Wärmepumpe

Wärmepumpe Heizkörper 2026: Niedertemperatur-Systeme Altbau

Von Urik Muller
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Das Wichtigste in Kürze:
  • Exponentieller Leistungsabfall: Klassische Radiatoren erreichen bei 35°C Vorlauf nur 30-40% Nennleistung – Niedertemperatur-Heizkörper liefern 50-70% durch vergrößerte Heizflächen
  • JAZ-Impact dramatisch: Vorlauftemperatur-Absenkung von 55°C auf 40°C verbessert Jahresarbeitszahl von 3,5 auf 4,0 (+14%) – weitere Reduktion auf 35°C erreicht JAZ 4,8 (+37%)
  • Typ-33 Kompromiss möglich: Bestehende Plattenheizkörper mit Vergrößerung ermöglichen 45-50°C Vorlauf für JAZ 3,5-3,8 – vermeidet 4.000-12.000 EUR Komplett-Austausch
  • Gebläse-Heizkörper Revolution: Aktive Konvektion steigert Leistung um 40-60% bei identischen Temperaturen – ermöglicht 35°C Vorlauf in unsanierten Altbauten
  • Selektiver Austausch optimal: Erneuerung nur kritischer 3-5 Heizkörper senkt Vorlauf von 52°C auf 42°C für 2.000-4.000 EUR – Amortisation 5-7 Jahre
  • KfW-Förderung 30-70%: Heizkörper als Umfeldmaßnahme bei Wärmepumpen-Einbau förderfähig – maximale Quote 70% (Grund 30% + Geschwindigkeit 20% + Einkommen 30%)
  • Stromkosten-Ersparnis: 10 Kelvin niedrigere Vorlauftemperatur spart 400-800 EUR jährlich bei 20.000 kWh Heizwärmebedarf
Heizkörper bestimmen die Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpen in Bestandsgebäuden mindestens ebenso entscheidend wie Wärmepumpen-Qualität oder Gebäudedämmung. Die thermodynamische Realität zeigt: Klassische Radiatoren verlieren exponentiell Heizleistung bei sinkender Vorlauftemperatur – bei 35°C verbleiben nur 30-40% der Nennleistung gegenüber 75°C Auslegung. Moderne Niedertemperatur-Heizkörper mit vergrößerten Heizflächen, optimierter Lamellengeometrie und optional aktiver Konvektion durchbrechen diese Limitierung. Die richtige Heizkörper-Auswahl ermöglicht Vorlauftemperaturen von 35-45°C statt 50-60°C für Jahresarbeitszahlen von 4,0-4,8 statt 3,0-3,5 – die Differenz entspricht 400-800 EUR jährlicher Stromkosten-Ersparnis bei typischem Einfamilienhaus.

Warum bestimmen Heizkörper die Wärmepumpen-Effizienz?

Die Wärmeleistung von Radiatoren folgt keiner linearen Abhängigkeit zur Temperaturdifferenz, sondern einer exponentiellen Potenzbeziehung mit dramatischen Konsequenzen für Niedertemperatur-Betrieb.

Exponentieller Leistungsabfall: Die thermodynamische Realität

Die physikalische Leistungsformel für Heizkörper beschreibt Leistung als Pneu=Pnominal×(ΔTneuΔTnominal)nP_{neu} = P_{nominal} imes (\frac{\Delta T_{neu}},{\Delta T_{nominal}})^{n} Pneu=Pnominal×(ΔTnominalΔTneu)n mit Heizflächenexponent n von 1,25-1,35. Diese Potenzbeziehung erzeugt exponentiellen Leistungsabfall bei sinkenden Temperaturen.
Praxis-Beispiel Typ-33 Plattenheizkörper:
Ein Standard-Heizkörper mit 2.000 Watt Nennleistung bei 75/55/20°C (Vorlauf/Rücklauf/Raum) erreicht logarithmische Übertemperatur von 47,5 K. Die Absenkung auf 45/35/20°C reduziert Übertemperatur auf 30 K – Leistung sinkt auf 1.200 Watt (60% Nennleistung). Bei 35/30/20°C verbleiben nur 700 Watt oder 35% der Normleistung.
Leistungs-Entwicklung nach Vorlauftemperatur:
VorlauftemperaturRücklaufÜbertemperaturLeistung% Nennleistung
75°C (Norm)55°C47,5 K2.000 W100%
55°C (Standard-Gas)45°C30,0 K1.200 W60%
45°C (WP-Optimiert)35°C22,5 K920 W46%
35°C (Niedertemperatur)30°C15,0 K700 W35%
Der exponentielle Abfall resultiert aus physikalischen Mechanismen der Wärmeübertragung:
1. Natürliche Konvektion:
  • Thermischer Auftrieb erwärmter Luft proportional zu Temperaturdifferenz
  • Luftgeschwindigkeit steigt mit √ΔT (Quadratwurzel)
  • Wärmeübertragung linear zur Luftgeschwindigkeit
  • Resultierende Leistung skaliert mit ΔT^1,25
2. Strahlungswärme:
  • Stefan-Boltzmann-Gesetz: Abstrahlung proportional T^4
  • Effektive Strahlung proportional ΔT^1,33
  • Bei niedrigen Temperaturen <40°C dominiert Konvektion
3. Kombinierte Wirkung:
  • Gesamtexponent 1,28-1,32 für Plattenheizkörper
  • Konvektion 60-70% Anteil, Strahlung 30-40% bei Niedertemperatur

JAZ-Verbesserung durch niedrige Vorlauftemperatur

Die Carnot-Leistungszahl definiert theoretisches Maximum als COPCarnot=TSenkeTSenkeTQuelleCOP_{Carnot} = \frac{T_{Senke}},{T_{Senke} - T_{Quelle}} COPCarnot=TSenkeTQuelleTSenke (Temperaturen in Kelvin). Reale Wärmepumpen erreichen 50-65% dieses theoretischen Werts – die Absenkung der Vorlauftemperatur verbessert beide Faktoren.
Thermodynamische JAZ-Entwicklung:
VorlauftemperaturCarnot-COP (bei 7°C außen)Realer COPJAZ (Praxis)Steigerung
55°C6,43,5-4,03,5Basis
45°C7,24,0-4,54,0+14%
40°C7,74,2-4,84,3+23%
35°C8,64,5-5,24,8+37%
Stromkosten-Impact bei 20.000 kWh Heizwärmebedarf:
  • 55°C Vorlauf (JAZ 3,5): 5.714 kWh Strom × 0,32 EUR/kWh = 1.829 EUR/Jahr
  • 45°C Vorlauf (JAZ 4,0): 5.000 kWh Strom × 0,32 EUR/kWh = 1.600 EUR/Jahr → 229 EUR Ersparnis
  • 35°C Vorlauf (JAZ 4,8): 4.167 kWh Strom × 0,32 EUR/kWh = 1.333 EUR/Jahr → 496 EUR Ersparnis
Faustformel: Jedes Kelvin niedrigere Vorlauftemperatur verbessert JAZ um 2,5-3,0% durch reduzierten Kondensationsdruck im Kältekreislauf.

Kritische Temperaturschwellen für Wirtschaftlichkeit

Sweet-Spots nach Gebäudetyp:
  • Neubauten KfW40 + Fußbodenheizung: 30-35°C Vorlauf → JAZ 4,5-5,2
  • Sanierte Altbauten + NT-Heizkörper: 40-45°C Vorlauf → JAZ 3,8-4,2
  • Teilsanierte Bestände + Typ-33 oversized: 45-50°C Vorlauf → JAZ 3,5-3,8
  • Unsanierte Altbauten + Standard-Heizkörper: 50-55°C Vorlauf → JAZ 3,0-3,5
Unwirtschaftlichkeits-Grenze: Dauerhafte Vorlauftemperatur >55°C mit JAZ <3,0 – Wärmepumpe verliert Kostenvorteile gegenüber Gasheizung (Arbeitspreis Gas 0,10 EUR/kWh versus Strom 0,32 EUR/kWh erfordert JAZ >3,2 für Wirtschaftlichkeit).

Welche Heizkörper-Technologien eignen sich für Wärmepumpen?

Drei grundsätzliche Ansätze kompensieren exponentiellen Leistungsabfall bei Niedertemperatur: Flächenvergrößerung, Durchströmungs-Optimierung und aktive Konvektion.

Passive Niedertemperatur-Heizkörper: Typ-33 und Flächenvergrößerung

Die Typ-Bezeichnung kodiert Konstruktion: Erste Ziffer = Anzahl wasserführender Platten, zweite Ziffer = Anzahl Konvektionsbleche zwischen Platten.
Typ-Vergleich bei identischen Abmessungen (600×1400 mm):
Heizkörper-TypPlatten/BlecheBautiefeLeistung 75/55/20Leistung 45/35/20Leistung 35/30/20
Typ 111 Platte + 1 Blech63 mm900 W540 W (60%)315 W (35%)
Typ 222 Platten + 2 Bleche102 mm1.500 W900 W (60%)525 W (35%)
Typ 333 Platten + 3 Bleche155 mm2.400 W1.440 W (60%)840 W (35%)
Typ-33 Vorteile:
  • 60-80% höhere Leistung versus Typ-22 bei gleicher Frontfläche
  • Maximale Nutzung beschränkter Wandflächen
  • Kosten nur 15-25% höher als Typ-22
Typ-33 Nachteile:
  • Bautiefe 155 mm versus 102 mm (Typ-22) – Nischen-Limitierung
  • Höherer Wasserinhalt (12-18 Liter versus 6-10 Liter) erhöht Speichermasse
  • Reinigung zwischen Platten erschwert
Dimensionierungsregel Wärmepumpen-Betrieb:
Heizfläche 50-100% vergrößern gegenüber Gasheizungs-Auslegung (75/55/20°C). Wohnzimmer mit 3.000 Watt Heizlast benötigt:
  • Bei 55°C Vorlauf: Typ-22 600×2000 mm (2.500 W)
  • Bei 40°C Vorlauf: Typ-33 600×2400 mm (3.100 W bei 45°C) oder 2× Typ-22 600×1400 mm

Serielle Durchströmung: x2-Technologie für Strahlungswärme

Konventionelle Heizkörper verteilen Vorlaufwasser parallel auf alle Platten – mittlere Oberflächentemperatur entspricht arithmetischem Mittel von Vorlauf und Rücklauf (37,5°C bei 40/35°C).
Kermi x2-Revolution:
Serielle Durchströmung leitet Vorlaufwasser zunächst vollständig durch frontseitige Platte. Die raumzugewandte Oberfläche erreicht 39-40°C. Nachfolgende Platten erhalten sukzessive abgekühltes Wasser (37°C, 35°C) – Rückseite fungiert als Dämmschicht gegen Transmissionsverluste durch Außenwand.
Strahlungswärme-Steigerung:
  • Fronttemperatur +2-3 K höher als konventionell
  • Strahlungsleistung zum Raum +80-100% (Stefan-Boltzmann T^4-Abhängigkeit)
  • Rückseitige Verluste -40-60% durch Dämmeffekt
Komfort-Vorteil:
Höhere Strahlungstemperatur kompensiert 1 K niedrigere Lufttemperatur bei gleichem Komfortempfinden (gefühlte Temperatur = Mittelwert aus Luft + Strahlung). Heizlast sinkt 5-8% durch Raumsolltemperatur-Absenkung 21°C → 20°C.
x2-Modelle (Kermi):
  • therm-x2 Plan: Kompaktbauweise, Verkleidung geschlossen
  • therm-x2 Profil: Konvektionsbleche sichtbar, höhere Leistung
  • Preisaufschlag +15-25% versus Standard Typ-33

Gebläseunterstützte Wärmepumpenheizkörper: Aktive Konvektion

Integrierte Ventilatoren erzeugen erzwungene Luftströmung durch Konvektionsbleche mit 1,5-3,0 m/s statt 0,3-0,6 m/s natürlich. Wärmeübergangskoeffizient steigt von 8-12 W/(m²·K) auf 40-80 W/(m²·K).
Leistungssteigerung dokumentiert:
Purmo Ulow-E2 600×1800 mm:
BetriebsmodusVorlauf/RücklaufLeistungSteigerungStromaufnahme
Passiv35/30°C1.200 WBasis0 W
Gebläse Stufe 135/30°C1.560 W+30%5 W
Gebläse Stufe 235/30°C1.920 W+60%12 W
Gebläse Stufe 335/30°C2.100 W+75%18 W
Wirtschaftlichkeit Ventilator-Betrieb:
  • Stromaufnahme 8-15 W mittlere Drehzahl
  • Tägliche Laufzeit 10 Stunden: 0,12 kWh × 0,32 EUR = 0,038 EUR/Tag (11,5 EUR/Jahr)
  • Wärmepumpen-Einsparung durch 5 K niedrigere Vorlauftemperatur: 180-280 EUR/Jahr
  • Netto-Vorteil: 170-270 EUR/Jahr pro Heizkörper
Regelung und Geräuschentwicklung:
  • Drehzahl-Modulation proportional zu Raumtemperatur-Abweichung
  • EC-Motoren (elektronische Kommutierung): 85-92% Wirkungsgrad
  • Geräuschpegel: 25-35 dB(A) maximale Drehzahl, 20-25 dB(A) Flüstermodus
  • Schlafzimmer-Tauglichkeit: <25 dB(A) erforderlich
Führende Hersteller 2026:
  • Purmo Ulow-E2: Marktführer, 380-650 EUR/Stück, App-Steuerung
  • Zehnder Charleston-E: Premium-Design, 480-780 EUR, Touchscreen-Bedienung
  • Jaga Strada Hybrid: Kompaktbauweise, 420-690 EUR, 3-stufige Regelung

Wie dimensioniere ich Heizkörper für Wärmepumpen korrekt?

Präzise Heizlastberechnung und hydraulischer Abgleich entscheiden über Erfolg – Überdimensionierung kostet unnötig, Unterdimensionierung zwingt zu hohen Vorlauftemperaturen.

Heizlastberechnung nach DIN EN 12831

Die Norm definiert raumweise Ermittlung von Transmissions- und Lüftungswärmeverlusten für Auslegungstemperatur (Deutschland: -12°C bis -16°C regional).
Berechnungsformel vereinfacht:
QRaum=(QTransmission+QLu¨ftung)×(TinnenTaußen,Auslegung)Q_{Raum} = (Q_{Transmission} + Q_{Lüftung}) imes (T_{innen} - T_{außen,Auslegung})QRaum=(QTransmission+QLu¨ftung)×(TinnenTaußen,Auslegung)
Transmissionsverluste:QTransmission=(UBauteil×ABauteil)Q_{Transmission} = \sum (U_{Bauteil} \times A_{Bauteil})QTransmission=(UBauteil×ABauteil)
Lüftungsverluste:QLu¨ftung=0,34×VRaum×nLuftwechselQ_{Lüftung} = 0,34 imes V_{Raum} imes n_{Luftwechsel}QLu¨ftung=0,34×VRaum×nLuftwechsel
Praxis-Beispiel Wohnzimmer:
  • Grundfläche: 30 m², Raumhöhe 2,5 m → Volumen 75 m³
  • Außenwand: 12 m² × 0,40 W/(m²·K) = 4,8 W/K
  • Fenster: 4 m² × 1,10 W/(m²·K) = 4,4 W/K
  • Innenwände/Decke/Boden: 15 W/K
  • Transmission gesamt: 24,2 W/K
  • Luftwechsel: 0,5 h⁻¹
  • Lüftungsverluste: 0,34 × 75 m³ × 0,5 = 12,8 W/K
Heizlast bei -12°C Auslegung: (24,2 + 12,8) W/K × (20°C - (-12°C)) = 37 W/K × 32 K = 1.184 W

Heizkörper-Auswahl für 40°C Vorlauftemperatur

Umrechnungsfaktor für Niedertemperatur:
Hersteller-Datenblätter geben Leistung bei 75/55/20°C (Norm-Bedingung). Umrechnung auf 40/35/20°C erfolgt über Heizflächenexponent n = 1,32:
P40°C = P75°C × (ΔTlog,40°C / ΔTlog,75°C)1,32
Logarithmische Übertemperatur: ΔTlog=(TVLTRaum)(TRLTRaum)ln(TVLTRaumTRLTRaum)\Delta T_{log} = \frac{(T_{VL} - T_{Raum}) - (T_{RL} - T_{Raum})},{\ln(\frac{T_{VL} - T_{Raum}},{T_{RL} - T_{Raum}})}
  • 75/55/20: ΔT_log = 47,5 K
  • 40/35/20: ΔT_log = 17,3 K
Leistungsfaktor: (17,3/47,5)1,32=0,3641,32=0,255(17,3/47,5)^{1,32} = 0,364^{1,32} = 0,25525,5% Normleistung
Heizkörper-Dimensionierung Wohnzimmer-Beispiel:
  • Heizlast: 1.184 W (bei -12°C)
  • Erforderliche Heizkörper-Leistung bei 40°C: 1.184 W
  • Benötigte Normleistung (75°C): 1.184 W ÷ 0,255 = 4.643 W
Auswahl-Optionen:
  • Typ-33 600×2000 mm: 4.000 W (75°C) → 1.020 W (40°C) – zu klein
  • Typ-33 600×2400 mm: 4.800 W (75°C) → 1.224 W (40°C) – passend
  • 2× Typ-33 600×1200 mm: 2× 2.400 W (75°C) → 2× 612 W (40°C) – passend
Empfehlung: 20-30% Leistungsreserve einplanen für Aufheiz-Phasen und kalte Ecken → Typ-33 600×2600 mm (5.200 W Norm, 1.326 W bei 40°C).

Hydraulischer Abgleich nach Verfahren B

Optimale Volumenstrom-Verteilung minimiert Rücklauftemperatur durch definierte Spreizung von 5-7 K (Wärmepumpen-ideal).
Berechnungsschritte:
1. Volumenstrom pro Heizkörper: V˙=Qcp×ρ×ΔT\dot{V} = \frac{Q},{c_p \times \rho \times \Delta T}
  • Q = Heizlast (W)
  • c_p = 4.186 J/(kg·K) (Wasser)
  • ρ = 1.000 kg/m³
  • ΔT = Spreizung 5 K
Wohnzimmer 1.184 W: V˙=1.1844.186×1×5=0,0565 L/s=203 L/h\dot{V} = \frac{1.184},{4.186 \times 1 \times 5} = 0,0565 \text{ L/s} = 203 \text{ L/h} V˙=4.186×1×51.184=0,0565 L/s=203 L/h
2. Druckverlust-Berechnung:
Summierung aller Widerstände zwischen Verteiler und Heizkörper:
  • Rohrleitung DN12, 15 m: 18 kPa
  • 6× Bögen 90°: 4 kPa
  • 2× T-Stücke: 3 kPa
  • Thermostatventil: 8 kPa
  • Gesamt: 33 kPa
3. Ventileinstellung:
Ungünstigster Heizkreis (höchster Druckverlust) bestimmt Pumpenleistung. Alle anderen Ventile werden gedrosselt auf berechneten Sollwert – Voreinstellung am Thermostatventil limitiert maximalen Durchfluss.
Kritischer Erfolgsfaktor: Spreizung 5-7 K konsequent einhalten. Zu hohe Volumenströme (Spreizung <3 K) erhöhen Pumpenstromverbrauch ohne Effizienzgewinn. Zu niedrige Volumenströme (Spreizung >10 K) verschlechtern Wärmeübergang.

Badezimmer-Problematik: Handtuchheizkörper bei Niedertemperatur

Röhren-Bauweise mit vertikalen Rohren reduziert Konvektionsfläche um 40-60% versus Plattenheizkörper – Leistung bei 40°C Vorlauf nur 150-300 W für typische Abmessungen 600×1200 mm.
Problem-Verschärfung:
  • Bad-Solltemperatur: 24°C (versus 20°C Wohnraum)
  • Reduzierte Temperaturdifferenz senkt Leistung weiter
  • Kurze Nutzungszeiten morgens/abends (30-60 Min.) erfordern Schnell-Aufheizung
Lösungsansätze:
Option 1 - Elektrische Zusatzheizung (empfohlen):
Wärmepumpe heizt Bad auf 21°C Grundtemperatur. Elektrischer Heizstab im Handtuchheizkörper deckt Spitzenlast 21→24°C für Duschzeiten.
  • Heizstab 1.000 W, 1 h/Tag: 365 kWh/Jahr × 0,32 EUR = 117 EUR
  • Vermiedene Vorlauftemperatur-Erhöhung 40→50°C spart 280 EUR/Jahr
  • Netto-Vorteil: 163 EUR/Jahr
Option 2 - Großflächiger Plattenheizkörper:
Typ-33 600×1800 mm statt Handtuch-Heizkörper liefert 800-1.000 W bei 40°C – ausreichend für 24°C. Handtücher an separaten Haken oder elektrischem Handtuchwärmer.
Option 3 - Gebläse-Handtuchheizkörper:
Zehnder Fina Bar oder Purmo Tinos Hybrid mit integriertem Ventilator erreichen 600-900 W bei 35°C Vorlauf. Kosten 580-850 EUR versus 180-280 EUR passiv.

Kann ich bestehende Heizkörper für Wärmepumpen nutzen?

Die Beibehaltung vorhandener Heizkörper spart 4.000-12.000 EUR Austauschkosten – erfordert jedoch Kompromisse bei Vorlauftemperatur und JAZ.

Typ-33 Bestandsheizkörper: Möglichkeiten und Grenzen

Strategie: Vergrößerung unterdimensionierter Heizkörper auf maximal verfügbare Wandflächen, Akzeptanz von 45-50°C Vorlauf statt optimal 35-40°C.
Praxis-Erfahrung Altbau-Sanierung:
Unsaniertes Einfamilienhaus 150 m², Baujahr 1968:
  • Ursprung: 8× Typ-22 600×1200 mm, Vorlauf 65°C (Gasheizung)
  • Optimierung: 8× Typ-33 600×1800 mm, Vorlauf 45-48°C (Wärmepumpe)
  • Investition: 3.200 EUR (nur Heizkörper-Hardware)
  • JAZ erreicht: 3,7 (versus theoretisch 4,2 mit NT-Heizkörpern)
  • Effizienz-Ausbeute: 85% versus Optimum bei 60% Investition
Kritische Erfolgsfaktoren:
  • Hydraulischer Abgleich Verfahren B: Optimale Durchströmung aller Heizkörper
  • Hocheffizienz-Pumpe: 0,8-1,2 L/(s·kW) Volumenstrom für niedrige Spreizung
  • Großzügige Dimensionierung: 20-30% Leistungsreserve für tiefe Außentemperaturen
  • Vermeidung Einzelraumregelung: Hauptwohnräume ohne Thermostatventil für dauerhaften Durchfluss
Grenzen der Strategie:
  • Vorlauftemperatur selten <45°C erreichbar in unsanierten Altbauten
  • Wandflächen-Limitierung bei Altbau-Grundrissen (schmale Räume, viele Türen)
  • JAZ-Degradation 0,4-0,7 Punkte versus optimierte NT-Systeme
  • Wirtschaftlichkeit nur bei niedrigen Austauschkosten sinnvoll

Selektiver Heizkörper-Austausch: Nur kritische Räume erneuern

Die wirtschaftlich optimale Strategie identifiziert Engpässe und begrenzt Austausch auf unterversorgte Räume.
Identifikation kritischer Räume:
Testbetrieb Wärmepumpe mit 45°C Vorlauf bei -5°C außen über 24 Stunden:
  • Räume <19°C Raumtemperatur: Austausch erforderlich
  • Räume 19-20°C: Grenzfall, Bewohner-Komfort entscheidet
  • Räume >20°C: Heizkörper ausreichend, behalten
Typische Problemzonen:
  • Großvolumige Wohnräume: Altbau-Höhe >2,8 m erhöht Heizlast
  • Große Fensterflächen: Transmissionsverluste 1,0-1,3 W/(m²·K) bei Altglas
  • Eckräume: Zwei Außenwände verdoppeln Transmissionsverluste
  • Badezimmer: Handtuchheizkörper + höhere Solltemperatur 24°C
Investitions-Beispiel:
  • Problemräume: Wohnzimmer, Eckschlafzimmer, Bad, Arbeitszimmer (4 Räume)
  • Austausch: 4× NT-Heizkörper/Gebläse-Konvektoren
  • Kosten: 2.800 EUR Material + 1.200 EUR Installation = 4.000 EUR
  • Vorlauf-Reduktion: 52°C → 42°C (10 K Verbesserung)
  • JAZ-Steigerung: 3,3 → 3,9 (+18%)
  • Amortisation: 6,2 Jahre bei 260 EUR jährlicher Stromersparnis
Vorteil: Verbleibende 5-7 Räume mit ausreichenden Heizkörpern profitieren von niedrigerer Temperatur durch Überversorgung (schnellere Aufheizung, höhere Komfort-Reserve).

Nachrüst-Lösungen: Heizkörper-Verstärker ohne Austausch

Externe Ventilatoren zwischen Konvektionsblechen erzeugen erzwungene Konvektion ohne Heizkörper-Demontage.
Kommerzielle Systeme:
SpeedComfort:

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  • Magnetische Leisten mit 4-8 Axiallüftern
  • Automatische Regelung via Temperatursensor
  • Kosten: 120-180 EUR/Heizkörper
  • Leistungssteigerung: 15-25%
DIY-Variante:
  • 6× PC-Lüfter 120 mm (Arctic F12, be quiet! Silent Wings)
  • 12V-Netzteil mit Spannungsregler (Drehzahl-Anpassung)
  • Kunststoff-Profil oder 3D-Druck-Halterung
  • Kosten: 35-55 EUR Material + 2-4 h Arbeitszeit
  • Leistungssteigerung: 12-20%
Wirtschaftlichkeit-Berechnung:
  • 10 Heizkörper mit kommerziellem System: 1.400 EUR Investition
  • Stromkosten Lüfter: 10× 12 W × 10 h/Tag × 180 Tage = 216 kWh × 0,32 EUR = 69 EUR/Jahr
  • JAZ-Verbesserung: 3,4 → 3,7 durch 5 K niedrigere Vorlauftemperatur
  • Stromersparnis WP: 310 EUR/Jahr
  • Netto-Vorteil: 241 EUR/Jahr
  • Amortisation: 5,8 Jahre
Empfehlung: DIY-Lösung für handwerklich Versierte (Amortisation 2-3 Jahre), kommerzielle Systeme bei Komfort-Priorität (Automatik, Garantie).

Welche Materialien und Wasserchemie sind kritisch?

Mischinstallationen verschiedener Metalllegierungen erzeugen galvanische Korrosion – VDI 2035 definiert Schutzmaßnahmen.

Elektrochemische Korrosion in Wärmepumpen-Heizungen

Typische Material-Kombinationen:
  • Schwarzer Stahl: Alte Rohrleitungen, Heizkörper pre-2000
  • Kupfer: Moderne Pressfittings, Wärmepumpen-Rohre
  • Edelstahl: Pufferspeicher, WP-Wärmetauscher
  • Aluminium: Design-Heizkörper, asiatische WP-Komponenten
Potentialdifferenzen treiben Korrosion:
  • Aluminium (-1,66 V) versus Kupfer (+0,35 V): 2,01 V Differenz
  • Schwarzstahl (-0,44 V) versus Edelstahl (+0,15 V): 0,59 V Differenz
Beschleunigende Faktoren:
  • Sauerstoffgehalt >0,1 mg/L: Oxidation von Eisen zu Magnetit (schwarzer Schlamm)
  • Chlorid >50 mg/L: Lochfraß an Edelstahl-Passivschicht
  • Leitfähigkeit >100 µS/cm: Elektronenfluss zwischen Anode/Kathode

Schutzmaßnahmen nach VDI 2035

Erstbefüllung mit VE-Wasser (vollentsalzt):
ParameterVDI 2035 GrenzwertFunktion
Elektrische Leitfähigkeit<50 µS/cmKorrosionsgeschwindigkeit
pH-Wert (mit Aluminium)8,2-9,0Schutz vor alkalischer Korrosion
pH-Wert (ohne Aluminium)8,2-10,0Passivschichtbildung Stahl
Sauerstoffgehalt<0,1 mg/LOxidations-Vermeidung
Gesamthärte<0,11 °dHKalk-Prävention
Praktische Umsetzung:
  • VE-Wasser-Befüllung: 150 L für EFH kosten 180-280 EUR initial
  • pH-Einstellung: Alkalisches Additiv (Sentinel X100, Fernox Protector) für 8,2-9,0
  • Sauerstoff-Eliminierung: Stickstoff-Spülung oder Sauerstoffbinder-Zugabe
  • Druckhaltung: Membran-Ausdehnungsgefäß verhindert Luft-Eintrag
Laufender Betrieb:
  • Jährliche pH-/Leitfähigkeit-Kontrolle (Wartung)
  • Nachfüllung nur mit VE-Wasser (nie Leitungswasser)
  • Heizungswasser-Probe alle 3-5 Jahre zur Labor-Analyse

Magnetitabscheidung: Schutz der Wärmepumpe

Schwarzer Eisenoxid-Schlamm aus korrodierten Stahlrohren setzt sich in WP-Wärmetauschern ab – Lamellenabstände 2-3 mm blockieren bei Partikeln 0,5-50 µm.
Konsequenzen Magnetit-Verschmutzung:
  • Druckverlust +20-40%
  • Wärmeübergangskoeffizient -15-25%
  • JAZ-Degradation -0,2 bis -0,4 Punkte
  • Verdichter-Überlastung durch erhöhten Kondensationsdruck
Magnetitabscheider-Installation:
  • Position: Rücklauf zur Wärmepumpe (vor Eintritt)
  • Funktionsprinzip: Permanentmagnete 0,8-1,2 Tesla
  • Abscheiderate: 95-99% für Partikel >5 µm
  • Kosten: 150-300 EUR (DN25)
  • Wartung: Halbjährliche Reinigung (Magnet ausbauen, abspülen)
Kombination Mikrofilter:
  • Maschenweite 100-200 µm fängt nichtmagnetische Partikel
  • Hanffasern (Gewindedichtung), Gummi-Abrieb (Dichtungen)
  • Schutz Hocheffizienz-Pumpen (Lagerspalt 0,1-0,3 mm)
  • Differenzdruck-Überwachung: >0,3 bar → Reinigung erforderlich

Wie integriere ich Heizkörper hydraulisch optimal?

Pufferspeicher-Konzept und Volumenstrom-Sicherung beeinflussen Taktverhalten und Effizienz dramatisch.

Reihenrücklaufspeicher: Verlängerte Laufzeiten ohne Entkopplung

Der Pufferspeicher im Rücklauf zwischen Heizkreis-Sammler und WP-Eintritt arbeitet mit identischem Volumenstrom in Heizkreisen und Wärmepumpe – keine hydraulische Trennung.
Vorteile gegenüber Vorlauf-Puffer:
  • Spreizung VL-RL bleibt erhalten über gesamtes System
  • WP misst echte Gebäude-Rücklauftemperatur ohne Mischungsverluste
  • Keine Schichtungs-Problematik wie bei Vorlauf-Puffer
Dimensionierung:
  • Faustformel: 30-60 L/kW thermische WP-Nennleistung
  • 10 kW Wärmepumpe: 300-600 L Speichervolumen
  • Kleinere Volumen bei gut gedämmten Gebäuden (300-400 L)
  • Größere Volumen bei Altbauten mit Taktneigung (500-600 L)
Takt-Reduktion dokumentiert:
ParameterOhne PufferMit 500L PufferVerbesserung
Laufzeit/Takt8-12 Min.25-40 Min.+200%
Takte/Tag20-256-10-60%
Verdichter-Starts/Jahr7.300-9.1002.200-3.700-70%
Verdichter-Lebensdauer40.000 h60.000 h+50%
Einschränkung: Keine Flexibilität bei gleichzeitigem Heiz-/Kühlbedarf verschiedener Zonen – System liefert entweder Heizen ODER Kühlen zentral.

Überströmventil: Mindestvolumenstrom-Sicherung

Federbelastetes Ventil zwischen Vorlauf/Rücklauf öffnet ab definiertem Differenzdruck 20-40 kPa – verhindert WP-Hochdruck-Störung bei geschlossenen Thermostatventilen.
Justierung-Balance Sicherheit versus Effizienz:
Zu niedriger Öffnungsdruck (15 kPa):
  • Ventil öffnet bereits bei geringer drosselung einzelner Räume
  • Permanente VL-RL-Mischung erhöht Rücklauftemperatur +3-5 K
  • JAZ-Verlust -0,2 bis -0,3 Punkte durch erhöhte Systemtemperatur
Zu hoher Öffnungsdruck (50 kPa):
  • Schutzfunktion versagt bei vollständig geschlossenen Ventilen
  • Wärmepumpe schaltet ab mit Hochdruck-Störung
  • Komfort-Einbuße durch Heizungs-Ausfälle
Optimale Einstellung:
Druckverlust ungünstigster Heizkreis + 30% Sicherheit = Öffnungsdruck
  • Typischer Druckverlust Auslegungs-Volumenstrom: 20-35 kPa
  • Ventileinstellung: 25-45 kPa
Funktionstest:
  • Alle Thermostatventile manuell schließen bei laufender WP
  • Rohrleitung nach Überströmventil erwärmt sich binnen 2-3 Min. auf Vorlauftemperatur
  • Wärmepumpe läuft ohne Fehlermeldung
  • Spreizung VL-RL sinkt <2 K durch Kurzschluss-Strömung

Was kostet Heizkörper-Austausch und wie fördert KfW?

Investitionskosten 4.000-16.000 EUR amortisieren durch Stromersparnis 300-800 EUR/Jahr – KfW-Förderung 30-70% senkt Eigenanteil dramatisch.

Kostenaufstellung nach Heizkörper-Typen

Materialkosten pro Heizkörper (600×1400 mm Durchschnitt):
Heizkörper-TypMaterialInstallationGesamt/Stück8-10 Heizkörper EFH
Standard Typ-33150-280 EUR150-280 EUR300-560 EUR6.400-11.200 EUR
NT seriell (x2)220-380 EUR180-320 EUR400-700 EUR8.000-13.000 EUR
Gebläse-Konvektor380-650 EUR200-350 EUR580-1.000 EUR8.800-16.800 EUR
Installations-Zeitaufwand:
  • Standard-Montage vorhandene Anschlüsse: 2,5-4 h pro Heizkörper
  • Rohrleitungs-Anpassung Pressfittings: 4-6 h pro Heizkörper
  • Handwerker-Stundensatz: 60-85 EUR netto
Nebenkosten:
  • Thermostatventile, Entlüfter, Wandbefestigungen: 40-80 EUR/Stück
  • Entsorgung alte Heizkörper: 15-30 EUR/Stück
  • Hydraulischer Abgleich Gesamtgebäude: 600-1.200 EUR
  • VE-Wasser-Befüllung 150 L: 180-280 EUR
Gesamtinvestition Beispiel-Projekt:
8 Heizkörper Typ-33 NT + Hydraulik-Abgleich + VE-Wasser:
  • Material: 2.400 EUR
  • Installation: 2.200 EUR
  • Hydraulik-Abgleich: 800 EUR
  • Nebenkosten: 600 EUR
  • Gesamt: 6.000 EUR

KfW-Förderung als Umfeldmaßnahme (BEG EM)

Heizkörper-Austausch als Umfeldmaßnahme bei Wärmepumpen-Einbau förderfähig – deutlich höhere Quoten als Einzelmaßnahme.
Förderquoten-Zusammensetzung 2026:
Förder-KomponenteQuoteVoraussetzungBeispiel-Haushalt
Grundförderung30%Alle AntragstellerImmer
Effizienzbonus5%Natürliches Kältemittel (R290) oder ErdwärmeR290-WP
Geschwindigkeitsbonus20%Austausch funktionsfähiger fossil >20 JahreGasheizung BJ 2002
Einkommensbonus30%Zu versteuerndes Einkommen <40.000 EURFalls zutreffend
Maximum70%Obergrenze 30.000 EUR förderfähig-
Förder-Szenarien Komplett-Sanierung:
Szenario 1 - Standard-Förderung (55%):
  • WP-Investition: 18.000 EUR
  • Heizkörper: 6.000 EUR
  • Hydraulik/Installation: 4.000 EUR
  • Förderfähig gesamt: 28.000 EUR
Förderquote: 30% + 20% (Geschwindigkeit) + 5% (R290) = 55%
  • Zuschuss: 15.400 EUR
  • Eigenanteil: 12.600 EUR
Szenario 2 - Maximal-Förderung (70%):
Wie Szenario 1 + Einkommensbonus 30%:
  • Förderquote: 30% + 20% + 5% + 30% = 85%, begrenzt auf 70%
  • Zuschuss: 19.600 EUR (70% von 28.000 EUR)
  • Eigenanteil: 8.400 EUR
Einzelmaßnahme Heizungsoptimierung (ohne neue WP):
  • Förderung: 15% Grundförderung + 5% iSFP-Bonus = 20%
  • 6.000 EUR Heizkörper: 1.200 EUR Zuschuss
  • Empfehlung: Mit WP-Austausch kombinieren für 55-70% statt 20%

Amortisations-Rechnung über 20 Jahre

Vergleichs-Szenarien 20.000 kWh Heizwärmebedarf:
SzenarioVorlaufJAZStrom/JahrKosten/Jahr (0,32 EUR)InvestitionFörderung 55%Eigenanteil
Alte HK (Typ-22)55°C3,26.250 kWh2.000 EUR0 EUR-0 EUR
Neue NT-HK (Typ-33)42°C4,05.000 kWh1.600 EUR6.000 EUR3.300 EUR2.700 EUR
Gebläse-HK35°C4,54.444 kWh1.422 EUR9.600 EUR5.280 EUR4.320 EUR
Amortisation Typ-33 NT-Heizkörper:
  • Ersparnis/Jahr: 400 EUR (2.000 - 1.600 EUR)
  • Eigenanteil: 2.700 EUR (nach 55% Förderung)
  • Amortisation: 6,75 Jahre
  • 20-Jahre-Kumulierung: 8.000 EUR Einsparung - 2.700 EUR Invest = 5.300 EUR Gewinn
Amortisation Gebläse-Heizkörper:
  • Ersparnis/Jahr: 578 EUR (2.000 - 1.422 EUR)
  • Lüfter-Strom: -92 EUR/Jahr (10× 12 W × 10 h × 180 Tage)
  • Netto-Ersparnis: 486 EUR/Jahr
  • Eigenanteil: 4.320 EUR (nach 55% Förderung)
  • Amortisation: 8,9 Jahre
  • 20-Jahre-Kumulierung: 9.720 EUR Einsparung - 4.320 EUR Invest = 5.400 EUR Gewinn
Zusätzlicher Immobilien-Wert:
Wärmepumpen-taugliche Heizkörper steigern Verkaufswert um 5.000-15.000 EUR durch dokumentierte Niedertemperatur-Fähigkeit (Energieausweis, Wärmepumpen-Ready-Zertifikat).

Wie vermeide ich typische Planungsfehler?

Drei Haupt-Fehlerquellen sabotieren Heizkörper-Wärmepumpen-Projekte: Fehlender hydraulischer Abgleich, Unterdimensionierung und ignorierte Möblierung.

Fehler #1: Fehlender hydraulischer Abgleich

Symptome:
  • Raumtemperaturen 23°C Flur (pumpennah) versus 18°C Kinderzimmer (entfernt)
  • Bewohner erhöhen Vorlauftemperatur zur Kompensation
  • JAZ degradiert von möglichen 4,0 auf realisierte 3,3
Ursache:
Alle Thermostatventile auf Werkseinstellung "offen" – pumpennahe Heizkörper überversorgt, entfernte unterversorgt. Volumenstrom-Verteilung folgt Widerstandsprinzip statt Heizlast-Bedarf.
Lösung:
Hydraulischer Abgleich nach Verfahren B:
  • Raumweise Heizlastberechnung DIN EN 12831
  • Volumenstrom-Berechnung für 5-7 K Spreizung
  • Rohrn etz-Druckverlust-Berechnung
  • Ventileinstellung auf berechnete Voreinstellung
Kosten: 600-1.200 EUR (GEG-Pflicht bei WP-Einbau seit 2024)
Erfolgs-Kontrolle: Raumtemperaturen homogen ±1 K bei geschlossenen Türen, Spreizung VL-RL konstant 5-7 K über alle Außentemperaturen.

Fehler #2: Unterdimensionierung einzelner Heizkörper

Symptome:
  • Wohnzimmer erreicht nur 19°C bei -10°C außen trotz ausreichender Gesamt-Heizlast
  • Systemvorlauf steigt auf 52°C für lokale Kompensation
  • JAZ-Verlust -0,3 bis -0,5 Punkte durch erhöhte Temperatur
Ursache:
Verwendung alter Heizlast-Schätzungen ("30 W/m² Wohnfläche") statt präziser Berechnung. Wohnzimmer mit 3 m Deckenhöhe, großer Fensterfront oder Ecklage benötigt 50-80 W/m² statt pauschaler 30 W/m².
Lösung:
  • Raumweise Berechnung nach DIN EN 12831 zwingend
  • Software-Tools: Hottgenroth ETU, Evebi HLS, kostenlos: u-wert.net
  • 20-30% Leistungsreserve für Aufheizung und kalte Ecken
  • Ersatz zu kleiner Heizkörper durch nächstgrößere Dimension
Kostenfalle vermeiden: Heizkörper-Vergrößerung im laufenden Betrieb kostet 400-650 EUR (Demontage, Entsorgung, Neugerät, Montage) – bei Erstinstallation nur 80-150 EUR Aufpreis für nächste Größe.

Fehler #3: Ignorierte Möblierung und Vorhänge

Symptome:
  • Raumtemperaturen 1-2 K unter Sollwert trotz korrekt dimensioniertem Heizkörper
  • Heizkörper-Oberfläche sehr heiß, Raum trotzdem kühl
  • Ungleichmäßige Temperaturverteilung (heiß vor Heizkörper, kalt gegenüberliegend)
Ursache:
  • Sofa oder Schrank vor Heizkörper blockiert Luftzirkulation
  • Schwere Vorhänge verhindern Wärmeabgabe in Raum
  • Heizkörper-Verkleidungen/-Nischen reduzieren Konvektion 15-30%
Lösung Planung:
  • Heizkörper-Platzierung an freien Wandabschnitten ohne Möblierung
  • 20% Leistungsreserve für Einrichtungs-Einflüsse addieren
  • Vorhänge mindestens 10 cm Abstand zu Heizkörper-Oberkante
Lösung Bestand:
  • Möbel mindestens 30 cm Abstand zu Heizkörper (Luftzirkulation)
  • Heizkörper-Nischen mit Reflektionsfolie hinter Heizkörper (10-15% Effizienzgewinn)
  • Lange Vorhänge oberhalb Heizkörper raffen oder kürzen
Alternative: Gebläse-Heizkörper sind deutlich unempfindlicher gegen Möblierung – erzwungene Konvektion funktioniert auch bei Sofa vor Heizkörper.

Fazit: Heizkörper als Effizienz-Schlüssel

Heizkörper entscheiden gleichberechtigt neben Wärmepumpen-Qualität und Gebäudedämmung über Wirtschaftlichkeit im Altbau. Die richtige Auswahl und Dimensionierung ermöglicht Jahresarbeitszahlen 4,0-4,5 in sanierten Bestandsgebäuden – ohne kostspielige Fassadendämmung oder Fußbodenheizung-Nachrüstung.
Kern-Erkenntnisse zusammengefasst:
1. Thermodynamische Realität verstehen:
  • Exponentieller Leistungsabfall bei Niedertemperatur (35% Nennleistung bei 35°C)
  • JAZ-Verbesserung 2,5-3,0% pro Kelvin niedrigerer Vorlauftemperatur
  • 10 K Temperatur-Reduktion = 400-800 EUR jährliche Stromersparnis
2. Technologie-Vielfalt nutzen:
  • Passive NT-Heizkörper (Typ-33): Basis-Lösung 45-50°C Vorlauf, JAZ 3,5-3,8
  • Serielle Durchströmung (x2): Strahlungskomfort-Optimierung 40-45°C, JAZ 3,8-4,2
  • Gebläse-Konvektoren: Premium-Effizienz 35-40°C Vorlauf, JAZ 4,2-4,8
  • Nachrüst-Ventilatoren: Retrofit-Lösung +15-25% Leistung für 100-180 EUR
3. Strategie nach Budget wählen:
  • Beibehaltung Bestand + Vergrößerung: 0-3.000 EUR, JAZ 3,5-3,8 (85% Optimum)
  • Selektiver Austausch 3-5 kritische Räume: 2.000-4.000 EUR, JAZ 3,7-4,0 (Amortisation 5-7 Jahre)
  • Komplett-Erneuerung NT-Heizkörper: 6.000-13.000 EUR, JAZ 4,0-4,5 (Amortisation 6-10 Jahre)
  • Premium Gebläse-System: 9.000-17.000 EUR, JAZ 4,2-4,8 (Amortisation 8-12 Jahre)
4. KfW-Förderung maximieren:
  • Heizkörper-Austausch MIT Wärmepumpen-Einbau: 55-70% Förderung
  • Heizkörper-Austausch OHNE neue Wärmepumpe: nur 15-20% Förderung
  • Strategische Empfehlung: Immer mit WP-Installation kombinieren
5. Kritische Erfolgsfaktoren:
  • Präzise Heizlastberechnung DIN EN 12831 (nicht Pauschal-Schätzung)
  • Hydraulischer Abgleich Verfahren B zwingend (GEG-Pflicht)
  • VE-Wasser-Befüllung nach VDI 2035 (Korrosionsschutz)
  • 20-30% Leistungsreserve für Aufheizung und Möblierung
6. Wirtschaftlichkeit dokumentiert:
  • Investition 2.700-4.300 EUR Eigenanteil (nach 55% KfW-Förderung)
  • Amortisation 6-9 Jahre durch Stromersparnis 300-600 EUR/Jahr
  • 20-Jahre-Gewinn 5.000-10.000 EUR plus Immobilien-Wertsteigerung
  • ROI 12-18% übertrifft passive Geldanlagen
Die Zukunft der Altbau-Wärmepumpe liegt in intelligenten Hybrid-Konzepten: Hauptwohnräume mit Gebläse-Konvektoren für niedrigste Vorlauftemperaturen, Nebenräume mit oversized passiven Typ-33-Heizkörpern für Kosteneffizienz. Diese Kombination erreicht 85-95% der Fußbodenheizungs-Effizienz bei 50-70% der Investitionskosten und etabliert die Heizkörper-Wärmepumpe als Standard für klimaneutrale Bestandsgebäude 2026.

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