Eisspeicher-Wärmepumpe: Heizung durch latente Wärme
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Das Wichtigste in Kürze
- Latente Wärme: Mit 333 kJ/kg ist die Kristallisationsenergie beim Gefrieren von Wasser 80-mal höher als die sensible Wärme bei 1°C Temperaturänderung
- Jahresarbeitszahl (JAZ): Eisspeicher-Wärmepumpen erreichen JAZ-Werte von 5,0 bis 7,0 – der höchste Wert aller Wärmepumpensysteme
- Keine Tiefenbohrung: Die Zisterne wird nur 1 bis 4 Meter tief vergraben und ist damit meist genehmigungsfrei, im Gegensatz zu Erdwärmesonden (50-100 Meter)
- Investitionskosten: 20.000 bis 30.000 Euro für ein Komplettsystem im Einfamilienhaus
- Förderung: 40 bis 50 Prozent durch KfW-Programme realistisch
- Amortisation: 12 bis 18 Jahre typisch
- Viessmann-Monopol: Praktisch einziger Anbieter am Markt mit der Vitoset-Serie
Was ist ein Eisspeicher und wie funktioniert die Technologie?
Der Eisspeicher ist eine unterirdische Zisterne, die mit Wasser gefüllt ist und als Wärmequelle für eine Sole-Wasser-Wärmepumpe dient. Das Besondere: Das System nutzt die latente Wärme beim Phasenwechsel von Wasser zu Eis. Die Zisterne hat typischerweise ein Volumen von 10 bis 15 Kubikmetern für ein Einfamilienhaus und wird 1 bis 4 Meter tief im Garten vergraben – bewusst ohne Wärmedämmung.
Während der Heizperiode gefriert das Wasser im Speicher kontrolliert und setzt dabei Kristallisationsenergie bei konstanter Temperatur von 0°C frei. Die Regeneration erfolgt durch drei Wärmequellen: Solar-Luftabsorber (primär), Erdreich-Wärmeleitung (passiv) und atmosphärische Konvektion.
Konstruktion und Aufbau
Die Konstruktion besteht aus PE-HD-Kunststoff (recycelbar) oder Beton. Im Inneren befinden sich zwei getrennte Wärmetauscher-Kreisläufe:
- Entzugswärmetauscher: Spiralförmige Kunststoffrohre, durch die kalte Sole von der Wärmepumpe zirkuliert und Wärme aus dem Wasser absorbiert
- Regenerationswärmetauscher: Separater Rohrkreislauf, der erwärmte Flüssigkeit von den Solar-Luftabsorbern in den Speicher transportiert
Die Rohranordnung ist so konstruiert, dass das Gefrieren kontrolliert von innen nach außen und von unten nach oben erfolgt. Dies verhindert Eisexpansions-Schäden, da Wasser beim Gefrieren um 9 Prozent expandiert und enorme Kräfte entwickeln kann.
Die ungedämmte Bauweise ist bewusst gewählt: Das umgebende Erdreich hat in 2 bis 4 Meter Tiefe ganzjährig eine konstante Temperatur von 8 bis 12°C. Der Wärmestrom durch die Zisternenwand trägt kontinuierlich zur Regeneration bei. Eine gedämmte Zisterne würde diesen passiven Wärmeeintrag blockieren und die Regenerationsleistung um 20 bis 40 Prozent reduzieren.
Wie funktioniert latente Wärme bei 333 kJ/kg physikalisch?
Die latente Wärme ist Energie, die bei einem Phasenwechsel freigesetzt oder absorbiert wird, ohne dass sich die Temperatur des Stoffes ändert. Der Phasenwechsel von flüssigem Wasser zu festem Eis bei 0°C setzt exakt 333,5 Kilojoule pro Kilogramm Kristallisationsenergie frei.
Diese Energiemenge entspricht der Energie, die benötigt wird, um dieselbe Menge Wasser von 0 auf 79,6°C zu erwärmen. Im Vergleich dazu: Wasser hat eine spezifische Wärmekapazität von 4,19 kJ/(kg·K), was bedeutet, dass die Erwärmung um 1°C nur 4,19 kJ Energie benötigt.
Das Verhältnis: 333,5 ÷ 4,19 = 79,6 – also etwa 80-mal höhere Energiedichte beim Phasenwechsel.
Praktisches Beispiel
Ein Eisspeicher mit 10 Kubikmetern enthält 10.000 Liter bzw. 10.000 Kilogramm Wasser. Beim vollständigen Gefrieren setzt dieser Speicher frei:
- 10.000 kg × 333,5 kJ/kg = 3.335.000 kJ = 926 kWh nutzbare Energie
- Dies entspricht etwa 92,6 Liter Heizöl oder 93 Kubikmeter Erdgas
Wichtig: Der Eisspeicher speichert keine Kälte, sondern latente Wärme in Form von Kristallisationsenergie, die beim Gefrieren freigesetzt wird. Das Eis ist nur der Zustand nach Energieabgabe, nicht die Energiequelle selbst.
Warum erreicht der Eisspeicher JAZ-Werte von 5,0 bis 7,0?
Die Jahresarbeitszahl von Eisspeicher-Wärmepumpen liegt bei 5,0 bis 7,0 und ist damit der höchste Wert aller verfügbaren Wärmepumpensysteme. Zum Vergleich:
- Luft-Wasser-Wärmepumpe: JAZ 3,0 bis 3,5 (Quellentemperatur fällt im Winter auf -15°C)
- Sole-Erdreich mit Flächenkollektor: JAZ 4,0 bis 4,8
- Sole-Erdwärmesonde: JAZ 4,5 bis 5,2
- Grundwasser-Wärmepumpe: JAZ 5,0 bis 5,5
Vier physikalische Vorteile kombiniert
Der Eisspeicher übertrifft diese Werte durch vier synergistische Vorteile:
- Konstante Verdampfertemperatur: Die Temperatur bleibt während der gesamten Gefrierphase stabil bei 0°C
- Thermischer Puffer: Die latente Wärme liefert Energie ohne Temperaturabfall, bis das Wasser komplett gefroren ist
- Redundante Regeneration: Drei Quellen (Solar + Erdreich + Atmosphäre) funktionieren auch bei bewölktem Wetter
- Optimale Temperaturdifferenz: Die Wärmepumpe arbeitet mit minimaler Differenz zwischen Verdampfer (0°C) und Verflüssiger (35°C für Fußbodenheizung)
Einfluss der Temperaturdifferenz auf den COP
Die COP-Kennlinie einer Wärmepumpe steigt exponentiell, wenn die Temperaturdifferenz zwischen Quelle und Senke kleiner wird:
- B0/W35 (Sole 0°C, Vorlauf 35°C): COP 4,5 bis 5,5
- B-5/W35 (Sole -5°C, Vorlauf 35°C): COP 3,8 bis 4,5
- B-10/W35 (Sole -10°C, Vorlauf 35°C): COP 3,2 bis 4,0
Der Eisspeicher hält die Sole-Temperatur durch latente Wärme konstant bei 0°C und ermöglicht so optimale COP-Werte.
Realistische Erwartungen
Die tatsächlich erreichbare JAZ hängt von mehreren Faktoren ab:
- Neubau mit Fußbodenheizung (35°C Vorlauf): JAZ 5,5 bis 6,5 standard
- Mit großzügigen Absorbern (3,0 m² pro kW): JAZ 6,5 bis 7,5 möglich
- Altbau mit Heizkörpern (50°C Vorlauf): JAZ 4,0 bis 5,0
Wichtig: Marketing-Versprechen einer garantierten JAZ von 7,0 sind unrealistisch. Die tatsächliche JAZ hängt ab von Vorlauftemperatur, Regenerations-Dimensionierung, Gebäudedämmung, Nutzerverhalten und Klimazone.
Welche drei Regenerationsquellen nutzt der Eisspeicher?
Die Regeneration ist der Prozess, bei dem das während der Heizperiode gebildete Eis wieder geschmolzen wird. Der Eisspeicher nutzt drei Wärmequellen gleichzeitig:
1. Solar-Luftabsorber (60-80% der Regenerationsenergie)
Solar-Luftabsorber sind unverglaste Flachkollektoren, die nicht nur direkte Sonnenstrahlung nutzen, sondern auch Wind, Regen und Umgebungsluft-Konvektion. Die Konstruktion besteht aus:
- Schwarzen Aluminium-Rohren mit hoher Wärmeleitfähigkeit
- Wasser-Glykol-Gemisch (30% Konzentration) als Wärmeträger
- Selektiver Beschichtung (95% Absorptionsgrad, 10% Emissionsgrad)
Dimensionierung: Die Viessmann-Faustformel lautet 2,6 m² Absorberfläche pro kW Wärmepumpen-Heizleistung.
Beispiel: Eine 10 kW Wärmepumpe benötigt 2,6 × 10 = 26 m² Absorberfläche. Bei Viessmann SLK-Modulen mit 2,34 m² pro Modul sind das 11 Module. Kosten: 3.000 bis 5.000 Euro installiert.
Installation: Auf dem Dach mit 30 bis 45° Neigung (Süd-Ausrichtung) oder als Energiezaun vertikal im Garten (Süd-Ost bis Süd-West).
2. Erdreich-Wärmeleitung (passiv, kontinuierlich)
Das Erdreich in 2 bis 4 Meter Tiefe hat eine praktisch konstante Temperatur von 8 bis 12°C ganzjährig. Der Wärmestrom durch die ungedämmte Zisternenwand erfolgt passiv nach dem Fourier-Gesetz:
- Wärmeleitfähigkeit: 1,4 W/(m·K) für Beton, 0,4 W/(m·K) für PE-HD
- Wärmestrom: 10 bis 30 W/m² Wandfläche
- Jahresertrag: 2.000 bis 8.000 kWh bei einer 10 m³ Zisterne (30-40 m² Wandfläche)
3. Atmosphäre (15-25% der Regeneration)
Auch nachts und bei bewölktem Himmel liefert die Atmosphäre Energie durch drei Mechanismen:
- Diffuse Wärmestrahlung: 200 bis 350 W/m² durch Wasserdampf, CO₂ und Wolken
- Luftkonvektion bei Wind: 10 bis 50 W/m² (abhängig von Windgeschwindigkeit)
- Niederschlag (Regen): 50 bis 150 W/m² während Regenfall
Diese drei Mechanismen summieren sich auf 20 bis 80 W/m² im Jahresmittel.
Überschuss-Problem im Sommer
Bei sehr heißen und sonnigen Sommern kann der Speicher innerhalb von 4 bis 6 Wochen (Juni/Juli) komplett auftauen und keine weitere Energie aufnehmen. Lösungen:
- Nutzung der Überschuss-Energie für Pool-Heizung oder Fußbodenkühlung
- Absorber-Überschuss-Regelung mit 3-Wege-Ventilen
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Wichtig: Solar-Luftabsorber sind nicht optional – ohne ausreichende Absorberfläche funktioniert das System nicht.
Wie wird der Eisspeicher korrekt dimensioniert?
Die dimensionierung ist die kritischste Planungsphase. Das Ziel ist thermodynamisches Gleichgewicht zwischen jährlicher Energieentnahme im Winter und Regeneration im Sommer. Eine Fehldimensionierung führt zu progressivem Versagen über mehrere Jahre.
Speicher-Volumen-Faustformel
1.000 Liter pro kW Kälteleistung der Wärmepumpe (nicht Heizleistung!).
Die Kälteleistung ist die Wärmemenge, die der Verdampfer aus dem Eisspeicher entzieht. Grobe Daumenregel: Kälteleistung ≈ 75% der Heizleistung bei COP 4,0.
Beispiel:
- 10 kW Heizleistung → 10 ÷ 4 × 3 = 7,5 kW Kälteleistung
- 7,5 kW × 1.000 Liter = 7.500 Liter Mindestvolumen
In der Praxis werden 10.000 Liter für 10 kW Systeme verwendet (30% Sicherheitspuffer).
Absorber-Flächen-Faustformel
2,6 m² pro kW Heizleistung (nicht Kälteleistung!).
Beispiel: 10 kW Heizleistung → 26 m² Absorberfläche minimal
Empfehlung: 10 bis 20 Prozent Überdimensionierung (28-30 m²) als Sicherheit gegen Jahre mit wenig Sonnenstunden.
Folgen von Fehldimensionierung
Fehldimensionierung zeigt sich erst nach 2 bis 5 Jahren Betrieb:
- Jahr 1: System funktioniert noch gut (Erdreich initial warm)
- Jahr 2: Speicher friert 2-3 Wochen früher zu, taut 2-3 Wochen später auf
- Jahr 3: Erdreich-Temperatur sinkt auf 6-8°C, JAZ fällt von 5,5 auf 4,5
- Jahr 4-5: Erdreich unter 5°C, teilweise gefroren, JAZ unter 3,5
- Jahr 5+: Sanierung erforderlich (5.000-10.000 Euro) oder System-Ersatz
Professionelle Simulation erforderlich
Für zuverlässige JAZ-Werte über 6,0 ist eine dynamische thermische Simulation mit TRNSYS, Polysun oder Insel zwingend erforderlich. Diese Software simuliert:
- Stündliche Energieflüsse
- Gebäude-Heizlast nach DIN EN 12831
- Klima-Daten (Testreferenzjahr)
- Solar-Einstrahlung
- Erdreich-Temperatur
- Absorber-Kennlinie
- Wärmepumpen-Kennfeld
Kosten: 1.000 bis 3.000 Euro durch Ingenieurbüro – amortisiert sich durch Vermeidung von Fehlinvestitionen (5.000-20.000 Euro).
Fehlerquote ohne Simulation: 30 bis 40 Prozent bei Selbstbau laut Erfahrungsberichten.
Was kostet ein Eisspeicher-System komplett?
Die Gesamtinvestition für ein Eisspeicher-System beträgt 20.000 bis 30.000 Euro für ein typisches Einfamilienhaus (140-180 m²) komplett installiert.
Kostenaufschlüsselung
| Komponente | Kosten |
|---|---|
| Wärmepumpe Sole-Wasser 8-12 kW (Viessmann Vitocal 300-A/350-A) | 6.000-8.000 EUR |
| Eisspeicher 10 m³ (größter Einzelposten) inkl. Material, Kran, Erdarbeiten | 8.000-12.000 EUR |
| Solar-Luftabsorber 11-13 Module à 2,34 m² inkl. Montage und Hydraulik | 3.000-5.000 EUR |
| Hydraulik-Installation Rohre, Pumpen, Ventile, Sicherheitsventile | 2.000-4.000 EUR |
| Regelung und Inbetriebnahme Programmierung, Sensoren, System-Test | 1.000-2.000 EUR |
| Erdarbeiten Aushub, Bagger, Kran, Entsorgung | 2.000-4.000 EUR |
| GESAMT | 22.000-35.000 EUR |
Median-Preis: 25.000 Euro durch Fachbetrieb
Detaillierte Einzelkosten
- PE-HD Zisterne 10 m³: 4.000-6.000 EUR Material
- Kran-Einbringung: 1.500-2.500 EUR (Autokran 35-50 Tonnen)
- Erdarbeiten Aushub: 1.000-2.000 EUR (Grube 3×3×1,5 m)
- Drainage: 500-1.000 EUR (Kies, Vlies, Drainagerohr)
- Wärmepumpe Vitocal 300-A 10 kW: 6.000-7.000 EUR (nur Gerät)
- Installation Wärmepumpe: 1.000-2.000 EUR
- Solar-Luftabsorber Module: 250-400 EUR pro Modul
- Montage Absorber: 100-150 EUR pro Modul
- Umwälzpumpen hocheffizient (3 Stück): 900-1.800 EUR
- Rohrleitungen erdverlegt mit Dämmung: 600-1.500 EUR Material + Verlegung
- Regelung Hardware: 500-1.000 EUR
- Programmierung: 500-1.000 EUR
Vergleich mit anderen Systemen
Eisspeicher ist leicht günstiger langfristig trotz höherer Wartungskosten.
Welche Probleme treten häufig auf?
1. Zisterne-Setzung (15-25% Häufigkeit)
Ursache: Unzureichende Bodenverdichtung beim Aushub
Symptome:
- Risse in Beton-Zisterne (0,2-1 mm breit)
- Undichtigkeiten in PE-Zisterne
- Grundwasser-Infiltration oder Wasser-Austritt
Prävention:
- Professionelle Verdichtung mit Rüttelplatte (200-300 kg) in 20-30 cm Schichten
- Drainage rings um Zisterne mit Kies + Drainagevlies
Reparatur: 5.000-15.000 EUR (Aushub, Anheben, Wiederverfüllung)
2. Biofilm-Bildung (10-20% Häufigkeit nach 5-7 Jahren)
Ursache: Mikroorganismen (Bakterien, Algen) im Wasser
Symptome:
- Druck-Differenz steigt (0,5 auf 1,5 bar)
- Durchflussmenge sinkt (2.000 auf 1.500 l/h)
- COP fällt (5,0 auf 4,0)
Prävention:
- Filter (50-100 µm Maschenweite)
- Optional: UV-Desinfektion (50-150 Watt UV-C)
Lösung:
- Säure-Spülung mit Zitronensäure (5-10%): 500-1.000 EUR
- Rohr-Tausch bei starker Verstopfung: 2.000-5.000 EUR
3. Sensor-Kalibrierungs-Drift
Ursache: PT100-Widerstands-Thermometer driften 0,1-0,5 K pro Jahr
Symptome:
- Regelung arbeitet mit falschen Temperaturen
- Falsche Umschaltung Absorber ↔ Speicher
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