PVT-Module: Hybridkollektoren für Strom und Wärme – Funktion

Von Urik Muller
Faktengeprüft15 Min.
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Das Wichtigste in Kürze

  • Ein PVT-Modul (Photovoltaik-Thermie) erzeugt in einem einzigen Bauteil gleichzeitig Strom und Wärme – es kombiniert eine PV-Zellschicht auf der Vorderseite mit einem thermischen Absorber auf der Rückseite.
  • Der thermische Absorber kühlt die Solarzellen aktiv und steigert deren elektrischen Jahresertrag um 5–10 % gegenüber ungekühlt betriebenen Standardmodulen.
  • Der Gesamtwirkungsgrad von PVT-Modulen (Strom + Wärme) erreicht 60–80 % der eingestrahlten Sonnenenergie – gegenüber ca. 20 % bei reiner PV.
  • PVT-Module eignen sich besonders als Wärmequelle für Sole-Wasser-Wärmepumpen: Sie liefern Niedertemperaturwärme vom Dach ohne Erdbohrung, geräuschlos und mit hoher Jahresarbeitszahl (JAZ über 5,0 erreichbar).
  • Ungedämmte PVT-Kollektoren (WISC) können auch nachts und bei bewölktem Himmel Umgebungswärme aufnehmen – sie arbeiten rund um die Uhr.
  • PVT-Module kosten 350–700 Euro pro Modul bzw. 350–400 Euro pro m² – deutlich mehr als reine PV-Module (50–150 Euro/m²), aber die vermiedene Erdsondenbohrung (ca. 15.000 Euro) rechnet das delta oft auf.
  • In Deutschland fördert die BEG PVT-Systeme als Wärmequelle für Wärmepumpen mit bis zu 70 % der förderfähigen Kosten; der Nullsteuersatz (0 % MwSt.) gilt für den PV-Anteil bis 30 kWp.

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Was sind PVT-Module und wie funktionieren sie?

Ein PVT-Modul – kurz für Photovoltaik-Thermie – ist ein Hybridkollektor, der in einem einzigen Bauelement zwei physikalische Prozesse kombiniert: die photovoltaische Umwandlung von Sonnenlicht in Gleichstrom und die thermische Aufnahme von Wärmeenergie durch ein Rohrregister auf der Modulrückseite.
Von der Vorderseite sieht ein PVT-Modul aus wie ein normales PV-Modul: Frontglas, Solarzellen (typischerweise monokristallin oder TOPCon-Zellen), Rahmen. Die entscheidende Ergänzung liegt auf der Rückseite: Ein flacher Metallabsorber mit eingebetteten Rohren, durch die Wasser, Solarflüssigkeit (Wasser-Glykol-Gemisch) oder Sole zirkuliert. Diese Flüssigkeit nimmt die Wärme auf, die die Solarzellen erzeugen, und transportiert sie in einen Wärmespeicher oder direkt zur Wärmepumpe.

Das thermodynamische Grundproblem der klassischen PV

Ein konventionelles PV-Modul wandelt unter voller Sonneneinstrahlung nur etwa 20–25 % der eingestrahlten Energie in Strom um. Die verbleibenden 75–80 % werden als Wärme absorbiert – das Modul erhitzt sich dabei auf 60–70 °C (NOCT-Bedingungen). Diese Erwärmung ist kontraproduktiv: Der elektrische Wirkungsgrad sinkt pro 10 °C Temperaturerhöhung um etwa 3–5 %, abhängig vom Temperaturkoeffizienten der Solarzelle.
Ein PVT-Modul löst dieses Dilemma durch aktive Kühlung. Der thermische Absorber auf der Rückseite entzieht dem Modul kontinuierlich Wärme und hält die Zelltemperatur in einem günstigeren Bereich. Das Ergebnis: Die Solarzellen arbeiten kühler und effizienter, während die entzogene Wärme nutzbar gemacht wird statt verloren zu gehen.

Der Gesamtwirkungsgrad im Vergleich

$$\eta_{pvt} = \eta_{el} + \eta_{th}$$
Ein PVT-Modul mit 20 % elektrischem Wirkungsgrad ($\eta_{el}$) und 50 % thermischem Wirkungsgrad ($\eta_{th}$) erreicht einen Gesamtwirkungsgrad von 70 % – gegenüber 20 % bei reiner PV oder 50–70 % bei reiner Solarthermie. Pro m² Dachfläche liefert PVT damit deutlich mehr Nutzenergie als jede der beiden Einzeltechnologien.

Bauarten: Ungedämmte vs. gedämmte PVT-Module

Die Wahl der Bauart bestimmt, für welche Anwendung das PVT-System geeignet ist.

Ungedämmte PVT-Kollektoren (WISC – Wind and Infrared Sensitive Collectors)

Ungedämmte PVT-Module haben keine rückseitige Wärmedämmung und keine Frontabdeckung über den Solarzellen. Diese Bauart ermöglicht:
  • Wärmeaufnahme aus der Umgebungsluft: Da das Modul thermisch offen ist, nimmt es nicht nur Solarstrahlung, sondern auch Konvektionswärme aus der Umgebungsluft auf. Selbst bei bedecktem Himmel und in der Nacht kann der Absorber Umgebungswärme gewinnen.
  • Rund-um-die-Uhr-Betrieb: WISC-Module liefern ihrer Wärmepumpe auch ohne Sonnenstrahlung Energie – durch Kondensationseffekte und Wärmeübertragung aus der Luft.
  • Niedrige Stagnationstemperaturen: Durch die freie Konvektion bleibt die Moduletemperatur niedriger als bei gedämmten Systemen, was den Kühleffekt für die PV-Zellen maximiert.
WISC-Module sind die bevorzugte Bauart für die Kopplung mit Sole-Wasser-Wärmepumpen, weil sie Niedertemperaturwärme (typisch 5–20 °C über Umgebungstemperatur) exakt in dem Temperaturbereich liefern, der für Wärmepumpensolen benötigt wird.
Führende WISC-Systeme 2026: SOLINK von Consolar, M4-Serie von Triple Solar.

Gedämmte und abgedeckte PVT-Kollektoren (Glazed PVT)

Gedämmte PVT-Module besitzen eine transparente Frontabdeckung (Glas) und eine rückseitige Isolierung – ähnlich wie klassische Solarthermiekollektoren. Diese Bauart erreicht:
  • Höhere Vorlauftemperaturen: 40–80 °C sind erreichbar, was die Brauchwarmwasserbereitung ohne Wärmepumpe ermöglicht.
  • Geringerer Kühleffekt: Die Wärmedämmung verhindert Wärmeabgabe an die Umgebung, was im Sommer zu höheren Stagnationstemperaturen führt und den Kühleffekt auf die PV-Zellen reduziert.
  • Einsatz in industriellen Prozessen: Wo Prozesswärme über Umgebungstemperatur benötigt wird.

Tabelle 1: WISC vs. Glazed PVT im Vergleich

MerkmalUngedämmter WISCGedämmter Glazed PVT
RückseitendämmungKeineVorhanden
FrontabdeckungKeine / minimalGlas
Thermische Vorlauftemperatur5–20 °C über Umgebung40–80 °C
Betrieb ohne SonneJa (Umgebungswärme)Nein
Kühleffekt auf PV-ZellenHochModerat
HauptanwendungSole-WärmepumpeBrauchwarmwasser, Prozesswärme
StagnationstemperaturNiedrigHoch (Vorsicht nötig)

PVT-Hersteller im DACH-Markt 2026

Tabelle 2: Führende PVT-Kollektoren im Überblick

HerstellerModellEl. LeistungBesonderheit
Sunmaxx / Wagner SolarPX-1425–440 WpTOPCon-Zellen, Hocheffizienz, für Sole-WP
Triple SolarM4 500 XL500 WpOptimiert für Propan-Wärmepumpe, 32 kg
ConsolarSOLINK 510 LH510 Wp18 m² Luft-Wärmetauscher-Fläche, 38 kg
PVT SolarM3 450 XL450 WpVariable thermische Konfiguration
ViessmannVitovolt 300StandardSystemintegration in Vitotronic-Ökosystem
SunStyleSunStyle PVT172 Wp/m²Architektonisch integrierbar

Sunmaxx PX-1: Technische Tiefe

Der Sunmaxx PX-1 (vertrieben über Wagner Solar) ist das meistdiskutierte PVT-Modul im deutschen Markt 2026. Wesentliche technische Parameter:
  • Elektrische Leistung: 425–440 Wp (TOPCon-Zellen)
  • Gewicht: 29 kg
  • Hydraulik: Druckabfall ca. 29 mBar bei Nennvolumenstrom
  • Empfohlener Volumenstrom: 50–150 l/h pro Modul
  • Kopplung: Sole-Wasser-Wärmepumpe (direkte Solekopplung)
Der PX-1 ist aus dem SOLINK-System von Consolar hervorgegangen und kombiniert hohe elektrische Leistungsdichte mit einem effizienten Flachabsorber.
Der Consolar SOLINK 510 LH unterscheidet sich von anderen PVT-Modulen durch eine besonders große Luft-Wärmetauscher-Fläche von 18 m² auf der Modulrückseite. Diese Lamellenkonstruktion aus Aluminium erhöht die Wärmeübertragung aus der Umgebungsluft erheblich – der SOLINK entzieht pro Quadratmeter deutlich mehr Umweltwärme als ein flacher Standardabsorber.
Gewicht: 38 kg – die höchste Gewichtsbelastung unter den Standardmodellen. Die statische Dachprüfung ist zwingend notwendig.

Triple Solar M4: Das Systemkonzept

Triple Solar vertreibt nicht nur Module, sondern ein vollständiges System aus PVT-Modulen und darauf abgestimmter Sole-Wärmepumpe. Die M4-Serie (500 Wp, 32 kg) ist speziell für die Kopplung mit einer Wärmepumpe auf Propan-Basis (R290) entwickelt worden, was niedrigere Betriebsdrücke und bessere Niedertemperatur-Effizienz bietet.

PVT-Module mit Wärmepumpe: Die Systemkombination

Die wirtschaftlich stärkste Anwendung von PVT-Modulen ist die direkte Kopplung mit einer Sole-Wasser-Wärmepumpe. Diese Kombination ersetzt Erdbohrung oder Flächenkollektoren im Erdreich durch das Dach als Wärmequelle.

Wie die Kopplung funktioniert

Die PVT-Module auf dem Dach geben ihre thermisch aufgenommene Energie an eine Soleflüssigkeit ab, die im geschlossenen Kreislauf zur Wärmepumpe geführt wird. Die Wärmepumpe hebt die Soletemperatur (typisch 5–15 °C) auf die für Heizung und Warmwasser benötigte Vorlauftemperatur an (35–55 °C bei Fußbodenheizung).
Gleichzeitig erzeugen die PVT-Module Strom, der den Eigenverbrauch der Wärmepumpe direkt deckt. Diese Doppelnutzung ist der entscheidende wirtschaftliche Hebel: Der Eigenstrom aus der PVT-Anlage kostet ca. 10 Cent/kWh, der Netzstrom für die Wärmepumpe würde 36–40 Cent/kWh kosten.

Jahresarbeitszahl (JAZ) im PVT-Betrieb

Die Jahresarbeitszahl einer Sole-Wasser-Wärmepumpe gibt an, wie viele Kilowattstunden Wärme pro Kilowattstunde Strom erzeugt werden. Standard-Sole-Wärmepumpen erreichen JAZ-Werte von 3,5–4,5.
In Kombination mit PVT-Modulen verbessert sich die JAZ aus zwei Gründen:
Erstens liefert die solar erwärmte Sole im Frühjahr, Sommer und Herbst deutlich höhere Quelltemperaturen als eine reine Erdsonde im gleichen Zeitraum. Eine wärmere Wärmequelle bedeutet weniger Verdichtungsarbeit in der Wärmepumpe und damit höhere Effizienz.
Zweitens wird im Winter durch die WISC-Bauart Umgebungswärme aufgenommen, die die Soletemperatur auch bei Frost über die Lufttemperatur hebt.
Das Ergebnis: JAZ-Werte über 5,0 sind in gut dimensionierten PVT-Wärmepumpensystemen keine Ausnahme. Eine JAZ von 5,0 bedeutet, dass aus 1 kWh Strom 5 kWh Wärme erzeugt werden – 25 % mehr als bei einer Standard-Sole-Wärmepumpe ohne PVT.

Geräuschlosigkeit als Systemvorteil

Luft-Wasser-Wärmepumpen erzeugen Betriebsgeräusche von 40–60 dB(A), die in dicht besiedelten Gebieten zu Nachbarschaftskonflikten und regulatorischen Einschränkungen führen. Ein PVT-Sole-Wärmepumpensystem arbeitet vollständig geräuschlos: Es gibt keine Außenluftgebläse, keine Kompressoren in Außeneinheiten.

Erweiterte Systemfunktionen: Kühlung, Erdsondenregeneration und Eisspeicher

Passive Gebäudekühlung durch Nachtabstrahlung

PVT-WISC-Module können im Sommer zur passiven Gebäudekühlung eingesetzt werden. In klaren Nächten strahlt die Moduloberfläche Infrarotenergie in den kalten Nachthimmel ab. Die durch das Modul zirkulierende Sole kühlt dabei unter die Umgebungstemperatur ab – ein Effekt, der als radiative Nachtabkühlung bekannt ist.
Diese auf ca. 15–18 °C abgekühlte Sole wird in den Estrich oder die Fußbodenheizung des Gebäudes gepumpt und kühlt die Räume passiv, ohne dass eine Kältemaschine oder eine Klimaanlage betrieben werden muss. Strombedarf: nur die Solepumpe, ca. 100–200 W. Eine klassische Klimaanlage benötigt für denselben Kühleffekt typischerweise 1.000–3.000 W.

Thermische Erdsondenregeneration

Wenn eine Wärmepumpe über Jahre hinweg Wärme aus Erdsonden entzieht, ohne Wärme zurückzuführen, kühlt das Erdreich ab. Diese Auskühlung senkt die Quelltemperatur der Sonde und damit die JAZ der Wärmepumpe.
PVT-Module können im Sommer überschüssige thermische Energie in das Erdsondenfeld zurückleiten. Das Erdreich wird thermisch regeneriert und steht im Winter wieder mit höherer Quelltemperatur zur Verfügung. Für Anlagen, die auf Erdsonden und PVT kombinieren, stabilisiert diese Regeneration die Langzeiteffizienz.

Eisspeicher-Kopplung

Ein Eisspeicher ist ein gedämmter Wassertank im Erdreich (typisch 10–30 m³), der als saisonaler Wärmepuffer dient. Im Winter entzieht die Wärmepumpe Wärme aus dem Wasser – das Wasser gefriert und gibt dabei Kristallisationswärme frei (334 kJ/kg). Im Frühjahr und Sommer nutzt das PVT-System seine überschüssige thermische Energie, um das Eis wieder aufzutauen und den Eisspeicher für den nächsten Winter zu laden.
Diese Kopplung bietet maximale Effizienz, weil:
  • Die Kristallisationswärme des Wassers dem System zusätzlich zur Solarwärme zur Verfügung steht
  • Der Eisspeicher als thermischer Puffer saisonale Ungleichgewichte ausgleicht
  • Die Wärmepumpe ganzjährig mit stabilen Quelltemperaturen arbeitet

PVT in Mehrfamilienhäusern und Quartierslösungen

Die Herausforderung begrenzter Dachfläche

In Mehrfamilienhäusern konkurrieren PV-Strom und Wärmebedarf um dieselbe Dachfläche. PVT-Module lösen diesen Konflikt: Jeder Quadratmeter Dachfläche liefert gleichzeitig Strom und Wärme. Gegenüber der getrennten Aufstellung von PV-Modulen und Solarthermiefläche spart PVT auf gleicher Fläche Installationsaufwand und ermöglicht höhere Gesamtenergieausbeute.

Kalte Nahwärme als Quartierskonzept

Das Projekt in Offenbach an der Queich (Pilotprojekt, Februar 2026) demonstriert PVT als Primärquelle für ein Nahwärmenetz. Im Prinzip der „kalten Nahwärme" zirkuliert Wasser mit niedrigen Temperaturen (6–20 °C) im Quartiersnetz. Dezentrale Wärmepumpen in jedem Gebäude heben diese Temperatur auf Heiztemperatur an. Die PVT-Module auf den Dächern speisen sowohl Strom für die dezentralen Wärmepumpen als auch Wärme ins Netz ein.
Deckungsrate: In gut dimensionierten Systemen deckt PVT bis zu 80 % der Endenergie des Quartiers ab – mit Strom für die Pumpen und Basiswärme für das Netz.

Mieterstrommodelle und physische Verteilung

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Für Mehrfamilienhäuser gewinnt 2026 die physische Direktverteilung von PVT-Strom an Mieter an Bedeutung. Systeme wie das Pionierkraft-Prinzip verteilen den lokal erzeugten Strom automatisch an Wohneinheiten, bevor er das öffentliche Netz berührt. Das reduziert Netzentgelte und bürokratische Hürden gegenüber klassischen Mieterstrommodellen erheblich.

PVT-Module: Kosten und Wirtschaftlichkeit 2026

Tabelle 3: Kostenvergleich PVT vs. Standard-PV-System

KostenpositionStandard-PV (2026)PVT-System (2026)
Modulpreis pro m²50–150 €350–550 €
Preis pro Modul100–200 €400–700 €
Installationskosten/kWp1.100–1.500 €2.500–3.500 €
Wärmequelle (Bohrung/Außeneinheit)ca. 15.000 € (Sonde)0 € (Dach ist Quelle)
Gesamtanlage EFH (ca. 8–10 kWp)13.000–22.000 €28.000–40.000 €
Davon Heizungstechnik (Vergleich)separat, 15.000–25.000 €integriert
Der entscheidende Vergleich: Ein PVT-System mit Sole-Wärmepumpe kostet brutto ca. 30.000–40.000 Euro. Ein vergleichbares System aus Standard-PV plus Luft-Wasser-Wärmepumpe kostet 13.000–22.000 Euro (PV) + 12.000–18.000 Euro (Wärmepumpe mit Installation) = 25.000–40.000 Euro. Der Preisunterschied ist kleiner als auf den ersten Blick erscheint.
Hinzu kommt: Bei PVT entfällt die Erdbohrung (ca. 15.000 Euro), was das PVT-System gegenüber einer Sole-Wärmepumpe mit Erdsonde oft günstiger macht.

Amortisationsrechnung

Beispiel: EFH, 10 kWp PVT-Anlage, Mitteldeutschland
  • Investition PVT + Sole-Wärmepumpe: 35.000 Euro brutto
  • BEG-Förderung (50 % Bundesanteil + Effizienzbonus): ca. 17.500 Euro
  • Netto-Investition: ca. 17.500 Euro
  • Jährliche Stromkostenersparnis PV (Eigenverbrauch): ca. 1.200 Euro
  • Jährliche Heizkostenersparnis durch höhere JAZ (vs. Gasheizung): ca. 1.800 Euro
  • Gesamtjahresersparnis: ca. 3.000 Euro
  • Amortisationszeit: ca. 6–7 Jahre nach Förderung
Energiegestehungskosten: Studien zeigen, dass PVT-Wärmepumpensysteme Energiegestehungskosten von ca. 20 Cent/kWh für kombinierte Strom- und Wärmeversorgung erreichen – gegenüber 36–40 Cent/kWh für Netzstrom und 10–15 Cent/kWh für Erdgas (2026 nach CO₂-Preis).

Physikalische Kenngrößen eines PVT-Kollektors

Der Temperaturkoeffizient und seine Bedeutung

Der Temperaturkoeffizient $\gamma$ eines PVT-Moduls beschreibt den Leistungsverlust pro Kelvin Temperaturerhöhung oberhalb von 25 °C (STC):
$$P(T) = P_{STC} \cdot [1 + \gamma \cdot (T - T_{STC})]$$
Bei modernen TOPCon-Zellen liegt $\gamma$ bei −0,25 bis −0,30 %/K – das ist besser als bei PERC-Zellen (−0,35 %/K). Durch die aktive Kühlung des PVT-Absorbers wird die Betriebstemperatur des Moduls um 10–20 K gesenkt. Das bedeutet:
Bei $\gamma$ = −0,30 %/K und 15 K Temperaturreduktion: Leistungssteigerung von 0,30 % × 15 = 4,5 % gegenüber ungekühlt.

Thermische Kennwerte nach Solar Keymark

Die thermische Leistungsfähigkeit eines PVT-Kollektors wird durch drei Parameter charakterisiert:
  • $\eta_0$ (optischer Wirkungsgrad): Der Anteil der Einstrahlung, der bei idealer Betriebstemperatur als Wärme nutzbar ist. Typische Werte für WISC: 0,55–0,70.
  • $a_1$ (linearer Wärmeverlustkoeffizient): Wärmeverluste proportional zur Temperaturdifferenz zwischen Kollektor und Umgebung. Niedriger $a_1$ = bessere Niedertemperatur-Performance.
  • $a_2$ (quadratischer Wärmeverlustkoeffizient): Wärmeverluste bei hoher Temperaturdifferenz, relevant nur bei gedämmten Hochtemperaturkollektoren.
Ein niedriger $a_1$-Wert bei WISC-Kollektoren ist im Winter vorteilhaft: Er bedeutet, dass der Kollektor auch dann noch Wärme aufnimmt, wenn seine Temperatur kaum über der Umgebungstemperatur liegt – ideal für den Sole-Wärmepumpenbetrieb im Winter.

Statische und hydraulische Anforderungen

Gewicht und Dachbelastung

PVT-Module sind schwerer als Standard-PV-Module. Kritische Werte 2026:
ModulGewicht (trocken)FlüssigkeitsfüllungFlächenlast (inkl. Montage)
Standard-PV 500 Wp18–25 kgca. 12–18 kg/m²
Sunmaxx PX-129 kg0,7–1,2 lca. 20–25 kg/m²
Consolar SOLINK38 kg3,4 lca. 28–33 kg/m²
Triple Solar M432 kg1,5 lca. 22–28 kg/m²
Auf Flachdächern mit Ballastierung können die Flächenlasten auf bis zu 95 kg/m² ansteigen. Eine statische Prüfung des Dachaufbaus durch einen Statiker ist vor der Planung eines PVT-Systems zwingend.

Hydraulische Dimensionierung

Die korrekte Dimensionierung der Solarkreishydraulik bestimmt die Effizienz des PVT-Systems:
  • Empfohlener Volumenstrom: 50–150 l/h pro Modul
  • Maximal zulässiger Druckabfall im Modulfeld: Herstellerabhängig, typisch 20–50 mBar pro Modul im Nennbetrieb
  • Rohrleitungsdurchmesser: Für Felder bis 10 Module typisch DN 20–25 für die Verteilleitungen
Flexibles Panzerschläuche und werkzeuglose Stecksysteme haben die Installation vereinfacht, aber eine exakte Berechnung des Druckabfalls im Rohrnetz bleibt notwendig, um korrekte Pumpendimensionierung und gleichmäßige Durchströmung aller Module sicherzustellen.

Frostschutz und Wartung

Das Solarfluid im PVT-Kreislauf muss einen Frostschutz bis mindestens −20 °C bieten. Typisch: Wasser-Propylenglykol-Gemisch im Verhältnis 60:40. Jährliche Wartung:
  • Glykolkonzentration und pH-Wert prüfen (Sollwert pH 7–8)
  • Anlagendruck kontrollieren (Soll: 1,5–2,5 bar kalt)
  • Dichtheitsprüfung aller Steckanschlüsse
  • Ertragskontrolle im Monitoring-System

Förderung für PVT-Systeme 2026

Deutschland: BEG-Förderung

PVT-Module werden im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) als Wärmequelle für Wärmepumpen anerkannt. Die Fördersätze 2026:
  • Basisförderung: 30 % der förderfähigen Kosten für den Heizungstausch
  • Effizienzbonus: +5 % für Wärmepumpen mit Wasser/Sole/Erdreich als Wärmequelle (PVT erfüllt dieses Kriterium)
  • Einkommensbonus: +30 % für Haushalte mit zu versteuerndem Jahreseinkommen unter 40.000 Euro
  • Klimageschwindigkeitsbonus: +20 % bei Austausch einer Öl- oder Gasheizung bis 2028
  • Maximalförderung: bis zu 70 % der förderfähigen Kosten (bei Kombination mehrerer Boni)
Nullsteuersatz: Der PV-Anteil der PVT-Anlage bis 30 kWp auf Wohngebäuden ist von der Mehrwertsteuer befreit (0 % MwSt.). Der thermische Teil unterliegt dem normalen Steuersatz.

Österreich: EAG-Investitionszuschüsse

Das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) bietet 2026 Investitionszuschüsse für PVT-Anlagen als Teil erneuerbarer Heizsysteme. Erste EAG-Fördercall 2026: Start 23. April 2026 mit 40 Millionen Euro Budget.
Wichtig: Der österreichische Nullsteuersatz auf PV-Anlagen ist zum 31. März 2025 ausgelaufen. Seit April 2025 fällt wieder der reguläre MwSt.-Satz von 20 % an. Bei der Budgetplanung für 2026 muss dieser Aufschlag einkalkuliert werden.
Sanierungsbonus: Bis zu 30 % der Investitionskosten für thermische Sanierungen und Kesseltausch.

Schweiz: Pronovo und LEG

Die Schweiz fördert PVT-Anlagen über die Einmalvergütung (KLEIV/GREIV) durch die Förderstelle Pronovo:
  • Einmalzahlungen decken bis zu 30 % der Investitionskosten
  • Winterstrombonus für Anlagen ab 100 kWp mit hohem Winterertrag
Lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) ab 2026: Seit Anfang 2026 können Betreiber von PV- und PVT-Anlagen innerhalb eines Netzgebiets Strom an Nachbarn verkaufen, wobei die Netznutzungsgebühr um bis zu 40 % (geplant bis 60 %) reduziert wird. Für PVT-Mehrfamilienhäuser und Quartierslösungen ist das ein erheblicher wirtschaftlicher Hebel.

Für wen sind PVT-Module sinnvoll – und für wen nicht?

Sinnvoll bei:

Hohem Wärme- und Strombedarf auf begrenzter Dachfläche: Wer sowohl viel Strom als auch viel Wärme benötigt, aber nur begrenzten Platz hat, erzielt mit PVT pro Quadratmeter deutlich mehr Nutzenergie als mit PV oder Solarthermie einzeln.
Sole-Wärmepumpe ohne Bohrung: Wo Erdbohrungen aus geologischen, baulichen oder regulatorischen Gründen nicht möglich sind (Stadtgebiet, felsiger Untergrund, Wasserschutzgebiet), ersetzt PVT die Erdsonde als Wärmequelle.
Altbau-Sanierung mit Flächenheizung: PVT in Kombination mit einer effizienten Sole-Wärmepumpe und Fußbodenheizung bietet im sanierten Altbau eine vollständige Dekarbonisierung von Strom und Wärme aus einem System.
Denkmalschutz und städtisches Wohnen: In Bereichen, wo Luft-Wasser-Wärmepumpen wegen Lärm abgelehnt werden und Erdbohrungen nicht genehmigt werden, ist PVT oft die einzige geräuschlose Vollversorgungslösung.

Weniger geeignet bei:

Niedriger Wärmebedarf: In sehr gut gedämmten Passivhäusern mit minimalem Heizwärmebedarf lohnt die komplexere Hydraulik des PVT-Systems nicht – eine reine PV-Anlage mit Luft-Wärmepumpe ist einfacher und günstiger.
Ausreichend Dachfläche für getrennte Systeme: Wer genug Platz für separate PV-Module (nach Süden) und Solarthermiefläche (nach Süden) hat, kann beide Technologien in ihrer jeweiligen optimalen Ausrichtung installieren und erzielt oft bessere Einzelerträge.
Primär niedrigste Stromgestehungskosten: Standard-TOPCon-Module erzeugen Strom für 8–12 Cent/kWh. PVT-Module erzeugen Strom und Wärme für ca. 20 Cent/kWh kombiniert – wirtschaftlich optimal, aber der reine Strom aus Standard-PV ist günstiger.

Häufige Fragen zu PVT-Modulen

Was kostet ein PVT-System für ein Einfamilienhaus?

Ein vollständiges PVT-System für ein Einfamilienhaus (8–10 kWp, ca. 20–25 Module) inklusive Sole-Wärmepumpe, Hydraulik, Speicher und Installation kostet 2026 brutto zwischen 30.000 und 45.000 Euro. Nach BEG-Förderung (bis 70 % der förderfähigen Heizungskosten) reduziert sich die Nettoinvestition auf ca. 15.000–25.000 Euro.

Was ist der Unterschied zwischen PVT und Solarthermie?

Solarthermie erzeugt ausschließlich Wärme. PVT erzeugt gleichzeitig Strom und Wärme in einem Modul. Solarthermie erreicht höhere thermische Temperaturen (bis 90 °C). PVT-WISC-Module liefern Niedertemperaturwärme (5–30 °C über Umgebung), sind aber als Wärmequelle für Wärmepumpen optimaler.

Kann ein PVT-System eine Erdsonde vollständig ersetzen?

Ja – in der WISC-Bauart ersetzt ein ausreichend dimensioniertes PVT-Feld die Erdsonde als Wärmequelle für eine Sole-Wärmepumpe vollständig. Die Dachfläche übernimmt dieselbe Funktion wie das Erdreich: Sie liefert kontinuierlich Niedertemperaturwärme, die die Wärmepumpe auf Heiztemperatur anhebt. Erdbohrungen und damit verbundene Genehmigungen entfallen.

Wie hoch ist der Mehrertrag durch die PV-Kühlung?

Die aktive Kühlung durch den Absorber senkt die Betriebstemperatur der Solarzellen um 10–20 Kelvin gegenüber ungekühlt betriebenen Standardmodulen. Bei einem Temperaturkoeffizienten von −0,30 %/K ergibt das einen Mehrertrag von 3–6 % im Sommerbetrieb. Über das Jahr gemittelt liegt der elektrische Mehrertrag bei 5–10 % gegenüber identisch positionierten Standard-PV-Modulen.

Sind PVT-Module für Flachdächer geeignet?

Ja – auf Flachdächern können PVT-Module mit Aufständerung (typisch 20–35° Neigung) montiert werden. Das höhere Modulgewicht (29–38 kg statt 18–25 kg bei Standard-PV) macht eine statische Prüfung des Flachdachaufbaus zwingend notwendig. Bei Ballastierung statt Dachdurchdringung können die Gesamtflächenlasten auf bis zu 95 kg/m² steigen.

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Urik Muller

Senior Texter

Leidenschaftlich für Wärmepumpen

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