Das Wichtigste in Kürze
- Eine verschmutzte PV-Anlage verliert 5–20 % Jahresertrag, in Extremfällen (Vogelkot, Agrarstaub, Ammoniak) bis zu 30–40 %.
- Für typische Einfamilienhäuser in Deutschland lohnt sich eine professionelle Reinigung alle 2–5 Jahre – sinnvoll ab einem messbaren Ertragsverlust von ≥ 5–7 % pro Jahr.
- Kosten professioneller PV-Reinigung: 1–3 Euro/m², also ca. 50–180 Euro für eine 5–10 kWp Anlage.
- Sicher reinigen geht ausschließlich mit weichen Bürsten, Teleskopstange und entmineralisiertem Wasser – keine Hochdruckreiniger direkt am Modul, keine Haushaltsreiniger.
- PV-Module führen auch im ausgeschalteten Wechselrichter-Zustand bei Sonneneinstrahlung Gleichspannung bis 1.000 V. Dachanlagen sollten ausschließlich durch Fachbetriebe gereinigt werden.
- Saharastaub: Meist reicht abwarten auf den nächsten Regen. Nur bei hartnäckigem Film auf Flachdächern lohnt eine gezielte Reinigung.
- Landwirtschaftliche Betriebe mit Ammoniak-Belastung (Schweinehaltung) erreichen Ertragsverluste von 30–40 % – hier ist jährliche Reinigung wirtschaftlich zwingend.
Warum PV-Anlagen verschmutzen und was das kostet
Eine PV-Anlage produziert Strom nur so effizient, wie Sonnenlicht die Solarzellen erreicht. Jede Ablagerung auf dem Modulglas reduziert die Lichtdurchlässigkeit und damit den Ertrag. Dieser als Soiling bezeichnete Effekt ist einer der am häufigsten unterschätzten Ertragsminderungsfaktoren.
Die physikalische Ursache
Verschmutzungspartikel – Feinstaub, Pollen, Vogelkot, Ruß, Mineralsalze – lagern sich auf der Moduloberfläche ab. Tau und leichter Regen reichen oft nicht aus, um sie vollständig zu entfernen. Das Gegenteil tritt ein: Feuchtigkeit zementiert feinere Partikel auf dem Glas, erhöht ihre Adhäsion und macht sie hartnäckiger. Das Ergebnis ist eine diffuse Schicht, die das eintreffende Licht streut und teilweise absorbiert, statt es zu den Solarzellen durchzulassen.
Wie groß sind die Ertragsverluste wirklich?
| Umgebungstyp | Hauptverschmutzung | Typischer Ertragsverlust | Empfohlene Reinigungsfrequenz |
|---|
| Urban / Vorstädtisch | Verkehrsruß, Feinstaub, Industrie | 5–15 % | alle 2–3 Jahre |
| Ländlich / Agrarisch | Pollen, Erntestaub, Ammoniak | 15–40 % | jährlich |
| Küstennah | Salzkristalle, hohe Luftfeuchtigkeit | 10–20 % | alle 1–2 Jahre |
| Industrienähe | Schwefeldioxid, Ruß, Chemieemissionen | 15–25 % | jährlich |
| Flachdach (alle Lagen) | Staubakkumulation ohne Spülwirkung | 10–30 % | alle 1–2 Jahre |
Wichtiger Kontext: Geneigte Dachanlagen (ab ca. 15° Neigung) haben bei starkem Regen eine gewisse Selbstreinigungswirkung. Flachdächer profitieren kaum davon, weil Wasser steht und Schmutz nach dem Verdampfen als Rückstand verbleibt.
Messung des eigenen Ertragsverlusts
Der einfachste Weg: Monitoringdaten des Wechselrichters mit dem Solarkataster oder der Wetterdaten-Prognose vergleichen. Wenn der aktuelle Ertrag mehr als 5–7 % unter der Erwartung liegt und die letzten Tage sonnig waren, ist Verschmutzung die wahrscheinlichste Ursache.
Wann lohnt sich die PV-Reinigung wirtschaftlich?
$$ROI = \frac{(E_{gain} \times P_{energy}) - C_{cleaning}},{C_{cleaning}}$$
- $E_{gain}$ = zusätzlich produzierte kWh nach der Reinigung
- $P_{energy}$ = Energiewert (Eigenverbrauch: 36–40 Ct/kWh; Einspeisung: 7,78 Ct/kWh)
- $C_{cleaning}$ = Reinigungskosten
Der entscheidende Faktor: Der Energiewert einer zusätzlichen kWh aus der gereinigten Anlage hängt stark davon ab, ob der Strom selbst verbraucht oder eingespeist wird. Eigenverbrauchsstrom ist viermal wertvoller als eingespeister Strom.
Beispielrechnungen
Szenario 1: Normales EFH, 10 kWp, Ertrag 9.000 kWh/Jahr, 5 % Verlust durch Schmutz
- Entgangener Ertrag: 9.000 kWh × 5 % = 450 kWh/Jahr
- Wert bei 50 % Eigenverbrauch: (225 kWh × 38 Ct) + (225 kWh × 7,78 Ct) = 85,50 + 17,51 = 103 Euro/Jahr
- Reinigungskosten (50 m², 2 Euro/m²): 100 Euro
- Reinigung alle 2 Jahre: 50 Euro/Jahr
- Nettovorteil: ca. 53 Euro/Jahr – knapp positiv, aber Werterhalt mitgedacht sinnvoll
Szenario 2: EFH, 10 kWp, 80 % Eigenverbrauch (Wärmepumpe + E-Auto), 7 % Verlust
- Entgangener Ertrag: 9.000 × 7 % = 630 kWh/Jahr
- Wert bei 80 % Eigenverbrauch: (504 × 38 Ct) + (126 × 7,78 Ct) = 191,52 + 9,80 = 201 Euro/Jahr
- Reinigungskosten (50 m²): 100 Euro alle 2 Jahre = 50 Euro/Jahr
- Nettovorteil: ca. 151 Euro/Jahr – klar wirtschaftlich
Szenario 3: Schweinehaltungsbetrieb, 200 kWp, 35 % Verlust durch Ammoniak
- Entgangener Ertrag: 170.000 kWh × 35 % = 59.500 kWh/Jahr
- Wert bei hohem Eigenverbrauch (38 Ct): 22.610 Euro/Jahr
- Reinigungskosten (1.200 m², 1,50 Euro/m², 2 ×/Jahr): 3.600 Euro/Jahr
- Nettovorteil: ca. 19.010 Euro/Jahr – ROI über 500 %
Wann lohnt die Reinigung nicht?
- Geneigte Anlage (25°+) in regenreicher Region ohne lokale Sonderverschmutzung
- Jährlicher Ertragsverlust unter 3 %
- Günstiger Einspeisevergütung-Tarif als primäre Einnahmequelle (kein Eigenverbrauch)
Was kostet eine PV-Anlage reinigen zu lassen?
Marktpreise 2026
| Anlagengröße | Modulfläche ca. | Kostenbereich | Kalkulation |
|---|
| Kleinanlage 5 kWp | 25–30 m² | 50–90 Euro | Pauschal oder 1–3 Euro/m² |
| Einfamilienhaus 10 kWp | 50–60 m² | 100–180 Euro | 1–3 Euro/m² |
| Mittlere Anlage 20 kWp | 100–120 m² | 150–360 Euro | regionale Varianz |
| Gewerbe 30 kWp | 150–180 m² | 200–450 Euro | Skaleneffekte |
| Großanlage 100+ kWp | 600+ m² | 1,00–1,50 Euro/m² | Wartungsvertrag |
Der ADAC nennt konkrete Pauschalen: ca. 95 Euro bis 5 kWp und ca. 160 Euro bis 10 kWp, zuzüglich Anfahrtskosten.
Was den Preis beeinflusst
Erhöhend:
- Steiles Dach (über 35°): Absturzsicherung erforderlich
- Schwer zugänglich (hohes Gebäude, komplexe Dachgeometrie)
- Starke Verschmutzung (Ammoniak, Vogelkot, Industrieruß) – aufwendigere Reinigung
- Flachdach mit Ballastrierung – Umlaufen von Betonsteinen
Senkend:
- Wartungsvertrag (regelmäßige Wiederholung): oft 1,00–1,50 Euro/m²
- Einfach zugängliche Erdgeschoss- oder Garagendachanlagen
- Große zusammenhängende Flächen (Skaleneffekte)
Zusatzleistungen, die sich lohnen
Viele Fachbetriebe bieten eine Thermografieinspektion in Kombination mit der Reinigung an (ca. 100–300 Euro Aufpreis). Die Infrarotkamera zeigt Hotspots – lokale Überhitzungen durch Zell-Verschattung, defekte Bypass-Dioden oder Vogelkot-Punkte. Das ist die rentabelste Möglichkeit, Hotspots zu erkennen, bevor sie zu dauerhafter Zelldegradation führen.
Wie oft sollte man die PV-Anlage reinigen?
Die Faustregel nach Standort
Alle 2–5 Jahre: Geneigtes Dach (>15°), gemäßigtes Klima, kein landwirtschaftliches oder industrielles Umfeld. Der Regen übernimmt den Großteil der Reinigungsarbeit.
Jährlich: Flachdächer, landwirtschaftliche Betriebe, Standorte mit hoher Feinstaub-Belastung, Anlagen neben Straßen oder Industrieanlagen.
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2× jährlich: Schweinehaltung, Geflügelzucht, Küstenstandorte mit starker Salzgischt, Industriedächer mit aggressiven Emissionen.
Wann nach dem Kalender reinigen?
Der ertragreichste Zeitraum in Deutschland ist März bis September. Eine Reinigung vor der Hauptsaison – also Februar/März – maximiert den Return. Der zweite sinnvolle Zeitpunkt ist nach der Pollenzeit im Juni/Juli, wenn frische Ablagerungen vor dem Spätsommer entfernt werden.
Saharastaub: Reinigen oder abwarten?
Saharastaub-Ereignisse treten in Deutschland im Frühjahr durchschnittlich an 4 Tagen pro Monat auf, in Extremjahren bis zu 9 Tagen. Die PM₁₀-Konzentrationen können dabei fast 180 µg/m³ erreichen – das Vierfache des Jahresgrenzwerts.
Was tun nach einem Saharastaub-Ereignis?
Auf geneigten Dächern (>20°): Abwarten. Der nächste stärkere Regen wäscht den mineralischen Feinstaub in den meisten Fällen vollständig ab. Kein Handlungsbedarf.
Auf Flachdächern oder Anlagen mit geringer Neigung: Wenn nach dem Regen ein brauner, öliger Film verbleibt, lohnt eine gezielte Reinigung. Der Saharastaub enthält Tonminerale, die in Kombination mit Feuchtigkeit eine hartnäckige Paste bilden können.
Wann sich eine Reinigung nach Saharastaub nicht lohnt: Wenn die nächste Regenperiode in 1–2 Wochen kommt und die Anlage geneigt ist. Die Reinigungskosten übersteigen in diesem Fall fast immer den Mehrertrag.
Wie PV-Anlage reinigen: Methoden im Vergleich
Methode 1: Teleskopstange mit weicher Bürste (Standard für EFH)
Die sicherste und herstellerkonforme Methode für Eigenreinigung (soweit vom Boden aus erreichbar) oder professionelle Reinigung:
Equipment:
- Teleskopstange aus Carbon oder Hybrid-Material (Reichweite bis 14–20 m)
- Weicher Nylon-Bürstenkopf (kein Scheuermaterial)
- Entmineralisiertes Wasser (TDS 0 ppm, aus Umkehrosmose oder Mischbettharz-Anlage)
Vorgehen:
- 1. Fläche abschnittsweise mit entmineralisiertem Wasser benetzen
- 2. Mit leichtem Druck in einer Richtung (top-to-bottom) bürsten
- 3. Mit klarem entmineralisiertem Wasser nachspülen
- 4. Trocknen lassen ohne Tuch – entmineralisiertes Wasser hinterlässt keine Flecken
Warum entmineralisiertes Wasser Pflicht ist: Leitungswasser enthält Kalk (Calcium, Magnesium). Verdunstet es auf dem Modulgas, verbleiben weiße Mineralflecken, die das Licht reflektieren und die Effizienz nach der Reinigung sogar verschlechtern können. Entmineralisiertes Wasser hinterlässt keine Rückstände.
Methode 2: Wassergetriebene Rotationsbürste (Kärcher iSolar)
Systeme wie der Kärcher iSolar arbeiten mit einer wassergetriebenen Rotationsbürste, die durch den Wasserdruck des Reinigers angetrieben wird, aber auf der Moduloberfläche selbst im Niederdruckbereich arbeitet.
DLG-geprüfte Systeme dieser Art sind für PV-Module zugelassen, sofern sie als Gesamtsystem zertifiziert sind – nicht mit universellen Kärcher-Aufsätzen kombiniert.
Leistung: 100–300 m²/Stunde – deutlich schneller als manuelle Stangenbürsten.
Was niemals verwendet werden darf
| Methode / Material | Risiko |
|---|
| Hochdruckreiniger direkt am Modul (>35 bar) | Zerstört Dichtungen, Randbeschichtung, kann Glasbruch verursachen |
| Haushalts-Scheuermittel, Alkohol, Aceton | Greift Antireflexbeschichtung (ARC) an – irreversible Trübung |
| Stahlbürsten, Scheuerschwämme | Kratzer im Glas → permanente Lichtstreuung |
| Leitungswasser ohne Demineralisierung | Kalkflecken nach dem Trocknen |
| Reinigungskonzentrate ohne Herstellerfreigabe | Kann Garantie des Modulherstellers erlöschen lassen |
Methode 3: Reinigungsroboter (für Großanlagen)
Autonome Reinigungsroboter sind für Großanlagen ab ca. 100 kWp wirtschaftlich:
Vorteile:
- Bis zu 70 % weniger Wasserverbrauch gegenüber manueller Reinigung
- Konstanter Anpressdruck und Geschwindigkeit → reproduzierbares Ergebnis
- Bis zu 21 % schneller als manuelle Teams
- Reduziert Unfallrisiko (keine Personen auf dem Dach)
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Limitierungen:
- Wirtschaftlich nur ab sehr großen Flächen
- Begrenzt auf Neigungen bis ca. 25°
- Nicht geeignet bei Hindernissen oder unregelmäßiger Dachfläche
- Für typische EFH-Anlagen: Kosten übersteigen Nutzen klar
Sicherheit: Warum Dachanlagen nur Fachbetriebe reinigen sollten
Die Stromschlaggefahr ist real
PV-Module produzieren auch bei ausgeschaltetem Wechselrichter Gleichspannung, sobald Sonnenlicht auftrifft. Moderne Anlagen arbeiten mit DC-Spannungen von 600–1.000 V. In Reihe geschaltete Strings erreichen diese Werte auch bei bedecktem Himmel teilweise.
Die konkreten Risiken:
- Wasser auf unter Spannung stehenden Modulen kann als Leiter wirken
- Beschädigte Kabel, offene Anschlussdosen oder Glasrisse erhöhen das Risiko massiv
- Nasse Reinigungswerkzeuge können als Leiter zwischen Modul und Erde fungieren
Die fünf VDE-Sicherheitsregeln für Arbeiten an PV-Anlagen
| Regel | Maßnahme |
|---|
| 1. Freischalten | Allpoliges Trennen von spannungsführenden Teilen |
| 2. Gegen Wiedereinschalten sichern | Sicherung gegen versehentliches Einschalten |
| 3. Spannungsfreiheit feststellen | Prüfung mit Spannungsprüfer |
| 4. Erden und Kurzschließen | Restladungen sicher ableiten |
| 5. Benachbarte Teile abdecken | Physische Abschirmung unter Spannung stehender Bereiche |
Die Absturzgefahr
Nasse Dachoberflächen + Teleskopstange + Reinigungsmittelreste = stark erhöhtes Sturzrisiko. Professionelle Betriebe arbeiten mit:
- PSA gegen Absturz (Sicherheitsgeschirr, Auffangseile)
- Dachsicherungssystemen und Klettergerüst
- Isolierten, für Nassarbeit zugelassenen Werkzeugen
Empfehlung: Dachanlagen nur durch Fachbetriebe reinigen lassen. Eigenreinigung ist nur für bodennahe Anlagen (Carports, Balkonsysteme) oder Bereiche sinnvoll, die ohne Dachabstieg mit einer Stange vom Boden aus erreicht werden können.
Besonderheiten: Ammoniak und Landwirtschaft
Warum landwirtschaftliche PV-Anlagen eine Sonderbehandlung brauchen
In Ställen – besonders Schweine- und Rinderhaltung – entsteht bei der Zersetzung von Gülle und Mist Ammoniak (NH₃). Dieses Gas entweicht über Lüftungsanlagen und trifft auf die kühlere Oberfläche der PV-Module.
Der chemische Schadensmechanismus:
Warme, feuchte Ammoniakluft kondensiert auf dem Modul und bildet Ammoniumhydroxid – eine alkalische Lösung, die:
- Das Glas chemisch angreift
- Die Antireflexbeschichtung (ARC) irreversibel zerstört
- Als harter, gelblicher Belag trocknet, der schwer löslich ist
Das Ergebnis: Nicht nur Ertragsverlust durch die Ablagerung selbst, sondern dauerhafte chemische Eintrübung des Glases, die nicht mehr rückgängig zu machen ist.
Ertragsverluste und Reinigungsnutzen nach Tierhaltungstyp
| Tierhaltung | Hauptschadstoff | Ertragsverlust | Nettonutzen Reinigung (Beispiel) |
|---|
| Rind / Milchvieh | Staub, organische Filme, moderates NH₃ | 20–25 % | ca. 4.750 Euro/Jahr (100 kWp) |
| Schwein | Hohes NH₃, Feinstpartikel | 30–40 % | ca. 13.180 Euro/Jahr (200 kWp) |
| Geflügel | Federn, trockener Kot, Staub | 15–30 % | Hoch (variiert nach Lüftung) |
Wichtige Maßnahme für Landwirte: Ammoniak-Ablagerungen dürfen keinesfalls mit normalen Haushaltssäuren (Essig, Zitronensäure) behandelt werden – das Glas verträgt Säuren schlecht. Die Reinigung erfordert neutrales entmineralisiertes Wasser und mechanische Einwirkung durch weiche Bürsten. Bei hartnäckigen Ablagerungen: Fachreiniger mit speziellen, herstellerfreigegebenen pH-neutralen Produkten.
Herstellervorschriften und Garantiebedingungen
Große Modulhersteller (Jinko Solar, Trina Solar, First Solar, JA Solar) stellen explizite Reinigungshandbücher bereit. Die Einhaltung ist Voraussetzung für den Erhalt der Produktgarantie.
Universelle Herstelleranforderungen
Wasserdruck: Max. 35 bar an der Düse. Höherer Druck beschädigt Modulkantendichtungen und kann das Laminat aufbrechen.
Temperaturdifferenz: Das Reinigungswasser darf nicht mehr als 20 °C wärmer oder kälter als die Moduloberfläche sein. Grund: Thermischer Schock kann das Glas sprengen. In der Praxis: Reinigung in den frühen Morgenstunden oder am späten Nachmittag, wenn die Module noch nicht vollständig aufgeheizt oder bereits abgekühlt sind.
Kein Betreten der Module: Ausnahmslos verboten. Mikrorisse in Siliziumzellen entstehen ab ca. 25 kg Punktbelastung – mit bloßem Auge unsichtbar, langfristig als Hotspot sichtbar.
Chemische Reiniger: Nur pH-neutrale, vom Hersteller freigegebene Produkte. Keine Haushaltsreiniger, Lösungsmittel oder Scheuermittel.
Regulatorische Anforderungen und Versicherung
DIN EN 62446-2 (DIN VDE 0126-23-2)
Diese Norm definiert die Anforderungen für Wartung und Prüfung netzgekoppelter PV-Systeme:
- Dokumentationspflicht: Wartungsprotokoll mit Modulzustand, elektrischer Leistung, Reinigungshistorie
- Prüfintervalle Privatanlagen: Alle 2–4 Jahre umfassende Inspektion
- Prüfintervalle Gewerbe/Industrie: Jährlich oder halbjährlich für Sicherheits- und Versicherungsstandards
- DGUV Vorschrift 3: Für gewerbliche Betreiber ist die regelmäßige elektrische Prüfung gesetzliche Pflicht
Versicherungsrelevanz
PV-Versicherungen (egal ob Wohngebäudebaustein oder Spezialpolice) enthalten regelmäßig Obliegenheiten zur ordnungsgemäßen Instandhaltung:
- Vernachlässigung offensichtlicher Verschmutzungen, die zu Hotspots oder Feuchtigkeitsschäden führen, kann als grobe Fahrlässigkeit gewertet werden → Leistungskürzung im Schadensfall
- Ein Reinigungsprotokoll belegt im Schadensfall (Hagel, Sturm), dass die Anlage sich in einwandfreiem Zustand befand – das vereinfacht die Schadensabwicklung erheblich
- Strukturelle Korrosionsschäden durch Vernachlässigung können zur Betreiberhaftung gegenüber Dritten (herabfallende Module) führen
Saison- und Standortoptimierung: Wann maximal reinigen?
Zeitpunkt für maximalen ROI
Februar/März: Reinigung vor dem ertragreichen Sommerhalbjahr. Jede zurückgewonnene Leistungsprozent wirkt über die sonnenstärksten Monate Mai–August.
Juni/Juli: Reinigung nach der Pollenzeit. Birkenpollen + Feuchtigkeit bilden eine klebrige Schicht, die nicht durch Regen abgewaschen wird. Eine Reinigung nach dem Höhepunkt des Pollenfliegens restituiert die Leistung für die zweite Jahreshälfte.
Landwirtschaftliche Anlagen: Reinigung vor dem Winter – dann ist der Ammoniakbelag aus der Heizperiode (geschlossene Ställe, höhere NH₃-Konzentration) am höchsten, und die Anlage wird für die frühe Frühjahrssonne bereinigt.
Der dynamische Strompreis-Hebel
Wer einen dynamischen Stromtarif (z. B. aWattar, Tibber) nutzt, profitiert doppelt von einer sauberen Anlage:
An Tagen mit hohen Börsenpreisen – oft Morgen- und Abendspitzen – hat Eigenverbrauch einen Wert von 50–80 Ct/kWh statt der durchschnittlichen 36–40 Ct/kWh. Jede zusätzliche, durch Reinigung zurückgewonnene kWh in diesen Zeiten ist entsprechend mehr wert.
Konsequenz: Wer eine Wärmepumpe oder ein E-Auto hat und die Mehrproduktion direkt selbst verbraucht, maximiert den ROI der Reinigung überproportional.
Professionell reinigen lassen oder selbst machen?
Wann Eigenreinigung sinnvoll ist
- Balkonkraftwerk oder erdnahe Anlage (Carport, Garage) erreichbar vom Boden
- Teleskopstange von unten reicht ans Modul
- Entmineralisiertes Wasser vorhanden (Osmoseanlage, Apotheke, Baumarkt)
- Keine Dacharbeiten nötig
Wann Fachbetrieb zwingend ist
- Dachmontierte Anlage (Absturzgefahr)
- Steiles Dach (>20°)
- Verdacht auf Schäden (Glasrisse, beschädigte Kabel) → Stromschlaggefahr
- Ammoniak- oder Industrieverschmutzung (Spezialausrüstung nötig)
- Versicherungsnachweis für Wartungshistorie gewünscht
Häufige Fragen zur PV-Anlage reinigen
Muss man eine PV-Anlage überhaupt reinigen?
In Deutschland gibt es keine gesetzliche Reinigungspflicht. Wirtschaftlich sinnvoll ist die Reinigung ab einem messbaren Jahresverlust von ca. 5–7 %. Auf geneigten Dächern mit guten Regenereignissen kann der natürliche Selbstreinigungseffekt ausreichen.
Wie oft soll man PV-Anlage reinigen?
Alle 2–5 Jahre für typische EFH-Dachanlagen in Deutschland. Jährlich für Flachdächer, landwirtschaftliche Anlagen und Standorte mit hoher Partikelbelastung. Die Entscheidung sollte auf Monitoringdaten basieren, nicht auf starren Kalenderdaten.
Was kostet eine PV-Anlage reinigen zu lassen?
1–3 Euro/m² bei professionellen Betrieben. Für eine 10 kWp-Anlage (ca. 50 m² Modulfläche) sind 100–150 Euro realistisch. Dazu kommen Anfahrtskosten (je nach Region 30–80 Euro). Mit Thermografie-Check ca. 200–300 Euro Gesamtkosten.
Kann man PV-Module mit einem Kärcher reinigen?
Nur mit dem speziell für PV-Module entwickelten und DLG-geprüften Kärcher iSolar-System – nicht mit Standard-Hochdruckreinigern oder handelsüblichen Aufsätzen. Direkter Hochdruckstrahl über 35 bar beschädigt Dichtungen und Modulkanten.
Wie gefährlich ist das Reinigen einer PV-Anlage?
Sehr gefährlich ohne Fachkenntnis. PV-Module führen auch bei ausgeschaltetem Wechselrichter Gleichspannung bis zu 1.000 V bei Sonneneinstrahlung. Wasser auf beschädigten Modulen kann als Leiter wirken. Dazu kommt das Absturzrisiko auf nassen Dachflächen. Dachanlagen sollten ausschließlich durch Fachbetriebe gereinigt werden.
Lohnt sich Reinigen nach Saharastaub?
Auf geneigten Dächern: In der Regel nicht. Der nächste Starkregen entfernt mineralischen Saharastaub. Nur auf Flachdächern oder bei einem hartnäckigen öligen Film nach dem Ereignis: Gezielte Reinigung sinnvoll. Der Ertragsverlust durch Saharastaub ist meist zeitlich begrenzt und wird durch Regen beendet.
Welches Reinigungsmittel für PV-Anlage verwenden?
Grundsätzlich: nur entmineralisiertes Wasser (TDS 0 ppm) ohne Zusätze. Entmineralisiertes Wasser ist „ionenhungrig" und löst Schmutzpartikel effektiv ohne Tenside. Wenn Schmutz hartnäckig ist: nur vom Hersteller freigegebene, pH-neutrale Reiniger. Keine Haushaltsprodukte, kein Essig, keine Scheuermittel.
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