Das Wichtigste in Kürze
- Definition: Die hydraulische Weiche entkoppelt den Erzeugerkreis vom Verbraucherkreis einer Heizungsanlage über einen druckneutralen Bypass.
- Preis 2026: Das Bauteil kostet je nach Nennweite 212 bis rund 1.000 Euro, die meisten gelisteten Markenprodukte von Buderus, Viessmann und Vaillant liegen zwischen 212 und rund 540 Euro.
- Montage: Der Einbau kostet zusätzlich 130 bis 440 Euro bei einem SHK-Stundensatz von 65 bis 110 Euro.
- Wärmepumpe: Laut BDH-Infoblatt Nr. 37-1 (Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie, Juli 2025) ist die Weiche eine von mehreren gleichwertigen Optionen für den Mindestvolumenstrom, keine Pflichtkomponente.
- Zentraler Nachteil: Der Panscherei-Effekt bei falscher Dimensionierung kostet bis zu 91 Euro pro Jahr zusätzlich und drückt die Spreizung spürbar unter die empfohlenen 5 bis 7 Kelvin.
- Alternative: Ein ausreichend dimensionierter Pufferspeicher übernimmt dieselbe Entkopplungsfunktion.
- Einbaulage: Die Funktion ist lageunabhängig, die Praxis bevorzugt den senkrechten Einbau wegen Entlüftung und Schlammablass.
Was ist eine hydraulische Weiche und wie funktioniert sie?
Eine hydraulische Weiche ist ein Bauteil, das den Erzeugerkreis einer Heizungsanlage hydraulisch vom Verbraucherkreis entkoppelt und dadurch beide Kreise unabhängig voneinander mit unterschiedlichem Volumenstrom betreibt. Das Bauteil besteht aus einem senkrecht angeordneten Rohr oder Behälter mit mindestens vier Anschlussstutzen und einem deutlich größeren Innendurchmesser als die angeschlossenen Rohrleitungen. Diese Querschnittserweiterung reduziert die Strömungsgeschwindigkeit im Inneren der Weiche auf maximal 0,2 Meter pro Sekunde, wodurch zwischen den beiden Kreisen praktisch kein Differenzdruck mehr besteht.
Der Erzeugerkreis — bestehend aus Wärmeerzeuger und dessen Umwälzpumpe — fördert unabhängig vom Verbraucherkreis, der die Heizkreise mit Fußbodenheizung oder Heizkörpern versorgt. Fördert die Pumpe des Erzeugerkreises mehr Volumenstrom, als die Verbraucherseite abnimmt, entsteht ein Überschuss. Dieser Überschuss fließt innerhalb der Weiche vom Vorlauf direkt in den Rücklauf zurück, statt sich in den Heizkreisen zu stauen. Diese Bypass-Funktion unterscheidet die hydraulische Weiche vom Systemtrenner, der ausschließlich Sauerstoffdiffusion aus nicht-sauerstoffdichten Fußbodenheizungsrohren blockiert und keinen Volumenstromausgleich leistet.
Als Nebeneffekt der geringen Strömungsgeschwindigkeit setzen sich Schlammpartikel und Luftblasen im Inneren der Weiche ab, weshalb viele Bauformen zusätzlich einen Schlammabscheider und Mikroblasenabscheider integrieren.
Welche Bauarten und Typen hydraulischer Weichen gibt es?
Hydraulische Weichen unterscheiden sich vorrangig in der Anzahl ihrer Anschlussstutzen und ihrer Einsatzform: Typ I für den Mehrkesselbetrieb und Typ III für Standardanlagen mit einem Wärmeerzeuger.
Bauarten hydraulischer Weichen nach Stutzenzahl und Einsatzbereich.
Bauart | Anschlussstutzen | Einsatzbereich |
Typ I | 2 plus 4 Stutzen | Mehrkesselbetrieb mit mehreren Wärmeerzeugern |
Typ III | 2 plus 2 Stutzen, rund oder quadratisch | Betrieb an einem oder mehreren Heizkesseln, Standardfall im Einfamilienhaus |
Eine weitere Bauform ist die Verteilerweiche: Sie kombiniert Verteiler und Weiche in einem Bauteil mit individuellen Zu- und Abgängen je Temperaturschicht und ersetzt damit zwei separate Komponenten. Praktisch jeder Pufferspeicher lässt sich ebenfalls als hydraulische Weiche betreiben, sofern Stutzenabstand und Durchmesser den gleichen Auslegungskriterien folgen.
Wie wird eine hydraulische Weiche bei 2 oder 3 Heizkreisen ausgelegt?
Bei 2 oder 3 Heizkreisen mit unterschiedlichen Vorlauftemperaturen bemisst sich die Weiche nach dem größten gleichzeitig auftretenden Gesamtvolumenstrom aller angeschlossenen Kreise, nicht nach der Summe ihrer Einzelmaxima. Im Referenz-Szenario eines teilsanierten Einfamilienhauses mit 12 Kilowatt Heizlast versorgt ein Kreis die Fußbodenheizung mit 30 Grad Celsius Vorlauf, ein zweiter Kreis die Heizkörper im unsanierten Obergeschoss mit 45 Grad Celsius Vorlauf.
Jeder Heizkreis benötigt aufgrund seiner unterschiedlichen Spreizung einen eigenen Volumenstrom: Der Niedertemperaturkreis mit kleiner Spreizung braucht bei gleicher Leistung einen höheren Volumenstrom als der Heizkörperkreis mit größerer Spreizung. Die Weiche gleicht diese Differenz zwischen der Pumpenleistung des Erzeugerkreises und der Summe der tatsächlich abgenommenen Volumenströme beider Verbraucherkreise aus, ohne dass sich die Kreise gegenseitig beeinflussen. Bei drei Heizkreisen — etwa mit einem zusätzlichen Warmwasser-Ladekreis — gilt dieselbe Logik: Die Weiche wird auf den höchsten gleichzeitigen Summenvolumenstrom aller drei Kreise dimensioniert.
Kann ein Pufferspeicher die hydraulische Weiche ersetzen?
Ein ausreichend dimensionierter Pufferspeicher übernimmt die Entkopplungsfunktion einer hydraulischen Weiche vollständig, wenn seine Anschlussstutzen dieselben Abstands- und Durchmesserkriterien erfüllen wie eine eigenständige Weiche. Diese funktionale Gleichwertigkeit dokumentiert die Fachzeitschrift IKZ Haustechnik bereits seit 2004.
Für den Betrieb an einer
Wärmepumpe ist zusätzlich die Mindestlaufzeit des Verdichters relevant:
Ein Scrollverdichter benötigt ein Speichervolumen für mindestens
1 Minute Laufzeit, ein Schraubenverdichter für mindestens
2,5 Minuten. Ein
Parallelspeicher ist ein kleiner Pufferspeicher, der parallel statt in Reihe zum Erzeugerkreis geschaltet wird. Ist er mit nur rund 20 Litern Volumen zu klein dimensioniert, wirkt er laut dem Gebäudeforum klimaneutral der dena (Deutsche Energie-Agentur) ähnlich problematisch wie eine falsch ausgelegte Weiche und begünstigt denselben Panscherei-Effekt. Die Wahl zwischen separater Weiche und kombiniertem Pufferspeicher hängt daher primär davon ab, ob ein Warmwasserspeicher ohnehin geplant ist — dann übernimmt er die Doppelfunktion ohne zusätzliches Bauteil.
Wie viel kostet eine hydraulische Weiche inklusive Einbau?
Eine hydraulische Weiche kostet als Bauteil zwischen 212 und rund 1.000 Euro, die Montage durch einen Fachbetrieb kommt mit 130 bis 440 Euro hinzu.
Kostenaufschlüsselung für den Einbau einer hydraulischen Weiche im Einfamilienhaus.
Kostenposition | Betrag |
Bauteil DN25 (Standard-Einfamilienhaus) | 212 – 600 Euro |
Bauteil DN32 – DN50 (größere Anlage) | 256 – 997 Euro |
Montage (2–4 Stunden à 65–110 Euro) | 130 – 440 Euro |
Optional: hydraulischer Abgleich der Gesamtanlage (Verfahren B) | 400 – 1.500 Euro |
Gesamt Bauteil (DN25) + Montage, ohne Abgleich | 342 – 1.040 Euro |
Beispiel: Referenz-Einfamilienhaus mit DN25-Weiche
Gegeben: Bauteil 300,90 Euro (Buderus WHY 80/60), Montagezeit 3 Stunden, regionaler Stundensatz 90 Euro (München, Standardsatz).
Berechnung: 300,90 € Bauteil + 3 Std. × 90 €/Std. = 300,90 € + 270 €
Ergebnis: 570,90 Euro Gesamtkosten für Bauteil und Einbau, ohne separaten hydraulischen Abgleich.
Der hydraulische Abgleich der gesamten Heizungsanlage ist eine eigenständige, ergänzende Maßnahme und keine Alternative zur Weiche: Er kostet für ein Einfamilienhaus beim
Verfahren B mit schriftlicher Dokumentation zusätzlich
400 bis 1.500 Euro und ist zwingende Voraussetzung für eine BAFA-Förderung.
Wie wird eine hydraulische Weiche dimensioniert und berechnet?
Die Dimensionierung einer hydraulischen Weiche berechnet den Mindestdurchmesser aus dem maximalen Volumenstrom der Anlage, begrenzt auf eine Innengeschwindigkeit von 0,2 Meter pro Sekunde. Grundlage ist die Kreisflächenformel, wie sie das Fachmedium Haustec.de als Praxis-Dimensionierung heranzieht.
d = √(4 · V ÷ (π · v))
- d = erforderlicher Innendurchmesser der Weiche in Metern
- V = maximaler Volumenstrom der Anlage in Kubikmetern pro Sekunde
- v = maximale Innengeschwindigkeit, 0,2 Meter pro Sekunde
Der benötigte Volumenstrom selbst ergibt sich aus Heizlast und Spreizung des Erzeugerkreises:
V̇ = Q × 0,86 ÷ ΔT
- V̇ = Volumenstrom in Litern pro Stunde
- Q = Heizleistung in Watt
- ΔT = Spreizung zwischen Vor- und Rücklauf in Kelvin
Beispiel: Referenz-Einfamilienhaus, Wärmepumpen-Erzeugerkreis
Gegeben: Heizlast 12.000 Watt, Spreizung 5 Kelvin (unterer Wert des empfohlenen Zielkorridors).
Berechnung: V̇ = 12.000 W × 0,86 ÷ 5 K = 2.064 l/h, umgerechnet 0,000573 m³/s. d = √(4 × 0,000573 ÷ (3,14159 × 0,2)) = √0,00365
Ergebnis: Ein Mindestinnendurchmesser von rund 6,0 Zentimetern, vergleichbar mit dem von Haustec.de dokumentierten Referenzbeispiel von 6,5 Zentimetern bei 2.400 Litern pro Stunde.
Für die Anschlussstutzen selbst gilt eine höhere Zielgeschwindigkeit von 0,7 bis 1,2 Meter pro Sekunde, da hier — anders als im Weichenkörper — kein Druckausgleich, sondern ein effizienter Anschlussquerschnitt im Vordergrund steht.
Wie schließt man eine hydraulische Weiche richtig an?
Der korrekte Anschluss einer hydraulischen Weiche verbindet Erzeugerkreis und Verbraucherkreis über jeweils zwei gegenüberliegende Stutzenpaare und hält dabei einen definierten Mindestabstand zwischen den Anschlüssen ein.
Schritt 1: Stutzenabstand einhalten
Bei großen Anlagenleistungen beträgt der Mindestabstand zwischen den Anschlussstutzen das 2,5-fache des Anschlussdurchmessers, bei kleineren Leistungen das 10-fache der Anschlussnennweite. Ein zu geringer Abstand verhindert die vollständige Druckentkopplung und begünstigt den Panscherei-Effekt.
Schritt 2: Erzeuger- und Verbraucherkreis zuordnen
Der Erzeugerkreis mit Wärmeerzeuger und Umwälzpumpe wird an ein Stutzenpaar angeschlossen, der oder die Verbraucherkreise mit den Heizkreisen an das gegenüberliegende Paar. Jeder zusätzliche Heizkreis bei 2 oder 3 Heizkreisen erhält ein eigenes Stutzenpaar mit eigener Umwälzpumpe.
Schritt 3: Entlüfter und Schlammablass positionieren
Beim praxisüblichen senkrechten Einbau sitzt der Entlüfter am oberen Ende der Weiche, der Schlammablass am unteren Ende — beide nutzen damit die physikalische Auftriebs- beziehungsweise Sinkrichtung von Luft und Schlammpartikeln.
Braucht eine Wärmepumpe eine hydraulische Weiche?
Eine Wärmepumpe benötigt keine hydraulische Weiche als zwingende Komponente, sondern einen sichergestellten Mindestvolumenstrom im Erzeugerkreis — die Weiche ist dafür eine von mehreren technischen Lösungen.
Laut dem
BDH-Infoblatt Nr. 37-1 vom Juli 2025 lässt sich der Mindestvolumenstrom durch den Einbau einer hydraulischen Weiche, eines Pufferspeichers oder durch eine ausreichend große Gebäude-Teilfläche mit entsprechendem Wasserinhalt sicherstellen. Fehlt eine dieser Maßnahmen, sinkt der Volumenstrom im Erzeugerkreis unter das Minimum. Die Rücklauftemperatur der Wärmepumpe steigt dann durch verstärkte Beimischung schnell an. Das führt laut dem Gebäudeforum klimaneutral der dena zu
kürzeren Wärmepumpen-Laufzeiten und häufigerem Takten. Ein zu hoher Volumenstrom im Heizkreis führt umgekehrt zu unerwünschter Rücklaufbeimischung und senkt die Vorlauftemperatur.
Für die Effizienz der Wärmepumpe zählt vor allem die Spreizung zwischen Vor- und Rücklauf: Der Bundesverband Wärmepumpe nennt einen Zielkorridor von 5 bis 7 Kelvin für den optimalen COP. Bei falsch dimensionierter Hydraulik sinkt diese Spreizung spürbar unter diesen Zielkorridor. Diese Einordnung ersetzt die frühere, pauschale Sichtweise der Weiche als Pflichtbauteil bei jeder Wärmepumpen-Installation durch eine differenzierte, fallbezogene Betrachtung.
Welche Nachteile und Risiken hat eine hydraulische Weiche?
Der zentrale Nachteil einer hydraulischen Weiche ist der Panscherei-Effekt: Bei überdimensioniertem Erzeugerkreis vermischt sich warmes Vorlaufwasser ungenutzt mit kühlerem Rücklaufwasser und senkt dadurch messbar die Anlageneffizienz.
Fehler 1: Überdimensionierter Erzeugerkreis
Symptom: Der Erzeugerkreis fördert mehr Volumenstrom, als die Verbraucherseite abnimmt. Folge: Ein Teil des warmen Vorlaufs strömt direkt in den Rücklauf zurück und senkt die Vorlauftemperatur um bis zu 3 Grad Celsius, was bei einem Jahreswärmebedarf von 18.000 Kilowattstunden laut Kesselheld.de zu rund 91 Euro Mehrkosten pro Jahr führt. Prävention: Die Umwälzpumpe des Erzeugerkreises wird exakt auf den Summenvolumenstrom der Verbraucherkreise abgestimmt, nicht großzügig überdimensioniert.
Fehler 2: Zu geringer Stutzenabstand
Symptom: Die Anschlussstutzen liegen näher beieinander als das 2,5-fache des Durchmessers beziehungsweise das 10-fache der Nennweite. Folge: Die Druckentkopplung zwischen Erzeuger- und Verbraucherkreis bleibt unvollständig, wodurch die Spreizung spürbar unter die empfohlenen 5 bis 7 Kelvin sinkt. Prävention: Der Fachbetrieb hält die Mindestabstände aus der Dimensionierungsformel bei der Montage konsequent ein.
Fehler 3: Fehlender oder zu kleiner Mindestvolumenstrom bei Wärmepumpen
Symptom: Die Weiche ist zu klein dimensioniert oder ein alternativer Pufferspeicher unterschreitet die verdichterspezifische Mindestlaufzeit von 1 bis 2,5 Minuten. Folge: Die Wärmepumpe taktet häufiger, was die Lebensdauer des Verdichters verkürzt. Prävention: Die Dimensionierung erfolgt nach der Formel d = √(4 · V ÷ (π · v)) auf Basis des tatsächlichen Anlagenvolumenstroms, nicht nach Pauschalwerten.
Welche hydraulischen Weichen bieten Buderus, Viessmann und Vaillant an?
Die etablierten Hersteller Buderus, Viessmann und Vaillant bieten hydraulische Weichen in mehreren Volumenstromklassen zwischen 2 und 8 Kubikmetern pro Stunde an.
Modellvergleich hydraulischer Weichen von
Buderus, Viessmann und Vaillant nach Volumenstrom und Preis, Stand 2026.
Hersteller / Modell | Volumenstrom | Nennweite / Maße | Preis |
Buderus WHY 80/60 | max. 2.500 l/h (2,5 m³/h) | DN25 | 300,90 € (UVP 583,10 €) |
Buderus WHY 120/80 | max. 5.000 l/h (5,0 m³/h) | DN32 | Herstellerangabe ohne Endpreis |
Viessmann Divicon 7460649 | bis 4,5 m³/h | — | 241,80 € (UVP 402,22 €) |
Vaillant WH 27 | 2 m³/h | — | 212,65 € |
Vaillant WH 40 | 3,5 m³/h | 500 × 115 mm, 5,8 kg | 309,80 € (UVP 541,45 €) |
Vaillant WH 95 | 8 m³/h | — | ab 429,70 € |
Für das Referenz-Einfamilienhaus mit 12 Kilowatt Heizlast und rund 2.064 Litern pro Stunde Volumenstrom deckt bereits die kleinste ausreichend dimensionierte Modellklasse aller drei Hersteller — Buderus WHY 80/60, Viessmann Divicon 7460649 oder Vaillant WH 40 — den Bedarf mit ausreichender Reserve ab; die kleinste Vaillant-Baureihe WH 27 liegt mit 2.000 Litern pro Stunde knapp unter dem errechneten Bedarf und reicht für dieses Szenario nicht aus.
Muss die hydraulische Weiche senkrecht eingebaut werden?
Die Kernfunktion einer hydraulischen Weiche arbeitet unabhängig von der Einbaulage, der senkrechte Einbau ist in der Praxis dennoch die empfohlene Standardlösung.
Die Fachmedien Haustec.de und IKZ stellen klar, dass der Betrieb einer hydraulischen Weiche funktional nicht davon abhängt, ob sie senkrecht oder waagerecht installiert wird — die Druckentkopplung zwischen Erzeuger- und Verbraucherkreis bleibt in beiden Lagen erhalten. In der Praxis wird die Weiche dennoch überwiegend senkrecht montiert, weil diese Ausrichtung die Entlüftung am oberen Ende und den Schlammablass am unteren Ende jeweils an der physikalisch günstigsten Position platziert. Bei beengten Platzverhältnissen im Heizungsraum ist eine waagerechte Montage technisch möglich, verlangt aber einen zusätzlichen, separat positionierten Entlüfter und Schlammabscheider, um denselben Reinigungseffekt zu erreichen.
Was sagen Fachverbände zur hydraulischen Weiche bei modernen Wärmepumpen?
Der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) stuft die hydraulische Weiche in seinem Infoblatt Nr. 37-1 vom Juli 2025 als eine von mehreren gleichwertigen technischen Lösungen ein, nicht als zwingende Alleinlösung für den Betrieb moderner Wärmepumpen.
Diese Einordnung widerspricht der in Foren verbreiteten Position, moderne drehzahlgeregelte Wärmepumpen benötigten grundsätzlich keine hydraulische Entkopplung mehr. Nach der BDH-Position bleibt die Sicherstellung des Mindestvolumenstroms im Erzeugerkreis auch bei drehzahlgeregelten Geräten erforderlich — offen ist demnach nicht das Ob, sondern das Wie: über eine hydraulische Weiche, einen Pufferspeicher oder eine ausreichend große Gebäude-Teilfläche mit entsprechendem Wasserinhalt. Das Gebäudeforum klimaneutral der dena ergänzt diese Einordnung: Auch scheinbar harmlose Parallelspeicher mit nur rund 20 Litern Volumen lösen dieselbe Panscherei-Problematik aus wie eine falsch dimensionierte Weiche.
Wie entwickelt sich der Einsatz hydraulischer Weichen bei drehzahlgeregelten Wärmepumpen?
Der Einsatz hydraulischer Weichen verschiebt sich von einer pauschalen Standardlösung hin zu einer fallbezogenen Entscheidung, die von der tatsächlichen Mindestlaufzeit des jeweiligen Verdichters abhängt.
Drehzahlgeregelte Wärmepumpen mit Scrollverdichtern benötigen laut Herstellerangaben nur eine Mindestlaufzeit von 1 Minute, wodurch sich der erforderliche Ausgleichsvolumenstrom gegenüber älteren Ein-/Aus-Verdichtern reduziert. Bei Anlagen mit ausreichend großer beheizter Gebäude-Teilfläche lässt sich der Mindestvolumenstrom dadurch zunehmend ohne separates Ausgleichsbauteil sicherstellen — eine Option, die der BDH seit Juli 2025 explizit als gleichwertig zur Weiche nennt. Für Anlagen mit kleiner beheizter Fläche, mehreren Heizkreisen unterschiedlicher Vorlauftemperatur oder Schraubenverdichtern mit 2,5 Minuten Mindestlaufzeit bleibt die hydraulische Weiche oder ein entsprechend dimensionierter Pufferspeicher weiterhin die technisch notwendige Lösung.
Häufige Fragen zu hydraulischen Weichen
Ist eine hydraulische Weiche bei einer Wärmepumpe gesetzlich vorgeschrieben?
Nein, eine hydraulische Weiche ist keine gesetzliche Pflichtkomponente. Der BDH benennt sie im Infoblatt Nr. 37-1 (Juli 2025) als eine von mehreren gleichwertigen Optionen neben Pufferspeicher und ausreichender Gebäude-Teilfläche zur Sicherstellung des Mindestvolumenstroms.
Was kostet der Einbau einer hydraulischen Weiche insgesamt?
Bauteil und Montage zusammen kosten für ein Einfamilienhaus zwischen 342 und 1.040 Euro, abhängig von Nennweite und regionalem Handwerker-Stundensatz zwischen 65 und 110 Euro.
Wie unterscheidet sich eine hydraulische Weiche von einem Systemtrenner?
Die Weiche gleicht Volumenströme zwischen Erzeuger- und Verbraucherkreis aus, ein Systemtrenner blockiert dagegen ausschließlich Sauerstoffdiffusion aus nicht-sauerstoffdichten Fußbodenheizungsrohren — beide Bauteile erfüllen unterschiedliche Funktionen und ersetzen sich nicht gegenseitig.
Welche Nennweite braucht eine hydraulische Weiche für ein Einfamilienhaus?
Für ein Einfamilienhaus mit rund 12 Kilowatt Heizlast reicht eine Weiche der Nennweite DN25 mit einem Volumenstrom von bis zu 2.500 Litern pro Stunde, wie das Modell Buderus WHY 80/60 zeigt.
Kann ein Pufferspeicher die hydraulische Weiche komplett ersetzen?
Ja, ein Pufferspeicher übernimmt die Entkopplungsfunktion vollständig, wenn seine Anschlussstutzen dieselben Abstands- und Durchmesserkriterien erfüllen wie eine eigenständige Weiche und sein Volumen die verdichterspezifische Mindestlaufzeit von 1 bis 2,5 Minuten abdeckt.
Was ist der Panscherei-Effekt?
Der Panscherei-Effekt bezeichnet die ungewollte Vermischung von warmem Vorlauf- und kühlerem Rücklaufwasser bei überdimensioniertem Erzeugerkreis, die die Vorlauftemperatur um bis zu 3 Grad Celsius senkt und bei 18.000 Kilowattstunden Jahresbedarf rund 91 Euro Mehrkosten verursacht.
Muss die hydraulische Weiche senkrecht montiert werden?
Funktional nicht: Die Druckentkopplung arbeitet unabhängig von der Einbaulage. Die Praxis bevorzugt dennoch die senkrechte Montage, weil sie Entlüfter oben und Schlammablass unten an der physikalisch günstigsten Position platziert.
Für wen lohnt sich eine hydraulische Weiche?
Eine hydraulische Weiche lohnt sich für Anlagen mit mehreren Heizkreisen unterschiedlicher Vorlauftemperatur oder mit Wärmepumpen, deren Mindestvolumenstrom nicht anderweitig sichergestellt ist — für Ein-Kreis-Anlagen mit ausreichend großer Gebäudefläche ist sie dagegen keine zwingende Voraussetzung.
Profil 1: Sanierter Altbau mit 2 oder 3 Heizkreisen unterschiedlicher Temperatur
Fußbodenheizung und
Heizkörper an einer gemeinsamen Wärmepumpe benötigen wie im
Referenz-Szenario unterschiedliche Volumenströme bei 30 und 45 Grad Celsius Vorlauf. Eine Weiche der Nennweite DN25 für rund 300 bis 600 Euro inklusive Montage stellt hier die zuverlässigste Entkopplung sicher.
Profil 2: Neubau mit einer großen, durchgehenden Fußbodenheizungsfläche
Bei einem einzigen Heizkreis mit ausreichend großer beheizter Fläche und einer Wärmepumpe mit Scrollverdichter — Mindestlaufzeit 1 Minute — lässt sich der Mindestvolumenstrom laut BDH-Infoblatt Nr. 37-1 auch ohne separate Weiche sicherstellen. Die Investition von mindestens 342 Euro entfällt.
Profil 3: Bestandsgebäude mit ohnehin geplantem Pufferspeicher
Ein bereits für die Warmwasserbereitung vorgesehener Pufferspeicher übernimmt bei korrekt dimensionierten Anschlussstutzen die Weichenfunktion mit, sodass ein zusätzliches Bauteil überflüssig wird.
Profil 4: Mehrkesselanlage oder Kombination aus Öl-/Gaskessel und Wärmepumpe
Beim Betrieb mehrerer Wärmeerzeuger an einer Anlage ist eine Weiche vom Typ I mit 2 plus 4 Stutzen technisch erforderlich, um jeden Erzeuger unabhängig zu- und abschalten zu können, ohne die anderen Kreise hydraulisch zu stören.