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Schornstein 2026: Kosten, Vorschriften und Bauarten im Überblick

14 Min. Lesezeit

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Das Wichtigste in Kürze

  • Definition: Ein Schornstein führt Verbrennungsgase durch thermischen Auftrieb ins Freie ab und erzeugt gleichzeitig den Unterdruck für die Verbrennungsluft.
  • Kosten 2026: Ein nachträglich eingebauter Edelstahlschornstein kostet komplett 800 bis 3.500 Euro, ein laufender Meter gemauerter Schornstein 200 bis 300 Euro.
  • Norm: Seit DIN 18160-1:2023-02 sind im Unterdruckbetrieb auch Neigungswinkel über 30 Grad mit Berechnungsnachweis zulässig statt vorher starr begrenzt.
  • Vorschrift: Die Mündung muss den First um mindestens 40 Zentimeter überragen, Pflicht seit dem 1. Januar 2022.
  • Risiko: Ein Rußbrand erhitzt die Innenwand auf über 100 Grad Celsius und beschädigt unsanierte Schornsteine dauerhaft.
  • Rechtsänderung 2026: Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) hat die 65-Prozent-Pflicht für erneuerbare Energien seit dem 29. Juli 2026 für Neu- und Bestandsbauten aufgehoben.
  • Für wen: Ein eigener Schornstein lohnt sich vor allem für Festbrennstoff-Feuerstätten wie Kaminöfen und Pelletöfen ohne zugelassenes Luft-Abgas-System.

Was ist ein Schornstein und wie funktioniert er?

Ein Schornstein ist ein senkrechtes Bauteil einer Feuerungsanlage, das Verbrennungsgase ins Freie abführt. Durch thermischen Auftrieb erzeugt er den Unterdruck, der die Verbrennungsluft in die Feuerstätte zieht. Dieses physikalische Prinzip heißt Kamineffekt: Warme Abgase im Schornstein sind leichter als die kühlere Außenluft, steigen deshalb auf und saugen von unten neue Verbrennungsluft nach.
Δp = h · g · (ρ₂ − ρ₁)
Wo:
  • Δp: Druckdifferenz in Pascal (Pa), die den Kaminzug antreibt
  • h: wirksame Schornsteinhöhe in Metern (m)
  • g: Erdbeschleunigung, 9,81 m/s²
  • ρ₁, ρ₂: Dichte des warmen Abgases bzw. der kalten Außenluft in kg/m³
Beispiel: Druckdifferenz im Referenz-Einfamilienhaus
Gegeben: wirksame Schornsteinhöhe h = 6,5 m, Dichte Außenluft bei 10 °C ρ₂ ≈ 1,25 kg/m³, Dichte Abgas bei 150 °C ρ₁ ≈ 0,83 kg/m³
Berechnung: Δp = 6,5 · 9,81 · (1,25 − 0,83) = 63,77 · 0,42
Ergebnis: Δp ≈ 27 Pa als treibende Druckdifferenz — deutlich unter dem Prüfdruck von 40 Pa der Druckklasse N1 nach DIN EN 1443, der eine bauteilseitige Belastungsgrenze und keinen Betriebswert darstellt.
Die Strömungsgeschwindigkeit der Abgase lässt sich vereinfacht über eine zweite Formel abschätzen:
v = √(2 · g · h · (T₁ − T₂) ÷ T₂)
Wo:
  • v: Strömungsgeschwindigkeit in m/s
  • T₁: Abgastemperatur in Kelvin (K)
  • T₂: Außentemperatur in Kelvin (K)
Beispiel: Referenz-Einfamilienhaus mit Kaminofen
Gegeben: wirksame Schornsteinhöhe h = 6,5 m, Abgastemperatur T₁ = 423 K (150 °C), Außentemperatur T₂ = 283 K (10 °C)
Berechnung: v = √(2 · 9,81 · 6,5 · (423−283) ÷ 283) = √(127,53 · 0,495) ≈ √63,1
Ergebnis: v ≈ 7,9 m/s als reibungsfreier Modellwert; reale Strömungsgeschwindigkeiten liegen wegen Wandreibung und Querschnittsverengungen meist bei 1 bis 5 m/s.
Von der eigentlichen Abgasanlage abzugrenzen ist die Feuerungsanlage als Gesamtsystem: Sie umfasst die Feuerstätte, das Verbindungsstück und den Schornstein zusammen. Umgangssprachlich wird der Schornstein oft Kamin genannt, obwohl der Kamin fachlich nur die offene Feuerstätte selbst bezeichnet.

Welche Schornstein-Typen und Bauarten gibt es?

Die vier gängigen Bauarten sind der gemauerte Schornstein, der keramische Systemschornstein, der Leichtbauschornstein und der Edelstahlschornstein — sie unterscheiden sich in Material, Feuerwiderstandsklasse und Montageaufwand. Ein Systemschornstein besteht aus werkseitig aufeinander abgestimmten Bauteilen mit bauaufsichtlicher Zulassung, etwa als abZ, aBG oder ETA durch das DIBt.
Vergleich der gängigen Schornstein-Bauarten nach Material, Feuerwiderstandsklasse und Materialkosten pro Meter.

Bauart

Material

Feuerwiderstandsklasse (Beispiel)

Materialkosten je lfm

 

Gemauerter Schornstein

Ziegel/Schamotte

F90–F120

200–300 €

Keramischer Systemschornstein

Keramik-Innenrohr, Leichtbeton-Mantelstein

F120, L90

150–280 €

Leichtbauschornstein (z. B. Schiedel LB90)

Vermiculite-Dämmplatten-Schacht für Edelstahl-Innenrohr

F90–F120, L90

150–250 €

120–220 €

Edelstahlschornstein, doppelwandig

Werkstoff 1.4301/1.4404 mit Dämmschicht

abhängig von Zulassung

200–300 €

Der Bausatzschornstein ist eine Vertriebsform des Systemschornsteins: Alle Bauteile werden vorkonfektioniert als Satz geliefert und lassen sich nach Herstellervorgabe in Eigenregie montieren, sofern die Abnahme durch den Bezirksschornsteinfeger erfolgt. Marken wie Schiedel bieten solche Bausätze mit dokumentierter Feuerwiderstandsklasse F120/L90 und Innendurchmessern von 130 bis 350 Millimetern an.

Was kostet ein Schornstein 2026?

Ein kompletter, nachträglich eingebauter Edelstahlschornstein kostet 2026 zwischen 800 und 3.500 Euro, während eine Schornsteinsanierung je nach Umfang 500 bis über 5.000 Euro erfordert. Die Kosten setzen sich aus Material, Montage und der abschließenden Abnahme durch den Schornsteinfeger zusammen.
Kostenaufschlüsselung für Neubau, Nachrüstung und Sanierung eines Schornsteins in Euro.

Kostenposition

Einzelkosten

Anmerkung

 

Material Edelstahlschornstein doppelwandig, außen

200–300 €/lfm

Werkstoff 1.4301 außen, 1.4404/1.4521 innen

Material gemauerter Schornstein

200–300 €/lfm

Ziegel/Schamotte inkl. Mörtel

Nachträglicher Komplett-Einbau

800–3.500 €

inkl. Dachdurchführung und Befestigung

Sanierung einfach (EFH/ZFH)

500–2.000 €

z. B. Edelstahl-Einzug in Bestandsschacht

Sanierung komplex

ab 5.000 €

bei Querschnittsänderung oder Mehrfachbelegung

Abnahme durch Schornsteinfeger

100–250 €

Pflicht vor erster Inbetriebnahme

Für Schornsteinbau und -sanierung existiert 2026 keine amtliche Preisstatistik: Der Destatis-Baupreisindex bildet nur die Trade-Ebene "Dachdeckungsarbeiten" ab (plus 4,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, Stand Februar 2026) und weist keinen eigenen Schornstein-Posten aus. Alle genannten Preisspannen stammen daher aus Markterhebungen von Fachportalen, nicht aus einer Behördenstatistik.
Amtlich geregelt ist dagegen der KÜO-Arbeitswert für hoheitliche Schornsteinfeger-Tätigkeiten wie Feuerstättenschau und Kehrbuchführung: Er liegt seit dem 21. Januar 2025 bei 1,40 Euro zuzüglich Umsatzsteuer je Arbeitswert, ein Anstieg von 17 Prozent gegenüber dem Wert von 1,20 Euro aus dem Jahr 2020.

Kann man einen Kamin ohne Schornstein betreiben?

Ein Kamin lässt sich ohne klassischen Schornstein nur mit Ethanol- oder Elektro-Feuerstätten betreiben, da diese keine Verbrennungsgase über eine Abgasanlage abführen müssen. Ein Ethanolkamin verbrennt Bioethanol nahezu rückstandsfrei zu Wasserdampf und Kohlendioxid und benötigt daher keinen Schornsteinanschluss, wohl aber ausreichende Raumbelüftung.
Ein Elektrokamin erzeugt die Flammenoptik über LED-Technik und Heizleistung über einen elektrischen Heizstab; er produziert keine Abgase und ist damit vollständig unabhängig von einer Abgasanlage. Für feststoff- oder gasbetriebene Kamine gilt dagegen: Sie benötigen zwingend eine zugelassene Abgasführung, entweder als klassischen Schornstein oder als Luft-Abgas-System (LAS), das raumluftunabhängig arbeitet und durch die Außenwand geführt wird.

Braucht ein Pelletofen zwingend einen Schornstein?

Ein Pelletofen benötigt nicht zwingend einen klassischen Schornstein, sondern kann alternativ über ein zugelassenes Luft-Abgas-System oder einen nachgerüsteten Edelstahlkamin an der Außenwand betrieben werden. Voraussetzung ist in jedem Fall die Abnahme durch den Bezirksschornsteinfeger vor der ersten Inbetriebnahme.
Pelletöfen ohne Wassertasche müssen nach der 1. BImSchV Stufe 2 einen Emissionsgrenzwert von 0,25 Gramm Kohlenmonoxid pro Kubikmeter und 0,03 Gramm Staub pro Kubikmeter einhalten sowie einen Wirkungsgrad von mindestens 85 Prozent erreichen. Bußgelder von bis zu 5.000 Euro drohen, wenn der Pelletofen ohne zulässige Abgasführung betrieben wird.

Braucht ein Gaskamin einen Schornstein?

Ein Gaskamin benötigt in den meisten Fällen keinen klassischen gemauerten Schornstein, sondern arbeitet raumluftunabhängig über ein Luft-Abgas-System (LAS), das Verbrennungsluft ansaugt und Abgase konzentrisch durch dieselbe Wanddurchführung abführt. Diese Bauweise ist besonders bei nachträglichem Einbau in Bestandsgebäuden ohne vorhandenen Schornsteinschacht verbreitet.
Voraussetzung bleibt auch hier die Zulassung des konkreten LAS-Systems durch das DIBt sowie die Abnahme durch den zuständigen Bezirksschornsteinfeger, der die Feuerstätte in das Kehrbuch einträgt und damit die Kehr- und Prüfpflichten nach der Kehr- und Überprüfungsordnung auslöst.

Welche technischen Kennzahlen hat ein doppelwandiger Edelstahlschornstein (Ø150 mm)?

Ein doppelwandiger Edelstahlschornstein mit 150 Millimeter Innendurchmesser besteht aus einem Innenrohr mindestens der Werkstoffnummer 1.4404 oder 1.4521, einem Außenrohr aus 1.4301 und einer Dämmschicht von 25 bis 30 Millimetern mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,035 W/(m·K).
Klassifizierung von Abgasanlagen nach DIN EN 1443 mit Bedeutung der wichtigsten Kennbuchstaben.

Klassenkürzel

Kategorie

Bedeutung

 

T400

Temperaturklasse

zulässig bis 400 °C Abgastemperatur

N1

Druckklasse (Unterdruck)

Prüfdruck 40 Pa

W

Feuchteklasse

feuchteunempfindlich (nass-/trockenbeständig)

G

Rußbrandbeständigkeit

rußbrandbeständig nach Prüfverfahren

Diese Kennzahlen entscheiden über die zulässige Anwendung: Ein für T400 zugelassenes Rohr darf nicht an eine Feuerstätte mit höheren Abgastemperaturen angeschlossen werden, und nur die Klasse G ist für Feststofffeuerstätten mit Rußbrandrisiko zugelassen. Die Dimensionierung selbst erfolgt nach DIN EN 13384-1/-2, häufig über herstellerseitige Online-Tools wie die Querschnittsbemessung von Schiedel oder PLEWA.

Welche Vorschriften und Normen gelten 2025/2026?

Für Hausschornsteine gilt seit Februar 2023 die DIN 18160-1:2023-02, ergänzt durch die Berechnungsnorm DIN EN 13384 und die Kehr- und Überprüfungsordnung (KÜO) für den laufenden Betrieb. Die alte Vorgängernorm DIN V 18160-1:2006-01 ist ersetzt, ebenso wie die Berechnungsnorm DIN 4705, die vollständig zurückgezogen und durch DIN EN 13384-1/-2 abgelöst wurde.
Zeitleiste relevanter Vorschriftenänderungen für Schornsteine 2022 bis 2026.

Datum

Änderung

 

01.01.2022

Pflicht zur Mindestüberragung First von 40 cm bei Neubauten (VDI 3781 Blatt 4)

Februar 2023

DIN 18160-1:2023-02 in Kraft, Winkelgrenze über 30° mit Nachweis zulässig

21.01.2025

KÜO-Arbeitswert auf 1,40 € angehoben (+17 % ggü. 2020)

29.07.2026

GModG in Kraft, hebt 65-%-Pflicht für erneuerbare Energien auf

Die Feuerstättenschau findet zweimal in sieben Kalenderjahren statt und wird mindestens fünf Werktage vorher angekündigt. Holzpellet-Feuerstätten unterliegen zusätzlich zwei Kehrungen und einer Überprüfung pro Jahr, wobei das unverdünnte Abgas den CO-Grenzwert von 1.000 ppm nicht überschreiten darf.

Wie läuft Planung und Installation eines Schornsteins ab?

Die Installation eines Schornsteins folgt vier Schritten: Bedarfsermittlung und Querschnittsberechnung nach DIN EN 13384, Auswahl der Bauart, Montage durch einen Fachbetrieb und abschließende Abnahme durch den Bezirksschornsteinfeger.

Schritt 1: Querschnittsberechnung

Der Fachbetrieb ermittelt den erforderlichen Innendurchmesser anhand der Nennleistung der Feuerstätte, der wirksamen Höhe und der Abgastemperatur — häufig über ein herstellerseitiges Berechnungstool nach DIN EN 13384.

Schritt 2: Positionierung und Mindestabstände

Die untere Reinigungsöffnung wird 40 bis 140 Zentimeter über dem Boden platziert, mit einem Mindestabstand von 40 Zentimetern zu brennbaren Bauteilen oder 20 Zentimetern bei zusätzlichem Strahlungsschutz. Moderne Systemschornsteine benötigen zur Schornsteinwand selbst nur noch 50 Millimeter Abstand zu brennbaren Bauteilen.

Schritt 3: Montage und Dachdurchführung

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Die Mündung muss den First um mindestens 40 Zentimeter überragen und mindestens 3 Meter Abstand zur Grundstücksgrenze einhalten, sofern die Landesbauordnung dies vorsieht.

Schritt 4: Abnahme

Vor der ersten Inbetriebnahme prüft der Bezirksschornsteinfeger Zugverhalten, Dichtheit und Einhaltung der Grenzwerte und trägt die Feuerstätte in das Kehrbuch ein; die Abnahme kostet 100 bis 250 Euro.

Wie verkleidet man einen Schornstein innen und außen?

Ein Schornstein wird außen mit Klinker, Putz oder vorgehängten Fassadenplatten verkleidet, innen dagegen mit rußbrandbeständigen Formstücken oder einem nachträglich eingezogenen Edelstahlrohr saniert. Die Außenverkleidung dient vor allem dem Wetterschutz und der optischen Anpassung an die Fassade, während die Innenverkleidung die Rußbrandbeständigkeit und Dichtheit gegenüber Kondensat sicherstellt.
Bei der Innenverkleidung schreibt die Feuerwiderstandsklasse des gewählten Systems vor, welche Formstücke zulässig sind: Nur Klasse G nach DIN EN 1443 gilt als rußbrandbeständig und damit für Feststofffeuerstätten geeignet. Für die Außenverkleidung gilt seit 2013 die CE-Kennzeichnungspflicht nach EU-Bauprodukteverordnung für alle serienmäßig gefertigten Edelstahlschornstein-Bauteile.

Wie dichtet man die Dachdurchführung richtig ab?

Die Dachdurchführung eines Schornsteins wird mit einer speziellen Manschette oder einem Formblech abgedichtet, das exakt auf die Dacheindeckung und den Rohrdurchmesser abgestimmt ist. Bei Ziegeldächern kommt meist ein zugeschnittenes Anschlussblech mit Aluminium- oder Bleikragen zum Einsatz, bei Blechdächern eine flexible Silikonmanschette.
Undichte Dachdurchführungen sind eine der häufigsten Ursachen für Feuchteschäden am Dachstuhl: Feuchtigkeit dringt entlang des Schornsteins ein und begünstigt zusätzlich Versottung, wenn Kondensat von außen in das Mauerwerk zieht. Die Abdichtung wird deshalb im Rahmen der Abnahme durch den Bezirksschornsteinfeger mitgeprüft.

Braucht jeder Schornstein eine Abdeckung/Regenhaube?

Eine Regenhaube ist nicht für jeden Schornstein vorgeschrieben, aber bei Feststofffeuerstätten fachlich empfohlen, um Niederschlag am Eindringen in den Schacht zu hindern. Eindringende Feuchtigkeit erhöht das Versottungsrisiko und kann die Dämmschicht eines doppelwandigen Edelstahlschornsteins dauerhaft durchfeuchten.
Bei Gas- und Ölfeuerstätten ist eine feste Abdeckung dagegen meist unzulässig, da sie den freien Abzug der Abgase behindern und zu gefährlichem Rückstau führen kann. Die Zulässigkeit einer Regenhaube hängt daher von der angeschlossenen Feuerstättenart und der bauaufsichtlichen Zulassung des jeweiligen Schornsteinsystems ab.

Was ist eine Reinigungsklappe und ist sie Pflicht?

Eine Reinigungsklappe ist eine verschließbare Öffnung am Fuß des Schornsteins, über die Ruß und Kondensat entnommen werden, und sie ist für jeden Schornstein mit Feststofffeuerstätte verpflichtend. Sie wird 40 bis 140 Zentimeter über dem Boden angebracht und muss einen Mindestabstand von 40 Zentimetern zu brennbaren Bauteilen einhalten, sofern kein zusätzlicher Strahlungsschutz verbaut ist.
Der Bezirksschornsteinfeger prüft die Reinigungsklappe bei jeder Feuerstättenschau auf Dichtheit, da eine undichte Klappe Falschluft ansaugt und den Kaminzug messbar reduziert.

Wie findet man einen seriösen Schornstein-Fachbetrieb (auch regional, z. B. Bremen)?

Ein seriöser Schornstein-Fachbetrieb weist eine Meisterqualifikation im Schornsteinfeger- oder Ofen- und Luftheizungsbauer-Handwerk nach und liefert eine schriftliche Berechnung nach DIN EN 13384 vor Montagebeginn. Seit 2013 lässt sich der Kehrbetrieb für Routinearbeiten frei wählen, während die hoheitlichen Aufgaben wie Feuerstättenschau und Abnahme weiterhin dem zuständigen Bezirksschornsteinfeger vorbehalten sind.
Konkrete Prüfkriterien für die Angebotsauswahl sind die DIBt-Zulassungsnummer (abZ, aBG oder ETA) des angebotenen Systemschornsteins, ein schriftliches Angebot mit ausgewiesenem Innendurchmesser und Feuerwiderstandsklasse sowie die Mitgliedschaft im Zentralverband des Deutschen Schornsteinfegerhandwerks oder einer vergleichbaren Landesinnung. Auch in Bremen gilt: Wer mehrere schriftliche Angebote mit identischer Leistungsbeschreibung einholt, erkennt Ausreißer bei Material- oder Montagekosten am schnellsten.

Welche Nachteile, Risiken und typischen Fehler gibt es?

Die drei häufigsten Fehler bei Schornsteinen sind Versottung durch falsche Dimensionierung, Rußbrand durch mangelnde Reinigung und eine fehlende Abnahme vor Inbetriebnahme.

Fehler 1: Versottung durch falsche Dimensionierung

Ein zu großer Schornsteinquerschnitt kühlt die Abgase unter den Taupunkt ab, sodass Kondensat in das Mauerwerk eindringt. Symptom sind feuchte, dunkle Flecken an der Schornsteinaußenwand; die Folge ist eine dauerhafte Durchfeuchtung des Mauerwerks; die Prävention liegt in einer korrekten Querschnittsberechnung nach DIN EN 13384 vor dem Einbau.

Fehler 2: Rußbrand durch mangelnde Reinigung

Unverbrannte Rußablagerungen können sich bei hoher Abgastemperatur selbst entzünden. Symptom ist ein plötzliches lautes Brummen mit Funkenflug aus der Mündung; die Folge sind Temperaturen über 100 Grad Celsius an der Innenwand mit Rissbildung; die Prävention ist die regelmäßige Kehrung nach den KÜO-Intervallen.

Fehler 3: Fehlende Abnahme vor Inbetriebnahme

Bußgelder von bis zu 5.000 Euro drohen, wenn eine neue oder geänderte Feuerstätte ohne Abnahme durch den Bezirksschornsteinfeger in Betrieb genommen wird. Die Prävention besteht in der frühzeitigen Anmeldung der Baumaßnahme beim zuständigen Kehrbezirk.
Eine bundesweite Erhebung aus dem Jahr 2018 zählte 1,4 Millionen Mängel an Bestandsanlagen und 110.000 Mängel an Neubauten; eine aktuellere, mit dieser vergleichbare Statistik für 2026 liegt nicht vor.

Was passiert mit dem Schornstein beim Umstieg auf eine Wärmepumpe?

Eine Wärmepumpe benötigt keinen Schornstein, da sie Umgebungswärme statt Verbrennungsenergie nutzt und keine Abgase erzeugt. Ein vorhandener Schornstein wird beim vollständigen Heizungstausch überflüssig, bleibt aber baulich bestehen und lässt sich weiterhin für einen ergänzenden Kaminofen oder Pelletofen als Zusatzheizung nutzen.
In der Praxis kombinieren viele Bestandsgebäude eine Wärmepumpe als Grundlastheizung mit einem bestehenden Kaminofen am vorhandenen Schornstein für Spitzenlasten oder besonders kalte Tage. Der Schornstein muss dafür weiterhin die volle Feuerstättenschau- und Kehrpflicht nach der KÜO erfüllen, auch wenn er nur noch gelegentlich genutzt wird.

Was heißt Schornstein auf Englisch – chimney, flue oder stack?

Im Englischen entspricht der Hausschornstein am ehesten "chimney", während "flue" das einzelne Abgasrohr innerhalb der Anlage bezeichnet und "stack" meist für große Industrieschornsteine verwendet wird. Diese Unterscheidung ist bei technischen Datenblättern importierter Systemschornstein-Bauteile relevant, da europäische und britische Hersteller die Begriffe unterschiedlich präzise verwenden.

Wie verändert sich der Schornstein durch GEG/GModG und die Energiewende?

Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) hat die im Gebäudeenergiegesetz verankerte 65-Prozent-Pflicht für erneuerbare Energien seit dem 29. Juli 2026 sowohl für Neubauten als auch für Bestandsgebäude aufgehoben und dadurch die verbindliche Kopplung zwischen Heizungstausch und Schornsteinverzicht gelockert. Diese Änderung reduziert den regulatorischen Druck, bestehende Schornstein-Feuerstätten zwingend durch schornsteinlose Systeme zu ersetzen.
Für die Praxis bedeutet das: Ein bestehender Schornstein kann auch nach 2026 länger als reine Übergangs- oder Zusatzlösung neben einer Wärmepumpe genutzt werden, ohne dass eine gesetzliche Mindestquote erneuerbarer Energien den vollständigen Rückbau erzwingt.

Häufige Fragen zu Schornstein

Wie hoch muss ein Schornstein mindestens sein?

Die Mündung eines Schornsteins muss den First des Daches um mindestens 40 Zentimeter überragen, diese Pflicht gilt für Neubauten seit dem 1. Januar 2022 nach VDI 3781 Blatt 4.

Welche Norm gilt aktuell für Hausschornsteine?

Aktuell gilt die DIN 18160-1:2023-02, die die frühere DIN V 18160-1:2006-01 ersetzt und im Unterdruckbetrieb auch Neigungswinkel über 30 Grad mit Berechnungsnachweis zulässt.

Wie oft muss ein Schornstein gekehrt werden?

Feststoff-Feuerstätten wie Holzpelletöfen benötigen nach der Kehr- und Überprüfungsordnung zwei Kehrungen und eine Überprüfung pro Jahr.

Was kostet die Abnahme durch den Schornsteinfeger?

Die Abnahme einer neuen oder geänderten Feuerstätte kostet 100 bis 250 Euro und ist vor der ersten Inbetriebnahme verpflichtend.

Kann ich den Kehrbetrieb frei wählen?

Seit 2013 lässt sich der Kehrbetrieb für Routinearbeiten frei wählen, die hoheitlichen Aufgaben wie Feuerstättenschau bleiben beim zuständigen Bezirksschornsteinfeger.

Braucht eine Wärmepumpe einen Schornstein?

Nein, eine Wärmepumpe nutzt Umgebungswärme statt Verbrennung und benötigt daher keinen Schornstein und keine Abgasanlage.

Für wen lohnt sich ein Schornstein 2026 noch?

Ein Schornstein lohnt sich 2026 vor allem für Bestandsgebäude mit Kaminofen-Nachrüstung, für Pelletofen- oder Gaskamin-Nachrüstungen ohne Bestandsschacht und für sanierungsbedürftige Bestandsschornsteine — nicht dagegen für Neubauten mit reiner Wärmepumpen-Heizung.

Profil 1: Bestandsgebäude mit geplantem Kaminofen

Für Eigentümer, die einen Kaminofen als Zusatzheizung nachrüsten möchten, lohnt sich ein Edelstahlschornstein mit Rußbrandbeständigkeitsklasse G nach DIN EN 1443 bei Kosten von 800 bis 3.500 Euro komplett — insbesondere in Kombination mit einer bestehenden Wärmepumpe als Grundlastheizung.

Profil 2: Neubau mit reiner Wärmepumpen-Heizung

Wer ausschließlich eine Wärmepumpe plant, benötigt keinen Schornstein, da keine Verbrennungsgase anfallen und die 65-Prozent-Pflicht seit dem GModG ohnehin keinen Schornsteinverzicht erzwingt.

Profil 3: Pelletofen- oder Gaskamin-Nachrüstung ohne Bestandsschacht

Für diese Feuerstätten reicht in vielen Fällen ein zugelassenes Luft-Abgas-System oder ein schlanker Edelstahlkamin an der Außenwand, ohne dass ein vollwertiger gemauerter Schornstein errichtet werden muss.

Profil 4: Bestandsschornstein mit Sanierungsbedarf

Bei Versottungsschäden oder veralteter Klassifizierung lohnt sich häufiger eine Sanierung durch Edelstahl-Einzug für 500 bis 2.000 Euro als ein kompletter Neubau, sofern der Bestandsschacht statisch intakt ist.

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REDAKTION

Urik Muller

Senior Texter

Leidenschaftlich für Wärmepumpen