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Meyer Burger Solarmodule 2026: Insolvenz, Kaufen und Garantie

15 Min. Lesezeit

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Das Wichtigste in Kürze

  • Status 2026: Meyer Burger durchläuft drei parallele Verfahren — Nachlassstundung in der Schweiz bis 1. Juni 2026, Insolvenzverfahren in Deutschland seit 31. Mai 2025 und Chapter 11 in den USA seit 25. Juni 2025.
  • Zellfertigung verkauft: Swift Solar Inc. übernahm am 12. März 2026 die HJT-Zellfertigungsanlagen mit rund 2 GW Kapazität sowie das gesamte Patent-Portfolio.
  • Garantie-Risiko: Herstellergarantien gelten als einfache Insolvenzforderung; bei Unternehmensinsolvenzen liegt die durchschnittliche Befriedigungsquote in Deutschland bei nur rund 6,1 %.
  • Preis: Meyer-Burger-Module kosten 280 bis 482 €/kWp gegenüber einem Richtwert für den deutschen Modulmarkt von rund 187 €/kWp.
  • Technik: Die HJT-Module erreichen 20,4 bis 21,8 % Wirkungsgrad bei einem Temperaturkoeffizienten von -0,259 %/K.
  • Verfügbarkeit: Deutsche Neuproduktion ist eingestellt, im Handel sind ausschließlich Restbestände bei Fachhändlern erhältlich.
  • Kaufentscheidung: Ein Kauf lohnt sich nur bei deutlich reduziertem Restbestandspreis und bewusstem Umgang mit dem Garantierisiko.

Was ist Meyer Burger und was ist mit dem Solarmodul-Hersteller passiert?

Meyer Burger ist ein Schweizer Photovoltaik-Hersteller, der Solarmodule mit Heterojunction-Zelltechnologie (HJT) entwickelte und bis 2025 in Deutschland produzierte. Seit Ende Mai 2025 befindet sich das Unternehmen gleichzeitig in einem deutschen Insolvenzverfahren, einer Schweizer Nachlassstundung und einem US-Chapter-11-Verfahren.
Die Muttergesellschaft Meyer Burger Technology AG hat ihren Sitz in Thun, Schweiz, und ging historisch aus einem 1953 gegründeten Maschinenbaubetrieb hervor. Die zwei deutschen Produktionsstandorte Thalheim (Bitterfeld-Wolfen, Sachsen-Anhalt) und Hohenstein-Ernstthal (Sachsen) stellten Solarzellen und -module für den europäischen Markt her. Auslöser der Schieflage ist die Kündigung des Rahmenvertrags mit dem US-Großkunden DESRI im November 2024 mit sofortiger Wirkung; der Aktienkurs von Meyer Burger brach am selben Handelstag um bis zu 72 % ein (von 1,38 auf 0,39 Schweizer Franken). Bereits im März 2024 hatte Meyer Burger die Modulproduktion am Standort Freiberg eingestellt.
Von Meyer Burger klar abzugrenzen ist Swift Solar Inc., ein US-Unternehmen, das im März 2026 die HJT-Zellfertigungsanlagen und das Patentportfolio von Meyer Burger übernahm, jedoch nicht automatisch als Rechtsnachfolger für Garantien oder Kundenverpflichtungen der insolventen deutschen Gesellschaften auftritt. Ebenso zu unterscheiden ist die Herstellergarantie von Meyer Burger (an die Insolvenzmasse gebunden) von der gesetzlichen Gewährleistung, die Käufer gegenüber ihrem Installationsbetrieb geltend machen — diese bleibt von der Insolvenz unberührt.

Woher kommt Meyer Burger und welche Marktposition hatte das Unternehmen?

Meyer Burger positionierte sich bis zu seiner Insolvenz als europäischer Premiumhersteller für Solarmodule mit Fertigung in Deutschland und Sitz in der Schweiz. Das Unternehmen beschäftigte an den deutschen Standorten 620 Mitarbeitende — 331 in Thalheim und 289 in Hohenstein-Ernstthal —, bevor es die Insolvenzanträge am 31. Mai 2025 beim Amtsgericht Chemnitz einreichte.
Weltweit summieren sich die Stellenverluste laut pv magazine USA auf über 900. Neben den 620 deutschen Arbeitsplätzen fielen am 29./30. Mai 2025 zusätzlich 282 Stellen am US-Werk in Goodyear, Arizona weg. Im Herbst 2025 folgten weitere Entlassungen am Schweizer Standort Thun. Die deutsche und die weltweite Zahl widersprechen sich damit nicht — sie beschreiben unterschiedliche Zählradien.
Die Insolvenzverwaltung der deutschen Gesellschaften liegt bei Prof. Dr. Lucas F. Flöther (zuständig für die Meyer Burger (Germany) GmbH, Technologiestandort Hohenstein-Ernstthal) und Reinhard Klose (zuständig für die Meyer Burger (Industries) GmbH, Solarzellenproduktion in Bitterfeld-Wolfen und Hohenstein-Ernstthal) von der Kanzlei Flöther & Wissing, bestellt durch das Amtsgericht Chemnitz.

Wie verlief die Insolvenz von Meyer Burger — Schweiz, Deutschland und USA im Überblick?

Meyer Burger durchläuft drei rechtlich getrennte Verfahren in drei Ländern, die sich zeitlich überschneiden, aber unterschiedliche Gesellschaften und Rechtsordnungen betreffen. Diese Trennung erklärt, warum Presseberichte je nach Land unterschiedliche Daten und Zuständigkeiten nennen.
Chronologie der drei parallelen Meyer-Burger-Verfahren nach Land, Datum und zuständiger Instanz.

Verfahren

Datum

Zuständige Instanz

Betroffene Einheit

 

Insolvenzantrag Deutschland

31. Mai 2025

Amtsgericht Chemnitz

Meyer Burger (Germany) GmbH & Meyer Burger (Industries) GmbH

Amtsgericht Chemnitz

Meyer Burger (Industries) GmbH, Meyer Burger (Germany) GmbH

Chapter 11 USA

25. Juni 2025

US-Insolvenzgericht District of Delaware

Vier gemeinsam verwaltete US-Tochtergesellschaften

Nachlassstundung Schweiz (definitiv)

1. Dezember 2025 bis 1. Juni 2026

Regionalgericht Oberland, Kanton Bern

Meyer Burger Technology AG und Schweizer Konzerneinheiten

Verkauf Zellfertigung & IP

12. März 2026

Übernahme durch Swift Solar Inc. (USA)

Meyer Burger erklärte die Investorensuche für eine Fortführung der deutschen Standorte im September 2025 für gescheitert. Eine vollständige Fortführung der Standorte Thalheim und Hohenstein-Ernstthal war laut Insolvenzverwaltung nicht möglich. Erst im März 2026 fand sich mit Swift Solar ein Käufer für die Zellfertigungsanlagen und das geistige Eigentum — nicht jedoch für eine Wiederaufnahme der deutschen Modulproduktion.

Welche Solarmodule bietet Meyer Burger an — White, Black, Glass, Tile und Balcony im Datenblattvergleich?

Das Produktportfolio von Meyer Burger umfasst fünf Modellserien, die sich in Leistung, Wirkungsgrad, Bauweise und Einsatzbereich unterscheiden; ein Indach-Modul führt Meyer Burger nicht im Sortiment.
Datenblattvergleich der fünf Meyer-Burger-Modellserien nach Leistung, Wirkungsgrad, Maßen und Garantie.

Modell

Leistung

Wirkungsgrad

Maße / Gewicht

Garantie

 

White

21,2–21,7 %

1.767 × 1.041 × 35 mm / 19,7 kg

25 Jahre, ≥ 92 % Restleistung

Black

375–395 Wp

20,4–21,5 %

1.767 × 1.041 × 35 mm / 19,7 kg

25 Jahre, ≥ 92 % Restleistung

Glass (bifazial)

370–390 Wp (Bin-Serie)

20,6–21,8 %

1.722 × 1.041 × 35 mm / 24,4 kg

30 Jahre, ≥ 93,2 % Restleistung

Tile (Dachziegel)

15 Wp/Ziegel, 150–165 W/m²

300 × 340 mm / 2,7 kg

Balcony (PowerStick)

bis 2 × 380–390 Wp Module

20,7–21,2 %

identisch mit Black-Modul

25 Jahre, ≥ 92 % Restleistung

White: das leistungsstärkste Standardmodul

White erreicht mit 380 bis 400 Wp und 21,2 bis 21,7 % Wirkungsgrad die höchste Leistungsdichte im Portfolio. Es basiert wie alle Standardmodule auf 120 Halbzellen aus monokristallinem n-Typ-Silizium mit HJT-Beschichtung.

Black: die vollschwarze Designvariante

Black liegt mit 375 bis 395 Wp und 20,4 bis 21,5 % Wirkungsgrad leicht unter White, da die vollschwarze Front- und Rahmengestaltung Lichteinfall reduziert. Ein Black-Modul mit 380 Wp kostet 165 € im Meyer-Burger-Shop.

Glass: bifaziales Glas-Glas-Modul mit 30 Jahren Garantie

Glass nutzt eine bifaziale Glas-Glas-Bauweise mit einem Bifazialitätsfaktor von 90 % und ist damit für Aufständerungen mit Rückseiten-Lichteinfall geeignet. Die Leistungsangaben von 370 bis 390 Wp innerhalb derselben Fertigungslinie erklären sich durch Power-Binning: Nach dem Flash-Test werden Module mit real leicht abweichender Leistung in Leistungsklassen (Bins) wie 370, 375, 380, 385 und 390 Wp sortiert — es handelt sich nicht um unterschiedliche Produkte, sondern um dieselbe Fertigungslinie mit gestaffelter Leistungsklassierung. Glass verfügt mit 30 Jahren über die längste Garantielaufzeit im Portfolio bei mindestens 93,2 % Restleistung. Die jährliche Degradation liegt im ersten Betriebsjahr bei 1,0 %, danach bei nur 0,20 % pro Jahr.

Tile: der Solardachziegel

Tile ist ein in die Dacheindeckung integrierter Solarziegel mit 15 Wp pro Ziegel und 150 bis 165 W/m² Flächenleistung. Bei 300 × 340 mm Kantenmaß und 2,7 kg Gewicht ist Tile bis zu einer Hagelkorngröße von 55 mm geprüft.

Kein Indach-Modul im Sortiment

Anders als bei Tile, das die Dacheindeckung selbst ersetzt, führt Meyer Burger kein separates Indach-Modul im klassischen Sinn eines rahmenlosen Aufdach-Ersatzsystems für Standardmodule. Wer eine Indach-Lösung sucht, findet diese im aktuellen Meyer-Burger-Sortiment ausschließlich über die Tile-Serie.

Welche Technik steckt hinter den Meyer-Burger-Modulen — Wirkungsgrad, HJT und SmartWire?

Meyer-Burger-Module basieren auf Heterojunction-Zelltechnologie (HJT) mit SmartWire Connection Technology (SWCT) zur Zellverschaltung; diese Kombination erreicht 20,4 bis 21,8 % Modulwirkungsgrad bei einem branchenweit vergleichsweise niedrigen Temperaturkoeffizienten.
Jedes Standardmodul verschaltet 120 Halbzellen aus monokristallinem n-Typ-Silizium. Statt gelöteter Busbars verbindet SWCT die Zellen über feine runde Drähte, was die Zellbelastung reduziert und die Lichteinfangfläche vergrößert. Der Wirkungsgrad eines Moduls ergibt sich aus dem Verhältnis von elektrischer Leistung zu eingestrahlter Lichtleistung auf der Modulfläche:
Wirkungsgrad = Pmpp ÷ (AModul × 1.000 W/m²) × 100 %
Wo:
  • Pmpp: Nennleistung am Punkt maximaler Leistung, in Watt-Peak (Wp)
  • AModul: Modulfläche in Quadratmetern (m²)
  • 1.000 W/m²: Standard-Testbedingung (STC) für die Einstrahlung
Beispiel: White-Modul im Referenz-Einfamilienhaus (130 m² Dachfläche, 8–10 kWp Anlage)
Gegeben: Pmpp = 400 Wp je White-Modul, Modulmaße 1.767 × 1.041 mm entsprechen AModul = 1,8394 m²
Berechnung: 400 ÷ (1,8394 × 1.000) × 100 % = 400 ÷ 1.839,4 × 100 %
Ergebnis: rund 21,7 % Wirkungsgrad — deckt sich mit dem Datenblattwert des White-Moduls von bis zu 21,7 % und gilt für jedes der rund 20 bis 27 Module der Referenzanlage (8–10 kWp Anlagenleistung mit 380–400-Wp-Modulen).
Ein zweiter relevanter Kennwert ist der Temperaturkoeffizient, der den Leistungsverlust bei Erwärmung über die 25 °C-Standardtestbedingung hinaus beschreibt. Meyer-Burger-Module erreichen bei Black und Glass -0,259 %/K und liegen damit besser als der HJT-Branchendurchschnitt von -0,25 %/K, deutlich besser als TOPCon mit rund -0,30 %/K und als PERC-Module mit rund -0,35 %/K:
Vergleich der Temperaturkoeffizienten von HJT, TOPCon und PERC-Zelltechnologie.

Zelltechnologie

Temperaturkoeffizient Pmpp

 

Meyer Burger HJT (Black/Glass)

-0,259 %/K

HJT-Branchendurchschnitt

-0,25 %/K

TOPCon

-0,30 %/K

PERC

-0,35 %/K

P(T) = PSTC × (1 + γ × (TZelle − 25 °C))
Wo:
  • PSTC: Nennleistung unter Standardtestbedingungen, in Wp
  • γ: Temperaturkoeffizient Pmpp, hier -0,259 %/K
  • TZelle: tatsächliche Zelltemperatur, in °C
Beispiel: Sommertag am Referenz-Einfamilienhaus mit 45 °C Zelltemperatur
Gegeben: PSTC = 400 Wp je Modul der Referenzanlage, γ = -0,259 %/K, TZelle = 45 °C
Berechnung: 400 × (1 + (-0,259 % × (45 − 25))) = 400 × (1 − 5,18 %)
Ergebnis: 379,3 Wp — ein Leistungsverlust von rund 20,7 Wp gegenüber der Nennleistung bei 20 K Erwärmung über die Standardtestbedingung.

Was passiert mit Garantie und Zertifizierung nach der Insolvenz?

Meyer-Burger-Module sind nach IEC 61215 (Bauartzulassung), IEC 61730 (Sicherheitsqualifikation) und mit zusätzlicher VDE-Zertifizierung für den deutschen Markt geprüft. Diese Zertifikate bleiben unabhängig von der Insolvenz gültig, weil sie sich auf die bereits verkaufte Ware und nicht auf den Fortbestand des Herstellers beziehen.
Anders sieht es bei der Herstellergarantie aus: Wer eine Garantieforderung gegenüber Meyer Burger geltend machen will, muss diese als einfache Insolvenzforderung bei der Insolvenzverwaltung anmelden. Die durchschnittliche Befriedigungsquote für Gläubiger bei Unternehmensinsolvenzen liegt in Deutschland laut Statistischem Bundesamt bei nur rund 6,1 % — von einer zugesagten Leistungsgarantie bleibt damit im Schadensfall nur ein Bruchteil realisierbar.
Gegenüberstellung von Herstellergarantie und gesetzlicher Gewährleistung bei einem insolventen Modulhersteller.

Merkmal

Herstellergarantie

Gesetzliche Gewährleistung

 

Anspruchsgegner

Meyer Burger (Insolvenzmasse)

Installationsbetrieb / Verkäufer

Rechtsgrundlage

Freiwillige vertragliche Zusage

Gesetzlicher Sachmangelanspruch

Status bei Insolvenz

Einfache Insolvenzforderung

Unberührt von der Herstellerinsolvenz

Realistische Durchsetzbarkeit

Rund 6,1 % der zugesagten Leistung (Ø-Quote Unternehmensinsolvenzen)

Voll durchsetzbar gegenüber dem Verkäufer

Eine Übernahme der bestehenden Meyer-Burger-Kundengarantien durch Swift Solar Inc., den Käufer der Zellfertigung und des Patentportfolios, ist nach den vorliegenden Quellen nicht offiziell bestätigt. Käufer sollten deshalb nicht davon ausgehen, dass ein neuer Ansprechpartner für Garantiefälle automatisch existiert.

Was sagen unabhängige Tests zu Meyer-Burger-Solarmodulen?

Im Praxistest des Portals gruenes.haus wurde für Meyer-Burger-Module eine mechanische Drucklast von 4.000 Pa ermittelt; laut dem offiziellen Meyer-Burger-Datenblatt sind die Standardmodule dagegen für eine Drucklast (Schneelast) von 5.400 Pa und eine Soglast (Windlast) von 2.400 Pa zertifiziert — das entspricht dem gängigen Marktstandard und nicht einer reduzierten Reserve.
Beim Preis-Leistungs-Verhältnis fiel im selben Test das Glass-Modul mit 482 €/kWp gegenüber dem Testdurchschnitt aller geprüften Module von 270 €/kWp deutlich teurer aus. Nutzerbewertungen auf Google bewegen sich, überwiegend aus der Zeit vor der Insolvenz, im Bereich von 4,3 bis 5 Sternen.

Was kosten Meyer-Burger-Solarmodule 2026?

Meyer-Burger-Module kosten je nach Modell und Bezugsquelle zwischen 280 und 482 €/kWp und liegen damit deutlich über dem für den deutschen Modulmarkt üblichen Richtwert von rund 187 €/kWp.

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Preiseinordnung von Meyer-Burger-Modulen gegenüber dem Richtwert für den deutschen Modulmarkt und chinesischen Tier-1-Großhandelspreisen 2026.

Segment

Preis

Einordnung

 

Richtwert deutscher Modulmarkt

rund 187 €/kWp (Spanne 140–230 €/kWp)

Marktbeobachtung, keine amtliche Statistik

Meyer Burger (Premiumsegment)

280–482 €/kWp

50–158 % über dem Richtwert

Chinesische Tier-1-Module (Großhandel)

110–160 €/kWp (0,110–0,160 €/Wp)

Untergrenze des Marktes, ohne Direktvertrieb an Endkunden

Beispiel: Referenz-Einfamilienhaus mit 24 Black-Modulen
Gegeben: 24 Meyer-Burger-Black-Module à 380 Wp zu je 165 €, Gesamtleistung 9,12 kWp
Berechnung: 24 × 165 € = 3.960 € Modulkosten; 3.960 € ÷ 9,12 kWp = 434 €/kWp
Ergebnis: 434 €/kWp liegt innerhalb der Meyer-Burger-Preisspanne von 280–482 €/kWp und rund 132 % über dem für den deutschen Modulmarkt üblichen Richtwert von 187 €/kWp.
Der Preisaufschlag resultiert aus der HJT-Zelltechnologie, der europäischen Fertigung vor Produktionsstopp und den längeren Garantielaufzeiten — nicht mehr jedoch aus einer laufenden Neuproduktion, da diese in Deutschland eingestellt ist.

Kann man 2026 noch Meyer-Burger-Solarmodule kaufen — und wie lange dauert die Lieferung?

Ein Kauf von Meyer-Burger-Modulen ist 2026 noch möglich, beschränkt sich jedoch auf Restbestände bei Fachhändlern und im Meyer-Burger-Onlineshop, da keine neue Ware aus deutscher Produktion nachkommt.
Die deutsche Modulfertigung ist infolge der Werksschließung in Freiberg im März 2024 sowie der anschließenden Insolvenzverfahren der Standorte Thalheim und Hohenstein-Ernstthal seit 2025 eingestellt. Verfügbare Module stammen ausschließlich aus vorproduzierten Lagerbeständen; Lieferzeiten hängen entsprechend von der jeweils noch vorhandenen Bin-Klasse und dem Lagerbestand des Händlers ab und lassen sich nicht pauschal beziffern. Käufer sollten vor dem Kauf gezielt nach dem Herstellungsdatum und der verbleibenden Garantieabdeckung des konkreten Postens fragen.

Wie bewähren sich Meyer-Burger-Module in der Praxis — Erfahrungen und Verbreitung in Deutschland?

In der Praxis bewähren sich Meyer-Burger-Module technisch weitgehend wie im Datenblatt beschrieben. Die HJT-Technologie erweist sich dabei besonders bei Anlagen mit hoher Dachtemperatur als vorteilhaft, da der niedrige Temperaturkoeffizient von -0,259 %/K den sommerlichen Ertragsverlust gegenüber PERC-Modulen (-0,35 %/K) spürbar reduziert.
Die Verbreitung in Deutschland war durch die vergleichsweise kurze aktive Marktphase — Serienproduktion ab den frühen 2020er-Jahren bis zum Produktionsstopp 2024/2025 — begrenzt; belastbare flächendeckende Feldstudien zur Langzeitperformance über 10 Jahre und mehr liegen für Meyer-Burger-Module noch nicht vor. Die im Datenblatt zugesagte Degradation von 1,0 % im ersten Jahr und danach 0,20 % pro Jahr beim Glass-Modul basiert auf Herstellerangaben; unabhängige Langzeitmessungen bestätigen diese Werte bislang nicht flächendeckend.

Eignet sich Meyer Burger für ein Balkonkraftwerk?

Meyer Burger eignet sich für ein Balkonkraftwerk über die seit März 2024 bestehende Kooperation mit dem deutschen Wechselrichter-Hersteller Solarnative, die ein bis zwei Black-Module mit dem PowerStick-Mikrowechselrichter und der IntelliGate-Balcony-Steuereinheit kombiniert.
Die gesetzliche Einspeisegrenze für Balkonkraftwerke liegt in Deutschland seit Mai 2024 bei 800 Watt Wechselrichterleistung bei maximal 2.000 Watt installierter Modulleistung. Die IntelliGate-Steuereinheit des Meyer-Burger-Systems regelt die zulässige Einspeiseleistung softwareseitig, sodass Bestandssysteme die seit 2024 geltende 800-Watt-Grenze ohne Hardwaretausch nutzen können. Eine Anmeldung beim Netzbetreiber ist nicht mehr erforderlich, lediglich die Registrierung im Marktstammdatenregister bleibt Pflicht.

Wie schneidet Meyer Burger im Vergleich zu Q Cells, JinkoSolar und LONGi ab?

Meyer Burger unterscheidet sich von etablierten Tier-1-Herstellern wie Q Cells, JinkoSolar und LONGi vor allem durch den Produktionsstopp: Während die drei genannten Wettbewerber ihre TOPCon- und PERC-Fertigungslinien 2026 aktiv weiterbetreiben, liefert Meyer Burger ausschließlich noch Restbestände aus eingestellter Produktion.
Technisch positioniert sich Meyer Burgers HJT-Zelltechnologie mit einem Temperaturkoeffizienten von -0,259 %/K besser als der TOPCon-Branchenwert von rund -0,30 %/K und der PERC-Wert von rund -0,35 %/K, die bei Wettbewerbern in dieser Nische dominieren. Preislich liegt Meyer Burger mit 280 bis 482 €/kWp deutlich über den Großhandelspreisen chinesischer Tier-1-Hersteller von 110 bis 160 €/kWp und auch über dem für den deutschen Modulmarkt üblichen Richtwert von 187 €/kWp. Der Technologievorteil bei der Temperaturstabilität steht damit einem erheblichen Preisaufschlag und, anders als bei aktiv produzierenden Wettbewerbern, einem ungeklärten Garantie- und Nachfolgestatus gegenüber.
Positionierung von Meyer Burger gegenüber aktiv produzierenden Tier-1-Wettbewerbern nach Produktionsstatus, Zelltechnologie und Preisniveau.

Merkmal

Meyer Burger

Q Cells / JinkoSolar / LONGi

 

Produktionsstatus 2026

Eingestellt, nur Restbestände

Aktive Serienfertigung

Dominante Zelltechnologie

Heterojunction (HJT)

TOPCon / PERC

Temperaturkoeffizient

-0,259 %/K

-0,30 bis -0,35 %/K

Preisniveau

280–482 €/kWp

deutlich niedriger, je nach Vertriebskanal und Modell (belastbare einheitliche Marktspanne nicht verfügbar)

Garantiestatus

Ungeklärt (Insolvenzforderung)

Regulär durchsetzbar

Welche Nachteile, Risiken und typischen Fehler sollten Käufer kennen?

Drei zentrale Risiken betreffen Käufer von Meyer-Burger-Modulen: Garantieausfall bei der Insolvenz, Fehlinterpretation der Leistungsklassen (Wp-Bins) und fehlende Rechtssicherheit bei einer künftigen Garantieübernahme.

Risiko 1: Garantieausfall bei Herstellerinsolvenz

Symptom: Ein Modul fällt vor Ablauf der 25- bzw. 30-jährigen Leistungsgarantie unter den zugesagten Restleistungswert. Folge: Die Garantieforderung gegenüber Meyer Burger wird zur einfachen Insolvenzforderung mit einer realistischen Durchsetzungsquote von nur rund 6,1 % (Ø-Quote bei Unternehmensinsolvenzen). Prävention: Käufer sollten den Kaufpreis so kalkulieren, als bestünde keine werthaltige Herstellergarantie, und stattdessen auf die gesetzliche Gewährleistung des Installationsbetriebs setzen.

Risiko 2: Fehlinterpretation der Leistungsklassen (Wp-Bins)

Symptom: Käufer wundern sich über unterschiedliche Wp-Angaben (370 bis 390 Wp) beim identischen Glass-Modul. Folge: Vermeintliche Fehlkäufe oder überhöhte Preiserwartungen bei niedrigeren Bins. Prävention: Die Bin-Klasse vor dem Kauf mit dem tatsächlichen Datenblatt und der Rechnung abgleichen, da alle Bins derselben Fertigungslinie und Zelltechnologie entstammen.

Risiko 3: Fehlende Rechtssicherheit bei einer künftigen Garantieübernahme

Symptom: Käufer gehen davon aus, dass Swift Solar als neuer Eigentümer der Zellfertigung automatisch für bestehende Kundengarantien haftet. Folge: Im Schadensfall fehlt ein erreichbarer Garantiegeber, da die Übernahme der Kundengarantien durch Swift Solar nicht bestätigt ist. Prävention: Vor dem Kauf beim Verkäufer schriftlich nachfragen, wer im Garantiefall tatsächlich Ansprechpartner ist, und sich nicht auf mündliche Zusagen verlassen.

Wie geht es mit Meyer-Burger-Technologie 2026 und danach weiter?

Die Zukunft der Meyer-Burger-HJT-Technologie liegt nach der Übernahme vom 12. März 2026 bei Swift Solar Inc. in den USA. Das US-Unternehmen kaufte die Zellfertigungsanlagen in Bitterfeld-Wolfen und Hohenstein-Ernstthal mit rund 2 GW Kapazität sowie das gesamte Patentportfolio und übernahm dabei auch ehemalige Meyer-Burger-Führungskräfte.
Eine Fortführung der deutschen Modulmarke Meyer Burger ist damit nicht verbunden: Swift Solar konzentriert sich auf den Ausbau der US-amerikanischen HJT- und Perowskit-Produktion, nicht auf eine Wiederaufnahme der Modulfertigung für den deutschen Markt. Die Schweizer Nachlassstundung der Muttergesellschaft läuft bis zum 1. Juni 2026; bis zu diesem Datum entscheidet sich, in welcher Form die verbleibenden Konzerneinheiten fortbestehen oder liquidiert werden.

Häufige Fragen zu Meyer-Burger-Solarmodulen

Ist Meyer Burger insolvent?

Ja, die deutschen Meyer-Burger-Gesellschaften befinden sich seit dem 31. Mai 2025 in einem Insolvenzverfahren beim Amtsgericht Chemnitz; parallel dazu läuft eine Schweizer Nachlassstundung bis 1. Juni 2026 und ein US-Chapter-11-Verfahren.

Kann ich noch Meyer-Burger-Module kaufen?

Ja, aber nur als Restbestand bei Fachhändlern und im Onlineshop, da die deutsche Neuproduktion seit den Werksschließungen 2024/2025 eingestellt ist.

Gilt meine Meyer-Burger-Garantie noch?

Die Herstellergarantie besteht formal weiter, ist im Schadensfall aber nur als Insolvenzforderung mit einer durchschnittlichen Quote von rund 6,1 % durchsetzbar.

Was kostet ein Meyer-Burger-Solarmodul?

Ein Black-Modul mit 380 Wp kostet 165 €, ein Glass-Modul mit 370 Wp 160 € im Hersteller-Shop; im Praxistest lag der Preis pro kWp bei bis zu 482 €.

Was bedeuten die unterschiedlichen Wp-Angaben beim Glass-Modul?

Sie stammen aus dem Power-Binning: Module derselben Fertigungslinie werden nach dem Flash-Test in Leistungsklassen von 370 bis 390 Wp sortiert.

Wer hat die Meyer-Burger-Zellfertigung übernommen?

Swift Solar Inc. aus den USA übernahm am 12. März 2026 die HJT-Zellfertigungsanlagen und das gesamte Patentportfolio, bestätigt jedoch nicht die Übernahme der Kundengarantien.

Eignet sich Meyer Burger für ein Balkonkraftwerk?

Ja, über die Kooperation mit Solarnative und das PowerStick-System, das auf die seit 2024 geltende 800-Watt-Einspeisegrenze ausgelegt ist.

Wie hoch ist der Wirkungsgrad der Meyer-Burger-Module?

Je nach Modell erreichen Meyer-Burger-Module 20,4 bis 21,8 % Wirkungsgrad, das White-Modul mit 400 Wp erreicht dabei bis zu 21,7 %.

Für wen lohnt sich der Kauf von Meyer-Burger-Restbeständen noch?

Der Kauf von Meyer-Burger-Restbeständen lohnt sich nur für Käufer, die den fehlenden Garantiewert bewusst einpreisen und dafür einen entsprechenden Preisnachlass gegenüber aktiv produzierenden Herstellern verlangen.
Entscheidungsmatrix für den Kauf von Meyer-Burger-Restbeständen nach Käuferprofil.

Käuferprofil

Empfehlung

 

Preisbewusste Bauherren ohne Technikpräferenz

Nicht empfohlen — Preisaufschlag ohne Gegenwert

Technikorientierte Käufer mit hoher Dachtemperatur

Bedingt empfohlen — nur bei stark reduziertem Preis

Erweiterung bestehender Balkonkraftwerke

Empfohlen — wegen Baugleichheit mit Bestandsanlage

Käufer mit Fokus auf 20–30 Jahre Garantiesicherheit

Nicht empfohlen — Garantie faktisch wertlos

Profil 1: Preisbewusste Bauherren ohne Technikpräferenz

Für Käufer, denen der niedrigste Preis pro kWp wichtiger ist als eine bestimmte Zelltechnologie, lohnt sich der Kauf von Meyer-Burger-Restbeständen nicht. Bei 280 bis 482 €/kWp gegenüber dem Richtwert von 187 €/kWp für den deutschen Modulmarkt und aktiv produzierenden Wettbewerbern mit intakter Garantie ist der Preisaufschlag ohne Gegenwert bei der Absicherung nicht zu rechtfertigen.

Profil 2: Technikorientierte Käufer mit hoher Dachtemperatur

Für Käufer mit stark sommerlich exponierten Dachflächen, denen der niedrige Temperaturkoeffizient von -0,259 %/K und der hohe Wirkungsgrad bis 21,8 % wichtig sind, kann sich der Kauf bei deutlich reduziertem Restbestandspreis lohnen. Voraussetzung ist, dass das Garantierisiko finanziell separat abgesichert oder bewusst in Kauf genommen wird.

Profil 3: Sammler kleiner Ergänzungsanlagen und Balkonkraftwerke

Für Besitzer eines bestehenden Meyer-Burger-Balkonkraftwerks, die dieses um ein oder zwei zusätzliche Black-Module erweitern möchten, lohnt sich der Restbestandskauf zur Baugleichheit mit der vorhandenen Anlage. Voraussetzung ist, dass die 800-Watt-Einspeisegrenze und die IntelliGate-Kompatibilität geprüft sind.

Profil 4: Käufer, die auf langfristige Garantiesicherheit angewiesen sind

Für Bauherren, die eine Finanzierung über 20 bis 30 Jahre an eine werthaltige Herstellergarantie koppeln, ist von einem Kauf abzuraten: Die durchschnittliche Befriedigungsquote von 6,1 % bei Unternehmensinsolvenzen macht die zugesagte 25- bis 30-jährige Garantie faktisch wertlos.

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REDAKTION

Urik Muller

Senior Texter

Leidenschaftlich für Wärmepumpen