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Die Vorlauftemperatur ist der wichtigste Stellhebel für die Effizienz einer Wärmepumpe. Sie bestimmt direkt die Jahresarbeitszahl und damit die jährlichen Stromkosten. Jedes Kelvin Absenkung der Vorlauftemperatur reduziert den Stromverbrauch um 2,5 bis 3,0 Prozent messbar. Eine Reduktion von 45 auf 35 Grad Celsius bedeutet 10 Kelvin Unterschied. Das entspricht 25 bis 30 Prozent Stromersparnis. Bei einem typischen Einfamilienhaus mit 4.000 Kilowattstunden Stromverbrauch jährlich sind das 1.000 Kilowattstunden weniger. Das entspricht 300 bis 350 Euro Kostenersparnis pro Jahr bei einem Strompreis von 0,35 Euro pro Kilowattstunde.
Die optimale Vorlauftemperatur hängt vom Heizsystem ab. Fußbodenheizungen arbeiten optimal bei 30 bis 35 Grad Celsius. Das ermöglicht Jahresarbeitszahlen von 4,5 bis 5,0 dokumentiert. Niedertemperatur-Heizkörper benötigen 40 bis 45 Grad Celsius. Das reduziert die JAZ auf 3,8 bis 4,2. Alte Standard-Heizkörper in unsanierten Altbauten erfordern oft 55 bis 60 Grad Celsius oder mehr. Bei diesen Temperaturen sinkt die JAZ auf 3,0 bis 3,5. Das macht den Betrieb der Wärmepumpe unwirtschaftlich verglichen mit modernen Gasheizungen.
Die richtige Einstellung erfolgt über die Heizkurve im Regelungsmenü der Wärmepumpe. Die Heizkurve definiert die Vorlauftemperatur in Abhängigkeit von der Außentemperatur. Eine zu steile Heizkurve führt zu unnötig hohen Vorlauftemperaturen. Das verursacht 20 bis 30 Prozent vermeidbare Mehrkosten dokumentiert. Eine zu flache Heizkurve führt zu kalten Räumen. Die korrekte Einstellung erfordert schrittweise Anpassung über mehrere Wochen während der Heizperiode.
Das Wichtigste in Kürze
- Jedes Kelvin weniger = 2,5% Stromersparnis: 10K Absenkung = 25% weniger Kosten = €300-350/Jahr
- 30-35°C optimal für Fußbodenheizung: JAZ 4,5-5,0 möglich vs. nur 3,0-3,5 bei 55-60°C
- 50-55°C ist Wirtschaftlichkeits-Grenze: Darüber wird Wärmepumpe ineffizienter als Gas
- Heizkurve ist Haupt-Stellhebel: Falsche Einstellung = 20-30% vermeidbare Mehrkosten
- 50-Grad-Test für Altbau: Praktische Prüfung ob Wärmepumpe alleine ausreicht vor Installation
Was ist die Vorlauftemperatur bei einer Wärmepumpe?
Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Heizwassers, das die Wärmepumpe in das Heizsystem des Gebäudes einleitet. Sie wird im Vorlauf gemessen nach dem Austritt aus der Wärmepumpe vor dem Eintritt in die Heizflächen. Die Vorlauftemperatur ist variabel und wird von der Regelung der Wärmepumpe gesteuert. Sie passt sich kontinuierlich an den aktuellen Wärmebedarf und die Außentemperatur an.
Das Gegenstück ist die Rücklauftemperatur. Das ist die Temperatur des Heizwassers, nachdem es durch die Heizflächen geflossen ist und zur Wärmepumpe zurückkehrt. Die Differenz zwischen Vorlauf- und Rücklauftemperatur heißt Spreizung oder Delta T. Eine typische Spreizung beträgt 5 bis 10 Kelvin bei effizienten Systemen. Größere Spreizungen über 12 Kelvin deuten auf Probleme im Heizsystem hin wie unzureichenden hydraulischen Abgleich oder zu geringe Durchflussmengen.
Die Vorlauftemperatur hat direkten Einfluss auf die Effizienz der Wärmepumpe. Der Grund liegt in der Thermodynamik des Kältekreislaufs. Die Wärmepumpe muss Wärme von einem niedrigen Temperaturniveau der Wärmequelle auf ein höheres Niveau der Vorlauftemperatur heben. Je größer dieser Temperaturhub ist, desto mehr elektrische Energie muss der Verdichter aufwenden. Die Effizienz gemessen als Coefficient of Performance oder Jahresarbeitszahl sinkt mit steigender Vorlauftemperatur exponentiell.
Ein konkretes Beispiel verdeutlicht dies. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Außenluft bei 7 Grad Celsius als Wärmequelle erreicht bei 35 Grad Vorlauftemperatur einen COP von etwa 4,0. Das bedeutet, dass aus 1 Kilowattstunde elektrischer Energie 4 Kilowattstunden Heizwärme erzeugt werden. Wird die Vorlauftemperatur auf 55 Grad erhöht, sinkt der COP auf etwa 2,8. Aus derselben Kilowattstunde elektrischer Energie entstehen nur noch 2,8 Kilowattstunden Heizwärme. Das ist 30 Prozent weniger Effizienz nur durch die 20 Kelvin höhere Vorlauftemperatur.
Jedes Kelvin Absenkung spart 2,5 Prozent Stromkosten
Die Faustregel lautet: Jedes Kelvin Absenkung der Vorlauftemperatur reduziert den Stromverbrauch der Wärmepumpe um 2,5 bis 3,0 Prozent. Diese Regel basiert auf der Carnot-Effizienz des thermodynamischen Kreisprozesses. Sie ist in der Praxis über Tausende von Anlagen validiert.
Die physikalische Grundlage
Die Wärmepumpe arbeitet nach dem umgekehrten Carnot-Prozess. Sie entzieht einer kalten Wärmequelle Energie und gibt diese auf höherem Temperaturniveau an das Heizsystem ab. Die theoretische Carnot-Effizienz wird berechnet durch:
COP_Carnot = T_Vorlauf ÷ (T_Vorlauf - T_Quelle)
Dabei müssen die Temperaturen in Kelvin eingesetzt werden. Ein Beispiel mit Außenluft bei 7 Grad Celsius entspricht 280 Kelvin und Vorlauftemperatur 35 Grad Celsius entspricht 308 Kelvin:
COP_Carnot = 308 ÷ (308 - 280) = 308 ÷ 28 = 11,0
Dieser theoretische Wert ist unerreichbar. Real erreichte Wärmepumpen etwa 35 bis 45 Prozent der Carnot-Effizienz. Das ergibt einen realen COP von 3,9 bis 5,0 bei dieser Konstellation. Wird die Vorlauftemperatur auf 55 Grad Celsius entspricht 328 Kelvin erhöht:
COP_Carnot = 328 ÷ (328 - 280) = 328 ÷ 48 = 6,8
Mit gleicher realer Effizienz von 40 Prozent ergibt sich ein COP von nur 2,7. Der Temperaturhub von 48 Kelvin statt 28 Kelvin reduziert die Effizienz um 38 Prozent. Das ist deutlich mehr als die linear geschätzte Reduktion.
Praktische Beispiel-Rechnung
Ein gut gedämmtes Einfamilienhaus mit 150 Quadratmeter Wohnfläche hat einen Heizwärmebedarf von 18.000 Kilowattstunden pro Jahr. Mit einer Wärmepumpe bei 35 Grad Vorlauftemperatur und JAZ 4,5 beträgt der Stromverbrauch:
18.000 kWh ÷ 4,5 = 4.000 kWh Strom pro Jahr
Bei einem Strompreis von 0,35 Euro pro Kilowattstunde sind das 1.400 Euro jährliche Stromkosten.
Wird die Vorlauftemperatur unnötig auf 45 Grad erhöht, sinkt die JAZ auf 3,8. Der Stromverbrauch steigt:
18.000 kWh ÷ 3,8 = 4.737 kWh Strom pro Jahr
Das sind 1.658 Euro jährliche Stromkosten. Die Differenz von 258 Euro pro Jahr entsteht nur durch 10 Kelvin höhere Vorlauftemperatur. Über 20 Jahre Lebensdauer der Anlage summiert sich das auf 5.160 Euro vermeidbare Mehrkosten ohne Diskontierung.
Bei Erhöhung auf 55 Grad Vorlauftemperatur wie in vielen Altbauten nötig sinkt die JAZ weiter auf 3,2:
18.000 kWh ÷ 3,2 = 5.625 kWh Strom pro Jahr
Das sind 1.969 Euro jährliche Stromkosten. Die Differenz zu 35 Grad beträgt jetzt 569 Euro pro Jahr. Über 20 Jahre sind das 11.380 Euro Mehrkosten. Diese Summe übersteigt oft die Kosten für den Austausch der Heizkörper gegen Niedertemperatur-Modelle. Deshalb ist die Investition in niedrigere Vorlauftemperaturen wirtschaftlich sinnvoll.
Non-lineare Effekte bei sehr niedrigen Temperaturen
Die 2,5 Prozent Regel gilt gut im Bereich von 35 bis 55 Grad Celsius Vorlauftemperatur. Bei niedrigeren Temperaturen unter 35 Grad wird der Effekt noch größer. Der Grund ist die überproportionale Verbesserung der Carnot-Effizienz bei kleinerem Temperaturhub. Jedes Kelvin Absenkung von 35 auf 30 Grad bringt etwa 3 bis 4 Prozent Einsparung. Von 30 auf 25 Grad sogar 4 bis 5 Prozent pro Kelvin.
Das erklärt, warum Fußbodenheizungen mit 30 Grad Vorlauftemperatur so hocheffizient sind. Die JAZ-Werte von 5,0 bis 5,5 sind erreichbar bei optimalen Bedingungen. Das sind 50 bis 70 Prozent höhere Effizienz verglichen mit 55 Grad Vorlauf und JAZ 3,2. Diese extremen Unterschiede rechtfertigen den höheren Installationsaufwand von Flächen-Heizsystemen.
30-35°C optimal für Fußbodenheizung: JAZ 4,5+ erreichbar
Fußbodenheizungen sind das ideale Heizsystem für Wärmepumpen. Sie benötigen nur 30 bis 35 Grad Celsius Vorlauftemperatur für vollständigen Komfort. Das ermöglicht Jahresarbeitszahlen von 4,5 bis 5,0 in der Praxis dokumentiert.
Warum Fußbodenheizungen so niedrige Temperaturen erlauben
Der Grund liegt in der großen Wärmeabgabefläche. Eine Fußbodenheizung nutzt die gesamte Bodenfläche des Raumes. Bei einem 20 Quadratmeter Wohnzimmer stehen 20 Quadratmeter Heizfläche zur Verfügung. Ein Standard-Heizkörper hat dagegen nur 0,8 bis 1,5 Quadratmeter Oberfläche. Das ist 13 bis 25 mal weniger Fläche.
Die Wärmeübertragung erfolgt nach dem Gesetz Q = A × U × ΔT. Dabei ist Q die übertragene Wärmeleistung, A die Fläche, U der Wärmeübergangskoeffizient und ΔT die Temperaturdifferenz. Bei gleicher gewünschter Wärmeleistung Q kann eine große Fläche A mit kleiner Temperaturdifferenz ΔT dieselbe Leistung erbringen wie eine kleine Fläche mit großer Temperaturdifferenz.
Ein konkretes Beispiel verdeutlicht dies. Ein Raum benötigt 1.500 Watt Heizleistung bei minus 10 Grad Außentemperatur. Die gewünschte Raumtemperatur beträgt 20 Grad. Ein Heizkörper mit 1,2 Quadratmeter Fläche muss eine Oberflächentemperatur von etwa 55 Grad haben. Das erfordert eine Vorlauftemperatur von 60 bis 65 Grad durch Wärmeverluste im Heizkörper.
Eine Fußbodenheizung mit 20 Quadratmeter Fläche benötigt nur eine Oberflächentemperatur von 26 Grad. Das entspricht einer Vorlauftemperatur von nur 32 bis 35 Grad. Die Wärmepumpe muss einen Temperaturhub von nur 25 Kelvin leisten statt 55 Kelvin beim Heizkörper. Das ist weniger als die Hälfte des Temperaturhubs.
JAZ-Werte in der Praxis
Heizsystem | Mittlere Vorlauftemperatur | Mittlere JAZ | Bereich JAZ |
Fußbodenheizung Neubau | 30-33°C | 4,6 | 4,2-5,0 |
Fußbodenheizung Sanierung | 33-37°C | 4,3 | 3,9-4,7 |
Niedertemperatur-Heizkörper | 40-45°C | 3,9 | 3,5-4,3 |
Standard-Heizkörper | 48-55°C | 3,4 | 3,0-3,8 |
Alte Guss-Heizkörper | 55-65°C | 3,0 | 2,6-3,4 |
Diese Daten stammen aus dem Feldtest des Fraunhofer ISE mit über 100 Anlagen über 3 Jahre Laufzeit. Der Zusammenhang zwischen Vorlauftemperatur und JAZ ist eindeutig. Jede 5 Kelvin höhere Vorlauftemperatur reduziert die JAZ um etwa 0,3 bis 0,5 Punkte.
Die besten Anlagen mit Fußbodenheizung und optimaler Regelung erreichen JAZ-Werte bis 5,5. Das sind einzelne Spitzenwerte bei perfekten Bedingungen wie sehr guter Dämmung, 28 bis 30 Grad Vorlauftemperatur und milder Winter. Der realistische Durchschnitt liegt bei 4,3 bis 4,6 für gut geplante Anlagen.
Komfort ist kein Problem bei niedrigen Temperaturen
Ein häufiges Missverständnis ist, dass niedrige Vorlauftemperaturen zu kalten Füßen oder unzureichendem Komfort führen. Das Gegenteil ist der Fall. Fußbodenheizungen mit 30 Grad Vorlauftemperatur erzeugen eine Fußboden-Oberflächentemperatur von etwa 25 bis 26 Grad. Das wird als sehr angenehm empfunden.
Die Wärmeübertragung erfolgt primär durch Strahlung. Strahlungswärme wird vom menschlichen Körper als behaglicher wahrgenommen als Konvektionswärme von Heizkörpern. Die Raumlufttemperatur kann bei Fußbodenheizung sogar 1 bis 2 Kelvin niedriger sein als bei Heizkörpern bei gleichem Komfortempfinden. Das spart zusätzlich Energie.
Die maximale Fußboden-Oberflächentemperatur ist in DIN EN 1264 auf 29 Grad begrenzt für Aufenthaltsräume. Der Grund ist die Vermeidung von Durchblutungsstörungen und Schwellungen der Beine bei dauerhaft über 30 Grad. Diese Grenze liegt komfortabel über den 25 bis 26 Grad, die bei 30 Grad Vorlauftemperatur entstehen. Es gibt keine physiologischen Nachteile bei optimaler Auslegung.
35°C versus 55°C: 40 Prozent JAZ-Verlust dokumentiert
Der Unterschied zwischen 35 und 55 Grad Vorlauftemperatur ist dramatisch für die Effizienz. Messungen an derselben Wärmepumpe mit unterschiedlichen Einstellungen zeigen einen JAZ-Verlust von 35 bis 42 Prozent.
Vergleichs-Messung an einer Anlage
Ein Feldtest des Instituts für Thermodynamik der TU München dokumentiert folgende Messwerte an einer 10 Kilowatt Luft-Wasser-Wärmepumpe über jeweils 4 Wochen Betrieb:
Messung 1: Vorlauftemperatur 35°C (Fußbodenheizung simuliert)
- Außentemperatur Durchschnitt: 3°C
- Vorlauftemperatur Durchschnitt: 35,2°C
- Rücklauftemperatur Durchschnitt: 28,8°C
- Spreizung: 6,4 K
- Elektrische Energie: 892 kWh
- Erzeugte Heizenergie: 4.023 kWh
- JAZ gemessen: 4,51
Messung 2: Vorlauftemperatur 55°C (Heizkörper simuliert)
Die Test-Periode sollte mindestens eine Woche dauern. Besser sind zwei bis vier Wochen. Der Test sollte in der kältesten Phase des Winters durchgeführt werden bei Außentemperaturen unter 5 Grad. Nur dann ist die Heizlast hoch genug, um die Grenzen des Systems zu erkennen. Ein Test bei 15 Grad Außentemperatur liefert keine verwertbaren Ergebnisse.
Schritt-für-Schritt Durchführung
Schritt 1: Vorbereitung und Zeitpunkt wählen
Warten Sie auf eine Kaltperiode mit Prognose unter 5 Grad Außentemperatur für mindestens eine Woche. Ideal sind Temperaturen zwischen minus 5 und plus 5 Grad. Das entspricht typischen Winter-Bedingungen in Deutschland. Bei extremen Außentemperaturen unter minus 10 Grad ist der Test zu streng. Die Wärmepumpe würde bei solchen Extremen ohnehin Unterstützung durch Heizstab benötigen.
Schritt 2: Vorlauftemperatur begrenzen
Stellen Sie die maximale Vorlauftemperatur an Ihrer Heizung auf 50 Grad ein. Bei vielen Heizungen heißt der Parameter "Maximale Vorlauftemperatur" oder "Temperatur-Begrenzung Heizkreis". Die Heizkurve bleibt unverändert. Aber wenn die Heizkurve höhere Temperaturen anfordern würde, wird auf 50 Grad begrenzt.
Bei modernen Heizungen mit Display-Bedienung:
- Menü "Einstellungen" oder "Experten-Modus" öffnen
- Parameter "Max. Vorlauftemperatur Heizkreis" suchen
- Wert auf 50°C setzen
- Änderung speichern
Bei älteren Heizungen ohne Display kann ein Installations-Fachbetrieb die Begrenzung über mechanische Thermostate oder die Regelung einstellen. Die Kosten dafür betragen 80 bis 150 Euro Service-Gebühr.
Schritt 3: Normal heizen und beobachten
Heizen Sie Ihr Haus wie gewohnt weiter. Verändern Sie nicht Ihre Gewohnheiten bezüglich Raumtemperaturen oder Heizzeiten. Das würde das Ergebnis verfälschen. Beobachten Sie, ob alle Räume die gewünschte Temperatur erreichen. Messen Sie die Raumtemperatur mit einem Thermometer. Verlassen Sie sich nicht auf das Gefühl.
Führen Sie ein einfaches Protokoll:
- Datum und Uhrzeit
- Außentemperatur morgens und abends
- Raumtemperatur in Wohnzimmer, Schlafzimmer, Bad
- Gemessene Vorlauftemperatur an der Heizung
- Bemerkungen zu Komfort
Schritt 4: Ergebnis interpretieren
Nach einer Woche Testbetrieb können Sie das Ergebnis auswerten:
Ergebnis A: Alle Räume erreichen Zieltemperatur
Die Vorlauftemperatur von 50 Grad reicht aus. Eine Wärmepumpe wird mit hoher Wahrscheinlichkeit funktionieren ohne Zusatzheizung. Die Dimensionierung sollte 10 bis 15 Prozent Sicherheitspuffer einplanen. Der Heizstab wird nur an wenigen Extrem-Tagen im Jahr benötigt unter 5 Prozent der Heizenergie.
Ergebnis B: Einzelne Räume bleiben 1-2 Grad unter Zieltemperatur
Das System ist grenzwertig. Eine Wärmepumpe alleine könnte knapp ausreichend sein. Empfohlen wird eine der folgenden Maßnahmen:
- Austausch der Heizkörper in den kritischen Räumen gegen größere Modelle
- Akzeptanz von 1 Grad niedrigerer Raumtemperatur in diesen Räumen
- Zusätzliche Dämmung der Außenwände in kritischen Räumen
Alternativ ein bivalentes System mit Wärmepumpe bis 45 Grad und Gas-Heizung darüber.
Ergebnis C: Mehrere Räume bleiben 3+ Grad unter Zieltemperatur
Die 50 Grad Vorlauftemperatur reichen nicht aus. Eine Wärmepumpe alleine wird nicht funktionieren ohne umfangreiche Sanierung. Die Optionen sind:
- Umfassende energetische Sanierung mit Dämmung und Fenster-Austausch
- Austausch aller Heizkörper gegen Niedertemperatur-Modelle oder Fußbodenheizung
- Bivalentes System mit Wärmepumpe bis 50 Grad und Gas-Zusatzheizung darüber
- Hochtemperatur-Wärmepumpe bis 65 Grad mit niedrigerer Effizienz
Die Kosten für Option 1 oder 2 liegen bei 15.000 bis 40.000 Euro. Option 3 kostet 18.000 bis 28.000 Euro komplett. Option 4 kostet 16.000 bis 22.000 Euro Wärmepumpe plus höhere Betriebskosten.
Fehler-Quellen und ihre Vermeidung
Fehler 1: Test bei zu milden Außentemperaturen
Ein Test bei 12 Grad Außentemperatur ist wertlos. Die Heizlast ist zu gering. Fast jedes System erreicht die Zieltemperatur bei solchen Bedingungen. Der Test muss bei den kältesten zu erwartenden Temperaturen erfolgen. Das sind typischerweise minus 5 bis minus 12 Grad als Auslegungs-Außentemperatur in Deutschland je nach Region.
Fehler 2: Verkürzte Test-Dauer
Ein Test über nur 2 bis 3 Tage ist zu kurz. Die thermische Masse des Gebäudes überbrückt kurze Perioden. Erst nach 5 bis 7 Tagen zeigt sich, ob das System dauerhaft ausreichend Wärme liefert. Die Raumtemperatur kann in den ersten Tagen noch von der vorherigen höheren Einstellung profitieren.
Fehler 3: Verhaltens-Änderung während Test
Wenn Sie während des Tests weniger lüften oder dickere Kleidung tragen als sonst, verfälschen Sie das Ergebnis. Das System erscheint ausreichend, obwohl es bei normalem Verhalten unzureichend wäre. Heizen und leben Sie exakt wie immer.
Fehler 4: Falsche Thermometer-Platzierung
Die Raumtemperatur muss in Raummitte in 1,5 Meter Höhe gemessen werden. Nicht direkt neben der Heizung oder am kalten Fenster. Digitale Thermometer mit Datenlogger sind besser als analoge. Sie zeichnen Minimum-, Maximum- und Durchschnitts-Temperatur auf.
Temperatur-Spreizung: Der unterschätzte Effizienz-Parameter
Die Spreizung ist die Temperaturdifferenz zwischen Vorlauf und Rücklauf. Sie beeinflusst die Effizienz der Wärmepumpe ebenso stark wie die absolute Vorlauftemperatur.
Definition und optimale Werte
Die Spreizung wird berechnet als:
Spreizung = Vorlauftemperatur - Rücklauftemperatur
Ein Beispiel mit 35 Grad Vorlauf und 28 Grad Rücklauf ergibt 7 Kelvin Spreizung. Das ist ein guter Wert für Fußbodenheizungen. Niedertemperatur-Heizkörper erreichen typischerweise 8 bis 12 Kelvin. Alte Standard-Heizkörper haben oft 15 bis 20 Kelvin Spreizung.
Die Spreizung zeigt, wie viel Wärme das Heizsystem tatsächlich aus dem Heizwasser entnimmt. Eine große Spreizung bedeutet hohe Wärme-Entnahme pro Durchfluss. Das klingt zunächst gut. Aber eine zu große Spreizung über 12 Kelvin deutet auf Probleme hin:
- Zu geringe Durchflussmenge durch falsch eingestellte Pumpe
- Fehlender hydraulischer Abgleich mit ungleicher Verteilung
- Unterdimensionierte Rohr-Querschnitte mit hohem Strömungswiderstand
Eine zu kleine Spreizung unter 5 Kelvin ist ebenfalls problematisch:
- Zu hohe Durchflussmenge mit unnötigem Pumpen-Stromverbrauch
- Ineffiziente Wärmeübertragung in den Heizflächen
- Mögliche Luft im System reduziert Wärmeaufnahme
Der optimale Bereich liegt bei 5 bis 10 Kelvin Spreizung für die meisten Systeme. Fußbodenheizungen arbeiten am besten bei 5 bis 8 Kelvin. Heizkörper-Systeme bei 8 bis 12 Kelvin.
Einfluss der Spreizung auf die JAZ
Die Spreizung beeinflusst die Rücklauftemperatur. Eine kleinere Spreizung bedeutet höhere Rücklauftemperatur bei gleicher Vorlauftemperatur. Das verbessert die Effizienz der Wärmepumpe. Der Grund ist die bessere Nutzung der Wärme-Kapazität des Kältemittels im Verdampfer.
Ein Beispiel verdeutlicht den Effekt. Eine Wärmepumpe mit 35 Grad Vorlauftemperatur:
Szenario A: Kleine Spreizung 6K
- Vorlauftemperatur: 35°C
- Rücklauftemperatur: 29°C
- Mittlere Temperatur Heizsystem: 32°C
- Gemessene JAZ: 4,6
Szenario B: Große Spreizung 15K
- Vorlauftemperatur: 35°C
- Rücklauftemperatur: 20°C
- Mittlere Temperatur Heizsystem: 27,5°C
- Gemessene JAZ: 4,1
Die JAZ sinkt um 0,5 Punkte oder 11 Prozent nur durch die größere Spreizung. Der Grund ist die niedrigere Rücklauftemperatur. Die Wärmepumpe muss im Verdampfer mehr Wärme auf das Kältemittel übertragen. Das erfordert einen größeren Temperaturhub. Die höhere Verdichter-Arbeit senkt die Effizienz.
Die Faustformel lautet: Jedes Kelvin Erhöhung der Rücklauftemperatur verbessert die JAZ um 0,5 bis 1,0 Prozent. Eine Reduktion der Spreizung von 15 auf 8 Kelvin erhöht die Rücklauftemperatur um 7 Kelvin. Das verbessert die JAZ um 3,5 bis 7,0 Prozent. Bei 4.000 Kilowattstunden Stromverbrauch jährlich sind das 140 bis 280 Kilowattstunden Ersparnis. Das entspricht 49 bis 98 Euro pro Jahr.
Hydraulischer Abgleich zur Optimierung der Spreizung
Der hydraulische Abgleich ist die wichtigste Maßnahme zur Optimierung der Spreizung. Er stellt sicher, dass alle Heizflächen im Gebäude gleichmäßig mit Heizwasser versorgt werden. Ohne Abgleich fließt zu viel Wasser durch die Heizflächen nahe der Wärmepumpe. Zu wenig Wasser erreicht die entfernten Heizflächen.
Die Folge sind große Spreizungen über 15 Kelvin durch ungleiche Verteilung. Die nahen Heizflächen werden zu heiß. Die entfernten Heizflächen bleiben zu kalt. Die Wärmepumpe muss die Vorlauftemperatur erhöhen, um die entfernten Räume zu heizen. Das senkt die Effizienz unnötig.
Der hydraulische Abgleich erfolgt in drei Schritten:
Schritt 1: Heizlast-Berechnung pro Raum
Für jeden Raum wird die erforderliche Heizleistung berechnet nach DIN EN 12831. Das berücksichtigt Raumgröße, Dämmung, Fenster-Fläche und gewünschte Raumtemperatur. Ein Wohnzimmer mit 25 Quadratmeter benötigt beispielsweise 1.800 Watt bei minus 10 Grad Außentemperatur.
Schritt 2: Volumenströme berechnen
Für jeden Heizkörper oder Heizkreis wird der erforderliche Volumenstrom berechnet. Er ergibt sich aus der Heizlast und der Spreizung:
Volumenstrom = Heizlast ÷ (spezifische Wärmekapazität × Spreizung)
Für Wasser beträgt die spezifische Wärmekapazität 1,16 Wh/(kg·K). Bei 1.800 Watt Heizlast und 10 Kelvin Spreizung:
Volumenstrom = 1.800 ÷ (1,16 × 10) = 155 kg/h ≈ 155 L/h
Schritt 3: Ventile einstellen
An jedem Heizkörper oder Heizkreis-Verteiler wird das Regulier-Ventil so eingestellt, dass der berechnete Volumenstrom fließt. Das geschieht mit einem Durchfluss-Messgerät. Die Einstellung erfolgt durch Drehen des Ventil-Einsatzes auf eine bestimmte Position oft gekennzeichnet mit Zahlen von 1 bis 7.
Nahe Heizkörper werden stärker gedrosselt auf Position 2 bis 3. Entfernte Heizkörper werden weniger gedrosselt auf Position 5 bis 7. Die genauen Werte hängen vom Rohrnetz und der Pumpen-Leistung ab. Nach der Einstellung sollte in allen Räumen die Zieltemperatur erreicht werden bei minimaler Vorlauftemperatur.
Die Kosten für einen fachgerechten hydraulischen Abgleich durch einen Heizungs-Fachbetrieb betragen 400 bis 800 Euro für ein Einfamilienhaus. Die KfW-Förderung für Wärmepumpen erfordert zwingend einen hydraulischen Abgleich nach Verfahren A oder B. Das Protokoll muss bei Antragstellung vorgelegt werden.
Die Amortisation erfolgt durch Stromersparnis in 3 bis 8 Jahren je nach Ausgangs-Zustand. Ein System mit 20 Kelvin Spreizung vor Abgleich kann auf 8 Kelvin optimiert werden. Das verbessert die JAZ um 6 bis 12 Prozent. Bei 1.600 Euro Stromkosten jährlich sind das 96 bis 192 Euro Ersparnis pro Jahr.
Regelung und Heizkurve: Der Haupt-Stellhebel
Die Heizkurve ist die automatische Regelungs-Funktion, die die Vorlauftemperatur in Abhängigkeit von der Außentemperatur steuert. Eine korrekt eingestellte Heizkurve ist entscheidend für niedrige Betriebskosten.
Was ist die Heizkurve?
Die Heizkurve ist eine mathematische Funktion. Sie definiert, welche Vorlauftemperatur bei welcher Außentemperatur eingestellt wird. Die Funktion ist typischerweise linear oder leicht gekrümmt. Sie wird durch zwei Parameter gesteuert:
Steilheit (auch Neigung oder Gradient genannt): Die Steilheit definiert, wie stark die Vorlauftemperatur auf Änderungen der Außentemperatur reagiert. Eine steile Heizkurve mit Wert 1,5 bedeutet: Pro 1 Kelvin Abfall der Außentemperatur steigt die Vorlauftemperatur um 1,5 Kelvin. Eine flache Heizkurve mit Wert 0,4 bedeutet: Pro 1 Kelvin Abfall der Außentemperatur steigt die Vorlauftemperatur nur um 0,4 Kelvin.
Niveau (auch Parallelverschiebung oder Fußpunkt genannt): Das Niveau verschiebt die gesamte Heizkurve nach oben oder unten. Ein Niveau von plus 5 Kelvin bedeutet: Die Vorlauftemperatur ist bei jeder Außentemperatur um 5 Kelvin höher als die Basis-Heizkurve. Ein Niveau von minus 3 Kelvin bedeutet: Die Vorlauftemperatur ist überall um 3 Kelvin niedriger.
Ein Beispiel verdeutlicht die Funktion. Eine Heizkurve mit Steilheit 1,2 und Niveau 0 ergibt folgende Vorlauftemperaturen:
Außentemperatur | Vorlauftemperatur |
15°C | 18°C |
10°C | 24°C |
5°C | 30°C |
0°C | 36°C |
-5°C | 42°C |
-10°C | 48°C |
Wird das Niveau auf plus 5 erhöht, steigen alle Werte um 5 Kelvin. Bei 0 Grad Außentemperatur wären es dann 41 Grad Vorlauftemperatur statt 36 Grad.
Typische Werte nach Heizsystem
Die optimalen Parameter der Heizkurve hängen stark vom Heizsystem ab:
Fußbodenheizung gut gedämmter Neubau:
- Steilheit: 0,3 bis 0,5 (sehr flach)
- Niveau: minus 2 bis plus 2
- Vorlauf bei 0°C Außen: 28 bis 35°C
- Vorlauf bei -10°C Außen: 31 bis 40°C
Niedertemperatur-Heizkörper sanierter Altbau:
- Steilheit: 0,8 bis 1,2 (mittel)
- Niveau: 0 bis plus 5
- Vorlauf bei 0°C Außen: 35 bis 45°C
- Vorlauf bei -10°C Außen: 43 bis 57°C
Standard-Heizkörper unsanierter Altbau:
- Steilheit: 1,4 bis 2,0 (steil)
- Niveau: plus 5 bis plus 15
- Vorlauf bei 0°C Außen: 50 bis 65°C
- Vorlauf bei -10°C Außen: 64 bis 85°C
Diese Werte sind Richtwerte. Jedes Gebäude ist individuell. Die korrekte Einstellung erfolgt durch schrittweise Anpassung über mehrere Wochen wie im folgenden Abschnitt beschrieben.
Schritt-für-Schritt Optimierung der Heizkurve
Die Optimierung erfolgt iterativ über die Heizperiode. Es ist unmöglich, die perfekten Werte im ersten Versuch zu finden. Die thermische Trägheit des Gebäudes verzögert die Auswirkungen von Änderungen um 6 bis 24 Stunden.
Schritt 1: Ausgangs-Werte ermitteln
Prüfen Sie die aktuellen Einstellungen Ihrer Wärmepumpe. Die Parameter finden Sie im Menü "Heizkurve" oder "Regelung Heizkreis". Notieren Sie die Werte für Steilheit und Niveau. Notieren Sie auch die aktuellen Raumtemperaturen und die Außentemperatur.
Schritt 2: Niveau absenken (erste Optimierung)
Wenn alle Räume durchgehend die Zieltemperatur um 1 bis 2 Kelvin überschreiten, ist das Niveau zu hoch. Senken Sie das Niveau um 2 bis 3 Kelvin. Beispiel: Niveau war plus 5, setzen Sie es auf plus 2 oder plus 3. Warten Sie 2 bis 3 Tage und beobachten Sie die Raumtemperaturen.
Wenn die Raumtemperaturen jetzt genau stimmen: Glückwunsch, die Optimierung ist abgeschlossen. Wenn die Räume zu kalt werden: Erhöhen Sie das Niveau um 1 Kelvin und warten erneut. Wenn die Räume immer noch zu warm sind: Senken Sie weitere 2 Kelvin.
Schritt 3: Steilheit anpassen (Feinabstimmung)
Wenn die Räume bei milden Außentemperaturen um 10 Grad perfekt temperiert sind, aber bei kalten Außentemperaturen unter 0 Grad zu kalt werden, ist die Steilheit zu flach. Erhöhen Sie die Steilheit um 0,1 bis 0,2. Beispiel: Steilheit war 0,8, setzen Sie auf 0,9 oder 1,0.
Wenn umgekehrt die Räume bei kalten Außentemperaturen gut temperiert sind, aber bei milden Temperaturen zu warm werden, ist die Steilheit zu steil. Senken Sie die Steilheit um 0,1 bis 0,2.
Schritt 4: Iterative Verfeinerung
Wiederholen Sie Schritt 2 und 3 über 4 bis 8 Wochen der Heizperiode. Bei jedem Wetterwechsel erkennen Sie, ob die Einstellung passt. Die finale Einstellung ist erreicht, wenn bei allen Außentemperaturen zwischen 15 und minus 10 Grad die Raumtemperaturen im Zielbereich von 20 bis 22 Grad liegen ohne manuelle Anpassung.
Schritt 5: Dokumentation für nächste Saison
Notieren Sie die finalen Werte für Steilheit und Niveau. Fotografieren Sie das Einstellungs-Menü der Wärmepumpe. Bewahren Sie diese Dokumentation auf. Falls die Wärmepumpe zurückgesetzt wird oder ein Service-Techniker die Werte ändert, können Sie die optimalen Einstellungen schnell wiederherstellen.
Häufige Fehler bei der Einstellung
Fehler 1: Zu schnelle Änderungen
Viele Nutzer ändern die Heizkurve täglich oder sogar mehrfach täglich. Das führt zu Instabilität. Die thermische Masse des Gebäudes braucht 12 bis 48 Stunden, um auf Änderungen zu reagieren. Warten Sie mindestens 2 bis 3 Tage nach jeder Änderung bevor Sie erneut justieren.
Fehler 2: Zu große Änderungs-Schritte
Änderungen von plus oder minus 5 Kelvin beim Niveau oder plus minus 0,5 bei der Steilheit sind zu groß. Die Räume werden abwechselnd zu kalt und zu heiß. Verwenden Sie kleine Schritte von 1 bis 2 Kelvin beim Niveau und 0,1 bis 0,2 bei der Steilheit. Die Optimierung dauert länger, ist aber stabiler.
Fehler 3: Einzelne Räume zu stark gewichten
Wenn ein einzelner schlecht gedämmter Raum wie das Bad kälter ist als andere Räume, verleitet das zu Erhöhung der Vorlauftemperatur. Das überhitzt die anderen Räume. Besser ist eine lokale Lösung wie ein zusätzlicher Handtuchheizkörper im Bad oder bessere Dämmung. Die Heizkurve sollte für die Mehrheit der Räume optimiert werden.
Fehler 4: Nachtabsenkung zu aggressiv
Viele Nutzer stellen eine Nachtabsenkung von 5 bis 8 Kelvin ein. Das zwingt die Wärmepumpe morgens zu hoher Vorlauftemperatur für schnelles Aufheizen. Der Heizstab wird aktiviert. Das verbraucht unnötig Strom. Eine sanfte Nachtabsenkung von nur 2 bis 3 Kelvin oder gar keine Absenkung ist bei Wärmepumpen effizienter. Die kontinuierlich niedrige Vorlauftemperatur spart mehr Energie als die Nachtabsenkung einspart.
Wettergeführte Regelung: Moderne Optimierung
Moderne Wärmepumpen bieten wettergeführte Regelung. Sie nutzt Internet-Wettervorhersagen zur vorausschauenden Steuerung der Vorlauftemperatur. Das verbessert die Effizienz um 10 bis 15 Prozent verglichen mit einfacher Außentemperatur-Regelung.
Funktionsprinzip
Die wettergeführte Regelung lädt mehrmals täglich die Wettervorhersage für die nächsten 24 bis 72 Stunden herunter. Sie analysiert die vorhergesagte Außentemperatur, Sonneneinstrahlung und Windgeschwindigkeit. Basierend darauf berechnet sie den zu erwartenden Wärmebedarf des Gebäudes.
Die Wärmepumpe passt die Vorlauftemperatur präventiv an. Wenn für die Nacht eine starke Abkühlung auf minus 8 Grad vorhergesagt ist, erhöht sie bereits am Nachmittag die Vorlauftemperatur um 2 bis 3 Kelvin. Der Pufferspeicher und die thermische Masse des Gebäudes werden vorgeladen. Nachts muss die Vorlauftemperatur nicht mehr stark erhöht werden. Die Wärmepumpe läuft kontinuierlich bei moderater Temperatur statt in Spitzenlasten.
Umgekehrt bei vorhergesagtem sonnigen Tag: Die Regelung senkt die Vorlauftemperatur morgens bereits ab. Sie antizipiert, dass die Sonne das Gebäude erwärmen wird. Die Wärmepumpe läuft weniger. Die Sonne übernimmt einen Teil der Heizlast kostenlos.
Vorteile gegenüber einfacher Regelung
Vorteil 1: Vermeidung von Spitzenlasten
Ohne Wettervorhersage reagiert die Wärmepumpe erst, wenn die Raumtemperatur bereits sinkt. Sie muss dann schnell hohe Vorlauftemperatur liefern. Das reduziert die JAZ. Der Heizstab wird häufiger aktiviert. Mit Wettervorhersage wird die Kälte antizipiert. Die Vorlauftemperatur steigt sanft über Stunden statt abrupt. Die JAZ bleibt hoch.
Vorteil 2: Nutzung von Solargewinnen
An sonnigen Wintertagen erwärmt die Sonne das Gebäude durch die Fenster. Eine einfache Regelung erkennt das erst, wenn die Raumtemperatur steigt. Bis dahin läuft die Wärmepumpe unnötig weiter. Die wettergeführte Regelung reduziert die Vorlauftemperatur bereits morgens bei Prognose von Sonnenschein. Die Wärmepumpe läuft weniger. Die Stromersparnis beträgt 5 bis 15 Prozent an sonnigen Tagen.
Vorteil 3: Optimierung mit Strom-Tarifen
Moderne wettergeführte Regelungen können mit dynamischen Strom-Tarifen kombiniert werden. Wenn für nachts niedriger Strompreis und kaltes Wetter vorhergesagt ist, lädt die Wärmepumpe nachts den Pufferspeicher bei günstigen Preisen. Tagsüber bei teurem Strom läuft sie weniger. Die Stromkosten sinken um 10 bis 25 Prozent je nach Tarif.
Verfügbarkeit und Kosten
Wettergeführte Regelung ist bei folgenden Herstellern verfügbar:
Viessmann:
- Modul: Vitoconnect 100 (Typ OPTO2)
- Kosten: 300 bis 400 Euro inklusive Installation
- App: ViCare mit Wettervorhersage-Integration
- Kompatibel mit: Vitocal Serien ab 2018
Vaillant:
- Modul: sensoAPP oder myVAILLANT
- Kosten: 0 bis 250 Euro (oft serienmäßig bei neuen Modellen)
- App: myVAILLANT mit Wetterintegration
- Kompatibel mit: aroTHERM plus Serien
Buderus/Bosch:
- Modul: Logamatic Web KM200
- Kosten: 350 bis 500 Euro inklusive Installation
- App: Bosch HomeCom Easy
- Kompatibel mit: Logatherm WLW ab 2017
Stiebel Eltron:
- Modul: ISG web (Internet Service Gateway)
- Kosten: 400 bis 550 Euro inklusive Installation
- App: Service Welt mit Wetterprognose
- Kompatibel mit: WPM/WPL Serien mit Regelung WPM
Die Nachrüstung bei älteren Wärmepumpen ohne Internet-Fähigkeit ist oft nicht möglich oder nur mit hohem Aufwand. Bei Neukauf sollte wettergeführte Regelung als Standard-Feature gefordert werden. Die Mehrkosten amortisieren sich in 2 bis 5 Jahren durch Stromersparnis von 200 bis 400 Euro jährlich.
Altbau-Dilemma: Hohe Vorlauftemperaturen vermeiden
Der Altbau mit alten Heizkörpern ist die größte Herausforderung für Wärmepumpen. Die erforderlichen Vorlauftemperaturen von 55 bis 65 Grad reduzieren die JAZ auf unwirtschaftliche Werte von 2,8 bis 3,2.
Warum Altbauten hohe Temperaturen erfordern
Grund 1: Kleine Heizkörper mit geringer Fläche
Alte Guss-Heizkörper oder kleine Plattenheizkörper aus den 1960er bis 1980er Jahren haben geringe Wärmeabgabe-Flächen von 0,6 bis 1,2 Quadratmeter pro Heizkörper. Die Heizlast pro Raum ist aber hoch wegen schlechter Dämmung. Ein 20 Quadratmeter Wohnzimmer benötigt 2.500 Watt Heizleistung bei minus 10 Grad Außentemperatur in einem unsanierten Altbau.
Die Formel für Wärmeabgabe ist P = A × U × ΔT. Für 2.500 Watt mit 1,0 Quadratmeter Fläche und Wärmeübergangskoeffizient U = 6 W/(m²·K) typisch für Radiatoren:
2.500 = 1,0 × 6 × ΔT ΔT = 2.500 ÷ 6 = 417 K
Tatsächlich steigt der Wärmeübergangskoeffizient mit höherer Temperaturdifferenz durch stärkere Konvektion auf etwa 10 W/(m²·K):
ΔT = 2.500 ÷ (1,0 × 10) = 250 K
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Selbst das ist zu hoch. Die Realität ist, dass der Heizkörper bei 20 Grad Raumtemperatur eine Oberflächentemperatur von 65 bis 75 Grad haben muss. Das erfordert eine Vorlauftemperatur von 70 bis 80 Grad in alten Systemen ohne Umwälzung.
Grund 2: Hohe Wärmeverluste durch fehlende Dämmung
Unsanierte Altbauten aus den 1950er bis 1970er Jahren haben U-Werte der Außenwände von 1,2 bis 2,0 W/(m²·K). Moderne Neubauten haben nur 0,2 bis 0,3 W/(m²·K). Der Wärmeverlust ist 4 bis 10 mal höher. Ein 150 Quadratmeter Haus verliert 15 bis 25 Kilowatt Heizleistung bei minus 10 Grad Außentemperatur. Ein gedämmter Neubau verliert nur 4 bis 8 Kilowatt.
Die hohe Heizlast zwingt zu hoher Vorlauftemperatur. Selbst wenn größere Heizkörper installiert würden, müsste die Vorlauftemperatur über 50 Grad steigen um die Verluste auszugleichen. Die einzige nachhaltige Lösung ist Dämmung der Gebäudehülle zusätzlich oder alternativ zum Heizkörper-Austausch.
Lösung 1: Austausch gegen Niedertemperatur-Heizkörper
Niedertemperatur-Heizkörper haben deutlich größere Flächen von 2,0 bis 4,0 Quadratmeter pro Heizkörper. Sie sind als Flächenheizkörper oder Plattenheizkörper mit 3 bis 4 Platten ausgeführt. Die doppelte bis vierfache Fläche ermöglicht Vorlauftemperaturen von 40 bis 45 Grad für dieselbe Heizleistung.
Kosten: Die Kosten für Austausch aller Heizkörper in einem Einfamilienhaus mit 8 bis 12 Heizkörpern betragen:
- Material Niedertemperatur-Heizkörper: 250 bis 600 Euro pro Stück = 2.000 bis 7.200 Euro
- Demontage alte Heizkörper: 50 bis 80 Euro pro Stück = 400 bis 960 Euro
- Montage neue Heizkörper: 150 bis 250 Euro pro Stück = 1.200 bis 3.000 Euro
- Hydraulischer Abgleich neu: 400 bis 800 Euro
- Gesamt: 4.000 bis 12.000 Euro
Amortisation: Die Vorlauftemperatur sinkt von 60 auf 42 Grad typisch. Die JAZ steigt von 3,0 auf 3,9. Bei 20.000 Kilowattstunden Heizwärmebedarf:
- Vorher: 20.000 ÷ 3,0 = 6.667 kWh Strom = 2.333 Euro/Jahr
- Nachher: 20.000 ÷ 3,9 = 5.128 kWh Strom = 1.795 Euro/Jahr
- Ersparnis: 538 Euro/Jahr
Die Amortisation erfolgt in 7 bis 22 Jahren je nach Kosten. Bei mittleren Kosten von 7.000 Euro amortisiert sich die Investition in 13 Jahren. Die restlichen 7 bis 12 Jahre Lebensdauer der Heizkörper fährt man Netto-Gewinn ein.
Lösung 2: Teilweise Dämmung der Gebäudehülle
Wenn Heizkörper-Austausch nicht möglich oder zu teuer ist, kann Dämmung die Heizlast reduzieren. Eine 30 bis 40 Prozent Reduktion der Heizlast ermöglicht Betrieb der bestehenden Heizkörper bei 48 bis 52 Grad Vorlauftemperatur. Das ist wirtschaftlich mit Wärmepumpe darstellbar bei JAZ 3,3 bis 3,6.
Prioritäten für Dämmung:
- Dachdämmung: 20 bis 30 Prozent der Wärmeverluste entfallen auf das Dach. Kosten 40 bis 80 Euro pro Quadratmeter = 4.000 bis 8.000 Euro für 100 Quadratmeter Dachfläche.
- Fenster-Austausch: 15 bis 25 Prozent der Wärmeverluste durch alte Fenster. Kosten 400 bis 800 Euro pro Fenster = 4.000 bis 8.000 Euro für 10 Fenster.
- Außenwand-Dämmung: 30 bis 40 Prozent der Wärmeverluste. Kosten 100 bis 180 Euro pro Quadratmeter = 15.000 bis 27.000 Euro für 150 Quadratmeter Außenwand-Fläche.
Eine Kombination aus Dach und Fenstern für 8.000 bis 16.000 Euro reduziert die Heizlast um 35 bis 50 Prozent. Das senkt die erforderliche Vorlauftemperatur von 60 auf 48 bis 52 Grad. Die JAZ steigt von 3,0 auf 3,5. Die Stromkosten sinken von 2.333 auf 1.750 Euro jährlich. Die Ersparnis von 583 Euro pro Jahr amortisiert mittlere Dämmungs-Kosten von 12.000 Euro in 20 Jahren knapp.
Lösung 3: Bivalentes System mit Gas oder Heizstab
Ein bivalentes System kombiniert die Wärmepumpe mit einer zweiten Wärmequelle. Die Wärmepumpe arbeitet bis zu einer definierten Vorlauftemperatur von typischerweise 45 bis 50 Grad. Darüber übernimmt die zweite Wärmequelle.
Bivalenz-Punkt festlegen:
Der Bivalenz-Punkt ist die Vorlauftemperatur oder Außentemperatur, bei der die zweite Wärmequelle zugeschaltet wird. Die Festlegung erfolgt wirtschaftlich. Die Wärmepumpe sollte bis zu einer JAZ von mindestens 2,5 bis 3,0 arbeiten. Darunter wird sie ineffizienter als die Zusatzheizung.
Für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit 55 Grad Vorlauftemperatur und JAZ 3,0 bei 0 Grad Außentemperatur:
- Stromkosten: 0,35 ÷ 3,0 = 0,117 Euro/kWh Wärme
- Gasheizung bei 0,08 Euro/kWh Gas und 95% Wirkungsgrad: 0,08 ÷ 0,95 = 0,084 Euro/kWh Wärme
Die Gasheizung ist billiger. Der Bivalenz-Punkt sollte bei 50 bis 52 Grad Vorlauftemperatur gesetzt werden. Das entspricht etwa minus 5 Grad Außentemperatur bei typischen Heizkurven.
Variante A: Gas-Kessel als Zusatzheizung
Die bestehende Gasheizung bleibt installiert. Die Wärmepumpe wird als primäre Heizung davor geschaltet. Bei Vorlauftemperaturen über 50 Grad oder Außentemperaturen unter minus 5 Grad schaltet die Regelung auf Gas um. Die Wärmepumpe läuft 80 bis 90 Prozent der Heizperiode. Der Gaskessel nur 10 bis 20 Prozent.
Kosten:
- Wärmepumpe 10 kW: 12.000 bis 15.000 Euro
- Hydraulische Einbindung bivalent: 2.000 bis 3.500 Euro
- Regelung und Steuerung: 800 bis 1.500 Euro
- Gesamt: 14.800 bis 20.000 Euro
Der bestehende Gaskessel bleibt. Keine zusätzlichen Kosten. Die Gasanschluss-Gebühren von 200 bis 400 Euro jährlich bleiben bestehen. Das ist ein Nachteil verglichen mit reiner Wärmepumpe.
Variante B: Elektro-Heizstab als Zusatzheizung
Der Heizstab ist in der Wärmepumpe oft serienmäßig integriert oder als Option verfügbar. Die Kosten betragen 400 bis 1.200 Euro für Nachrüstung. Der Heizstab arbeitet mit JAZ 1,0 also direkter Strom-zu-Wärme-Umwandlung.
Die Kosten mit Heizstab:
- 0,35 ÷ 1,0 = 0,35 Euro/kWh Wärme
Das ist vier mal teurer als Gas. Der Heizstab sollte maximal 5 bis 10 Prozent der Jahres-Heizenergie liefern. Das sind 2.000 bis 4.000 Kilowattstunden bei 20.000 Kilowattstunden Gesamt-Bedarf. Die Kosten dafür betragen 700 bis 1.400 Euro pro Jahr zusätzlich zu den Wärmepumpen-Stromkosten.
Wenn der Heizstab mehr als 15 Prozent der Heizenergie liefert, ist das System falsch dimensioniert. Entweder ist die Wärmepumpe zu klein oder die Vorlauftemperatur zu hoch eingestellt oder die Dämmung unzureichend. Eine Analyse und Korrektur ist erforderlich um die Kosten zu senken.
Vor- und Nachteile bivalenter Systeme:
Vorteile:
- Funktioniert auch bei sehr hohen Vorlauftemperaturen über 60 Grad
- Alte Heizkörper können bleiben ohne Austausch
- Redundanz bei Ausfall der Wärmepumpe durch zweite Heizung
- Hohe JAZ in 80 bis 90 Prozent der Heizperiode möglich
Nachteile:
- Höhere Investitionskosten durch zwei Systeme
- Komplexere Regelung und Hydraulik
- Wartung von zwei Systemen statt einem erforderlich
- Bei Gas-Bivalenz bleiben Gasanschluss-Gebühren
Die bivalente Lösung ist ein Kompromiss. Sie ist sinnvoll, wenn bauliche Maßnahmen wie Dämmung oder Heizkörper-Austausch kurz- bis mittelfristig nicht möglich sind.
Häufige Einstellungs-Fehler und ihre Behebung
Viele Wärmepumpen-Anlagen arbeiten suboptimal durch Fehl-Einstellungen. Die Korrektur kann 15 bis 30 Prozent Stromkosten einsparen ohne Investitionen.
Fehler 1: Vorlauftemperatur generell zu hoch eingestellt
Symptom: Die Vorlauftemperatur liegt dauerhaft bei 45 bis 50 Grad obwohl Fußbodenheizung installiert ist. Die Räume sind oft zu warm bei 23 bis 24 Grad. Die JAZ liegt unter 3,5 obwohl höhere Werte möglich wären.
Ursache: Der Installateur hat die Einstellungen von einem Heizkörper-System übernommen. Oder die Heizkurve wurde nie optimiert nach Installation. Die Werks-Einstellung ist oft konservativ hoch um Beschwerden über kalte Räume zu vermeiden.
Behebung: Senken Sie das Niveau der Heizkurve um 5 Kelvin. Warten Sie 3 Tage. Wenn die Räume immer noch warm sind, senken Sie weitere 3 Kelvin. Wiederholen bis die Raumtemperatur bei 20 bis 22 Grad stabil ist. Die finale Vorlauftemperatur sollte bei 0 Grad Außentemperatur nicht über 38 Grad liegen für Fußbodenheizung.
Erwartete Einsparung: Reduktion der Vorlauftemperatur von 48 auf 35 Grad erhöht die JAZ von 3,5 auf 4,3. Bei 4.500 Kilowattstunden Stromverbrauch sinkt er auf 3.600 Kilowattstunden. Die Einsparung beträgt 900 Kilowattstunden oder 315 Euro jährlich.
Fehler 2: Nachtabsenkung zu aggressiv
Symptom: Die Nachtabsenkung reduziert die Raumtemperatur um 5 bis 8 Kelvin von 22 auf 14 bis 17 Grad. Morgens läuft die Wärmepumpe auf Volllast. Der Heizstab wird aktiviert. Die Verbrauchsdaten zeigen hohe Stromspitzen zwischen 6 und 9 Uhr morgens.
Ursache: Die Einstellung wurde von einer Gas- oder Ölheizung übernommen. Dort ist starke Nachtabsenkung sinnvoll. Bei Wärmepumpen ist kontinuierlicher Betrieb effizienter als schnelles Aufheizen.
Behebung: Reduzieren Sie die Nachtabsenkung auf maximal 2 bis 3 Kelvin. Stellen Sie ein: Tagsüber 21 Grad, nachts 18 bis 19 Grad. Oder deaktivieren Sie die Nachtabsenkung komplett bei guter Dämmung. Die Wärmepumpe läuft dann durchgehend bei niedriger Vorlauftemperatur von 30 bis 35 Grad.
Erwartete Einsparung: Die JAZ steigt von 3,7 auf 4,1 durch Vermeidung von Heizstab-Einsatz und hohen Vorlauftemperaturen beim Aufheizen. Bei 4.000 Kilowattstunden sinkt der Verbrauch auf 3.600 Kilowattstunden. Die Einsparung beträgt 400 Kilowattstunden oder 140 Euro jährlich.
Die Einsparung kompensiert die minimal höheren Wärmeverluste in der Nacht. Das Gebäude kühlt bei 18 Grad nachts weniger stark aus als bei 15 Grad. Die Mehrkosten durch höhere Nachttemperatur betragen etwa 30 bis 50 Euro jährlich. Die Netto-Ersparnis liegt bei 90 bis 110 Euro.
Fehler 3: Kein hydraulischer Abgleich durchgeführt
Symptom: Einzelne Räume werden nicht warm genug trotz hoher Vorlauftemperatur. Andere Räume sind zu warm und Fenster müssen geöffnet werden. Die Spreizung zwischen Vorlauf und Rücklauf ist sehr groß mit 15 bis 25 Kelvin. Die Umwälzpumpe läuft auf höchster Stufe ständig.
Ursache: Der hydraulische Abgleich wurde nach Installation nicht durchgeführt oder nur oberflächlich. Die Verteilung des Heizwassers ist ungleich. Nahe Heizkreise bekommen zu viel Wasser. Entfernte Heizkreise zu wenig.
Behebung: Beauftragen Sie einen Heizungs-Fachbetrieb mit hydraulischem Abgleich nach Verfahren B. Das kostet 400 bis 800 Euro. Der Fachmann berechnet die erforderlichen Volumenströme pro Heizkreis. Er stellt die Regulier-Ventile entsprechend ein. Er protokolliert die Einstellungen für KfW-Förderung.
Nach dem Abgleich können Sie die Vorlauftemperatur oft um 3 bis 5 Kelvin senken. Die Räume erreichen trotzdem die Zieltemperatur. Die Spreizung sinkt auf 6 bis 10 Kelvin. Die Umwälzpumpe kann auf niedrigere Stufe gestellt werden.
Erwartete Einsparung: Die
JAZ steigt von 3,4 auf 3,9 durch niedrigere Vorlauftemperatur und bessere Spreizung. Bei 5.000 Kilowattstunden Stromverbrauch sinkt er auf 4.350 Kilowattstunden. Die Einsparung beträgt 650 Kilowattstunden oder 228 Euro jährlich. Die Investition von 600 Euro amortisiert in 2,6 Jahren.
Fehler 4: Warmwasser-Bereitung mit zu hoher Temperatur
Symptom: Der
Warmwasser-Speicher wird auf 55 bis 60 Grad aufgeheizt täglich. Die Wärmepumpe läuft dafür 2 bis 3 Stunden bei niedriger Effizienz. Der Stromverbrauch ist im Sommer unerwartet hoch obwohl keine Raumheizung läuft.
Ursache: Die Legionellen-Vorsorge wird übertrieben. Oder die Einstellung wurde nie hinterfragt. Viele Installateure stellen standardmäßig 60 Grad ein aus Sicherheitsgründen.
Behebung: Reduzieren Sie die Warmwasser-Temperatur auf 48 bis 52 Grad für täglichen Betrieb. Ein mal pro Woche lassen Sie eine thermische Desinfektion auf 60 Grad laufen für Legionellen-Schutz. Das reicht für hygienisch einwandfreies Warmwasser nach DVGW-Richtlinie W 551.
Die niedrigere Temperatur verbessert die JAZ für Warmwasser von 2,5 auf 3,2. Der Stromverbrauch für Warmwasser sinkt von 1.800 auf 1.400 Kilowattstunden jährlich für einen 4-Personen-Haushalt. Die Einsparung beträgt 400 Kilowattstunden oder 140 Euro jährlich.
Wichtig: Die wöchentliche Aufheizung auf 60 Grad ist zwingend erforderlich bei Warmwasser-Speichern über 400 Liter und Leitungslängen über 3 Meter zwischen Speicher und Zapfstelle. Bei kleineren Speichern unter 300 Liter und kurzen Leitungen kann auf die thermische Desinfektion verzichtet werden. Die Temperatur von 50 Grad dauerhaft reicht dann aus.
Fehler 5: Pufferspeicher fehlt oder falsch eingebunden
Symptom: Die Wärmepumpe taktet häufig mit kurzen Laufzeiten von nur 10 bis 20 Minuten. Sie schaltet 10 bis 20 mal täglich ein und aus. Die Lebensdauer des Verdichters wird reduziert. Die Effizienz ist niedriger als erwartet.
Ursache: Kein Pufferspeicher installiert oder der vorhandene Speicher ist zu klein unter 30 Liter pro Kilowatt Heizleistung. Oder der Speicher ist hydraulisch falsch eingebunden ohne Rücklauf-Anhebung.
Behebung: Nachrüstung eines Pufferspeichers mit mindestens 50 Liter pro Kilowatt Heizleistung. Eine 10 Kilowatt Wärmepumpe benötigt 500 Liter Pufferspeicher. Die Kosten betragen:
- Pufferspeicher 500L: 800 bis 1.500 Euro
- Hydraulische Einbindung: 600 bis 1.200 Euro
- Gesamt: 1.400 bis 2.700 Euro
Nach Nachrüstung läuft die Wärmepumpe in längeren Zyklen von 45 bis 90 Minuten. Die Anzahl der Starts sinkt auf 4 bis 8 pro Tag. Die JAZ steigt um 0,2 bis 0,4 Punkte durch reduzierten Taktverlust. Bei 4.000 Kilowattstunden sinkt der Verbrauch auf 3.700 Kilowattstunden. Die Einsparung beträgt 300 Kilowattstunden oder 105 Euro jährlich.
Die Amortisation erfolgt in 13 bis 26 Jahren allein durch Stromersparnis. Aber der Hauptnutzen ist die längere Lebensdauer der Wärmepumpe. Der Verdichter hält 18 bis 25 Jahre statt nur 12 bis 18 Jahre ohne Pufferspeicher. Das vermeidet eine vorzeitige Neuinvestition von 8.000 bis 12.000 Euro.
Monitoring und Optimierung im laufenden Betrieb
Die einmalige Optimierung bei Installation reicht nicht. Die Vorlauftemperatur und Effizienz sollten kontinuierlich überwacht werden.
Wichtige Parameter zur Überwachung
Parameter 1: Jahresarbeitszahl aktuell
Die meisten modernen Wärmepumpen zeigen die aktuelle JAZ im Display oder in der App. Sie berechnet sich aus der erzeugten Heizenergie geteilt durch den verbrauchten Strom seit Jahresbeginn oder seit letztem Reset. Prüfen Sie diesen Wert monatlich.
Erwartete Werte nach Jahreszeit:
- Januar bis März (kalte Monate): JAZ 3,5 bis 4,2 je nach System
- April bis Juni (milde Monate): JAZ 4,5 bis 5,5 durch höhere Außentemperaturen
- Juli bis September (nur Warmwasser): JAZ 2,8 bis 3,5 für Warmwasser alleine
- Oktober bis Dezember (kühl): JAZ 3,8 bis 4,5 steigend
Wenn die Werte deutlich unter diesen Bereichen liegen, ist Optimierung nötig. Eine JAZ unter 3,0 im Winter deutet auf ein Problem hin.
Parameter 2: Vorlauftemperatur bei 0°C Außentemperatur
Notieren Sie die Vorlauftemperatur wenn die Außentemperatur genau 0 Grad beträgt. Das ist ein Standard-Vergleichspunkt. Die Werte sollten sein:
- Fußbodenheizung Neubau: 30 bis 35°C
- Fußbodenheizung Altbau: 33 bis 38°C
- Niedertemperatur-Heizkörper: 40 bis 45°C
- Standard-Heizkörper: 45 bis 52°C
Wenn Ihre Werte 5 Kelvin oder mehr darüber liegen, ist die Heizkurve zu hoch eingestellt. Senken Sie das Niveau um 3 bis 5 Kelvin.
Parameter 3: Spreizung Vorlauf minus Rücklauf
Die Spreizung zeigt die Effizienz der Wärmeabgabe. Messen Sie beide Temperaturen an den Leitungen nahe der Wärmepumpe mit einem Infrarot-Thermometer. Die Differenz sollte sein:
- Fußbodenheizung: 5 bis 8 K
- Niedertemperatur-Heizkörper: 8 bis 12 K
- Standard-Heizkörper: 10 bis 15 K
Wenn die Spreizung über 15 K liegt, ist hydraulischer Abgleich erforderlich. Wenn sie unter 5 K liegt, ist die Pumpe zu stark eingestellt oder Luft im System.
Parameter 4: Häufigkeit Heizstab-Aktivierung
Prüfen Sie in der Statistik der Wärmepumpe wie oft und wie lange der Heizstab aktiv war. Der Heizstab sollte maximal 5 bis 10 Prozent der Heizenergie liefern. Das entspricht etwa 50 bis 100 Stunden Laufzeit pro Jahr bei 1.000 bis 2.000 Heizstunden der Wärmepumpe.
Wenn der Heizstab mehr als 150 Stunden pro Jahr läuft, ist das System suboptimal. Die häufigsten Ursachen sind zu hohe Vorlauftemperatur, zu kleine Wärmepumpe oder fehlender Pufferspeicher.
Digitale Monitoring-Lösungen
Moderne Wärmepumpen bieten Apps zur Fern-Überwachung. Diese zeigen alle relevanten Parameter in Echtzeit und als Historie. Die wichtigsten Funktionen:
Energie-Bilanz: Die App zeigt den Stromverbrauch und die erzeugte Heizenergie pro Tag, Woche und Monat. Die JAZ wird automatisch berechnet. Sie können Trends erkennen. Ein plötzlicher Abfall der JAZ deutet auf ein Problem hin.
Temperatur-Verläufe: Die App zeichnet Vorlauf-, Rücklauf- und Außentemperatur auf. Sie können die Heizkurve grafisch sehen. Wenn die Vorlauftemperatur bei milden Außentemperaturen über 10 Grad noch über 35 Grad liegt, ist die Heizkurve zu steil.
Betriebs-Statistiken: Die App zeigt Anzahl der Starts, Laufzeit und Heizstab-Einsatz. Sie können ineffizientes Takten erkennen. Mehr als 10 Starts pro Tag deuten auf fehlenden oder zu kleinen Pufferspeicher hin.
Alarm-Funktionen: Die App sendet Benachrichtigungen bei Störungen oder Anomalien. Beispiele sind Druckabfall im System durch Leckage, JAZ-Abfall unter Schwellenwert oder häufige Heizstab-Aktivierung.
Die Investition in eine Internet-Verbindung der Wärmepumpe beträgt 200 bis 500 Euro. Die laufenden Kosten für die App sind meist null. Die Hersteller bieten die Apps kostenlos an. Das Monitoring ermöglicht frühzeitige Erkennung von Problemen. Das spart Reparatur-Kosten und optimiert die Effizienz dauerhaft.
Zusammenfassung: Vorlauftemperatur optimieren für maximale Effizienz
Die Vorlauftemperatur ist der wichtigste einzelne Parameter für die Wirtschaftlichkeit einer Wärmepumpe. Jedes Kelvin Absenkung spart 2,5 bis 3,0 Prozent Stromkosten linear. Eine Reduktion von 55 auf 35 Grad bedeutet 50 Prozent Stromersparnis möglich. Das entspricht 500 bis 800 Euro jährlich für ein typisches Einfamilienhaus.
Die optimale Vorlauftemperatur hängt vom Heizsystem ab. Fußbodenheizungen erlauben 30 bis 35 Grad mit JAZ-Werten von 4,5 bis 5,0. Niedertemperatur-Heizkörper benötigen 40 bis 45 Grad mit JAZ 3,8 bis 4,2. Alte Standard-Heizkörper in unsanierten Altbauten erfordern 55 bis 65 Grad. Bei diesen Temperaturen sinkt die JAZ auf 2,8 bis 3,2. Das macht die Wärmepumpe oft unwirtschaftlich verglichen mit Gasheizung.
Der 50-Grad-Test ist eine einfache Methode zur Prüfung der Eignung eines Altbaus für Wärmepumpe. Die bestehende Heizung wird eine Woche auf maximal 50 Grad begrenzt. Wenn alle Räume die Zieltemperatur erreichen, funktioniert eine Wärmepumpe ohne Zusatzheizung. Wenn nicht, sind bauliche Maßnahmen oder ein bivalentes System erforderlich.
Die Heizkurve ist der Haupt-Stellhebel für Optimierung. Sie definiert die Vorlauftemperatur in Abhängigkeit der Außentemperatur. Die korrekte Einstellung erfolgt iterativ über mehrere Wochen. Das Ziel ist die niedrigst mögliche Vorlauftemperatur bei ausreichendem Komfort. Häufige Fehler sind zu hohe Einstellung, zu aggressive Nachtabsenkung und fehlender hydraulischer Abgleich. Die Korrektur dieser Fehler spart 15 bis 30 Prozent Stromkosten ohne Investitionen.
Moderne wettergeführte Regelung verbessert die Effizienz um weitere 10 bis 15 Prozent. Sie nutzt Wettervorhersagen zur vorausschauenden Steuerung. Solargewinne werden optimal genutzt. Spitzenlasten werden vermieden. Die Nachrüstung kostet 200 bis 500 Euro. Die Amortisation erfolgt in 2 bis 5 Jahren.
Für Altbauten mit hohen Vorlauftemperatur-Anforderungen gibt es vier Lösungen. Austausch der Heizkörper gegen Niedertemperatur-Modelle für 4.000 bis 12.000 Euro. Dämmung der Gebäudehülle für 8.000 bis 30.000 Euro. Bivalentes System mit Gas oder Heizstab für 14.000 bis 20.000 Euro. Oder Hochtemperatur-Wärmepumpe für 16.000 bis 22.000 Euro. Die wirtschaftlich beste Lösung hängt vom Einzelfall ab.
Kontinuierliches Monitoring der JAZ, Vorlauftemperatur und
Spreizung ist essentiell. Digitale Monitoring-Lösungen über Apps kosten 200 bis 500 Euro einmalig. Sie ermöglichen frühzeitige Erkennung von Problemen. Die Optimierung im laufenden Betrieb sichert dauerhaft niedrige Stromkosten. Die Vorlauftemperatur sollte jährlich überprüft und bei Bedarf angepasst werden nach Veränderungen wie Dämmung oder Heizkörper-Austausch.
Häufige Fragen zur Vorlauftemperatur
Kann ich die Vorlauftemperatur zu niedrig einstellen?
Ja, eine zu niedrige Vorlauftemperatur führt zu kalten Räumen. Die Heizflächen geben nicht genug Wärme ab um die Verluste auszugleichen. Die Raumtemperatur sinkt unter die gewünschten 20 bis 22 Grad. Das ist unangenehm und kann bei extremen Fällen zu Schimmel-Bildung durch Kondensation an kalten Wänden führen.
Die Lösung ist schrittweise Erhöhung der Vorlauftemperatur um 2 bis 3 Kelvin. Warten Sie 2 bis 3 Tage und prüfen ob die Raumtemperatur steigt. Wiederholen bis alle Räume die Zieltemperatur erreichen. Das ist die minimale erforderliche Vorlauftemperatur für Ihr System.
Sie können nicht beliebig niedrig gehen. Die physikalische Grenze liegt bei der gewünschten Raumtemperatur plus etwa 5 bis 10 Kelvin für Fußbodenheizung. Bei 20 Grad Raumtemperatur sind 25 bis 30 Grad Vorlauftemperatur die absolute Untergrenze. Darunter reicht die Wärmeabgabe nicht aus.
Muss ich im Winter die Vorlauftemperatur erhöhen?
Nein bei korrekter Heizkurven-Einstellung nicht. Die Heizkurve passt die Vorlauftemperatur automatisch an die Außentemperatur an. Bei kälteren Außentemperaturen steigt die Vorlauftemperatur automatisch. Bei milderen Temperaturen sinkt sie automatisch.
Wenn Sie die Vorlauftemperatur manuell erhöhen müssen damit die Räume warm werden, ist die Heizkurve falsch eingestellt. Erhöhen Sie die Steilheit der Heizkurve um 0,1 bis 0,2 statt die Vorlauftemperatur manuell zu verstellen. Das löst das Problem dauerhaft automatisch.
Bei extremen Außentemperaturen unter minus 15 Grad kann eine temporäre manuelle Erhöhung um 2 bis 3 Kelvin sinnvoll sein. Aber setzen Sie die Einstellung nach der Kältewelle wieder zurück. Sonst verschwenden Sie Energie bei normalen Temperaturen.
Ist 40 Grad Vorlauftemperatur im Winter ausreichend?
Das hängt vom Heizsystem und der Dämmung ab. Für Fußbodenheizungen in gut gedämmten Gebäuden reichen 35 bis 40 Grad auch bei minus 10 Grad Außentemperatur aus. Das ist durch viele Praxis-Installationen dokumentiert.
Für Niedertemperatur-Heizkörper sind 40 bis 45 Grad typischerweise erforderlich bei kalten Außentemperaturen. Standard-Heizkörper in Altbauten benötigen oft 50 bis 55 Grad oder mehr.
Der 50-Grad-Test wie oben beschrieben gibt Ihnen Klarheit für Ihr spezifisches Gebäude. Wenn 40 Grad ausreichen für eine Testwoche im Winter, dann ist es sicher. Wenn nicht, benötigen Sie höhere Temperaturen oder bauliche Verbesserungen.
Welche Vorlauftemperatur für Warmwasser?
Warmwasser benötigt höhere Temperaturen als Raumheizung. Aus hygienischen Gründen zur Vermeidung von Legionellen-Wachstum sollte der Warmwasser-Speicher regelmäßig auf mindestens 60 Grad aufgeheizt werden.
Die moderne Empfehlung nach DVGW W 551 ist:
- Tägliche Speicher-Temperatur: 50 bis 52 Grad
- Wöchentlich eine thermische Desinfektion auf 60 Grad für 30 Minuten
- Zirkulations-Rücklauf: Mindestens 55 Grad
Das gewährleistet hygienisch einwandfreies Warmwasser bei maximal möglicher Effizienz. Die JAZ für Warmwasser liegt typischerweise bei 2,5 bis 3,2. Das ist deutlich niedriger als für Raumheizung mit 4,0 bis 4,5. Deshalb sollte Warmwasser-Bereitung zeitlich optimiert werden auf Zeiten mit günstigen Stromtarifen oder hoher PV-Erzeugung falls Photovoltaik vorhanden.
Wie finde ich die optimale Einstellung für mein Haus?
Die optimale Einstellung erfolgt durch systematisches Testen über mehrere Wochen:
Woche 1-2: Basis-Einstellung Starten Sie mit konservativen Werten. Für Fußbodenheizung: Steilheit 0,4 und Niveau 0. Für Heizkörper: Steilheit 1,0 und Niveau plus 5. Beobachten Sie die Raumtemperaturen.
Woche 3-4: Niveau optimieren Wenn alle Räume zu warm sind über 22 Grad, senken Sie das Niveau um 3 Kelvin. Wenn Räume zu kalt sind unter 20 Grad, erhöhen Sie um 3 Kelvin. Justieren bis Raumtemperatur passt.
Woche 5-6: Steilheit optimieren Achten Sie auf Unterschiede zwischen milden und kalten Tagen. Wenn bei milden Temperaturen um 10 Grad Außen die Räume zu warm sind aber bei kalten Temperaturen um 0 Grad zu kalt, erhöhen Sie die Steilheit um 0,1. Umgekehrt senken Sie die Steilheit.
Woche 7-8: Feinabstimmung Kleinere Korrekturen von 1 Kelvin beim Niveau und 0,05 bei der Steilheit bis perfekte Einstellung erreicht ist.
Dokumentieren Sie die finalen Werte. Das ist Ihre optimale Heizkurve für dieses Gebäude. Sie bleibt stabil über Jahre außer bei baulichen Veränderungen wie Dämmung oder Heizkörper-Austausch.
Beeinflusst die Vorlauftemperatur die Lebensdauer der Wärmepumpe?
Ja, aber nicht direkt. Eine moderate Vorlauftemperatur von 35 bis 45 Grad belastet den Verdichter weniger als 55 bis 65 Grad. Der Verdichter arbeitet bei niedrigen Temperaturen mit geringerem Druck und geringerer Temperatur. Das reduziert mechanischen Verschleiß und thermische Belastung.
Der größere Einfluss auf die Lebensdauer kommt von der Taktung. Häufiges Ein- und Ausschalten belastet den Verdichter stark. Jeder Start verursacht mechanische Spitzenbelastung. Ein System ohne Pufferspeicher mit 15 bis 20 Starts pro Tag altert schneller als ein System mit Pufferspeicher und nur 4 bis 6 Starts pro Tag.
Die typische Lebensdauer des Verdichters beträgt:
- Mit Pufferspeicher und moderaten Temperaturen unter 45 Grad: 20 bis 25 Jahre
- Ohne Pufferspeicher oder hohen Temperaturen über 55 Grad: 12 bis 18 Jahre
Die Vorlauftemperatur-Optimierung schützt die Investition langfristig. Ein Verdichter-Austausch kostet 3.000 bis 6.000 Euro. Das vermeiden durch gute Einstellung ist wertvoll.
Entscheidungshilfe: Welche Vorlauftemperatur ist für mich richtig?
Die richtige Vorlauftemperatur hängt von mehreren Faktoren ab. Diese Entscheidungs-Matrix hilft bei der Einordnung.
Faktor 1: Typ des Heizsystems
Fußbodenheizung:
- Ziel-Vorlauftemperatur: 30 bis 35°C
- Erwartbare JAZ: 4,3 bis 4,8
- Optimierung möglich: Minimal (System bereits optimal)
- Empfehlung: Regelung auf niedrigst mögliche Temperatur einstellen
Wand-Flächenheizung:
- Ziel-Vorlauftemperatur: 32 bis 38°C
- Erwartbare JAZ: 4,1 bis 4,6
- Optimierung möglich: Gering (System gut geeignet)
- Empfehlung: Standard-Einstellungen oft ausreichend
Niedertemperatur-Heizkörper (neu):
- Ziel-Vorlauftemperatur: 40 bis 45°C
- Erwartbare JAZ: 3,8 bis 4,2
- Optimierung möglich: Mittel (Heizkurve wichtig)
- Empfehlung: Heizkurve sorgfältig optimieren über 4-6 Wochen
Standard-Heizkörper (15-30 Jahre alt):
- Ziel-Vorlauftemperatur: 48 bis 55°C
- Erwartbare JAZ: 3,3 bis 3,8
- Optimierung möglich: Hoch (Austausch erwägen)
- Empfehlung: 50-Grad-Test durchführen, dann Austausch prüfen
Alte Guss-Heizkörper (>30 Jahre):
- Ziel-Vorlauftemperatur: 55 bis 65°C
- Erwartbare JAZ: 2,8 bis 3,3
- Optimierung möglich: Sehr hoch (dringend Austausch)
- Empfehlung: Austausch oder bivalentes System erforderlich
Faktor 2: Dämmzustand des Gebäudes
Neubau KfW-40 oder besser:
- Heizlast sehr niedrig unter 40 W/m²
- Niedrige Vorlauftemperaturen ausreichend 30 bis 38°C
- JAZ über 4,5 erreichbar
- Empfehlung: Fokus auf optimale Regelung
Sanierter Altbau KfW-55 bis KfW-100:
- Heizlast niedrig bis mittel 40 bis 70 W/m²
- Moderate Vorlauftemperaturen 38 bis 48°C erforderlich
- JAZ 3,8 bis 4,3 erreichbar
- Empfehlung: Niedertemperatur-Heizkörper sinnvoll
Teilsanierter Altbau:
- Heizlast mittel bis hoch 70 bis 100 W/m²
- Höhere Vorlauftemperaturen 48 bis 58°C erforderlich
- JAZ 3,3 bis 3,8 realistisch
- Empfehlung: Weitere Dämmung oder bivalentes System
Unsanierter Altbau:
- Heizlast sehr hoch über 100 W/m²
- Sehr hohe Vorlauftemperaturen über 58°C erforderlich
- JAZ unter 3,3 oft unwirtschaftlich
- Empfehlung: Umfassende Sanierung vor Wärmepumpe zwingend
Faktor 3: Budget für Optimierung
Kein Budget (0 Euro):
- Optimieren Sie die Heizkurve selbst gemäß Anleitung oben
- Reduzieren Sie Nachtabsenkung auf maximal 3 Kelvin
- Entlüften Sie alle Heizkörper selbst
- Erwartete Einsparung: 5 bis 15 Prozent möglich
Kleines Budget (500-1.000 Euro):
- Beauftragen Sie hydraulischen Abgleich 400 bis 800 Euro
- Zusätzlich Heizkurven-Optimierung durch Fachmann
- Erwartete Einsparung: 10 bis 20 Prozent möglich
- Amortisation: 2 bis 6 Jahre
Mittleres Budget (3.000-8.000 Euro):
- Austausch kritischer Heizkörper in Haupträumen
- Pufferspeicher nachrüsten falls fehlend
- Wettergeführte Regelung installieren
- Erwartete Einsparung: 15 bis 30 Prozent möglich
- Amortisation: 5 bis 12 Jahre
Großes Budget (10.000-25.000 Euro):
- Austausch aller Heizkörper gegen Niedertemperatur-Modelle
- Oder Nachrüstung Fußbodenheizung in Haupträumen
- Teilweise Dämmung Dach und Fenster
- Erwartete Einsparung: 30 bis 50 Prozent möglich
- Amortisation: 8 bis 18 Jahre
- Zusatznutzen: Höherer Wohnkomfort und Immobilien-Wert
Faktor 4: Zeitrahmen für Maßnahmen
Sofort ohne Wartezeit:
- Heizkurve selbst optimieren über 4-6 Wochen
- Nachtabsenkung reduzieren (im Regelungsmenü)
- Alle Heizkörper entlüften (Entlüftungsschlüssel 2 Euro)
- Vorlauftemperatur manuell um 3-5 Kelvin senken (testen!)
Innerhalb 3 Monate:
- Fachbetrieb beauftragen für hydraulischen Abgleich
- Pufferspeicher nachrüsten lassen (Lieferzeit 4-8 Wochen)
- Wettergeführte Regelung installieren lassen
- 50-Grad-Test durchführen für Langzeit-Planung
Innerhalb 1 Jahr:
- Heizkörper austauschen gegen Niedertemperatur-Modelle
- Dachdämmung und Fenster-Austausch durchführen
- Bivalentes System planen und installieren
- Oder Hochtemperatur-Wärmepumpe als Alternative
Langfristig 2-5 Jahre:
- Umfassende energetische Sanierung planen
- Fußbodenheizung bei Renovierung installieren
- Außenwand-Dämmung wenn ohnehin Fassaden-Sanierung
- Optimales Gesamt-System erreichen mit JAZ über 4,5
Checkliste Vorlauftemperatur-Optimierung
Diese Checkliste hilft bei systematischer Optimierung. Arbeiten Sie die Punkte der Reihe nach ab.
Phase 1: Ist-Zustand erfassen (Woche 1)
- [ ] Aktuelle Heizkurve notieren (Steilheit und Niveau)
- [ ] Vorlauftemperatur bei 0°C Außentemperatur messen
- [ ] Rücklauftemperatur messen und Spreizung berechnen
- [ ] Raumtemperaturen in allen Räumen messen und protokollieren
- [ ] JAZ der letzten 12 Monate aus Wärmepumpe ablesen
- [ ] Stromverbrauch der letzten 12 Monate notieren
- [ ] Häufigkeit Heizstab-Nutzung prüfen (falls vorhanden)
- [ ] Anzahl Starts pro Tag zählen (Taktung prüfen)
Phase 2: Schnelle Optimierungen (Woche 2-3)
- [ ] Nachtabsenkung auf maximal 3 Kelvin reduzieren
- [ ] Alle Heizkörper entlüften bis Wasser austritt
- [ ] Umwälzpumpe auf mittlere Stufe stellen (nicht Maximum)
- [ ] Warmwasser-Temperatur auf 50-52°C reduzieren
- [ ] Niveau der Heizkurve um 3 Kelvin senken (testen)
- [ ] Nach 3 Tagen Raumtemperaturen erneut messen
- [ ] Bei Erfolg weitere 2 Kelvin senken
Phase 3: Fachmann-Optimierungen (Monat 2)
- [ ] Angebot für hydraulischen Abgleich einholen (3 Betriebe)
- [ ] Hydraulischen Abgleich durchführen lassen
- [ ] Protokoll für KfW-Förderung aufbewahren
- [ ] Nach Abgleich Heizkurve neu optimieren
- [ ] Spreizung erneut messen (sollte kleiner sein)
- [ ] JAZ vergleichen vor/nach (sollte 0,2-0,4 Punkte besser sein)
Phase 4: Investitions-Entscheidungen (Monat 3-6)
- [ ] 50-Grad-Test durchführen falls Altbau
- [ ] Entscheiden: Heizkörper-Austausch ja/nein
- [ ] Falls ja: Angebote einholen (mindestens 3)
- [ ] Entscheiden: Pufferspeicher nachrüsten ja/nein
- [ ] Falls ja: Größe berechnen (50L pro kW Heizleistung)
- [ ] Entscheiden: Wettergeführte Regelung ja/nein
- [ ] Förderungen prüfen (BAFA, KfW, regional)
Phase 5: Monitoring etablieren (fortlaufend)
- [ ] Monatlich JAZ notieren und mit Vormonat vergleichen
- [ ] Bei Abfall über 10% Ursache suchen
- [ ] Jährlich Heizkurve überprüfen und anpassen
- [ ] Vorlauftemperatur bei 0°C jährlich vergleichen
- [ ] Nach baulichen Änderungen Heizkurve neu optimieren
- [ ] Alle 3 Jahre hydraulischen Abgleich überprüfen lassen
Fazit: Vorlauftemperatur ist der Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit
Die Vorlauftemperatur bestimmt die Wirtschaftlichkeit einer Wärmepumpe mehr als jeder andere Einzelfaktor. Die Korrelation zwischen Vorlauftemperatur und JAZ ist direkt und stark. Jedes Kelvin Absenkung spart 2,5 bis 3 Prozent Stromkosten. Eine Optimierung von 55 auf 35 Grad verdoppelt die Effizienz von JAZ 3,2 auf 4,5. Das halbiert die Betriebskosten von 2.000 auf 1.000 Euro jährlich.
Die richtige Vorlauftemperatur hängt vom Heizsystem ab. Fußbodenheizungen erlauben 30 bis 35 Grad optimal. Niedertemperatur-Heizkörper benötigen 40 bis 45 Grad akzeptabel. Alte Standard-Heizkörper erfordern 55 bis 60 Grad kritisch. Bei Temperaturen über 55 Grad wird die Wärmepumpe unwirtschaftlich verglichen mit Gas. Dann sind bauliche Maßnahmen wie Heizkörper-Austausch oder Dämmung oder ein bivalentes System erforderlich.
Die Optimierung erfolgt primär über die Heizkurve. Sie definiert die Vorlauftemperatur in Abhängigkeit der Außentemperatur automatisch. Die korrekte Einstellung ist iterativ über 4 bis 8 Wochen möglich. Die Parameter Steilheit und Niveau werden schrittweise angepasst bis optimale Raumtemperatur bei minimal nötiger Vorlauftemperatur erreicht ist. Häufige Fehler wie zu hohe Einstellung, aggressive Nachtabsenkung und fehlender hydraulischer Abgleich verschwenden 20 bis 30 Prozent Energie vermeidbar.
Der hydraulische Abgleich ist essentiell für niedrige Vorlauftemperaturen. Er kostet 400 bis 800 Euro und verbessert die JAZ um 0,2 bis 0,5 Punkte messbar. Die Amortisation erfolgt in 2 bis 6 Jahren. Er ist Pflicht für KfW-Förderung. Ohne Abgleich sind Spreizungen von 15 bis 20 Kelvin normal. Das reduziert die Effizienz um 10 bis 15 Prozent unnötig.
Für Altbauten ist der 50-Grad-Test empfohlen vor Wärmepumpen-Installation. Er prüft praktisch ob 50 Grad Vorlauftemperatur ausreichen für das Gebäude. Wenn ja, funktioniert eine Wärmepumpe wirtschaftlich ohne Zusatzheizung. Wenn nein, sind Investitionen in Dämmung, Heizkörper-Austausch oder ein bivalentes System erforderlich. Der Test vermeidet Fehl-Investitionen von 5.000 bis 15.000 Euro in ungeeignete Systeme.
Die kontinuierliche Überwachung der JAZ, Vorlauftemperatur und Spreizung ist wichtig. Moderne Apps ermöglichen Monitoring über Internet für 200 bis 500 Euro einmalig. Ein Abfall der JAZ um 10 Prozent deutet auf Probleme hin wie Leckagen, Luftblasen oder falsche Einstellungen. Die frühzeitige Erkennung vermeidet kumulative Mehrkosten von mehreren Hundert Euro pro Jahr.
Die Vorlauftemperatur-Optimierung ist die wichtigste Maßnahme für niedrige Betriebskosten einer Wärmepumpe. Sie kostet nichts bei Selbst-Optimierung der Heizkurve. Sie spart 100 bis 500 Euro jährlich sofort. Bei Investitionen von 500 bis 10.000 Euro in hydraulischen Abgleich, Heizkörper-Austausch oder Dämmung sind Einsparungen von 300 bis 800 Euro jährlich möglich. Die Amortisation erfolgt in 2 bis 15 Jahren. Die langfristige Wirtschaftlichkeit der Wärmepumpe steht und fällt mit der richtigen Vorlauftemperatur.
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