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Volumenstrom Wärmepumpe: Berechnung, Sollwerte und Troubleshooting 2026

11 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Volumenstrom (V̇) ist die Heizwasser-Durchflussmenge durch den primären Heizkreis einer Wärmepumpe — gemessen in l/h, l/min oder m³/h. Er entscheidet über Jahresarbeitszahl, sicheren Abtaubetrieb und Verdichter-Lebensdauer.
  • Die Grundformel: V̇ [l/h] = Q [W] × 0,86 / ΔT [K]. Eine 10-kW-Wärmepumpe mit Fußbodenheizung und 5 K Spreizung benötigt 1.720 l/h.
  • Zu geringer Volumenstrom ist die häufigste Betriebsstörung bei bestehenden Anlagen. Ursache Nr. 1: verstopftes Filtersieb. Fehlercode-Hinweise: F.864 / F.75 (Viessmann), F.722 (Vaillant), 7H (Daikin), H01/5451 (Bosch/Buderus).
  • Fußbodenheizung braucht doppelten Volumenstrom wie Heizkörper bei gleicher Heizlast — weil die Spreizung mit 5 K halb so groß ist wie bei Heizkörpern mit 10 K.
  • Hydraulischer Abgleich Verfahren B nach VdZ-Fachregel ist seit 01.01.2023 Pflicht für BEG-Förderung — er legt den raumweisen Volumenstrom verbindlich fest und steigert die JAZ um 0,3–0,8 Punkte.
  • Hersteller-Mindestvolumenstrom: Viessmann Vitocal 250-A 1.000 l/h, Buderus WLW186i / Bosch Compress 6800i 900 l/h. Unterschreitung löst Schutzabschaltung aus.

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Was ist der Volumenstrom — und warum entscheidet er über JAZ und Verdichter-Lebensdauer?

Der Volumenstrom V̇ ist die Heizwassermenge, die pro Zeiteinheit durch den primären Heizkreis einer Wärmepumpe fließt. Er ist der zentrale hydraulische Auslegungsparameter — und gleichzeitig der am häufigsten unterschätzte.
Drei direkte Auswirkungen auf den Betrieb:
Jahresarbeitszahl: Ein zu geringer Volumenstrom erhöht die Spreizung ΔT zwischen Vor- und Rücklauf. Das zwingt den Verdichter, bei höherer Vorlauftemperatur zu arbeiten — jedes zusätzliche Kelvin kostet rund 2,5 % JAZ. Umgekehrt: Hydraulischer Abgleich kombiniert mit Volumenstrom-Optimierung verbessert die JAZ nachweislich um 0,3–0,8 Punkte (Quelle: BWP, Fraunhofer ISE Praxisauswertungen).
Abtaubetrieb: Bei Außentemperaturen unter +5 °C reift der Verdampfer ein. Die Wärmepumpe muss abtauen — dabei fließt Wärme aus dem Heizkreis zurück in den Verdampfer. Unterschreitet der Volumenstrom den Mindest-Sollwert des Herstellers, steht nicht genug Wärmeenergie für den Abtauzyklus zur Verfügung. Die Folge: unvollständiges Abtauen, erhöhter Stromverbrauch, Fehlercodes (F.864 Viessmann, H01/5451 Buderus/Bosch).
Verdichter-Lebensdauer: Zu geringer Volumenstrom führt zu übermäßigem Takten — der Verdichter schaltet häufig ein und aus, anstatt im effizienten Teillastbetrieb zu laufen. Jeder Startvorgang belastet Verdichter und Kältemittelkreislauf mechanisch. Zu hoher Volumenstrom (ΔT unter 3 K) hingegen kollabiert die Wärmeübertragung und verdoppelt den Pumpenstromverbrauch.

Die Berechnungsformel: V̇ = Q × 0,86 / ΔT

Herleitung des Faktors 0,86

Die vollständige physikalische Formel lautet:
V̇ = Q / (ρ × c_p × ΔT)
Dabei ist ρ die Dichte von Wasser (≈ 1 kg/l) und c_p die spezifische Wärmekapazität von Wasser (4.186 J/(kg·K) = 1,163 Wh/(kg·K)). Um die Einheit von Watt auf l/h umzurechnen, teilt man durch c_p und multipliziert mit dem Umrechnungsfaktor 3.600 s/h:
V̇ [l/h] = Q [W] / (c_p [Wh/(kg·K)] × ΔT [K]) = Q × 0,86 / ΔT
Der Faktor 0,86 = 3.600 / 4.186 — er entsteht also aus der Einheitenumrechnung von Joule in Wattstunden, kombiniert mit der Dichte von Wasser. Für Heizungsanlagen mit Glykolanteil bis 30 % bleibt der Faktor praktisch identisch; bei höheren Anteilen sinkt c_p spürbar (>30 % Glykol: c_p ≈ 3,39 kJ/(kg·K) → Druckverlust steigt um 30–70 %).

Berechnungsbeispiele — alle Standardkonfigurationen

Bei 5 K Spreizung (Fußbodenheizung, Norm-Prüfpunkt EN 14511):
Wärmepumpen-NennleistungVolumenstrom
5 kW860 l/h (14,3 l/min)
8 kW1.376 l/h (22,9 l/min)
10 kW1.720 l/h (28,7 l/min)
14 kW2.408 l/h (40,1 l/min)
Bei 7 K Spreizung (Niedertemperatur-Heizkörper):
Wärmepumpen-NennleistungVolumenstrom
5 kW614 l/h (10,2 l/min)
8 kW983 l/h (16,4 l/min)
10 kW1.229 l/h (20,5 l/min)
14 kW1.720 l/h (28,7 l/min)

Hersteller-Sollwerte 2026 im Vergleich

Die folgende Tabelle zeigt die verifizierten Volumenstrom-Sollwerte der meistinstallierten Modelle. Nennwert und Mindestwert sind nicht identisch — der Mindest-Volumenstrom ist die technische Untergrenze für den sicheren Betrieb, nicht der Auslegungswert.
ModellNenn-V̇Mindest-V̇SpreizungQuelle
Viessmann Vitocal 250-A (10 kW)~1.250 l/h (5 K)1.000 l/h (Abtauen)5 KPlanungsanleitung 6175107
Buderus Logatherm WLW186i-10 AR E1.644 l/h (FBH, 4,5 K)900 l/h4,5 K FBH / 7,5 K HKPlanungsunterlage 6721874368
Bosch Compress 6800i AW 12 ORE-T1.224 l/h (FBH) / 720 l/h (HK)900 l/h4,5 K FBH / 7,5 K HKDatenblatt CS 6800i AW 12
Vaillant aroTHERM plus VWL 105/61.418 l/h (730 mbar)nicht öffentlich beziffert (~1.000 l/h Praxiswert)variabelDatenblatt VWL 105/6
Stiebel Eltron WPL-A 10.2 Plus HK 400~1.000–2.000 l/h (kennlinienabhängig)nicht öffentlich beziffertvariabelTD 206125, Yonos PARA 25/7.5
Daikin Altherma 4 H (R290)~960 l/h Vergleichswert~960 l/h Erfahrungswert5 KEngineering Data Stand-By-Me
Wichtige Anmerkungen: Bosch Compress und Buderus Logatherm sind technisch baugleich (Bosch Thermotechnik ist Konzernmutter beider Marken). Vaillant und Stiebel veröffentlichen ihre Mindestvolumenstromwerte nicht in öffentlich zugänglichen Dokumenten — die genannten Praxis-/Erfahrungswerte stammen aus Fachforen und Installateur-Erfahrungen.

Vitocal 250-A: Hydro AutoControl als Sonderfall

Die Viessmann Vitocal 250-A besitzt eine patentierte selbstoptimierende Volumenstrom-Regelung namens Hydro AutoControl. Das System passt den Volumenstrom dynamisch an Heizlast und Spreizung an — die statische Auslegung auf einen Nennwert wird damit weniger kritisch als bei anderen Modellen. Der asymmetrische Edelstahl-Plattenwärmetauscher mit unterschiedlichen Kanalquerschnitten auf Primär- und Sekundärseite toleriert zusätzlich eine breitere Volumenstrom-Bandbreite ohne Effizienzverlust.

Volumenstrom bei Heizkörper vs. Fußbodenheizung

Der Anwendungstyp ist der wichtigste Einflussfaktor auf den erforderlichen Volumenstrom — größer als die Heizlast selbst.
Fußbodenheizung arbeitet mit kleiner Spreizung von 4,5–5 K: Das Wasser verlässt die Fußbodenheizungskreise nur wenig abgekühlt. Für denselben Wärmetransport braucht die Umwälzpumpe also viel mehr Wasser pro Stunde. Der Heizflächenexponent liegt bei 1,1 — FBH reagiert relativ linear auf Vorlauftemperatur-Änderungen.
Heizkörper arbeiten mit größerer Spreizung von 7–10 K: Das Heizwasser gibt mehr Energie pro Liter ab, der benötigte Volumenstrom ist deutlich geringer. Der Heizflächenexponent liegt bei 1,3 — Heizkörper reagieren stärker nichtlinear auf Vorlauftemperatur-Änderungen.
Konsequenz in der Praxis: Bei gleicher Heizlast von 10 kW benötigt eine Fußbodenheizung (5 K) 1.720 l/h, ein Heizkörpersystem (10 K) nur 860 l/h — also die Hälfte. Wer im Altbau auf Wärmepumpe umrüstet und Heizkörper behält, muss die Pumpe im Modus Δp-v (differenzdruckproportional) betreiben, damit bei geschlossenen Thermostatventilen die Restkreise mit ausreichend Volumenstrom versorgt bleiben. Bei reiner Fußbodenheizung ist Δp-c (differenzdruckkonstant) die richtige Einstellung.

Wo lese ich den aktuellen Volumenstrom ab?

Die meisten Wärmepumpen messen den Volumenstrom intern — aber die Werte sind nicht immer direkt im Endnutzer-Interface sichtbar.
ViCare-App (Viessmann): Zeigt Vor- und Rücklauftemperatur, aber keinen direkten Volumenstrom-Wert. Der Volumenstrom ist über die Service-/Diagnoseebene am Gerät auslesbar (Servicemenü → Betriebsdaten → Heizungsanlage). Alternativ über SERVICEWELT viessmann.de für Fachpartner.
Onecta-App (Daikin): Zeigt Betriebsdaten einschließlich Durchflusswerte in der Diagnoseansicht. Fehler 7H wird in der App als Durchflussfehler angezeigt.
HomeCom Easy / myBuderus (Vaillant / Buderus): Endnutzer-Apps zeigen keinen direkten Volumenstromwert. Auslesen über Fachpartner-Portal oder direkt am Gerät über Codierebene.
Externe Messung ohne Service-Zugang: Ultraschall-Clamp-On-Messgeräte (Katronic, Flexim) klemmen außen an die Rohrleitung und messen berührungslos. Genauigkeit ±1–3 %. Alternativ: Wärmemengenzähler (WMZ) nach EN 1434 im Rücklauf — dieser misst sowohl Volumenstrom als auch tatsächliche Wärmemenge.

Wie stelle ich den Volumenstrom richtig ein?

Der Volumenstrom wird über mehrere Stellgrößen beeinflusst — von grob nach fein:
1. Bypass-/Überströmventil: Werkseitig auf 200 mbar Differenzdruck eingestellt. Öffnet automatisch, wenn zu viele Thermostatventile geschlossen sind, und schützt die Pumpe vor Überdruck. Ist der Bypass dauerhaft offen, zirkuliert Wasser im Kurzschluss — der tatsächliche V̇ in den Heizflächen ist zu gering trotz laufender Pumpe. Lösung: Bypass-Einstellung reduzieren (Fachmann), hydraulischen Abgleich durchführen.

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2. Strangregulierventile: Jeder Heizkreis erhält über voreinstellbare Thermostatventile oder Strangregulierventile seinen berechneten Nenn-Volumenstrom. Die Kv-Wert-Berechnung je Raum ist Kern des Verfahrens B. Ohne diesen Schritt fließt der gesamte Volumenstrom in die hydraulisch günstigsten Kreise (in der Regel die nächsten, kürzesten oder größten Heizkörper).
3. Pumpenkennlinie und Drehzahl: Δp-c (konstanter Differenzdruck) für Fußbodenheizung. Δp-v (proportionaler Differenzdruck) für Heizkörpersysteme mit vielen Thermostatventilen. Stufe 2 oder 3 bei älteren ungeregelten Pumpen — Hocheffizienzpumpen regeln sich selbst.
4. Heizkurve: Senkt die Heizkurve den Sollvorlauf, sinkt auch die eingebrachte Wärmeleistung. Die Spreizung kann bei gleichem Volumenstrom variieren. Eine zu niedrig eingestellte Heizkurve kann Symptome wie „Haus wird nicht warm" erzeugen, die fälschlicherweise dem Volumenstrom zugeschrieben werden.

Was tun bei zu geringem Volumenstrom? — 7 Ursachen mit Lösungen

RangUrsacheSymptomDiagnoseLösungDIY / Fachmann
1Filtersieb verstopftF.864, F.75, LeistungsverlustFiltersieb visuell prüfenSieb reinigen, Magnetabscheider spülenDIY mit Absperrventilen
2Fehlender hydraulischer AbgleichUngleichmäßige Wärmeverteilung, hohe SpreizungΔp-Messung an SträngenVerfahren B nach VdZ-Fachregel durchführenFachmann
3Bypass-Ventil falsch eingestelltVolumenstrom am Sensor zu gering, Pumpe läuftBypass-Position und Δp prüfenBypass auf 200 mbar einstellen oder drosselnFachmann
4Pumpenkennlinie / Drehzahl falschPumpe zu leise, Volumenstrom zu niedrigPumpendrehzahl und Betriebspunkt prüfenΔp-c / Δp-v korrekt einstellen, Stufe erhöhenDIY bei einstellbaren Pumpen
5Luft im SystemBlubbern, ungleichmäßiger V̇, Pumpe warmEntlüftungsventile öffnen, Druck prüfenAnlage entlüften, Ausdehnungsgefäß prüfenDIY
6Glykolanteil über 30 %Druckverlust dauerhaft erhöht, Pumpe überlastetGlykol-Konzentration messen (Handrefraktometer)Glykolanteil auf 25–30 % reduzierenFachmann
7Pufferspeicher zu klein bei FBH mit ERRV̇-Einbruch bei vielen geschlossenen KreisenMindest-Anlagenvolumen prüfen (3 l/kW nach VDI 4645)Pufferspeicher nachrüsten oder Bypass vergrößernFachmann

Wie erhöhe ich den Volumenstrom?

Wenn das Filtersieb sauber und der Bypass korrekt eingestellt ist, aber der Volumenstrom weiterhin zu gering bleibt, sind die nächsten Schritte: hydraulischen Abgleich durchführen, Pumpenstufe erhöhen (bei ungeregelten Pumpen), voreinstellbare Thermostatventile öffnen oder Strangregulierventile entsperren. Sind diese Maßnahmen erschöpft, kann ein zu groß dimensioniertes Heizsystem (Überschuss-Heizfläche durch viele Heizkörper) den V̇ dauerhaft zu hoch halten und Takten erzeugen — dann hilft eine hydraulische Anpassung des Bypasses.

Fehlercodes: Welche Meldungen deuten auf Volumenstromprobleme hin?

Eine der häufigsten Fehlerquellen in Foren und Fachgruppen sind falsch zugeordnete Fehlercodes. Die folgende Tabelle gibt den verifizierten Stand für April 2026:
HerstellerFehlercodeBedeutungHäufigste Ursache
ViessmannF.75Kein Volumenstrom erkanntFiltersieb, Sensor defekt, Pumpe ausgefallen
ViessmannF.864Abtauen nicht erfolgreichFiltersieb verstopft (Top-Ursache), zu geringer V̇ im Abtauzyklus
ViessmannF.1079Volumenstrom Abtauen zu geringFiltersieb, Bypass, Pumpenleistung
ViessmannF.876Volumenstromsensor-UnterbrechungSensor defekt oder Kabelbruch
VaillantF.722Volumenstrom Gebäudekreis zu geringFiltersieb, Abgleich, Pumpe
VaillantF.726Druckfehler UmweltkreisDruckmangel Sole/Wasser-Seite
Daikin7HDurchflussfehlerFiltersieb, Bypass, Pumpe (NICHT AH oder A6 — AH = Anti-Legionella-Funktion, A6 = Lüftermotor-Fehler)
Buderus / BoschH01 / 5451Volumenstrom während Enteisung zu geringFiltersieb, V̇ unterschreitet Mindest-Schwelle
Bosch1017Systemdruck zu niedrigDruckverlust im Heizkreis, Leck
Bosch5161Kein Druckaufbau VerdichterÜberdruckventil, Kältemittel
Wichtige Korrektur zu Daikin: In Foren kursiert häufig die falsche Aussage, AH oder A6 seien Volumenstrom-Fehlercodes. Das ist falsch. Der korrekte Code für Durchflussprobleme bei Daikin Altherma ist 7H.

Brauche ich einen Pufferspeicher wegen Volumenstrom-Anforderungen?

Ein Pufferspeicher ist nicht zwingend wegen des Volumenstroms selbst erforderlich — sondern wegen des Mindest-Anlagenvolumens und der Abtaureserve.
VDI 4645 Mindest-Anlagenvolumen: Mindestens 3 Liter pro kW Wärmepumpenleistung müssen als unverschließbares Anlagenvolumen vorhanden sein. Bei einer 10-kW-WP sind das 30 Liter. Fußbodenheizungs-Systeme erreichen diesen Wert durch die im Estrich liegenden Heizschlangen oft problemlos (1.000–3.000 l Wasserinhalt). Heizkörpersysteme mit wenigen großen Heizkörpern können die Grenze unterschreiten.
Pufferspeicher-Typen und ihre JAZ-Wirkung:
TypSchaltungJAZ-EffektEmpfehlung
ReihenpufferWP → Puffer → HeizflächenBeste Effizienz (+0,1–0,3 JAZ)Standard bei moderaten Taktzeiten
Parallelpuffer / PendelvolumenWP und Heizflächen parallel zum PufferMittelBei stark unterschiedlichen V̇-Anforderungen
TrennpufferWP und Heizflächen vollständig getrennt−10 % JAZNur bei erzwungenen Systemgrenzen
Integrierter AbtaupufferIm Gerät (Vitocal 250-A: 16 l; Bosch ORMB-T: 70 l)Kein externer Puffer nötigOptimal für kleine Systeme
Fazit: Wer eine Vitocal 250-A mit integriertem 16-l-Abtaupuffer oder eine Bosch ORMB-T-Kombination installiert, braucht in einem normalen Einfamilienhaus keinen externen Pufferspeicher — vorausgesetzt, das System ist hydraulisch korrekt abgeglichen.

Hydraulischer Abgleich Verfahren B — Pflicht und Volumenstrom-Nachweis

Seit dem 1. Januar 2023 ist der hydraulische Abgleich nach Verfahren B (raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 + raumweise Kv-Wert-Einstellung) für alle BEG-EM-geförderten Wärmepumpen-Installationen verpflichtend (BAFA und KfW). Seit dem 1. Oktober 2024 sind auch alternative digital-temperaturbasierte Nachweisverfahren zulässig (§ 60c Abs. 3 GEG).
Was Verfahren B konkret liefert: Für jeden Raum eine berechnete Norm-Heizlast Φ_HL,i nach DIN/TS 12831-1, daraus der Raum-Volumenstrom V̇_i = Φ_HL,i × 0,86 / ΔT und die entsprechende Kv-Voreinstellung am Thermostatventil oder Strangregulierventil.
Was als Nachweis beim Fördergeber eingereicht werden muss: Raumweise Heizlast-Liste, Volumenstrom-Liste, Voreinstellprotokolle der Ventile. Ohne diesen Nachweis keine Förderung.
Die wirtschaftliche Seite: Verfahren B verbessert die JAZ nachweislich um 0,3–0,8 Punkte und senkt den Stromverbrauch um 5–15 % gegenüber einer nicht abgeglichenen Anlage. Bei einem typischen EFH-Wärmestromverbrauch von 4.000–6.000 kWh/Jahr und 28 ct/kWh Wärmestromtarif entspricht das einer jährlichen Einsparung von 56–252 €.

Volumenstrom und Glykol: Was bei über 30 % Anteil passiert

Monoblock-Wärmepumpen, die außen aufgestellt werden, haben ihren Verdampfer im Gerät und benötigen Frostschutz im Primärkreis. Bei Split-Systemen mit getrennter Außeneinheit gilt das entsprechend für den Kältemittelkreis.
Der optimale Glykolanteil liegt bei 25–30 % (schützt bis −15 °C). Darüber beginnen zwei Probleme:
Die spezifische Wärmekapazität sinkt: Von 4,19 kJ/(kg·K) bei reinem Wasser auf ~3,39 kJ/(kg·K) bei 40 % Glykol. Das bedeutet, die gleiche Volumenstrom-Menge transportiert weniger Wärme — der effektive V̇ muss erhöht werden, um die gleiche Leistung zu übertragen.
Der Druckverlust steigt: Bei 40 % Glykol ist der Druckverlust rund 30–70 % höher als bei reinem Wasser, weil die Viskosität der Lösung deutlich höher ist. Die Pumpe arbeitet gegen einen höheren Widerstand — der Volumenstrom sinkt bei gleicher Pumpenleistung.
Konsequenz: Glykolanteil regelmäßig prüfen (Handrefraktometer, ca. 15 €), auf 25–30 % begrenzen und nach Wasserverlust / Nachfüllen neu messen.

Drei Mythen über den Volumenstrom

Mythos 1: „Höherer Volumenstrom = bessere Effizienz"
Falsch. Fällt die Spreizung ΔT unter 3 K, kollabiert die Wärmeübertragung im Plattenwärmetauscher. Gleichzeitig steigt der Pumpenstromverbrauch überproportional (Pumpenstrom ist proportional zur dritten Potenz der Drehzahl). Das Optimum liegt bei 4,5–7 K Spreizung.
Mythos 2: „Bei Fußbodenheizung braucht man immer einen Pufferspeicher"
Falsch. Der Wasserinhalt eines typischen FBH-Systems in einem 150-m²-Haus liegt bei 800–2.000 l — weit über dem VDI-4645-Mindest-Anlagenvolumen. Ein externer Pufferspeicher ist meist nicht nötig und kann die JAZ sogar senken (Wärmeverluste des Puffers, erhöhte Systemtemperatur im Puffer).
Mythos 3: „Daikin-Fehlercode AH oder A6 = Volumenstromfehler"
Falsch. AH ist der Anti-Legionella-Funktion zugeordnet, A6 bezeichnet einen Lüftermotor-Fehler. Der korrekte Volumenstrom-Fehlercode bei Daikin Altherma ist 7H.

FAQ zum Volumenstrom bei Wärmepumpen

Was ist der Volumenstrom bei einer Wärmepumpe?
Der Volumenstrom ist die Heizwassermenge, die pro Stunde durch den primären Heizkreis fließt, gemessen in Litern pro Stunde (l/h). Er bestimmt, wie viel Wärme die Pumpe pro Zeiteinheit transportiert, und entscheidet über Jahresarbeitszahl, Abtauerfolg und Verdichter-Lebensdauer.
Wie berechnet man den Volumenstrom?
Mit der Formel V̇ [l/h] = Q [W] × 0,86 / ΔT [K]. Q ist die Heizlast in Watt, ΔT die Temperaturspreizung in Kelvin (typisch 5 K bei FBH, 7 K bei Heizkörpern).
Wie viel Volumenstrom braucht eine 10-kW-Wärmepumpe?
Bei 5 K Spreizung (Fußbodenheizung): 1.720 l/h. Bei 7 K (Heizkörper): 1.229 l/h. Der Mindestvolumenstrom für den sicheren Abtaubetrieb liegt je nach Hersteller bei 900–1.000 l/h.
Was bedeutet Fehlercode F.864 bei Viessmann?
F.864 zeigt an, dass der Abtauzyklus nicht erfolgreich abgeschlossen wurde. Die häufigste Ursache ist ein verstopftes Filtersieb — das sofortige Reinigen des Siebs und des Magnetabscheiders behebt das Problem in den meisten Fällen.
Was ist der Unterschied zwischen Nenn- und Mindest-Volumenstrom?
Der Nenn-Volumenstrom ist der Auslegungs-Sollwert bei Norm-Betriebsbedingungen (A7/W35, 5 K Spreizung). Der Mindest-Volumenstrom ist die technische Untergrenze — wird sie unterschritten, schaltet die Wärmepumpe zum Schutz des Verdichters oder für den Abtauzyklus ab.
Muss ich einen hydraulischen Abgleich durchführen?
Ja — seit dem 1. Januar 2023 ist der hydraulische Abgleich Verfahren B Pflicht für alle mit BEG-Mitteln (BAFA/KfW) geförderten Wärmepumpen-Installationen.
Fußbodenheizung oder Heizkörper — wer braucht mehr Volumenstrom?
Fußbodenheizung. Bei 5 K Spreizung benötigt FBH rund doppelt so viel Volumenstrom wie ein Heizkörpersystem mit 10 K Spreizung bei gleicher Heizlast.
Welcher Fehlercode zeigt bei Daikin einen Volumenstromfehler?
7H — nicht AH (Anti-Legionella) und nicht A6 (Lüftermotor).

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REDAKTION

Urik Muller

Senior Texter

Leidenschaftlich für Wärmepumpen