Zum Inhalt springen

Eisspeicher-Wärmepumpe 2026: Technik, Kosten und Förderung

12 Min. Lesezeit

Jetzt mehrere Angebote vergleichen

Füllen Sie das Formular aus und erhalten Sie mehrere passende Angebote zum direkten Vergleich – für den besten Preis.

Das Wichtigste in Kürze

  • Latente Wärme: Beim Gefrieren von Wasser werden rund 333 kJ/kg Kristallisationsenergie frei – etwa 80-mal mehr als bei einer Erwärmung um 1 °C.
  • Jahresarbeitszahl (JAZ): In der Praxis erreichen Eisspeicher-Wärmepumpen meist 3,5 bis 4,5; Werte von 5 bis 7 gelten nur unter optimalen Bedingungen als realistisch.
  • Flache Bauweise: Die Zisterne wird nur 1 bis 4 Meter tief vergraben, eine Genehmigung ist je nach Bundesland und Wasserrecht trotzdem möglich.
  • Investitionskosten: Ein komplettes System für ein Einfamilienhaus kostet aktuell meist 30.000 bis 60.000 Euro.
  • Förderung: Über das KfW-Programm 458 sind 30 Prozent Grundförderung plus Boni bis maximal 70 Prozent der förderfähigen Kosten möglich.
  • Anbieter: Viessmann bietet mit der Vitoset-Serie ein Eisspeichersystem an; ob es der einzige Anbieter am Markt ist, lässt sich nicht abschließend belegen, doch auch andere Hersteller wie PSS, Ecotherm oder res-energie bieten Eisspeicher-Systeme an.

Was ist ein Eisspeicher und wie funktioniert die Technologie?

Der Eisspeicher ist eine unterirdische Zisterne, die mit Wasser gefüllt ist und als Wärmequelle für eine Sole-Wasser-Wärmepumpe dient. Das Besondere an der Technologie: Sie nutzt die latente Wärme, die beim Phasenwechsel von Wasser zu Eis freigesetzt wird. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus werden Speichervolumina von etwa 10 bis 20 Kubikmetern empfohlen; für eine 10-kW-Wärmepumpe wird häufig ein Speichervolumen von etwa 10 Kubikmetern verwendet, während 15 Kubikmeter eher für höhere Leistungen im Bereich von 13 bis 20 kW üblich sind. Die Zisterne wird 1 bis 4 Meter tief im Garten vergraben – bewusst ohne Wärmedämmung.
Während der Heizperiode gefriert das Wasser im Speicher kontrolliert und setzt dabei Kristallisationsenergie bei einer konstanten Temperatur von 0 °C frei. Die Regeneration erfolgt anschließend über drei Wärmequellen gleichzeitig: Solar-Luftabsorber als Hauptquelle, passive Erdreich-Wärmeleitung und atmosphärische Einflüsse wie Wind und Niederschlag.

Konstruktion und Aufbau

Die Konstruktion besteht aus PE-HD-Kunststoff oder Beton. Im Inneren befinden sich zwei getrennte Wärmetauscher-Kreisläufe, die unabhängig voneinander arbeiten.
  • Entzugswärmetauscher: Spiralförmige Kunststoffrohre, durch die kalte Sole von der Wärmepumpe zirkuliert und Wärme aus dem Wasser absorbiert
  • Regenerationswärmetauscher: Separater Rohrkreislauf, der erwärmte Flüssigkeit von den Solar-Luftabsorbern in den Speicher transportiert
Die Rohranordnung ist so konstruiert, dass das Gefrieren kontrolliert von innen nach außen und von unten nach oben erfolgt. Das verhindert Eisexpansions-Schäden, denn Wasser expandiert beim Gefrieren um etwa 9 Prozent und kann dabei erhebliche Kräfte entwickeln.
Die ungedämmte Bauweise ist bewusst gewählt: Das umgebende Erdreich hat in 2 bis 4 Meter Tiefe in Mitteleuropa meist eine relativ konstante Temperatur von etwa 7 bis 12 °C, die je nach Standort leicht variiert. Der Wärmestrom durch die Zisternenwand trägt kontinuierlich zur Regeneration bei. Eine gedämmte Zisterne würde diesen passiven Wärmeeintrag blockieren und die Regenerationsleistung spürbar reduzieren.

Wie funktioniert latente Wärme bei 333 kJ/kg physikalisch?

Latente Wärme ist Energie, die bei einem Phasenwechsel freigesetzt oder aufgenommen wird, ohne dass sich die Temperatur des Stoffes ändert. Der Phasenwechsel von flüssigem Wasser zu festem Eis bei 0 °C setzt rund 333 Kilojoule pro Kilogramm Kristallisationsenergie frei.
Zum Vergleich: Wasser hat eine spezifische Wärmekapazität von rund 4,184 kJ/(kg·K) – die Erwärmung um 1 °C benötigt also nur 4,184 kJ Energie. Das Verhältnis 333 ÷ 4,184 ergibt rund 80 – der Phasenwechsel liefert also etwa 80-mal mehr Energie pro Kilogramm als eine Erwärmung um 1 °C.

Praktisches Beispiel

  • Ein Eisspeicher mit 10 Kubikmetern enthält rund 10.000 Liter beziehungsweise 10.000 Kilogramm Wasser.
  • Beim vollständigen Gefrieren setzt dieser Speicher rechnerisch frei: 10.000 kg × 333 kJ/kg ≈ 3.330.000 kJ, umgerechnet rund 925 kWh nutzbare Energie.
  • Das entspricht grob der Energiemenge von etwa 92 Litern Heizöl oder rund 93 Kubikmetern Erdgas.
Wichtig für das Verständnis: Der Eisspeicher speichert keine Kälte, sondern latente Wärme in Form von Kristallisationsenergie, die beim Gefrieren freigesetzt wird. Das Eis ist lediglich der Zustand nach der Energieabgabe, nicht die Energiequelle selbst.

Welche JAZ und COP erreicht eine Eisspeicher-Wärmepumpe realistisch?

Marketing-Unterlagen versprechen für Eisspeicher-Wärmepumpen häufig Jahresarbeitszahlen von 5,0 bis 7,0. In der Praxis liegen die tatsächlich erreichten Jahresarbeitszahlen laut aktuellen Fachquellen meist deutlich niedriger: Erfahrungsberichte und Experteneinschätzungen zeigen typische JAZ-Werte im Bereich von 3,5 bis 4,5. Werte über 5,0 werden nur unter optimalen Bedingungen mit sehr guter Anlagenauslegung erzielt, Werte von 5 bis 7 bleiben im deutschen Gebäudebestand die Ausnahme.
Quelle / GerätCOP bei B0/W35
Marktübersicht (energie-experten.org)4,1 – 5,3
Effiziente Geräte, realistischer Bestwert4,5 – ca. 5,0
Herstellerdatenblätter, Durchschnitt4,4 – 5,0
Wolf BWS-14,6 – 4,7
Vaillant flexoTHERM exclusive4,4 – 4,8

Realistische Erwartungen je nach Heizsystem

Da der Eisspeicher die Soletemperatur konstant nahe 0 °C hält, hängt der tatsächlich erreichte COP vor allem von der Vorlauftemperatur der Heizung ab. Höhere Vorlauftemperaturen reduzieren den COP deutlich, weil die Temperaturdifferenz zwischen Quelle und Senke wächst.
  • Fußbodenheizung (35 °C Vorlauf): COP im oberen Herstellerbereich von etwa 4,5 bis 5,3 möglich
  • Heizkörper im Altbau (50 °C Vorlauf): spürbar niedrigerer COP, da die Temperaturdifferenz zur Quelle größer wird
  • Garantierte JAZ-Werte von 7,0 in der Werbung sind unrealistisch und sollten kritisch hinterfragt werden

Welche drei Regenerationsquellen nutzt der Eisspeicher?

Die Regeneration ist der Prozess, bei dem das während der Heizperiode gebildete Eis wieder aufgetaut wird. Eisspeichersysteme kombinieren dafür typischerweise drei Quellen gleichzeitig: Solar-Luftabsorber, den Wärmeeintrag aus dem umgebenden Erdreich und atmosphärische Einflüsse. Die Solar-Luftabsorber tragen dabei einen wichtigen Anteil zur sommerlichen Regeneration bei, wobei sich der genaue Anteil je nach System unterscheidet.

1. Solar-Luftabsorber (60–80 % der Regenerationsenergie)

Solar-Luftabsorber sind unverglaste Flachkollektoren, die nicht nur direkte Sonnenstrahlung nutzen, sondern auch Wind, Regen und Umgebungsluft-Konvektion. Die benötigte Absorberfläche richtet sich nach der Heizleistung der Wärmepumpe und wird üblicherweise vom Fachplaner anhand der Anlagengröße dimensioniert. Die Kosten für die Solar-Luftabsorber hängen stark von Modulwahl und Montageart ab und lassen sich ohne konkretes Angebot nicht pauschal beziffern.

2. Erdreich-Wärmeleitung (passiv, kontinuierlich)

  • Wärmeleitfähigkeit: rund 1,4 bis 1,8 W/(m·K) für Beton (je nach Zusammensetzung), rund 0,4 W/(m·K) für PE-HD
  • Wärmestrom: Über die Zisternenwand fließt kontinuierlich Wärme aus dem Erdreich nach, deren genaue Höhe stark von Bodenart und Standort abhängt
  • Jahresertrag: Der genaue Energiebeitrag aus der Erdreich-Wärmeleitung bei einer 10-m³-Zisterne mit 30 bis 40 m² Wandfläche ist stark standortabhängig und lässt sich nicht pauschal in kWh angeben

3. Atmosphäre (15–25 % der Regeneration)

  • Diffuse Wärmestrahlung: Wasserdampf, CO₂ und Wolken liefern kontinuierlich Wärmestrahlung, deren genaue Leistung je nach Wetterlage variiert
  • Luftkonvektion bei Wind: Wind trägt zusätzlich Wärme ein, wobei die Höhe von der Windgeschwindigkeit abhängt
  • Niederschlag: Regenfall überträgt ebenfalls Wärme an den Absorber, wobei die genaue Menge variabel ist
Bei sehr heißen und sonnigen Sommern kann der Speicher vollständig auftauen und keine weitere Energie mehr aufnehmen, wenn die Absorberfläche im Verhältnis zum Speichervolumen zu groß dimensioniert ist. Praxislösungen sind eine Absorber-Überschuss-Regelung mit 3-Wege-Ventilen oder die Nutzung der Überschusswärme für andere Zwecke im Haus. Ohne ausreichend dimensionierte Absorberfläche funktioniert das Gesamtsystem nicht zuverlässig.

Wie wird der Eisspeicher korrekt dimensioniert?

Die Dimensionierung ist die kritischste Planungsphase beim Eisspeicher. Ziel ist ein thermodynamisches Gleichgewicht zwischen der jährlichen Energieentnahme im Winter und der Regeneration im Sommer. Eine Fehldimensionierung zeigt sich oft erst nach mehreren Betriebsjahren.

Speicher-Volumen-Faustformel

Als grobe Orientierung wird bei der Auslegung häufig die Kälteleistung der Wärmepumpe herangezogen – nicht die Heizleistung. Die Kälteleistung entspricht etwa 75 Prozent der Heizleistung bei einem COP von 4,0. Für eine 10-kW-Wärmepumpe ergibt das rund 7,5 kW Kälteleistung. In der Praxis werden für solche Anlagen meist rund 10.000 Liter mit Sicherheitspuffer verwendet, was sich mit den üblichen Speichervolumina von 10 bis 15 Kubikmetern für diese Größenordnung deckt.

Absorber-Flächen-Faustformel

Die Faustformel für die Absorberfläche liegt bei 2,6 Quadratmetern pro Kilowatt Heizleistung – nicht Kälteleistung. Für eine 10-kW-Wärmepumpe ergibt das rechnerisch mindestens 26 Quadratmeter. In der Praxis wird eine Überdimensionierung von 10 bis 20 Prozent empfohlen, um auch sonnenarme Jahre abzufedern.

Folgen von Fehldimensionierung

  • Erste Betriebsjahre: Das System funktioniert meist noch gut, da das umgebende Erdreich anfänglich noch relativ warm ist
  • Mittelfristig: Bei zu knapper Auslegung friert der Speicher früher zu und taut später auf als geplant
  • Langfristig: Sinkt die Erdreich-Temperatur dauerhaft ab, fällt auch die erreichbare JAZ deutlich
  • Im Extremfall: Eine nachträgliche Sanierung der Anlage kann laut Erfahrungsberichten mit erheblichen zusätzlichen Kosten verbunden sein

Jetzt mehrere Angebote vergleichen

Füllen Sie das Formular aus und erhalten Sie mehrere passende Angebote zum direkten Vergleich – für den besten Preis.

Professionelle Simulation empfehlenswert

Für zuverlässige JAZ-Prognosen ist eine dynamische thermische Simulation mit Software wie TRNSYS, Polysun oder Insel sinnvoll. Sie berücksichtigt stündliche Energieflüsse, die Gebäude-Heizlast, Klimadaten, Solareinstrahlung, Erdreich-Temperatur sowie die Kennlinien von Absorber und Wärmepumpe. Die Kosten dafür durch ein Ingenieurbüro hängen von Aufwand und Anlagengröße ab. Ohne eine solche Simulation steigt laut Erfahrungsberichten das Risiko einer Fehldimensionierung bei Selbstbau-Projekten deutlich.

Was kostet ein Eisspeicher-System komplett?

Die Gesamtinvestition für ein komplettes Eisspeicher-System in einem Einfamilienhaus liegt nach aktuellen Marktübersichten meist zwischen 30.000 und 60.000 Euro vor Förderung. Einzelne Verbraucherportale nennen für Eisspeicherheizungen einen Einstieg ab etwa 40.000 Euro, andere Quellen kalkulieren je nach Baugrund und Dimensionierung auch mit Kosten am oberen Ende der Spanne.
KomponenteKosten
Sole-Wasser-Wärmepumpe inkl. Montageab ca. 20.000 EUR
Eisspeicher (Tank inkl. Wärmetauscher)6.000 – 20.000 EUR
Solar-Luftabsorber inkl. Montage4.000 – 10.000 EUR
Erdarbeiten4.000 – 12.000 EUR
GESAMT (typisch)30.000 – 60.000 EUR
Die große Preisspanne erklärt sich durch Baugrund, Zugänglichkeit des Grundstücks für Kran und Bagger, Speichergröße sowie die gewählte Wärmepumpen-Leistungsklasse. Im direkten Kostenvergleich mit einer klassischen Erdwärmesonde liegt ein 10-kW-Eisspeichersystem tendenziell im gleichen oder höheren Kostenbereich, während vergleichbare Erdsonden-Systeme häufig günstiger ausfallen.

Wie viel Förderung gibt es 2026 für Eisspeicher-Wärmepumpen?

Seit 2024 läuft die Zuschussförderung für den Heizungstausch im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ausschließlich über das KfW-Programm 458; frühere BAFA-Zuschüsse für diesen Bereich sind darin aufgegangen. Die Grundförderung liegt auch nach dem 21. Juli 2026 weiterhin bei 30 Prozent der förderfähigen Investitionskosten, allerdings wurden Boni und Förderobergrenzen zu diesem Zeitpunkt angepasst: Der Klimageschwindigkeitsbonus beträgt seither 16 Prozent, der Einkommensbonus ist gestaffelt bis maximal 40 Prozent, und die förderfähigen Kosten sind für die erste Wohneinheit auf 28.000 Euro begrenzt.
BausteinHöheBedingung
Grundförderung30%für alle Wärmepumpen im Heizungstausch nach KfW 458 (Stand 07/2026)
Effizienzbonusnicht mehr separat ausgewiesenDer frühere 5-Prozentpunkte-Bonus für Wasser-, Erdreich- oder Abwasser-Quellen bzw. natürliche Kältemittel war Teil der BEG-EM-Regeln ab 2024, ist im aktuellen KfW-458-Merkblatt (Stand 07/2026) aber nicht mehr als eigene Zeile enthalten
Einkommensbonus+10 bis 40 Prozentpunkte (gestaffelt)gestaffelt nach zu versteuerndem Haushaltseinkommen, ab 21.7.2026
Klimageschwindigkeitsbonus16 Prozentpunkteab 21.7.2026, zeitlich gestaffelter Bonus im Rahmen der Gesamtquote
Maximale Förderquote70%Summe aller Boni gedeckelt
Förderfähige Kosten 2026bis 28.000 EUR (ab 21.7.2026)pro erster selbstgenutzter Wohneinheit; 15.000 EUR für Einheiten 2–6, 8.000 EUR ab der 7. Einheit
Maximaler Zuschussbis 19.600 EURbei 70% Förderquote und 28.000-EUR-Kostenobergrenze für die erste Wohneinheit
Wichtig für die Planung: Die Grundförderung über KfW 458 gilt für den Heizungstausch in bestehenden Wohngebäuden. Neubauten sind in diesem Programm nicht förderberechtigt; vermietete Objekte können grundsätzlich ebenfalls gefördert werden, wobei bestimmte Boni wie der Klimageschwindigkeits- und der Einkommensbonus nur selbstnutzenden Eigentümern vorbehalten sind. Details zur schrittweisen Absenkung der Förderobergrenze ab dem 21. Juli 2026 zeigt der KfW-Update-Beitrag.

Welche Probleme treten häufig auf?

Zisterne-Setzung (15–25 % Häufigkeit)

Ursache ist meist eine unzureichende Bodenverdichtung beim Aushub. Symptome sind Risse in der Beton-Zisterne, Undichtigkeiten bei PE-Zisternen sowie Grundwasser-Infiltration oder Wasseraustritt. Zur Prävention hilft eine professionelle Verdichtung mit einer Rüttelplatte von 200 bis 300 kg in Schichten von 20 bis 30 cm sowie eine umlaufende Drainage aus Kies und Drainagevlies. Die Reparaturkosten hängen stark vom Schadensausmaß ab und lassen sich nicht pauschal beziffern.

Biofilm-Bildung (10–20 % Häufigkeit nach 5–7 Jahren)

Mikroorganismen wie Bakterien und Algen im Wasser können nach mehreren Betriebsjahren zu Biofilm führen. Das zeigt sich durch eine steigende Druckdifferenz im System, sinkende Durchflussmengen und einen fallenden COP. Prävention gelingt über Filter mit 50 bis 100 Mikrometer Maschenweite und optional UV-Desinfektion mit 50 bis 150 Watt UV-C-Leistung. Eine Säurespülung mit Zitronensäure oder ein Rohrtausch bei starker Verstopfung sind mögliche Gegenmaßnahmen, deren Kosten je nach Aufwand stark variieren.

Sensor-Kalibrierungs-Drift

PT100-Widerstandsthermometer driften unter normalen Betriebsbedingungen nur sehr gering, typischerweise in der Größenordnung von ≤0,1 °C über mehrere Jahre und damit deutlich weniger als 0,1 Kelvin pro Jahr. Das führt dazu, dass die Regelung mit leicht falschen Temperaturen arbeitet und die Umschaltung zwischen Absorber und Speicher zeitlich verschoben erfolgt. Eine regelmäßige Kalibrierung im Rahmen der Wartung beugt dem vor.

Eisspeicher vs. andere Wärmepumpen-Systeme: Was ist besser?

Im direkten Systemvergleich zeigt sich: Der Eisspeicher liegt bei der praxisnahen Jahresarbeitszahl meist im Mittelfeld, nicht an der Spitze aller Wärmepumpensysteme. Eine Erdwärmesonde erreicht bei geringerem Regenerationsrisiko ähnliche oder bessere Werte.
SystemJAZ-Bereich (praxisnah)Besonderheit
Luft-Wasser-Wärmepumpe3,0 – 3,5Quelltemperatur fällt im Winter bis auf -15 °C
Sole-Erdreich Flächenkollektor4,0 – 4,8großer Flächenbedarf im Garten
Eisspeicher-Wärmepumpe3,5 – 4,5konstante Verdampfertemperatur nahe 0 °C, aber stark regenerationsabhängig
Sole-Erdwärmesonde4,5 – 5,2Tiefenbohrung 50 – 100 Meter erforderlich
Grundwasser-Wärmepumpe5,0 – 5,5wasserrechtliche Genehmigung meist erforderlich
Ein Vorteil des Eisspeichers bleibt die geringe Bautiefe von nur 1 bis 4 Metern gegenüber 50 bis 100 Metern bei einer Erdwärmesonde. Das bedeutet aber nicht automatisch Genehmigungsfreiheit: Ob eine wasserrechtliche Anzeige oder Genehmigung nötig ist, hängt vom jeweiligen Bundesland und der lokalen Grundwassersituation ab und sollte vorab mit der zuständigen Behörde geklärt werden.

Häufige Fragen zu Eisspeicher-Wärmepumpen

Ist ein Eisspeicher automatisch genehmigungsfrei?

Nein. Auch wenn die Zisterne nur 1 bis 4 Meter tief vergraben wird und damit deutlich flacher liegt als eine Erdwärmesonde, hängt die Genehmigungspflicht vom jeweiligen Landeswasserrecht und der lokalen Grundwassersituation ab. Vor Baubeginn sollte immer die zuständige untere Wasserbehörde kontaktiert werden.

Wie lange dauert die Amortisation eines Eisspeicher-Systems?

Eine pauschale Amortisationszeit lässt sich seriös nicht angeben, da belastbare aktuelle Studien dazu fehlen. Die Amortisation hängt stark von Strom- und Brennstoffpreisen, der Höhe der Förderung, dem Gebäudestandard und dem individuellen Nutzerverhalten ab. Angesichts der Investitionssumme von 30.000 bis 60.000 Euro sollte eher von einem langfristigen Zeitraum ausgegangen werden.

Kann ich einen Eisspeicher selbst bauen?

Technisch ist Selbstbau möglich, in der Praxis aber riskant: Ohne professionelle thermische Simulation steigt laut Erfahrungsberichten das Risiko einer Fehldimensionierung bei Selbstbau-Projekten deutlich. Eine Fehldimensionierung zeigt sich oft erst nach mehreren Betriebsjahren und kann teure Nachrüstungen erforderlich machen.

Wie groß muss der Garten für einen Eisspeicher sein?

Neben der Zisterne selbst mit 10 bis 20 Kubikmetern Volumen wird Platz für die Solar-Luftabsorber benötigt – bei einer 10-kW-Wärmepumpe rund 26 Quadratmeter Kollektorfläche, entweder auf dem Dach oder als vertikaler Energiezaun im Garten. Wer wenig Fläche hat, sollte alternative Wärmequellen wie eine Erdwärmesonde prüfen.

Funktioniert der Eisspeicher auch im Altbau mit Heizkörpern?

Grundsätzlich ja, allerdings mit spürbaren Effizienzeinbußen: Bei einer Vorlauftemperatur von 50 °C statt 35 °C sinkt der COP deutlich, da die Temperaturdifferenz zwischen Quelle und Senke wächst. In solchen Fällen liegt die realistisch erreichbare JAZ eher am unteren Ende der praxisüblichen Spanne von 3,5 bis 4,5.

Ist Viessmann der einzige Anbieter von Eisspeicher-Systemen?

Nein. Viessmann hat mit der Vitoset-Serie – mittlerweile auch in einer Kunststoff-Variante – die Technologie maßgeblich geprägt und gilt als Pionier, ist aber nicht mehr der einzige Anbieter am Markt. Weitere Unternehmen und Systemintegratoren bieten inzwischen ebenfalls Eisspeicher- oder vergleichbare Latentwärmespeicher-Lösungen an.

Für wen lohnt sich eine Eisspeicher-Wärmepumpe?

Neubau mit Fußbodenheizung und großem Grundstück

Am besten passt der Eisspeicher zu Neubauten mit Fußbodenheizung und niedriger Vorlauftemperatur von etwa 35 °C, da hier der COP am höchsten ausfällt. Voraussetzung ist ausreichend Gartenfläche für Zisterne und Solar-Luftabsorber sowie eine sorgfältige, idealerweise simulationsgestützte Planung.

Sanierung im Altbau

Im Altbau mit Heizkörpern und höheren Vorlauftemperaturen ist der Eisspeicher seltener die wirtschaftlichste Wahl. Hier liefern oft eine Erdwärmesonde oder eine gut dimensionierte Luft-Wasser-Wärmepumpe ein besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis, sofern die baulichen Voraussetzungen dafür passen.
Wer sich für einen Eisspeicher entscheidet, sollte angesichts der Investitionssumme von 30.000 bis 60.000 Euro nicht auf die vorab empfohlene thermische Simulation verzichten. Die Fördermöglichkeiten über KfW 458 mit bis zu 70 Prozent der förderfähigen Kosten können die Investition deutlich abfedern – vorausgesetzt, es handelt sich um den Heizungstausch in einem bestehenden, selbstgenutzten Gebäude.

Jetzt mehrere Angebote vergleichen

Füllen Sie das Formular aus und erhalten Sie mehrere passende Angebote zum direkten Vergleich – für den besten Preis.

REDAKTION

Urik Muller

Senior Texter

Leidenschaftlich für Wärmepumpen