Das Wichtigste in Kürze
- Was es ist: Ein Solarkataster ist eine kostenlose, geodatenbasierte Online-Karte, die die Solareignung jedes Daches anhand von Laserscandaten einstuft — statt eines Vor-Ort-Termins genügen Adresse und ein Klick.
- Datengrundlage: Laserbefliegungen mit 4 bis 10 Punkten pro Quadratmeter erzeugen ein 3D-Oberflächenmodell mit 0,5 Meter Rasterweite, aus dem Neigung, Ausrichtung und Verschattung berechnet werden.
- Verfügbarkeit: 12 von 16 Bundesländern bieten ein landesweites Portal; Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen setzen ganz oder teilweise auf kommunale Lösungen.
- Genauigkeit: Das Ergebnis ist eine Näherung mit ±10 Prozent Bandbreite und ersetzt keine Statik-, Denkmalschutz- oder Netzanschlussprüfung vor Ort.
- Kosten danach: Eine 9-kWp-Anlage kostet 2026 rund 9.000 bis 11.000 Euro bei 0 Prozent Mehrwertsteuer und amortisiert sich in etwa 10 bis 15 Jahren.
- Für wen: Das Solarkataster lohnt sich für jeden Eigentümer als kostenloser erster Filter vor dem Fachbetriebs-Angebot — und als Eignungsnachweis bei der Solarpflicht.
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Was ist ein Solarkataster und wie funktioniert es?
Ein Solarkataster ist die räumliche Darstellung eines geodatenbasierten Analyseverfahrens, das die solaren Potenziale von Gebäudedächern großflächig erfasst und einzelne Dachflächen nach ihrer Eignung für Photovoltaik oder Solarthermie einstuft. Diese Definition stammt vom Energieatlas Baden-Württemberg der Landesanstalt für Umwelt (LUBW). Das Werkzeug liefert eine kostenlose Ersteinschätzung, ob sich ein Dach für eine Solaranlage eignet.
Betreiber sind Kommunen, Bundesländer oder Energieagenturen, die das Kataster meist kostenlos und anmeldefrei online stellen. Der Nutzer gibt seine Adresse ein, die Karte zoomt auf das Gebäude, und eine Farbcodierung zeigt die Eignung an. Die Begriffe Solardachkataster und Solarpotenzialkataster bezeichnen dieselbe Sache; ein bundeseinheitlicher Standard für den Namen existiert nicht.
Das Funktionsprinzip beruht auf drei Schritten. Zuerst erfasst eine
Laserbefliegung die Dachgeometrie dreidimensional. Dann berechnet ein Strahlungsmodell die Sonneneinstrahlung über das ganze Jahr. Zuletzt verschneidet das System diese Werte mit Dachneigung, Ausrichtung und Verschattung zu einer Eignungsklasse. Der Energieatlas Rheinland-Pfalz weist Flächen ab einem spezifischen Stromertrag von
700 kWh/kWp pro Jahr bei unter 20 Prozent Verschattung als geeignet aus.
Abzugrenzen ist das Solarkataster von der Solardachbörse: Diese ist ein Zusatzmodul, über das Eigentümer ihre Dachflächen zur Verpachtung anbieten, etwa in Köln. Vom kommerziellen Solarrechner eines Anbieters unterscheidet sich das amtliche Kataster durch seine herstellerunabhängige Geodatenbasis.
Welche Daten und Methodik stecken hinter einem Solarkataster?
Die Datengrundlage eines Solarkatasters ist das Airborne Laserscanning (ALS): Ein Flugzeug tastet die Erdoberfläche mit Laserpulsen ab und erzeugt eine 3D-Punktwolke, aus der ein digitales Oberflächenmodell entsteht. Die Punktdichte beträgt je nach Land 4 bis 10 Punkte pro Quadratmeter. Hessen arbeitet mit mindestens 4 Punkten/m² bei rund 15 Zentimeter Höhengenauigkeit, Baden-Württemberg mit mindestens 8 Punkten/m², Berlin mit rund 10 Punkten/m² aus der Befliegung 2021.
Aus dieser Punktwolke wird ein digitales Oberflächenmodell (DOM) abgeleitet. Der Energieatlas NRW nutzt für die Dachflächenanalyse eine Rasterweite von 0,5 mal 0,5 Meter und für Freiflächen 1 mal 1 Meter. Anders als ein digitales Geländemodell enthält das DOM auch Aufbauten wie Schornsteine, Bäume und Nachbargebäude — die Grundlage jeder Verschattungsberechnung.
Das Strahlungsmodell simuliert den Sonnenstand im Minutenrhythmus über das ganze Jahr. So ergibt sich für jede Dachfläche die Jahressumme der Globalstrahlung, die in Deutschland je nach Region zwischen rund 1.000 und 1.325 kWh/m²/Jahr liegt; Baden-Württemberg erreicht im Mittel 1.271,91 kWh/m²/Jahr (PVGIS-Daten 2007–2016). Stark verschattete Bereiche mit über 20 Prozent Abschattung nimmt das Verfahren aus der Berechnung heraus.
Der erwartete Jahresertrag folgt einer einfachen physikalischen Beziehung:
Jahresertrag (kWh) = Globalstrahlung H (kWh/m²·Jahr) × Modulfläche A (m²) × Modulwirkungsgrad η (%) × Performance Ratio PR (%)
- H — Globalstrahlung auf die geneigte Dachfläche in kWh/m²/Jahr
- A — nutzbare Modulfläche in m²
- η — Modulwirkungsgrad in Prozent (Marktstandard 2026: rund 23 %)
- PR — Performance Ratio des Gesamtsystems in Prozent (typisch 82,5 %)
Beispiel: Einfamilienhaus mit 45 m² Süddach
Gegeben: H = 1.150 kWh/m²·Jahr, A = 45 m², η = 23 %, PR = 82,5 %
Berechnung: 1.150 × 45 × 0,23 × 0,825 = 9.819 kWh
Ergebnis: rund 9.800 kWh Jahresertrag — bei 45 m² entspricht das etwa 9 bis 10 kWp installierter Leistung.
Die Eignungsstufen geben die Kataster meist als Ampelsystem aus. Grün steht für gut geeignet, gelb für geeignet, rot für ungeeignet. Das Solarkataster NRW verzichtet auf feste Stufen und stuft alle Flächen zunächst als potenziell geeignet ein, mit individueller Bewertung über einen Ertragsrechner.
Welche Kennzahlen liefert ein Solarkataster und wie nutze ich es?
Ein Solarkataster liefert pro Dachfläche die nutzbare Modulfläche, die installierbare Leistung in kWp, den erwarteten Jahresertrag in kWh, die CO₂-Einsparung und oft eine Wirtschaftlichkeitsschätzung. Das Solar-Kataster Hessen gibt zusätzlich die Jahresstromproduktion, die solare Strahlung und die CO₂-Ersparnis je Dach aus. Die Bedienung folgt in jedem Portal demselben Ablauf.
- Adresse eingeben: Das Suchfeld zoomt die Karte auf das gewählte Gebäude.
- Dachfläche anklicken: Die farbcodierte Teilfläche markiert die Eignung.
- Eignung ablesen: Die Ampelfarbe ordnet die Globalstrahlung einer Klasse zu.
- Kennzahlen prüfen: Ein Detailfenster nennt kWp, kWh/Jahr, Modulfläche und CO₂.
- Wirtschaftlichkeit rechnen: Der integrierte Rechner schätzt Ertrag, Kosten und Amortisation.
Die Eignungsklassen knüpfen an Schwellenwerte der Globalstrahlung an, die je Portal abweichen. Das Solarkataster Erfurt etwa stuft Flächen über 1.050 kWh/m²/Jahr als „sehr gut" ein, der Hamburger Solaratlas bereits ab 1.000 kWh/m²/Jahr. Die Farbskala ist dabei nicht einheitlich: Erfurt nutzt eine Wärmekarte, in der Rot die höchste Einstrahlung markiert, während andere Portale die umgekehrte Ampel mit Grün für die beste Eignung verwenden. Die folgende Tabelle zeigt ein typisches vierstufiges Schema.
Typische Eignungsklassen eines Solarkatasters am Beispiel der Globalstrahlungs-Schwellen Erfurt
Eignungsstufe | Globalstrahlung (kWh/m²·Jahr) | Bedeutung für die Planung |
|---|
Stufe 1 — sehr gut | über 1.050 | Volle Belegung wirtschaftlich |
Stufe 2 — gut | 1.000–1.050 | Belegung empfohlen |
Stufe 3 — bedingt geeignet | 900–1.000 | Einzelfallprüfung sinnvoll |
Stufe 4 — ungeeignet | unter 900 | Belegung selten wirtschaftlich |
Aus der nutzbaren Fläche
leitet das Kataster die Leistung ab. Der Energieatlas Rheinland-Pfalz rechnet mit
5 m² pro kWp und einem Modulwirkungsgrad von 23 Prozent. Für das Referenzdach mit 45 m² ergibt das rund 9 kWp. Die CO₂-Einsparung berechnet das Portal mit einem Faktor von
0,323 kg pro kWh Solarstrom.
Beispiel: CO₂-Einsparung der 9-kWp-Anlage
Gegeben: Jahresertrag 9.000 kWh, Einsparfaktor 0,323 kg CO₂/kWh
Berechnung: 9.000 × 0,323 = 2.907 kg
Ergebnis: rund 2,9 Tonnen CO₂ pro Jahr — über 20 Jahre etwa 58 Tonnen.
Welche Bundesländer haben ein Solarkataster?
Ein landesweites Solarkataster bieten 2026
zwölf der sechzehn Bundesländer; ein bundesweites Portal existiert nicht. Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt besitzen kein flächendeckendes Landeskataster und setzen auf kommunale Karten. Bayern stellt mit dem
Energie-Atlas Bayern Globalstrahlungs- und Freiflächenkarten bereit, jedoch kein gebäudescharfes Dachkataster auf Landesebene — hier füllen Landkreise und Städte die Lücke.
Landesweite Solarkataster der Bundesländer mit Betreiber, Abdeckung und Datenstand (Stand 2026)
Bundesland | Portal / Betreiber | Status | Datenstand |
|---|
Nordrhein-Westfalen | Solarkataster NRW (LANUK) | landesweit, PV + Solarthermie | 2024 |
Baden-Württemberg | Energieatlas BW (LUBW) | landesweit, PV + Solarthermie | 2016–2024 |
Hessen | Solar-Kataster Hessen (LEA) | landesweit, Dach + Frei | 2017–2022 |
Rheinland-Pfalz | Solarkataster RLP (Energieagentur) | landesweit, PV + Solarthermie | März 2024 |
Brandenburg | Solaratlas Brandenburg (WFBB) | landesweit, Dach + Frei | 2025 |
Sachsen | Solarkataster Sachsen (SAENA) | landesweit, PV | 2023 |
Berlin | Energieatlas Berlin (SenWEB/BEA) | landesweit, PV + Solarthermie | 2021/2025 |
Bremen | Solarkataster Bremen (GeoInformation) | landesweit, Bremerhaven separat | 2019 |
Hamburg | Solaratlas Hamburg (LGV) | landesweit, PV + Solarthermie | 2024 |
Schleswig-Holstein | Solarkataster SH (Stadtwerke Kiel) | seit Mai 2024 landesweit, PV | 2024 |
Thüringen | Solarrechner Thüringen | landesweit, PV + Solarthermie | 2017 |
Saarland | GeoPortal Saarland (LVGL) | landesweit, veraltet | 2008 |
Bayern | Energie-Atlas Bayern (StMWi) | nur Strahlung/Frei, kommunale Dachkataster | 2025 |
Niedersachsen | kommunale Landkreis-Portale | kein Landeskataster | variabel |
Sachsen-Anhalt | nur Landkreis Stendal | kein Landeskataster | ab 2022 |
Mecklenburg-Vorpommern | nur Rostock und Schwerin | kein Landeskataster | variabel |
In NRW, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz steht damit ein präzises landesweites Portal zur Verfügung. In Niedersachsen führt die Suche zu einem Flickenteppich aus Landkreis-Lösungen, in Bayern findet sich die gebäudescharfe Auskunft ausschließlich im kommunalen Kataster des jeweiligen Landkreises oder der Stadt.
Welche kommunalen und städtischen Solarkataster gibt es?
Große Städte betreiben oft ein eigenes Solarkataster mit höherer Auflösung als das Landesportal, das jedoch an der Stadtgrenze endet. München nutzt einen 3D-Laserscan mit 10 Zentimeter Auflösung, der Gauben und Kamine einzeln erfasst, gibt das Ergebnis aber ausdrücklich nur als Erstinformation aus. Köln verknüpft sein Portal solarkataster.koeln mit einem Wirtschaftlichkeitsrechner, einem Fachbetriebs-Verzeichnis und einer Solardachbörse.
Der Hamburger Solaratlas bewertet PV und Solarthermie in vier Farbklassen ab 700 kWh/m²/Jahr. Hamburg geht dabei am weitesten: Ab dem 1. Januar 2027 schreibt das Hamburgische Klimaschutzgesetz (§ 16 HmbKliSchG) bei Neubauten und Dachsanierungen auf Flachdächern eine kombinierte Pflicht aus Photovoltaik und Dachbegrünung vor; mindestens 70 Prozent der Flachdachfläche sind dabei zu begrünen — bundesweit einmalig.
Berlin stellt sein Kataster im Energieatlas Berlin der Berliner Energieagentur bereit, Bremen über die swb mit einer 20-Jahres-Wirtschaftlichkeitsrechnung. Bonn betrieb seit 2010 eines der ersten Solardachkataster Deutschlands, stellte es jedoch Ende September 2023 ein und verweist seither auf das Solarkataster NRW. Düsseldorf betreibt dagegen weiterhin ein eigenes städtisches Portal mit Laserdaten aus dem Jahr 2012.
Städtische Kataster decken stets nur das Stadtgebiet ab. Für das Umland gilt das jeweilige Landeskataster oder das Landkreis-Portal. Wer am Stadtrand wohnt, prüft daher beide Quellen, weil die Stadtgrenze im Datensatz eine harte Kante bildet.
Wie genau ist ein Solarkataster und was prüft es nicht?
Ein Solarkataster liefert eine Näherung mit rund ±10 Prozent Bandbreite bei der Jahreseinstrahlung und ersetzt keine Vor-Ort-Begehung. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg bezeichnet die Ergebnisse ausdrücklich als Näherungswerte, die eine individuelle Betrachtung und Beratung vor Ort nicht ersetzen. Drei Faktoren begrenzen die Aussagekraft.
Faktor 1: Datenalter der Befliegung
Die Laserdaten sind selten taggenau aktuell. NRW aktualisiert im Sechs-Jahres-Zyklus, Düsseldorf nutzt Daten der Befliegung von 2012, das Saarland sogar von 2008. Neubauten nach dem Stichtag fehlen vollständig — Rheinland-Pfalz weist Gebäude erst ab dem Erfassungsstand März 2024 aus. Ein nach der Befliegung gewachsener Baum oder ein neuer Anbau verändert die reale Verschattung, ohne dass das Kataster es erkennt.
Faktor 2: Nicht erfasste Hindernisse
Schornsteine, Dachfenster und kleine Aufbauten werden nach Angaben des Solarenergie-Fördervereins (SFV) oft nicht erkannt. Baden-Württemberg kann Dachüberstände wegen der amtlich vermessenen Außenwände nicht abbilden. Viele Portale ziehen deshalb einen pauschalen Abschlag von 20 Prozent für nicht nutzbare Flächen ab, statt jedes Hindernis einzeln zu erfassen.
Faktor 3: Ungeprüfte Rahmenbedingungen
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Das Kataster bewertet weder Dachstatik, Denkmalschutz, Dachzustand noch den Netzanschluss. Der Regionalverband Ruhr nennt statische Eignung, Denkmalschutzvorgaben und Vegetationsveränderungen als nicht berücksichtigte Faktoren. Eine grün eingestufte Fläche kann an mangelnder Tragfähigkeit, einem sanierungsbedürftigen Dach oder einem zu kleinen Zählerschrank scheitern. Diese Punkte klärt erst der Fachbetrieb vor Ort.
Der SFV warnt zudem vor Scheinpräzision: Eine auf 0,1 m² genaue Flächenangabe suggeriert eine Exaktheit, die der zugrunde liegenden Schätzung nicht entspricht. Das Ergebnis ist eine belastbare Orientierung, kein Planungsgutachten.
Ist ein Solarkataster kostenlos und wie steht es um den Datenschutz?
Ein Solarkataster ist für die private Nutzung kostenlos und anmeldefrei; die kommerzielle Nutzung der Daten ist dagegen meist untersagt. Grundlage ist das Geodatenzugangsgesetz (GeoZG) vom 10. Februar 2009, das die europäische INSPIRE-Richtlinie 2007/2/EG national umsetzt und Geodaten geldleistungsfrei verfügbar macht. Suchdienste und Darstellungsdienste sind nach INSPIRE der Öffentlichkeit kostenlos bereitzustellen.
Datenschutzrechtlich sind die berechneten Solarpotenzialwerte einzelner Dächer nach Einschätzung des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD)
personenbezogene Daten der Eigentümer. Rechtsgrundlage der Veröffentlichung ist Art. 6 Abs. 1 lit. e DSGVO in Verbindung mit dem Landesdatenschutzgesetz und einer kommunalen Solarkatastersatzung — ein einfacher Ratsbeschluss genügt nicht.
Eigentümer haben nach Art. 21 DSGVO ein Widerspruchsrecht: Wer die farbliche Darstellung seines Dachs nicht wünscht, kann widersprechen, woraufhin die Kommune die Daten aus der Internetdarstellung entfernt. Kommunen müssen vor der Veröffentlichung über dieses Recht informieren. Für die Datengrundlage selbst greifen die Portale auf amtliche Geobasisdaten wie ALKIS-Gebäudeumrisse und die Laserscandaten der Landesvermessung zurück.
Wie hilft ein Solarkataster bei der Solarpflicht 2026?
Das Solarkataster dient 2026 als kostenloses Prüf- und Nachweistool für die Solarpflicht: Es zeigt, ob ein Dach die geforderte Eignung erreicht, und liefert bei Verschattung einen Anhaltspunkt für einen Befreiungsantrag. Die Verbraucherzentrale NRW und die Klimaschutzagentur Region Hannover verweisen ausdrücklich auf das jeweilige Energieatlas-Kataster als Erstprüfung. Die Pflicht selbst ist Ländersache und 2026 sehr unterschiedlich geregelt.
Solarpflicht für private Wohngebäude in ausgewählten Bundesländern 2026
Bundesland | Pflicht bei Neubau | Pflicht bei Dachsanierung | Mindestbelegung |
|---|
Baden-Württemberg | seit 05/2022 | seit 01/2023 | 60 % |
Berlin | seit 01/2023 | seit 01/2023 | 30 % |
Nordrhein-Westfalen | seit 01/2025 | seit 01/2026 | 30 % |
Niedersachsen | seit 01/2025 | seit 01/2025 |
Bundesland | Neubau | Dachsanierung | Geltungsbereich |
|---|
Baden-Württemberg | seit 05/2022 | seit 01/2023 | Wohn- und Nichtwohngebäude |
Nordrhein-Westfalen | seit 01/2025 | seit 01/2026 | Wohn- und Nichtwohngebäude |
Niedersachsen | seit 01/2025 | seit 01/2025 | überwiegend gewerblich |
Berlin | seit 01/2023 | seit 01/2023 | Nutzfläche > 50 m² |
Hamburg | seit 01/2023 | seit 01/2025 | alle Gebäude |
Bremen | seit 07/2024 | seit 07/2025 | 50 % |
Schleswig-Holstein | seit 03/2026 | seit 03/2026 | geeignete Dachfläche |
Bayern, Sachsen, Hessen, MV, Sachsen-Anhalt, Thüringen | keine echte Pflicht | keine echte Pflicht | — |
Bei der Befreiung wegen wirtschaftlicher Unzumutbarkeit gelten feste Schwellen. In NRW entfällt die Pflicht, wenn die Amortisation über 25 Jahre dauert oder die Zusatzkosten 70 Prozent der reinen Dachsanierungskosten übersteigen; Verstöße kosten bis zu 5.000 Euro beim Einfamilienhaus. Baden-Württemberg setzt die Grenze bei 10 Prozent der Baukosten für Wohngebäude. Eine Solarkataster-Auswertung, die für ein verschattetes Dach eine rote Eignung ausweist, stützt einen solchen Antrag, ersetzt aber kein Fachgutachten.
Was kommt nach dem Solarkataster? Kosten, Förderung und Vergütung 2026
Nach der positiven Kataster-Einschätzung folgt das
Angebot eines Fachbetriebs, denn nur dieser prüft Statik, Netzanschluss und Verschattung vor Ort. Eine
Photovoltaikanlage mit 9 kWp kostet 2026 ohne Speicher rund
9.000 bis 11.000 Euro; der Systempreis lag im März 2026 bei etwa 1.015 Euro pro kWp, stieg ab April 2026 durch eine chinesische Exportsteuer aber um 10 bis 15 Prozent. Finanztip empfiehlt, höchstens 1.600 Euro pro kWp zu zahlen.
Kostenaufschlüsselung einer 9-kWp-Photovoltaikanlage 2026 für das Referenz-Einfamilienhaus
Posten | Kostenanteil | Betrag (Euro) |
|---|
Module (9 kWp) | rund 40 % | 3.800–4.400 |
Wechselrichter | rund 12 % | 1.100–1.300 |
Montagesystem | rund 13 % | 1.200–1.400 |
Installation und Anschluss | rund 35 % | 2.900–3.900 |
Mehrwertsteuer (§ 12 Abs. 3 UStG) | 0 % | 0 |
Gesamt | 100 % | 9.000–11.000 |
Auf Lieferung und Installation gilt seit 2023 ein Mehrwertsteuer-Nullsatz nach § 12 Abs. 3 UStG für Anlagen bis 30 kWp. Direkte BAFA-Zuschüsse für Photovoltaik gibt es 2026 nicht mehr; die KfW finanziert über den Kredit KfW 270 zu einem bonitätsabhängigen Effektivzins, der 2026 je nach Bonität bei rund 3,3 bis 3,9 Prozent beginnt; der Antrag muss zwingend vor dem Kaufvertrag gestellt werden.
Für eingespeisten Strom zahlt die Bundesnetzagentur bei Überschusseinspeisung bis 10 kWp 7,78 ct/kWh, bei Volleinspeisung 12,34 ct/kWh (1. Februar bis 31. Juli 2026). Die Vergütung ist ab Inbetriebnahme 20 Jahre garantiert, sinkt für Neuanlagen aber halbjährlich um 1 Prozent.
Jährlicher und kumulierter Ertrag der 9-kWp-Anlage über 20 Jahre bei 30 Prozent Eigenverbrauch
Position | Wert pro Jahr | Summe über 20 Jahre |
|---|
Stromkostenersparnis (2.700 kWh × 0,32 €) | 864 € | 17.280 € |
Einspeiseerlös (6.300 kWh × 7,78 ct) | 490 € | 9.800 € |
Gesamtnutzen | 1.354 € | 27.080 € |
Beispiel: Amortisation der 9-kWp-Anlage
Gegeben: Investition 10.000 €, Gesamtnutzen 1.354 € pro Jahr
Berechnung: 10.000 ÷ 1.354 = 7,4
Ergebnis: rechnerisch rund 7 bis 8 Jahre; mit Speicher und höheren Kosten realistisch 10 bis 15 Jahre.
Welche Alternativen gibt es zum amtlichen Solarkataster?
Fehlt im eigenen Bundesland ein gebäudescharfes Solarkataster, liefern PVGIS, Google Project Sunroof, der Global Solar Atlas und die HTW-Berlin-Rechner eine Ersteinschätzung. Diese Tools unterscheiden sich in Datenbasis, Verschattungstiefe und Neutralität deutlich vom amtlichen Kataster.
Vergleich des amtlichen Solarkatasters mit kostenlosen Online-Alternativen
Werkzeug | Betreiber | Verschattung durch Gebäude/Bäume | Stärke |
|---|
Solarkataster | Land/Kommune | ja (LiDAR) | gebäudescharf, herstellerneutral |
PVGIS | EU-Kommission/JRC | nein | präzise Strahlungsdaten, Goldstandard |
Google Project Sunroof | Google / E.ON | teilweise | 3D-Modellierung, breite Abdeckung |
Global Solar Atlas | Weltbank | nein | weltweit, schnelle Grobschätzung |
HTW-Berlin-Rechner | HTW Berlin | nein | realistische Eigenverbrauchsmodelle |
PVGIS der Europäischen Kommission gilt als Goldstandard für Ertragsprognosen und nutzt für Deutschland Satellitendaten von 2005 bis 2020, berücksichtigt aber keine Verschattung durch Gebäude und Bäume. Genau hier punktet das amtliche Kataster mit seiner LiDAR-Basis. Google Project Sunroof ist in Deutschland über E.ON verfügbar; die Dortmunder Firma tetraeder.solar hat dafür 75 Prozent der Landesfläche vorberechnet.
Bei kommerziellen Anbieter-Rechnern ist Vorsicht geboten: Die HTW Berlin ermittelte 2025 zwischen verschiedenen Online-Solarrechnern Abweichungen von über 20 Prozentpunkten beim Autarkiegrad bei identischen Vorgaben. Die Verbraucherzentrale stuft auch ihren eigenen Solarrechner nur als erste grobe Einschätzung ein. Für eine belastbare Planung bleibt der Vor-Ort-Termin unverzichtbar.
Häufige Fragen zum Solarkataster
Ist das Solarkataster wirklich kostenlos?
Ja, das Solarkataster ist für die private Nutzung kostenlos und anmeldefrei. Grundlage ist das Geodatenzugangsgesetz, das Geodaten geldleistungsfrei bereitstellt. Nur die kommerzielle Weiterverwendung der Daten ist in den Nutzungsbedingungen der Kommunen untersagt.
Wie genau ist ein Solarkataster?
Ein Solarkataster erreicht bei der Jahreseinstrahlung eine Genauigkeit von rund ±10 Prozent. Es liefert eine belastbare Orientierung, ersetzt aber keine Vor-Ort-Prüfung von Statik, Dachzustand und Netzanschluss durch einen Fachbetrieb.
Gibt es ein bundesweites Solarkataster für Deutschland?
Nein, ein einheitliches deutschlandweites Solarkataster existiert nicht. Zwölf Bundesländer betreiben eigene Landesportale, in Bayern, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt springen kommunale Lösungen ein.
Warum fehlt mein Haus im Solarkataster?
Fehlt ein Gebäude, wurde es meist nach der letzten Laserbefliegung errichtet. NRW erfasst nur Gebäude bis Ende 2022, Rheinland-Pfalz bis März 2024. Neubauten erscheinen erst nach der nächsten Aktualisierung der Geodaten.
Kann ich der Darstellung meines Dachs widersprechen?
Ja, nach Art. 21 DSGVO besteht ein Widerspruchsrecht. Auf Antrag entfernt die Kommune die farbliche Darstellung des Dachs aus dem Online-Kataster. Die Behörde muss vor der Veröffentlichung auf dieses Recht hinweisen.
Bewertet das Solarkataster auch Solarthermie?
Viele Portale bewerten Photovoltaik und Solarthermie getrennt. NRW, Baden-Württemberg, Berlin und Hamburg weisen beide Technologien aus, oft mit eigenen Schwellenwerten. Reine PV-Kataster wie Sachsen verzichten auf die Solarthermie-Bewertung.
Fazit: Für wen lohnt sich das Solarkataster?
Das Solarkataster lohnt sich für jeden Eigentümer als kostenloser erster Filter vor dem Fachbetriebs-Termin. Es beantwortet mit wenigen Klicks, ob ein Dach grundsätzlich solartauglich ist, ohne Kosten und ohne Verpflichtung. Für drei Profile fällt die Empfehlung unterschiedlich aus.
Empfehlung zur Nutzung des Solarkatasters nach Eigentümer-Profil
Profil | Situation | Empfehlung |
|---|
Erstinteressent | unsicher, ob das Dach taugt | Landeskataster nutzen, dann Fachbetrieb anfragen |
Solarpflicht-Betroffener | Neubau oder Dachsanierung | Kataster als Eignungs- und Befreiungsnachweis |
Ohne Landeskataster | Bayern, MV, Sachsen-Anhalt | kommunales Portal oder PVGIS als Alternative |
Wer in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hessen oder Rheinland-Pfalz wohnt, erhält über das landesweite Portal eine präzise, gebäudescharfe Einschätzung. Wer in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt sucht, weicht auf das kommunale Kataster oder auf PVGIS aus. In jedem Fall gilt: Das Solarkataster ist der Startpunkt, nicht der Abschluss der Planung. Die Investitionsentscheidung von rund 9.000 bis 11.000 Euro für eine 9-kWp-Anlage stützt erst das geprüfte Angebot eines zertifizierten Fachbetriebs vor Ort.
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