Das Wichtigste in Kürze
- Definition: Ein bifaziales Solarmodul erzeugt Strom von Vorder- UND Rückseite und erreicht dadurch bis zu 15 % Mehrertrag gegenüber einem monofazialen Modul.
- Referenzrechnung: Eine 8-kWp-Anlage liefert mit bifazialen Modulen 8.970 kWh statt 7.800 kWh pro Jahr — ein Plus von rund 190 Euro Stromertrag.
- Preisaufschlag: Bifaziale Module kosten 3 bis 15 % mehr als vergleichbare monofaziale Module; im Einzelvertrieb für Balkonkraftwerke startet ein 500-Watt-Modul bei 249 Euro, als Großhandelsware für Dachanlagen ein 620-Watt-Modul ab 66,39 Euro pro Stück.
- Untergrund entscheidet: Auf hellem Kies oder weißer Dachfolie steigt der Ertrag um bis zu 25 %, auf einem dunklen Ziegeldach liegt der Zugewinn bei unter 2 %.
- Förderung 2026: Die EEG-Einspeisevergütung beträgt 7,70 ct/kWh (Teileinspeisung) bzw. 12,22 ct/kWh (Volleinspeisung) — ein eigener Bifazial-Bonus existiert weder im EEG noch bei der KfW 270.
- Hersteller: Heckert Solar ist der einzige Volumenhersteller mit durchgehender Vollfertigung in Deutschland; Zendure, JA Solar, LONGi und Solarwatt ergänzen den Markt.
- Eignung: Bifaziale Module lohnen sich auf Flachdach, Carport und Freifläche mit hellem Untergrund; auf einem dunklen Schrägdach ist ein monofaziales Modul die wirtschaftlichere Wahl.
Was sind bifaziale Solarmodule und wie funktionieren sie?
Ein bifaziales Solarmodul ist ein Photovoltaikmodul, das Sonnenlicht über die Vorderseite UND die Rückseite in Strom umwandelt, während ein monofaziales Modul ausschließlich die Vorderseite nutzt. Die Rückseite nimmt reflektiertes Licht aus der Umgebung auf — von hellem Kies, weißer Dachfolie oder Schnee — und wandelt es zusätzlich in Strom um.
Die Kennzahl für diese Fähigkeit ist der Bifazialitätsfaktor. Er setzt den Wirkungsgrad der Rückseite ins Verhältnis zum Wirkungsgrad der Vorderseite.
Bifazialitätsfaktor (%) = (Wirkungsgrad Rückseite ÷ Wirkungsgrad Vorderseite) × 100
Wo:
- Wirkungsgrad Rückseite: Umwandlungsrate der Zellrückseite in Prozent
- Wirkungsgrad Vorderseite: Umwandlungsrate der Zellvorderseite in Prozent
Aktuelle TOPCon-Zellen erreichen einen Bifazialitätsfaktor von 80 bis 90 %, HJT-Zellen 85 bis 95 % und ältere PERC-Zellen 65 bis 80 %. Der Modulaufbau ist von der Zelltechnologie zu unterscheiden: Ein Glas-Glas-Modul beschreibt den Materialaufbau mit Glasscheiben auf beiden Seiten, während "bifazial" die photoelektrische Fähigkeit der Zellen bezeichnet — nicht jedes Glas-Glas-Modul ist automatisch bifazial, auch wenn beide Begriffe in der Praxis häufig gemeinsam auftreten.
Glas-Glas oder Glas-Folie – was ist der Unterschied, und ist das dasselbe wie bifazial?
Glas-Glas-Module betten die Solarzellen zwischen zwei Glasscheiben ein,
Glas-Folie-Module schützen die Rückseite stattdessen mit einer Kunststofffolie. Der Unterschied bestimmt Lebensdauer, Gewicht und Garantiezeit, nicht die Bifazialität selbst.
Vergleich der Bauarten Glas-Glas und Glas-Folie bei bifazialen Solarmodulen
Merkmal | Glas-Glas | Glas-Folie |
Leistungsgarantie | bis zu 30 Jahre | 10 bis 25 Jahre |
Garantierte Restleistung am Laufzeitende | mindestens 87 % | 80 bis 85 % |
PID-Risiko (Potential Induced Degradation) | erhöht bei Glas-Glas-Verkapselung | geringer |
Rückseiten-Transparenz für Bifazialität | vollständig lichtdurchlässig | je nach Folientyp eingeschränkt |
Das Forschungsinstitut imec dokumentiert, dass die Glas-Glas-Verkapselung in Kombination mit bifazialen Zellen das Risiko einer Potential Induced Degradation deutlich erhöht — ein Effekt, der die Leistung durch elektrochemische Prozesse im Modul über die Zeit reduziert.
Welche Zelltechnologie steckt in bifazialen Modulen – PERC, TOPCon oder HJT?
TOPCon ist 2026 die dominierende Zelltechnologie in bifazialen Modulen und erreicht laut dem Marktforscher InfoLink über 94 % der Modul-Shipments der zehn größten Hersteller im ersten Halbjahr 2025 sowie 88,3 % der Zell-Shipments der fünf größten Hersteller im Gesamtjahr 2025.
Zelltechnologien in bifazialen Solarmodulen und ihre Kennzahlen
Zelltechnologie | Bifazialitätsfaktor | Marktanteil bei Top-Herstellern (2025) |
TOPCon | 80 bis 90 % | 88,3 bis 94 % |
PERC | 65 bis 80 % | ca. 10 % |
HJT | 85 bis 95 % | Nischensegment |
Der n-Typ-Wafer, die technologische Basis von TOPCon, erreicht 2024 laut dem Verband VDMA einen Anteil von rund 70 % am globalen Wafermarkt und überholt damit erstmals den p-Typ-Wafer der PERC-Technologie. Der Marktanteil bifazialer Zellen insgesamt liegt 2024 bei etwa 90 % und steigt laut VDMA-Prognose in den kommenden zehn Jahren auf rund 95 %.
Wie wird die Bifazialität gemessen – Bifazialitätsfaktor, BNPI und die zugrunde liegende IEC-Norm?
Die Norm
IEC 61215-1:2021 definiert die
BNPI (Bifacial Nameplate Irradiance) als Referenz-Bestrahlungsstärke für die Nennleistungsangabe bifazialer Module: 1.000 W/m² auf der Vorderseite plus gleichzeitig 135 W/m² auf der Rückseite. Nach dieser Norm ist die Nennleistung eines bifazialen Moduls bei BEIDEN Bestrahlungswerten anzugeben. Die separate Norm
IEC TS 60904-1-2:2024 beschreibt dagegen ausschließlich das Messverfahren für die
Strom-Spannungs-Kennlinien bifazialer Module und ergänzt damit die Nennleistungsnorm, ohne die BNPI selbst zu definieren.
PBNPI = PSTC × (1 + φ × 0,135)
Wo:
- PBNPI: Nennleistung unter BNPI-Bedingungen in Wp
- PSTC: Nennleistung unter Standard Test Conditions in Wp
- φ: Bifazialitätsfaktor als Dezimalwert (z. B. 0,85 für 85 %)
- 0,135: normierte Rückseitenbestrahlung von 135 W/m² bei 1.000 W/m² Vorderseite
Beispiel: 530-Wp-TOPCon-Modul im Referenzhaushalt
Gegeben: PSTC = 530 Wp, Bifazialitätsfaktor φ = 0,85 (TOPCon-Mittelwert)
Berechnung: 530 Wp × (1 + 0,85 × 0,135) = 530 Wp × 1,11475
Ergebnis: PBNPI ≈ 591 Wp — rund 11,5 % über der reinen STC-Nennleistung des Moduls.
Wie viel Mehrertrag bringen bifaziale Module wirklich, und welche Rolle spielt die Albedo?
Bifaziale Module erzeugen unter realen deutschen Bedingungen 5 bis 15 % mehr Solarstrom als monofaziale Module; unter optimalen Bedingungen mit heller Aufstellfläche und freier Aufständerung steigt der Mehrertrag auf 25 bis 30 %. Entscheidend ist die Albedo — der Reflexionsgrad des Untergrunds.
Albedo verschiedener Untergründe und der daraus resultierende Mehrertrag bifazialer Module
Untergrund | Albedo | Mehrertrag |
Rote/dunkle Dachziegel | unter 10 % | unter 2 % |
Gras | 20 bis 25 % | gering |
Heller Kies/Beton | 40 bis 60 % | 12 bis 20 % |
Weiße Dachfolie/weißer Anstrich | 60 bis 80 % | 18 bis 25 % |
Frischer Schnee | 80 bis 95 % | maximal, saisonal begrenzt |
Beispiel: 8-kWp-Anlage nach ADAC-Referenzrechnung
Gegeben: 8-kWp-Anlage, monofazialer Referenzertrag 7.800 kWh/Jahr, Strompreis-Referenz rund 190 Euro Mehrertrag
Berechnung: 7.800 kWh × 1,15 (15 % Mehrertrag) = 8.970 kWh
Ergebnis: 8.970 kWh pro Jahr statt 7.800 kWh — ein Plus von 1.170 kWh und rund 190 Euro pro Jahr.
Jährlicher und langfristiger Mehrertrag der 8-kWp-Referenzanlage über 20 Jahre Laufzeit
Kennzahl | Jährlich | Summe über 20 Jahre |
Ertrag monofazial | 7.800 kWh | 156.000 kWh |
Ertrag bifazial | 8.970 kWh | 179.400 kWh |
Zusätzlicher Ertrag durch Bifazialität | 1.170 kWh / ca. 190 € | 23.400 kWh / ca. 3.800 € |
Welcher Untergrund eignet sich für bifaziale Module – lohnen sie sich auf einem Ziegeldach?
Bifaziale Module eignen sich am besten für Flachdächer mit heller Kiesschüttung, Carports und freistehende Aufständerungen, weil diese Untergründe der Rückseite ausreichend reflektiertes Licht liefern. Auf einem konventionellen dunklen Ziegeldach ist der Einsatz laut ADAC wenig sinnvoll, weil die Rückseite dort kaum Licht empfängt.
Der Grund liegt in der Montageform: Auf einem Schrägdach liegt das Modul dicht über der Dachfläche, wodurch die Rückseite größtenteils verdeckt bleibt. Auf einem Flachdach mit weißer EPDM-Dachbahn und einem Abstand von 20 bis 30 cm zur Fläche erreicht die Rückseite dagegen deutlich mehr reflektiertes Licht. Für ein Ziegeldach empfiehlt sich stattdessen ein monofaziales Modul, da der Kostenaufschlag für die Bifazialität dort kaum durch Mehrertrag kompensiert wird.
Wie installiert man bifaziale Module richtig (Montagehöhe, Neigungswinkel)?
Bifaziale Module benötigen laut ADAC eine Mindesthöhe von 30 cm über dem Untergrund, ideal ist ein Abstand von rund 100 cm. Der optimale Neigungswinkel für maximalen Rückseitenertrag liegt zwischen 30 und 35 Grad.
- Mindestabstand: 30 cm zwischen Modulunterkante und Untergrund, sonst wird die Rückseite abgeschattet
- Idealabstand: rund 100 cm für maximale Lichteinstrahlung von unten
- Neigungswinkel: 30 bis 35 Grad für den besten Kompromiss zwischen Vorder- und Rückseitenertrag
- Montagegestell: transparente oder schmale Klemmsysteme statt breiter Schienen, um Verschattung der Rückseite zu vermeiden
Standard-Montageschienen können die Rückseite eines bifazialen Moduls teilweise abschatten und den Mehrertrag reduzieren. Fachbetriebe setzen deshalb auf schmalere Klemmsysteme, die die reflektierende Fläche unter dem Modul möglichst wenig verdecken.
Was kosten bifaziale Solarmodule 2026, und wie hoch ist der Preisaufschlag gegenüber monofazialen Modulen?
Bifaziale Solarmodule kosten 2026 je nach Hersteller und Zelltechnologie 3 bis 15 % mehr als vergleichbare monofaziale Module. Der pvXchange-Modulpreisindex weist für Juli 2026 folgende Großhandelspreise nach Segment aus.
Modulpreisindex nach Marktsegment, Juli 2026 (Quelle: pvXchange/Solarserver)
Segment | Preis | Veränderung zum Vormonat |
High Efficiency | 0,145 €/Wp | −3,3 % |
All Black | 0,160 €/Wp | ±0 % |
Mainstream | 0,135 €/Wp | +3,8 % |
Low Cost | 0,075 €/Wp | ±0 % |
Bifaziale Module ordnen sich meist im Segment High Efficiency oder Mainstream ein. Für eine 8-kWp-Referenzanlage mit 15 Modulen à 530 Wp ergibt ein Modulpreis von 0,135 €/Wp reine Modulkosten von rund 1.073 Euro, zuzüglich Wechselrichter, Montage und Installation.
Was kosten bifaziale 500-Watt- und 600-Watt-Module konkret?
Ein bifaziales 500-Watt-Modul kostet ab 249 Euro, ein bifaziales 620-Watt-Modul ist bereits ab 66,39 Euro erhältlich — die Bandbreite zeigt, wie stark Marke und Anwendungsfall den Preis bestimmen.
Konkrete Marktpreise bifazialer Module in der 500- und 600-Watt-Klasse
Modell | Leistung | Wirkungsgrad | Preis pro Modul | Preis pro Wp |
Zendure RM-515W-182R/108TB | 515 Wp | 23,17 % | 249,00 € | 0,484 €/Wp |
JA Solar JAM72D42-620/LB | 620 Wp | k. A. | 66,39 € | 0,107 €/Wp |
Jinko Tiger Neo JKM620-66HL4M-BDV | 620 Wp | k. A. | 86,61 € | 0,140 €/Wp |
Der Preisunterschied zwischen dem Zendure-Modul und den beiden 620-Watt-Modulen erklärt sich durch den Vertriebsweg: Zendure verkauft sein Modul einzeln über den Direktvertrieb für Balkonkraftwerke inklusive 15 Jahren Garantie und IP68-Schutz, während die 620-Watt-Module als Großhandelsware für komplette Dachanlagen kalkuliert sind.
Eignen sich bifaziale Module für ein Balkonkraftwerk?
Bifaziale Module eignen sich für ein Balkonkraftwerk, wenn die Montageposition freien Rückseitenlichteinfall erlaubt — etwa an einem Balkongeländer mit hellem Hintergrund oder auf einer freistehenden Terrassenhalterung. Das Zendure RM-515W-182R/108TB mit 515 Wp Nennleistung, 23,17 % Wirkungsgrad und IP68-Schutz ist für diesen Einsatzbereich konzipiert und liegt bei 249 Euro pro Modul.
An einer geschlossenen Hauswand oder direkt vor einer dunklen Fassade bringt die Bifazialität kaum Zusatzertrag, weil der Rückseite reflektierendes Licht fehlt. Für kleine bifaziale Module gilt damit dieselbe Regel wie für große Dachanlagen: Der Mehrertrag hängt direkt von der Albedo der Montageumgebung ab.
Welche Hersteller bieten bifaziale Module an – Zendure, JA Solar, LONGi, Heckert Solar und Solarwatt im Vergleich?
Heckert Solar, Zendure, JA Solar, LONGi und Solarwatt zählen 2026 zu den wichtigsten Anbietern bifazialer Module auf dem deutschen Markt, mit deutlichen Unterschieden bei Fertigungsstandort und Garantiezeit.
Herstellervergleich bifazialer Solarmodule 2026
Hersteller / Modell | Leistung | Wirkungsgrad | Garantie | Fertigung |
Heckert Solar Apollon 2.0 | 450 bis 460 Wp | bis 23,0 % | 30 Jahre Produkt- und Leistungsgarantie | Chemnitz und Langenwetzendorf, Deutschland |
Zendure RM-515W-182R/108TB | 515 Wp | 23,17 % | 15 Jahre | OEM-Fertigung durch Solarway |
JA Solar JAM60D42-530/LB | 530 Wp | bis 22,7 % | 12 Jahre Produkt / 30 Jahre Leistung | Asien |
LONGi Hi-MO X10 | 475 bis 485 Wp | 23,3 bis 23,8 % | 15 Jahre Material / 30 Jahre Leistung | Asien |
Solarwatt Panel vision M 5.0/5.5 | 445 bis 470 Wp | 22,3 bis 23,8 % | 30 Jahre Produkt und Leistung | Asien (Auftragsfertigung), Dresden nur Entwicklung/Qualitätssicherung |
Laut einer Marktübersicht deutscher Modulhersteller (Stand Juni 2026) ist Heckert Solar der einzige Volumenhersteller mit durchgehender Vollfertigung in Deutschland, an den Standorten Chemnitz und Langenwetzendorf — kleinere Anbieter wie Sonnenstromfabrik (Wismar) oder AxSun Solar fertigen ebenfalls im Land, jedoch in deutlich geringerem Umfang. Sein Modell Apollon 2.0 erreicht 99,0 % Restleistung nach dem ersten Betriebsjahr, danach eine Degradation von unter 0,45 % pro Jahr und garantiert nach 30 Jahren noch 88,85 % der ursprünglichen Leistung. Der ältere Apollon 1.0 (430 bis 440 Wp) bietet dagegen nur 15 Jahre Produkt- und 25 Jahre Leistungsgarantie — die beiden Modellgenerationen sind bei der Garantiewahl nicht zu verwechseln.
Solarwatt hat die eigene Modulfertigung in Dresden im August 2024 eingestellt; der Standort übernimmt seither ausschließlich Unternehmenssitz, Forschung, Qualitätssicherung und Garantieabwicklung, während die Produktion über asiatische Auftragsfertiger läuft. LONGi behandelt die IEC-Normung ausdrücklich als unabhängiges Gremium, dessen Vorgaben das Unternehmen anwendet und durch TÜV SÜD prüfen lässt — LONGi ist weder Miturheber der BNPI-Definition noch der Messnorm IEC TS 60904-1-2.
Worauf sollte man beim Kauf bifazialer Module achten?
Beim Kauf bifazialer Module zählen vier Kriterien: der belegte Bifazialitätsfaktor im Datenblatt, die Garantiezeit für Produkt und Leistung, die Eignung des geplanten Untergrunds und der Fertigungsstandort.
Kriterium 1: Bifazialitätsfaktor im Datenblatt
Ein seriöses Datenblatt weist den Bifazialitätsfaktor explizit aus, etwa Trina Solar für das Modell Vertex N mit 80 ± 5 %. Fehlt diese Angabe, lässt sich der reale Mehrertrag nicht kalkulieren.
Kriterium 2: Garantiezeit
Glas-Glas-Module bieten bis zu 30 Jahre Leistungsgarantie mit mindestens 87 % Restleistung, Glas-Folie-Module dagegen nur 10 bis 25 Jahre bei 80 bis 85 % Restleistung — ein Unterschied von bis zu 20 Jahren Garantiezeit.
Kriterium 3: Untergrund-Eignung
Ein heller Untergrund mit mindestens 40 % Albedo rechtfertigt den Preisaufschlag von 3 bis 15 %; auf einem dunklen Ziegeldach amortisiert sich der Aufpreis kaum.
Kriterium 4: Fertigungsstandort
Der Fertigungsstandort bestimmt Lieferketten-Transparenz und Qualitätskontrolle. Unter den hier verglichenen Herstellern fertigt Heckert Solar als einziger Volumenhersteller durchgehend in Deutschland, an den Standorten Chemnitz und Langenwetzendorf. JA Solar und LONGi fertigen in Asien, Solarwatt lässt seit August 2024 ausschließlich über asiatische Auftragsfertiger produzieren, und Zendure vertreibt sein Modul über eine OEM-Fertigung durch Solarway.
Welche Förderung gibt es 2026 für bifaziale Solarmodule (EEG, KfW)?
Für bifaziale Solarmodule gilt 2026 dieselbe Förderung wie für monofaziale Module: die EEG-Einspeisevergütung und der KfW-270-Kredit — ein technologiespezifischer Bifazial-Bonus existiert in keinem der beiden Instrumente.
EEG-Einspeisevergütung für PV-Anlagen bis 10 kWp, gültig vom 1. August 2026 bis 31. Januar 2027
Einspeisemodell | Vergütung |
Teileinspeisung | 7,70 ct/kWh |
Volleinspeisung | 12,22 ct/kWh |
Die Bundesnetzagentur senkt die Vergütungssätze seit 2024 halbjährlich mit einem festen Degressionssatz. Das geplante Solarpaket I sieht für Aufdach-Gewerbeanlagen von 40 bis 1.000 kWp eine zusätzliche Erhöhung um 1,5 ct/kWh vor, die zum Stand August 2026 noch nicht in Kraft ist, da die beihilferechtliche Genehmigung der EU-Kommission aussteht.
Der
KfW-270-Kredit finanziert bis zu 100 % der Investitionskosten mit einem Höchstbetrag von 150 Millionen Euro pro Vorhaben, einer Laufzeit von bis zu 30 Jahren und bis zu 5 tilgungsfreien Anlaufjahren. Das Programm deckt Dach-, Fassaden- und Freiflächenanlagen sowie gebrauchte Anlagen ab, unabhängig davon, ob monofaziale oder bifaziale Module verbaut werden.
Welche Nachteile und Risiken haben bifaziale Module?
Nachteil 1: Höheres Gewicht
Symptom: Glas-Glas-Module wiegen laut Herstellerangaben teils merklich mehr als monofaziale Glas-Folie-Module, wobei die Angaben zwischen Quellen streuen und keine einheitliche Prozentzahl belegbar ist.
Folge: Bei Bestandsdächern kann die zusätzliche Dachlast die zulässige statische Grenze erreichen.
Prävention: Vor der Installation auf einem Altbau prüft eine
Statikprüfung die Tragfähigkeit; die Kosten dafür liegen bei 300 bis 1.000 Euro.
Nachteil 2: Erhöhtes PID-Risiko
Symptom: Die Glas-Glas-Verkapselung erhöht laut dem Forschungsinstitut imec das Risiko einer Potential Induced Degradation gegenüber Glas-Folie-Module.
Folge: PID reduziert die Modulleistung über die Betriebsjahre schneller als bei einer regulären Degradation.
Prävention: Ein Fachbetrieb wählt Wechselrichter und Erdungskonzept so, dass sie PID-resistent zertifiziert sind, und prüft die Herstellerangaben zur PID-Beständigkeit vor dem Kauf.
Nachteil 3: Preisaufschlag ohne Mehrertrag auf ungeeignetem Untergrund
Symptom: Der Preisaufschlag von 3 bis 15 % gegenüber monofazialen Modulen fällt auf jedem Untergrund gleich hoch aus, unabhängig von der tatsächlichen Albedo.
Folge: Auf einem dunklen Ziegeldach mit unter 2 % Mehrertrag amortisiert sich der Aufpreis kaum oder gar nicht.
Prävention: Vor dem Kauf prüft eine Albedo-Einschätzung des geplanten Montageorts, ob sich die Bifazialität wirtschaftlich lohnt.
Gibt es einen Testsieger oder unabhängige Tests für bifaziale Solarmodule?
Für bifaziale Solarmodule als eigenständige Produktkategorie existiert 2026 kein dedizierter Test der Stiftung Warentest — die Institution hat bislang keinen Test einzelner bifazialer Dachmodule veröffentlicht, wohl aber Tests zu Balkonkraftwerken, Vergleiche von Photovoltaik-Versicherungen und Tests von Stromspeichern für Photovoltaik-Anlagen. Ein "Testsieger" im klassischen Sinn lässt sich für bifaziale Dachmodule daher aktuell nicht benennen.
Ohne unabhängigen Test verlagert sich die Qualitätsprüfung auf die Datenblattangaben: ein ausgewiesener Bifazialitätsfaktor, eine
Garantiezeit von mindestens 15 Jahren Produkt- und 25 Jahren Leistungsgarantie sowie eine Zertifizierung nach
IEC 61215-1:2021 und
IEC TS 60904-1-2:2024 gelten als belastbare Qualitätskriterien. Modelle wie der Heckert Solar Apollon 2.0 mit 30 Jahren kombinierter Garantie oder der Trina Solar Vertex N mit datenblattbelegtem Bifazialitätsfaktor erfüllen diese Kriterien nachweislich.
Wie entwickeln sich Preise, Technik und Förderung bei bifazialen Modulen künftig?
Der Marktanteil bifazialer Zellen steigt laut VDMA/ITRPV von rund 90 % im Jahr 2024 auf etwa 95 % innerhalb der kommenden zehn Jahre, während TOPCon die dominierende Zelltechnologie bleibt und ältere PERC-Module zunehmend aus der Neuproduktion verschwinden.
Bei der Förderung sinkt die EEG-Einspeisevergütung durch die gesetzlich vorgeschriebene halbjährliche Degression weiter ab, sofern das geplante Solarpaket I mit seiner zusätzlichen Erhöhung um 1,5 ct/kWh für Aufdach-Gewerbeanlagen (40 bis 1.000 kWp) nicht rechtzeitig die beihilferechtliche Genehmigung der EU-Kommission erhält. Bei den Modulpreisen zeigt der pvXchange-Index für Juli 2026 im Mainstream-Segment mit +3,8 % bereits eine leichte Gegenbewegung nach mehreren Rückgängen im High-Efficiency-Segment (−3,3 %) — ein Hinweis auf eine sich stabilisierende Preisspanne von 3 bis 15 % Aufschlag gegenüber monofazialen Modulen.
Häufige Fragen zu bifazialen Solarmodulen
Was bedeutet "bifazial" bei einem Solarmodul?
"Bifazial" bezeichnet ein Solarmodul, das Strom sowohl über die Vorderseite als auch über die Rückseite erzeugt, gemessen am Bifazialitätsfaktor von 65 bis 95 % je nach Zelltechnologie.
Lohnen sich bifaziale Module auf einem normalen Schrägdach?
Auf einem dunklen Ziegel-Schrägdach lohnen sich bifaziale Module kaum: Bei unter 10 % Dachalbedo bleibt der Mehrertrag unter 2 % und gleicht den Preisaufschlag von 3 bis 15 % nicht aus.
Wie viel teurer sind bifaziale Module als monofaziale?
Bifaziale Module kosten 3 bis 15 % mehr als vergleichbare monofaziale Module, abhängig von Hersteller und Zelltechnologie, wie der pvXchange-Modulpreisindex und mehrere Vergleichsquellen für 2026 zeigen.
Welcher Hersteller fertigt bifaziale Module in Deutschland?
Heckert Solar ist 2026 der einzige Volumenhersteller mit durchgehender Vollfertigung bifazialer Module in Deutschland, an den Standorten Chemnitz und Langenwetzendorf.
Gibt es einen Bifazial-Bonus bei der EEG-Vergütung?
Nein, weder die EEG-Einspeisevergütung von 7,70/12,22 ct/kWh noch der KfW-270-Kredit kennen einen technologiespezifischen Bonus für bifaziale Module.
Wie viel Mehrertrag bringt ein bifaziales Modul auf hellem Kies?
Auf hellem Kies mit einer Albedo von 40 bis 60 % erzeugt ein bifaziales Modul 12 bis 20 % mehr Ertrag als ein monofaziales Modul am gleichen Standort.
<strong>Für wen lohnen sich bifaziale Solarmodule?</strong>
Bifaziale Solarmodule lohnen sich für Hausbesitzer mit hellem Flachdach, Carport oder Freifläche, während sie auf einem dunklen Ziegel-Schrägdach ihren Preisaufschlag kaum rechtfertigen.
<strong>Profil 1: Flachdach mit heller Kiesschüttung oder Dachfolie</strong>
Bei einer Albedo von 40 bis 80 % erreicht die Anlage 12 bis 25 % Mehrertrag. Der Preisaufschlag von 3 bis 15 % amortisiert sich hier über die Garantielaufzeit von bis zu 30 Jahren deutlich.
<strong>Profil 2: Carport oder freistehende Aufständerung</strong>
Mit optimalem Neigungswinkel von 30 bis 35 Grad und freier Rückseitenbelichtung erzielen bifaziale Module hier die höchsten realistischen Mehrerträge von bis zu 25 bis 30 %.
<strong>Profil 3: Balkonkraftwerk mit freier Montageposition</strong>
Ein Modell wie das Zendure RM-515W-182R/108TB für 249 Euro eignet sich, wenn die Rückseite reflektiertes Licht von einer hellen Fläche erhält; an einer dunklen Hauswand entfällt der Zusatznutzen.
<strong>Profil 4: Dunkles Ziegel-Schrägdach</strong>
Hier bleibt der Mehrertrag bei unter 10 % Dachalbedo unter 2 %. Ein monofaziales Modul erzielt bei gleichem Budget die wirtschaftlichere Kilowattstunde.