox umgeht diese Beschränkung vollständig.
  • Bewährte Geräte 2026: Everhome Ecotracker + Smart Micro Solar, Shelly 3EM, SMA Sunny Boy + Home Manager, Fronius SnapINverter, Growatt NOAH 2000, Marstek B2500, Hoymiles MS-A2.

Was ist Nulleinspeisung?

Nulleinspeisung bezeichnet den Betriebsmodus einer netzgekoppelten PV-Anlage, bei dem die Wechselrichterleistung in Echtzeit so geregelt wird, dass am Hausanschlusspunkt keine Energie ins öffentliche Netz fließt.
Was passiert technisch: Der Wechselrichter erzeugt genau so viel Strom wie der Haushalt gerade verbraucht. Bei steigendem Verbrauch erhöht er die Einspeisung ins Hausnetz. Bei sinkendem Verbrauch drosselt er. Überschüsse die nicht verbraucht werden können, fließen entweder in einen Batteriespeicher oder der Wechselrichter regelt ab.
Was Nulleinspeisung nicht ist: Inselbetrieb. Eine Nulleinspeise-Anlage ist weiterhin physisch mit dem Netz verbunden – sie speist nur keine Energie ein. Ein echter Inselbetrieb (Gartenhaus, Off-Grid-Anlage) hat keinen Netzanschluss und fällt unter andere rechtliche Regeln.

Warum Nulleinspeisung 2026 attraktiv ist

Solarspitzengesetz (ab 25. Februar 2025): Neue PV-Anlagen ohne Smart Meter müssen die Einspeiseleistung dauerhaft auf 60 % der installierten Nennleistung begrenzen. Eine Anlage mit 10 kWp darf also nur 6 kW einspeisen – selbst wenn die Sonne volle Leistung liefert. Mit Steuerbox und Zero-Export-Regelung entfällt diese Begrenzung.
Negative Börsenstrompreise: Das Solarspitzengesetz streicht die Einspeisevergütung bei negativen Börsenstrompreisen. Wer bei negativen Preisen einspeist, bekommt nichts – wer Nulleinspeisung fährt, verliert ebenfalls nichts.
Eigenverbrauchsmaximierung: Eingespeister Strom bringt 7,78 Ct/kWh (2026). Selbst verbrauchter Strom spart 36–40 Ct/kWh Netzbezug. Nulleinspeisung maximiert den wirtschaftlicheren Eigenverbrauch.

Rechtliche Lage: Anmeldepflicht trotz Nulleinspeisung

Warum auch Nulleinspeisung angemeldet werden muss

Die häufigste Fehlannahme: "Wenn ich nichts einspeise, muss ich auch nichts anmelden." Das ist rechtlich falsch.
Jede netzgekoppelte PV-Anlage ist anmeldepflichtig, weil:
  • Sie physisch mit dem öffentlichen Netz verbunden ist
  • Sie theoretisch jederzeit einspeisen könnte (z. B. bei Reglerausfall)
  • EnWG, NAV und MaStRV an den Netzanschluss anknüpfen, nicht an die tatsächliche Einspeisung
Pflichten bei Nulleinspeisung:
PflichtDetails
MaStR-RegistrierungPflicht innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme (Bundesnetzagentur)
Netzbetreiber-AnmeldungPflicht vor Inbetriebnahme
Technische AnforderungenVDE-AR-N 4105, NA-Schutz
Bußgeld bei VerstoßBis 50.000 Euro nach § 95 EnWG

Balkonkraftwerk: Vereinfachtes Verfahren

Für Balkonkraftwerke bis 800 W gilt seit dem Solarpaket I (2024) ein vereinfachtes Anmeldeverfahren:
  • Nur MaStR-Registrierung erforderlich (keine separate aufwendige Netzbetreiber-Anmeldung)
  • Schuko-Stecker bis 960 Wp zulässig (DIN VDE V 0126-95)
  • Nulleinspeisung ausdrücklich erlaubt, ändert aber nichts an der Registrierungspflicht

Saldierend vs. phasenscharf: Der wichtigste technische Unterschied

Wie deutsche Haushaltszähler rechnen

In Deutschland saldieren Haushaltszähler über alle drei Phasen. Das bedeutet:
  • Phase L1: Einspeisung 500 W (PV)
  • Phase L2: Verbrauch 300 W (Waschmaschine)
  • Phase L3: Verbrauch 400 W (Herd)
Saldiertes Ergebnis: 500 W Einspeisung − 700 W Verbrauch = −200 W (Netzbezug). Der Zähler dreht rückwärts um 200 W – obwohl auf L1 technisch Strom ins Netz fließt.
Für Zero-Export-Regelung bedeutet das: Echter Zero Export ist erreicht, wenn die saldierende Summe aller drei Phasen am Netzanschlusspunkt 0 W oder weniger beträgt. Eine kurzzeitige Einspeisung auf einer Phase bei gleichzeitigem Bezug auf anderen Phasen ist für den Netzzähler irrelevant.

Warum phasenscharfe Messung Probleme machen kann

Viele Smart-Meter-Sensoren (Shelly 3EM, viele Herstellergeräte) messen phasenscharf – sie zeigen auf jeder Phase separat an, ob Einspeisung oder Bezug stattfindet. Das führt zu:
  • Anzeige von "Einspeisung auf L1" obwohl saldiert Netzbezug besteht
  • Zero-Export-Regler der phasenscharf optimiert regelt unnötig die Wechselrichterleistung
  • Falsche Interpretation als "kein echter Zero Export"
Die Lösung: Ein Zero-Export-Controller muss die saldierte Gesamtleistung als Regelgröße verwenden, nicht die Phasenwerte einzeln. Das erreichen Systeme wie Everhome Ecotracker + Smart Micro Solar oder der SMA Sunny Home Manager.

Technische Umsetzung: Die drei Komponenten

Jedes Zero-Export-System braucht dieselben drei Bausteine:

1. Smart Meter am Netzanschlusspunkt

Misst in Echtzeit den Energiefluss am Hausanschluss. Muss saldierend arbeiten oder der Regler muss die Saldierung berechnen.
Bewährte Geräte:
GerätTypBesonderheit
Everhome EcotrackerMagnetisch am ZählerMisst saldierend, kein Eingriff in Zähler nötig
Shelly 3EM / Pro 3EMDreiphasiger MesssensorGünstig, misst phasenscharf – Saldiersoftware nötig
SMA Energy MeterHersteller-Lösung für SMANahtlose Integration in SMA-Systeme
Eastron Smart MeterFür Growatt und andereStandardlösung für Growatt Zero-Export

2. Regelkomponente (Zero-Export-Controller oder EMS)

Berechnet aus dem Messwert den Soll-Wert für die Wechselrichterleistung und gibt diesen weiter.
Bewährte Systeme:
SystemKompatibilitätReaktionszeit
Smart Micro Solar + EcotrackerHoymiles, APSystems, diverse< 2 Sekunden
Gerät/SystemTypReaktionszeit
SMA Sunny Home Manager 2.0SMA Wechselrichter1,5–2,5 Sekunden
Elgris ZERO ExportUniversell (bis 10 WR)Herstellerangabe
Fronius Web-InterfaceFronius SnapINverterIntegriert

3. Steuerbarer Wechselrichter

Empfängt den Soll-Wert und passt seine Ausgangsleistung an. Nicht alle Wechselrichter unterstützen externe Leistungssteuerung.

Geräte und Systeme im Detail

SMA Sunny Boy + Home Manager: Der Industriestandard

Die Kombination aus SMA Sunny Boy 1.5/2.5, SMA Energy Meter und Sunny Home Manager 2.0 ermöglicht einen vollständigen 0-%-Einspeisemodus.
Technische Kennwerte:
  • Reaktionszeit: ca. 1,5–6 Sekunden
  • Residuale Einspeisung: < 2 % der Anlagenleistung (kurzzeitige Übergänge)
  • Konfiguration: Über SMA Sunny Portal oder lokale Web-Oberfläche
Warum < 2 % Einspeisung: Keine Regelung reagiert instantan. In den 1,5–6 Sekunden Regelzeit kann kurzzeitig etwas Strom ins Netz fließen – das ist physikalisch unvermeidlich und für den Netzzähler kaum messbar.

Fronius SnapINverter: Zero Export per Web-Interface

Fronius-Wechselrichter der SnapINverter-Generation unterstützen Nulleinspeisung direkt über die Web-Konfiguration. Keine externe Hardware nötig – der Wechselrichter übernimmt die Regelung selbst, sofern ein kompatibler Energiezähler angeschlossen ist.
Vorteil: Vollständige Integration ohne Drittanbieter-Hardware. Kann direkt Anforderungen von Netzbetreibern an 0-%-Einspeisung erfüllen.

Growatt + Eastron Smart Meter: Preis-Leistungs-Lösung

Growatt-Stringwechselrichter unterstützen Zero Export in Kombination mit einem Eastron Smart Meter. Einrichtung per Growatt-App oder Modbus-Konfiguration.
Besonderheit: Ein einzelner Growatt MPPT kann bis zu 800 W über einen einzigen Eingang verarbeiten – bei kleinen Systemen reicht ein Sensor am Hausanschluss.

APSystems EZ1-M/EZ1-D: Lokale API

APSystems-Mikrowechselrichter bieten eine lokale HTTP-API zur Direktsteuerung der Ausgangsleistung. Zero Export ohne Cloud-Abhängigkeit, direkt steuerbar über Home Assistant oder Smart Micro Solar.
Historisches Problem: Frühe Firmware-Versionen schrieben häufig auf den internen Flash-Speicher, was zu vorzeitigem Verschleiß führte. Neuere Firmware-Updates haben dieses Problem behoben.

Balkonkraftwerk-Speicher mit Nulleinspeisung

Wie Speicher und Zero Export zusammenwirken

Das ideale Nulleinspeise-System für ein Balkonkraftwerk:
  • 1. Module → Mikrowechselrichter (max. 800 W ins Hausnetz)
  • 2. AC-gekoppelter Speicher nimmt tagsüber Überschüsse auf
  • 3. Smart Meter misst am Netzanschlusspunkt
  • 4. Zero-Export-Controller regelt Wechselrichter und Speicher-Entladung
Das Ergebnis: Der Haushalt deckt seinen Bedarf vollständig aus PV und Speicher, ohne je ins Netz einzuspeisen.

Growatt NOAH 2000: Integration mit Shelly

Der Growatt NOAH 2000 ist ein Plug-&-Play-Balkonkraftwerk-Speicher mit ca. 2 kWh LiFePO₄-Kapazität (> 6.000 Zyklen). Er wird AC-seitig an den bestehenden Mikrowechselrichter angebunden.
Zero-Export-Fähigkeit: Neuere Firmware-Versionen unterstützen die Nulleinspeisung über Shelly-Smart-Meter-Kompatibilität. Der NOAH 2000 übernimmt Überschüsse automatisch in den Akku, statt sie ins Netz zu leiten.
Einrichtung: In der Growatt-App unter Nulleinspeisung-Modus aktivieren, Shelly 3EM als Messbasis konfigurieren.

Marstek B2500: Hersteller-Smart-Meter unzureichend

Der Marstek Micro ESS B2500 ist ein Balkonkraftwerk-Speicher mit 2,24 kWh nutzbarer Kapazität, IP65-Schutz und Erweiterbarkeit auf bis zu 6,72 kWh.
Das Problem mit echtem Zero Export: Das mitgelieferte Hersteller-Smart-Meter des B2500 misst nicht saldierend über alle drei Phasen. In deutschen Dreiphasennetzen führt das zu falschen Mess-Werten – echter Zero Export ist mit dem Original-Meter nicht zuverlässig erreichbar.
Die Lösung: Kombination mit Everhome Ecotracker + Smart Micro Solar. Diese Kombination misst saldierend am Hausanschluss und regelt den B2500 sowie den Mikrowechselrichter unabhängig voneinander für echte Nulleinspeisung.

Hoymiles MS-A2: Mikrospeicher mit Ecotracker-Support

Der Hoymiles MS-A2 ist ein Mikrospeicher der direkt mit Hoymiles-Mikrowechselrichtern zusammenarbeitet. Er sitzt zwischen Panel und Wechselrichter und puffert Überschüsse bevor sie den Wechselrichter erreichen.
Firmware-Update mit Ecotracker-Integration: Neuere Firmware-Versionen des MS-A2 unterstützen den Everhome Ecotracker als Messbasis. Das ermöglicht echte saldierte Nulleinspeisung auch im MS-A2-System.
Off-Grid-Modus: Der MS-A2 bietet zusätzlich einen Inselbetrieb-Modus für Gartenhäuser oder Außenanlagen – dieser ist vom Zero-Export-Betrieb am Netzanschlusspunkt klar zu unterscheiden.

Everhome Ecotracker + Smart Micro Solar: Die universelle Lösung

Was der Ecotracker macht

Der Everhome Ecotracker ist ein Smart-Meter-Sensor der magnetisch am bestehenden Ferraris- oder Digitalzähler befestigt wird – keine Eingriffe in den Zähler, keine Genehmigung durch den Netzbetreiber nötig.
Messprinzip: Der Sensor erfasst über optische Abtastung oder Magnetfeld den aktuellen Energiefluss am Hausanschluss. Die Messung erfolgt saldierend über alle Phasen.
Was Smart Micro Solar daraus macht: Die Software empfängt den Ecotracker-Messwert und berechnet in Echtzeit den optimalen Leistungssollwert für alle angeschlossenen Wechselrichter. Unterstützte Geräte:
  • Hoymiles (via OpenDTU)
  • APSystems EZ1 (via lokale API)
  • Diverse weitere Mikrowechselrichter

Shelly 3EM: Günstige Alternative mit Einschränkungen

Der Shelly 3EM ist ein dreiphasiger Energiezähler der über Stromwandler installiert wird. Er kostet deutlich weniger als dedizierte Smart-Meter-Lösungen.
Stärken:
  • Günstiger Einstieg (ca. 50–70 Euro)
  • Nahtlose Integration in Home Assistant
  • Echtzeit-Daten über lokales Netzwerk
Einschränkung: Der Shelly 3EM misst phasenscharf. Ein Zero-Export-Regler der auf dem Shelly-Datensatz basiert muss die Saldierung selbst berechnen – sonst entstehen unnötige Regelkorrekturen wenn auf einer Phase kurzzeitig Einspeisung entsteht, obwohl saldiert Netzbezug besteht.
Lösung im Detail: Smart Micro Solar berechnet aus den drei Phasenwerten des Shelly die saldierte Gesamtleistung und regelt darauf – kein phasenscharfer Fehler.

Geräte-Übersicht: Zero-Export-Systeme 2026

Gerät/SystemTypNulleinspeisung-FähigkeitBesonderheit
Everhome Ecotracker + Smart Micro SolarSensor + ControllerVollständig saldierendUniversell, hersteller-unabhängig
SystemTypSaldierend (nach Berechnung)Vorteil
Shelly 3EM + Smart Micro SolarSensor + ControllerSaldierend (nach Berechnung)Günstig, Home-Assistant-kompatibel
SMA Sunny Boy + Home ManagerWechselrichter + EMSIntegriert, 0 %-ModusReaktionszeit 1,5–6 s, < 2 % Residual
Fronius SnapINverterWechselrichterWeb-Interface konfigurierbarKein Drittanbieter nötig
Growatt + Eastron Smart MeterWechselrichter + MeterIntegriertGut für String-Anlagen
APSystems EZ1-M/EZ1-DMikrowechselrichterLokale API steuerbarKein Cloud-Zwang
Elgris ZERO ExportUniversal-ControllerBis 10 WechselrichterHersteller-übergreifend
Growatt NOAH 2000AC-Speicher 2 kWhShelly-basiertPlug-&-Play
Marstek B2500AC-Speicher 2,24 kWhNur mit Ecotracker zuverlässigHersteller-Meter nicht saldierend
Hoymiles MS-A2MikrospeicherEcotracker-Support ab neuer FirmwareDirektkopplung mit Hoymiles-WR

Zero Export in Home Assistant

Warum Home Assistant für Nulleinspeisung ideal ist

Home Assistant bietet die Möglichkeit, Zero-Export-Regelungen vollständig lokal – ohne Cloud – umzusetzen. Das Energiedashboard visualisiert in Echtzeit Produktion, Verbrauch, Einspeisung und Netzbezug.
Typische Automatisierungslogik:
Wenn saldierter Netzexport > 0 W:
  → Wechselrichter-Leistungslimit = aktueller Hausverbrauch
  → ODER: Speicher-Entladung erhöhen bis Export = 0

Wenn saldierter Netzbezug > 500 W:
  → Wechselrichter-Leistungslimit aufheben
  → ODER: Speicher-Entladung freigeben
Integration Hoymiles via OpenDTU:
OpenDTU ist eine Open-Source-Firmware für ESP32, die direkt mit Hoymiles-Mikrowechselrichtern über das 868-MHz-Sub-1G-Protokoll kommuniziert. Über die OpenDTU-Home-Assistant-Integration lässt sich:
  • Aktuelle Einspeiseleistung pro Modul lesen
  • Leistungslimit in Echtzeit setzen (0–100 % der Nennleistung)
  • Zero-Export-Automatisierung ohne Cloud aufbauen
Shelly 3EM in Home Assistant:
Der Shelly 3EM integriert sich nativ in Home Assistant über das Shelly-Integration Add-on. Die drei Phasenmesswerte sind als Entitäten verfügbar. Eine Template-Berechnung summiert die Phasenwerte zur saldierenden Gesamtleistung.

Wirtschaftlichkeit der Nulleinspeisung

Wann lohnt sich Zero Export?

Nulleinspeisung lohnt sich, wenn die Differenz zwischen Netzstrompreis und Einspeisevergütung hoch ist:
SzenarioEinspeisevergütungNetzstrompreisEigenverbrauchsvorteil/kWh
Standard 20267,78 Ct38 Ct30,22 Ct
Dynamischer Tarif (Spitze)7,78 Ct50–60 Ct42–52 Ct
Negative Börsenpreise0 Ct38 Ct38 Ct
Berechnung für 10-kWp-Anlage: 3.000 kWh/Jahr die ohne Speicher eingespeist würden, werden stattdessen selbst verbraucht. Ersparnis: 3.000 kWh × 30,22 Ct = 907 Euro/Jahr statt 3.000 × 7,78 Ct = 233 Euro Einspeisevergütung.

Kosten eines Zero-Export-Systems

SystemEinmalkosten
Everhome Ecotracker + Smart Micro Solarca. 150–250 €
Shelly 3EM + Smart Micro Solarca. 70–150 €
SMA Energy Meter + Home Manager (bei Neuanlage)in Anlage integriert
Elgris ZERO Export (universal)ca. 200–400 €
Amortisation bei 907 Euro/Jahr Mehrwert: Ein 200-Euro-Zero-Export-System amortisiert sich in ca. 3 Monaten.

Häufige Fragen zur Nulleinspeisung

Ist Nulleinspeisung in Deutschland erlaubt?

Ja, Nulleinspeisung ist vollständig legal. Die Anlage muss trotzdem beim Netzbetreiber angemeldet und im Marktstammdatenregister registriert werden – die Zero-Export-Regelung ändert nichts an diesen Pflichten.

Kann ich ein Balkonkraftwerk ohne Anmeldung mit Nulleinspeisung betreiben?

Nein. Auch bei technischer Nulleinspeisung bleibt die Registrierungspflicht im MaStR bestehen. Bußgeld bei Verstoß: bis 50.000 Euro. Die Anmeldung für Balkonkraftwerke ist seit dem Solarpaket I (2024) deutlich vereinfacht – sie dauert wenige Minuten online.

Was ist der Unterschied zwischen saldierender und phasenscharfer Nulleinspeisung?

Saldierend bedeutet: Die Summe über alle drei Phasen ist 0 W oder negativ (Netzbezug). Phasenscharf bedeutet: Auf jeder einzelnen Phase fließt 0 W oder weniger. Da deutsche Haushaltszähler saldieren, ist nur saldierte Nulleinspeisung wirtschaftlich und technisch relevant. Phasenscharfe Nulleinspeisung ist unnötig restriktiv und verursacht Ertragsverluste.

Welches System empfiehlt sich für ein Balkonkraftwerk mit Speicher?

Für ein Balkonkraftwerk mit Hoymiles-Wechselrichter: OpenDTU + Everhome Ecotracker + Smart Micro Solar ist die zuverlässigste lokale Lösung ohne Cloud-Abhängigkeit. Für Plug-&-Play: Growatt NOAH 2000 mit Shelly 3EM. Für den Marstek B2500: Ecotracker zwingend nötig, da das Hersteller-Meter nicht saldierend misst.

Was macht das Solarspitzengesetz mit der Nulleinspeisung?

Das Solarspitzengesetz (ab 25. Februar 2025) begrenzt neue PV-Anlagen ohne Steuerbox auf 60 % Einspeiseleistung. Wer eine Zero-Export-Regelung betreibt, hat automatisch eine "Steuerbox" – die Begrenzung entfällt. Zusätzlich streicht das Gesetz die Einspeisevergütung bei negativen Börsenstrompreisen: Nulleinspeisung-Betreiber sind davon nicht betroffen, da sie sowieso nicht einspeisen.

Wie schnell reagiert ein Zero-Export-System?

SMA Sunny Boy + Home Manager: 1,5–6 Sekunden. Smart Micro Solar: < 2 Sekunden. In diesen Sekunden kann kurzzeitig minimale Einspeisung stattfinden – technisch unvermeidlich und für den Netzzähler kaum messbar (< 2 % der Anlagenleistung als Residual).

Funktioniert Nulleinspeisung auch mit einem Ferraris-Zähler (alter Drehstromzähler)?

Ja, mit dem Everhome Ecotracker. Der Sensor wird magnetisch am Ferraris-Zähler befestigt und erfasst die Scheibendrehung ohne Eingriff in den Zähler. Für Digitalzähler existieren ebenfalls kompatible Sensoren. Ein Smart Meter (intelligenter Messzähler) ist für Zero Export nicht zwingend nötig – der Ecotracker ersetzt diese Funktion.

Urik Muller

Senior Texter

Leidenschaftlich für Wärmepumpen