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Wärmepumpe 2026: Funktionsweise, Bauarten und Winterbetrieb

14 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Funktionsprinzip: Eine Wärmepumpe entzieht Luft, Erdreich oder Grundwasser Umgebungswärme und hebt sie über einen Kompressionskreislauf aus Verdampfer, Verdichter, Verflüssiger und Expansionsventil auf ein nutzbares Temperaturniveau.
  • Effizienz im Bestand: Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichen im Feldtest des Fraunhofer ISE eine Jahresarbeitszahl von 2,6 bis 4,9 (Mittelwert 3,4), Sole-Wasser-Anlagen 3,6 bis 5,4 (Mittelwert 4,3).
  • Bauarten: Vier Wärmequellen stehen zur Wahl – Luft-Wasser, Luft-Luft, Sole-Wasser (Erdwärme) und Wasser-Wasser (Grundwasser) – mit Installationszeiten von 1 bis 14 Tagen je nach Bauart.
  • Winterbetrieb: Luftwärmepumpen tauen bei 0 bis 5 °C und hoher Luftfeuchte bis zu 10-mal täglich abt, was die Jahresarbeitszahl um 8 bis 15 Prozent senkt.
  • Kältemittel-Wandel: Die F-Gase-Verordnung (EU) 2024/573 verbietet Kältemittel mit einem GWP ab 150 in den meisten Leistungsklassen schrittweise ab dem 1. Januar 2027.
  • Zentrale Schwäche: Bei mehr als 2.000 verglichenen Angeboten schwankte die empfohlene Heizleistung für baugleiche Häuser laut Verbraucherzentrale um mehr als das Doppelte – Fehldimensionierung ist das größte Praxisrisiko.
  • Zufriedenheit: 96 Prozent der Wärmepumpen-Besitzer in Deutschland sind laut einer forsa-Umfrage des Bundesverbands Wärmepumpe sehr oder eher zufrieden.

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Was ist eine Wärmepumpe und wie funktioniert sie?

Eine Wärmepumpe ist eine Heiztechnologie, die einer Wärmequelle wie Luft, Erdreich oder Grundwasser Energie entzieht und sie mittels eines elektrisch angetriebenen Kompressionskreislaufs auf ein höheres, für die Raumheizung nutzbares Temperaturniveau anhebt. Das Funktionsprinzip entspricht dem eines umgekehrten Kühlschranks: Während ein Kühlschrank seinem Innenraum Wärme entzieht und nach außen abgibt, entzieht eine Wärmepumpe der Umgebung Wärme und gibt sie an das Heizsystem im Haus ab.
Kern der Technik ist ein geschlossener Kältemittelkreislauf mit vier Hauptkomponenten: Verdampfer, Verdichter, Verflüssiger und Expansionsventil. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie beziffert das Verhältnis vereinfacht mit 1 kWh Strom zu 3 bis 5 kWh Wärme – die Wärmepumpe erzeugt Wärme also nicht durch Verbrennung, sondern verschiebt sie zwischen zwei Temperaturniveaus. Von einer Gasheizung oder Ölheizung unterscheidet sie sich dadurch grundlegend: Diese setzen fossilen Brennstoff frei, statt vorhandene Umgebungswärme zu nutzen.

Wie läuft der Kreisprozess einer Wärmepumpe technisch ab?

Der Kreisprozess durchläuft vier Schritte, in denen ein Kältemittel abwechselnd verdampft, verdichtet, kondensiert und entspannt wird, bis der Zyklus erneut beginnt. Jeder Schritt findet in einer eigenen Komponente statt.
Die vier Komponenten des Wärmepumpen-Kreisprozesses und ihre Funktion.

Komponente

Funktion

 

Verdampfer

Das flüssige Kältemittel nimmt Umgebungswärme aus Luft, Sole oder Wasser auf und verdampft dabei.

Verdichter

Der Kompressor erhöht Druck und Temperatur des gasförmigen Kältemittels.

Verflüssiger

Das heiße Gas überträgt seine Wärme an das Heizungswasser und kondensiert zurück zur Flüssigkeit.

Expansionsventil

Es entspannt das flüssige Kältemittel, senkt Druck und Temperatur, der Kreislauf beginnt erneut am Verdampfer.

Dieser Zyklus läuft im Betrieb kontinuierlich, üblicherweise mehrmals pro Stunde vollständig durchlaufen, und passt die Verdichterdrehzahl in modernen Invertergeräten stufenlos an den aktuellen Wärmebedarf an. Für den Kältekreis auf der Innenseite dieses Prozesses gilt bei Split-Geräten eine gesonderte Fachkunde-Pflicht, die weiter unten im Bauartenvergleich erklärt wird.

Was bedeuten COP, JAZ und Carnot-Wirkungsgrad – und wie hängen sie zusammen?

Der COP (Coefficient of Performance) beschreibt die Momentanleistung einer Wärmepumpe unter Laborbedingungen, während die Jahresarbeitszahl (JAZ) das reale Verhältnis von Jahreswärmemenge zu Jahresstromverbrauch abbildet. Der Carnot-Wirkungsgrad markiert die physikalisch nicht überschreitbare Obergrenze, an der sich beide Kennzahlen messen lassen.
COP = Q ÷ W
Wo:
  • Q = abgegebene Nutzwärme in kWh
  • W = eingesetzte elektrische Antriebsenergie in kWh
Der COP wird nach DIN EN 14511 an festen Normpunkten wie A7/W35 (7 °C Außenluft, 35 °C Vorlauf) gemessen und beschreibt die Momentanleistung unter diesen Prüfbedingungen. Die reale JAZ wird dagegen nach dem Kurzverfahren der VDI 4650 Blatt 1 auf Basis dieser Prüfstandsdaten berechnet und ist die eigentliche Grundlage für den BAFA- und KfW-Fördernachweis.
Die theoretische Obergrenze liefert der Carnot-Prozess. Die Leistungszahl einer idealen Wärmepumpe berechnet sich aus dem Verhältnis der absoluten Temperaturen von Wärmesenke und Wärmequelle:
εWP,c = Th ÷ (Th − Tk)
Wo:
  • Th = Vorlauftemperatur des Heizkreises in Kelvin
  • Tk = Temperatur der Wärmequelle in Kelvin
Beispiel: Referenz-Einfamilienhaus, Quelle 0 °C, Vorlauf 50 °C
Gegeben: Th = 273 + 50 = 323 K, Tk = 273 + 0 = 273 K
Berechnung: εWP,c = 323 ÷ (323 − 273) = 323 ÷ 50
Ergebnis: Die theoretische Carnot-Leistungszahl beträgt 6,46. Real gemessene Wärmepumpen erreichen davon je nach Betriebsbedingungen einen Gütegrad von rund 45 bis 65 Prozent, was bei diesem Beispiel einem COP von etwa 2,9 bis 4,2 entspräche.
Der Gütegrad, also das Verhältnis von realer zu theoretischer Leistungszahl, liegt bei am Markt verfügbaren Wärmepumpen über den gesamten Jahresbetrieb – mit wechselnden Außentemperaturen, Teillast und Abtauzyklen statt der obigen Idealbedingungen – typischerweise deutlich niedriger, bei 45 bis 55 Prozent des Carnot-Maximums. Jede Reduktion der Temperaturdifferenz zwischen Quelle und Vorlauf – etwa durch eine niedrigere Vorlauftemperatur – verbessert diesen Wert unmittelbar.

Welche Bauarten von Wärmepumpen gibt es nach Wärmequelle?

Wärmepumpen unterscheiden sich primär nach ihrer Wärmequelle: Luft, Erdreich (Sole) oder Grundwasser. Jede Quelle bestimmt Effizienz, Installationsaufwand und Genehmigungspflicht der Anlage.
Vergleich der vier Wärmepumpen-Bauarten nach Wärmequelle, Feld-Effizienz und Genehmigungspflicht.

Bauart

JAZ im Feld (Fraunhofer ISE)

Genehmigung nötig

Installationsdauer

 

Luft-Wasser

2,6–4,9 (Ø 3,4)

Nein

2–4 Tage

Luft-Luft

nicht separat erfasst

Nein

1–3 Tage

Sole-Wasser (Erdwärme)

3,6–5,4 (Ø 4,3)

Je nach Bohrtiefe/Bundesland

7–10 Tage

Wasser-Wasser

nicht separat erfasst

Ja, nach WHG

7–14 Tage

Wie funktioniert eine Luft-Wasser-Wärmepumpe?

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe führt Außenluft über einen Ventilator zum Verdampfer, wo das Kältemittel die enthaltene Wärme aufnimmt und über den Verflüssiger an das Heizungswasser abgibt. Sie ist mit 61 von 77 im Fraunhofer-ISE-Feldtest untersuchten Anlagen die häufigste Bauart im Testfeld und erreicht im Bestand eine mittlere Jahresarbeitszahl von 3,4.

Wie funktioniert eine Luft-Luft-Wärmepumpe – und wofür eignet sie sich?

Eine Luft-Luft-Wärmepumpe gibt die gewonnene Wärme direkt über den Kältemittelkreislauf an die Raumluft ab, ohne ein wassergeführtes Heizsystem zu benötigen, und ist baugleich mit einer reversiblen Split-Klimaanlage. Sie bietet damit auch einen Kühlbetrieb im Sommer, kann aber laut Verbraucherzentrale kein Warmwasser bereiten und verliert bei sehr niedrigen Außentemperaturen an Effizienz – geeignet vor allem für Passiv- und Niedrigenergiehäuser mit geringem Wärmebedarf.

Wie funktioniert eine Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärme, Erdkollektor, Erdsonde)?

Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe nutzt eine Frostschutz-Sole-Mischung, die in Erdsonden oder Erdkollektoren zirkuliert und dem Erdreich konstante Temperaturen von 7 bis 13 °C entzieht. Die aufgenommene Wärme übergeht anschließend im Verdampfer an das Kältemittel. Vertikale Erdwärmesonden reichen laut Bundesverband Geothermie bis zu 50 bis 160 Meter tief, wobei Verbraucherzentralen in der Praxis häufig eine Obergrenze von rund 100 Metern nennen; horizontale Erdwärmekollektoren werden dagegen nur 80 bis 160 Zentimeter tief verlegt. Über 480.000 Gebäude in Deutschland nutzen bereits oberflächennahe Geothermie, mit rund 15.000 neuen Anlagen allein im Jahr 2024. Die konstante Quelltemperatur macht diese Bauart mit einer mittleren JAZ von 4,3 effizienter als Luft-Wasser-Anlagen, erfordert aber eine Bohrung und je nach Bundesland und Tiefe eine wasserrechtliche Erlaubnis oder zumindest eine Anzeige.

Wie funktioniert eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe?

Eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe arbeitet nach dem Zwei-Brunnen-Prinzip: Ein Förderbrunnen leitet Grundwasser mit ganzjährig 8 bis 12 °C zur Wärmepumpe, ein Schluckbrunnen führt das abgekühlte Wasser zurück ins Erdreich. Diese konstant hohe Quelltemperatur ermöglicht einen ganzjährig stabilen Betrieb, weshalb das BAFA hier mit einer Mindest-JAZ von 3,8 – gleichauf mit Sole-Wasser-Anlagen – eine der höchsten Förderschwellen ansetzt. Der Betrieb erfordert zwingend eine wasserrechtliche Erlaubnis nach dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG), deren Umfang von Fördermenge, Wasserqualität und Bohrtiefe abhängt.

Monoblock oder Split – was ist der Unterschied in der Funktionsweise?

Bei einer Monoblock-Wärmepumpe befindet sich der gesamte Kältekreis in einem einzigen Außengerät, das über wassergeführte Leitungen mit dem Haus verbunden ist; bei einer Split-Wärmepumpe wird der Kältekreis erst bei der Montage vor Ort zwischen Außen- und Innengerät geschlossen. Dieser Unterschied hat eine direkte rechtliche Konsequenz: Für die Aufstellung einer Monoblock-Anlage ist laut Bundesverband Wärmepumpe kein Kälteschein beziehungsweise Sachkundenachweis nötig, während die Split-Montage diesen zwingend voraussetzt, weil erst vor Ort Kältemittel eingefüllt und der Kreislauf abgedichtet wird.
Bei Split-Anlagen überbrücken die Kältemittelleitungen zwischen Außen- und Innengerät nach Angaben aus der Praxis häufig bis zu 20 bis 30 Meter, wobei die genauen Herstellerangaben uneinheitlich ausfallen. Monoblock-Geräte eignen sich dadurch besonders für Bestandsgebäude mit kurzem Leitungsweg zum Heizungskeller.

Wie ist eine Wärmepumpe hydraulisch eingebunden?

Eine Wärmepumpe wird über eine Hydraulikstation mit Pufferspeicher, Umwälzpumpen und Mischventilen an das bestehende Heizsystem angebunden, wobei die Vorlauftemperatur der entscheidende Effizienzfaktor ist. Je niedriger die geforderte Vorlauftemperatur, desto kleiner die Temperaturdifferenz zum Kreisprozess und desto höher der COP.
Typische Vorlauftemperaturen verschiedener Heizsysteme und ihr Effizienzeinfluss.

Heizsystem

Vorlauftemperatur

 

Fußbodenheizung

30–45 °C

Moderne Heizkörper

55–60 °C

Nach Angaben von Viessmann spart jedes Grad niedrigere Vorlauftemperatur rund 2,5 Prozent Heizkosten ein – der Wechsel von 60 °C auf 45 °C Vorlauf senkt die Kosten damit um etwa 37,5 Prozent (15 °C Differenz mal 2,5 Prozent). Ein Pufferspeicher in der Hydraulikstation entkoppelt die Laufzeiten des Verdichters vom momentanen Wärmebedarf und reduziert damit die Anzahl der Start-Stopp-Zyklen. Seit dem 1. Oktober 2024 ist der hydraulische Abgleich nach § 60c des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) für Heizungsanlagen in Gebäuden ab sechs Wohneinheiten gesetzlich verpflichtend; bei Einfamilienhäusern setzen ihn die Förderbedingungen von BAFA und KfW faktisch ebenfalls voraus.

Wie funktioniert eine Wärmepumpe im Winter – Abtauzyklus, Bivalenzpunkt und Heizstab/Booster?

Im Winter vereist der Verdampfer einer Luftwärmepumpe bei Außentemperaturen zwischen 0 und 5 °C und hoher Luftfeuchtigkeit. Ein Vier-Wege-Ventil kehrt den Kältekreislauf periodisch um und taut das Eis mit heißem Kältemittelgas ab.

Abtauzyklus

In der kritischen Temperaturzone taut eine Luftwärmepumpe laut 42watt.de bis zu 10-mal täglich abt, ein einzelner Vorgang dauert 5 bis 15 Minuten und verbraucht rund 0,5 bis 0,6 kWh aus dem Heizkreis. In Summe senken diese Zyklen die Jahresarbeitszahl über die Wintermonate um 8 bis 15 Prozent, was 45 bis 90 kWh zusätzlichem Stromverbrauch pro Monat zwischen November und März entspricht.

Bivalenzpunkt und Zusatzheizung

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Der Bivalenzpunkt bezeichnet die tiefste Außentemperatur, bei der die Wärmepumpe die Heizlast noch allein deckt. Unterhalb dieser Temperatur schaltet ein Heizstab (Booster) unterstützend zu. Der Bundesverband Wärmepumpe empfiehlt für den monoenergetischen Betrieb einen Bivalenzpunkt von −5 bis −8 °C, bei dem die Wärmepumpe auf 70 bis 80 Prozent der Norm-Heizlast ausgelegt wird. Bei optimaler Auslegung deckt die Wärmepumpe so 95 bis 98 Prozent des Jahreswärmebedarfs, der Heizstab übernimmt die restlichen 2 bis 5 Prozent an wenigen extremen Frosttagen. Nach Angaben von Thermondo liegt der Heizstab-Anteil an der gesamten Betriebsdauer bei unter 5 Prozent, an mehr als 90 Prozent der Tage im Jahr deckt die Wärmepumpe den Wärmebedarf vollständig allein.

Welches Kältemittel nutzt eine Wärmepumpe – und was ändert sich durch die F-Gase-Verordnung?

Moderne Wärmepumpen nutzen zunehmend das natürliche Kältemittel R290 (Propan) mit einem Treibhauspotenzial (GWP) von nur 3 und einem Siedepunkt von −42 °C, während ältere und viele aktuelle Anlagen noch das synthetische Kältemittel R32 mit einem GWP von 675 einsetzen. R290 ist als Sicherheitsklasse A3 brennbar, R32 als A2L schwer entflammbar.
Die F-Gase-Verordnung (EU) 2024/573 trat am 11. März 2024 in Kraft und ersetzt die Vorgängerverordnung (EU) Nr. 517/2014 mit einem gestaffelten Ausstiegsplan aus Kältemitteln mit hohem Treibhauspotenzial gemäß Anhang IV.
Zeitplan der F-Gase-Verordnung für das Verbot von Kältemitteln mit GWP ≥150 nach Wärmepumpen-Bauart.

Bauart und Leistungsklasse

GWP ≥150 verboten ab

Vollständiges F-Gas-Verbot

 

Monoblock ≤12 kW

1.1.2027

1.1.2032

Monoblock >12–50 kW

1.1.2027

Monoblock >50 kW

1.1.2030

Split Luft-Wasser ≤12 kW

1.1.2027

1.1.2035

Split Luft-Luft ≤12 kW

1.1.2029

1.1.2035

Split >12 kW

1.1.2033 (GWP ≥750 bereits ab 1.1.2029)

Für Anlagen mit weniger als 3 kg Kältemittelfüllung im Mono-Split-Betrieb gilt bereits seit dem 1. Januar 2025 ein Verbot für Kältemittel mit GWP ≥750. Eine Sicherheitsausnahme erlaubt in bestimmten Fällen durchgehend Kältemittel bis GWP 750. Wichtig für Bestandsanlagen: Der Bestandsschutz gilt uneingeschränkt – Betrieb, Wartung, Reparatur und Nachfüllen bereits installierter R32-Anlagen bleiben über die gesamte Lebensdauer der Anlage erlaubt, die Verordnung betrifft ausschließlich das Inverkehrbringen neuer Geräte.

Was sind die größten Nachteile und häufigsten Planungsfehler bei Wärmepumpen?

Die größten Nachteile betreffen Geräuschentwicklung im Außenbereich, Fehldimensionierung durch fehlende Heizlastberechnung und große Preis- sowie Leistungsspannen bei Installateur-Angeboten.

Nachteil 1: Geräuschentwicklung im Außenbereich

Das Außengerät einer Luftwärmepumpe erzeugt Betriebsgeräusche, die in reinen Wohngebieten nachts den TA-Lärm-Immissionsrichtwert von 35 dB(A) und in allgemeinen Wohngebieten 40 dB(A) nicht überschreiten dürfen. Symptom: Nachbarschaftsbeschwerden bei zu naher oder ungünstig ausgerichteter Aufstellung. Folge: Nachträgliche Auflagen oder Schallschutzmaßnahmen. Prävention: Ab dem 1. Januar 2026 verschärft die BEG-Förderung die Anforderung zusätzlich – das Außengerät muss laut Bundesverband Wärmepumpe dann 10 dB unter dem EU-Ökodesign-Grenzwert liegen statt bisher 5 dB, was bereits bei der Geräteauswahl zu berücksichtigen ist.

Nachteil 2: Fehldimensionierung durch uneinheitliche Angebote

Eine Feldstudie der ETH Zürich mit 1.023 Anlagen in zehn Ländern über zwei Jahre, veröffentlicht in Nature Communications, ermittelte, dass 10 Prozent der untersuchten Wärmepumpen überdimensioniert und 1 Prozent unterdimensioniert waren. Symptom: Häufiges Takten oder dauerhaft niedrige Effizienz. Folge: Höherer Stromverbrauch und schnellerer Verschleiß des Verdichters. Prävention: Eine normgerechte Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 vor dem Kauf, die im Einfamilienhaus je nach Anbieter und Gebäudekomplexität üblicherweise 300 bis 800 Euro kostet.

Nachteil 3: Große Preis- und Leistungsspannen bei Angeboten

Die Verbraucherzentrale wertete über 2.000 Angebote für baugleiche Häuser über 18 Monate aus: Die Preise schwankten um bis zu 300 Prozent, die empfohlene Heizleistung um mehr als das Doppelte. Ein Einzelbeispiel der Verbraucherzentrale Saarland illustriert das Ausmaß: Für ein und dasselbe Gebäude reichten Leistungsangebote verschiedener Installateure von 6 bis 12 kW. Symptom: Kaum vergleichbare Angebote bei gleicher Ausgangslage. Folge: Über- oder Unterdimensionierung sowie überhöhte Anschaffungskosten. Prävention: Mehrere Angebote mit eigener Heizlastberechnung als Referenz vergleichen und die Berechnungsgrundlage jedes Anbieters einfordern.

Was zeigen unabhängige Tests und Feldstudien zur Praxis-Effizienz von Wärmepumpen?

Der Fraunhofer-ISE-Feldtest mit 77 Anlagen über vier Jahre bestätigt, dass Wärmepumpen im deutschen Baubestand auch bei niedrigen Sanierungsstandards zuverlässig heizen: Luft-Wasser-Anlagen erreichten eine JAZ von 2,6 bis 4,9 (Mittelwert 3,4), Sole-Wasser-Anlagen 3,6 bis 5,4 (Mittelwert 4,3).
Eine forsa-Umfrage des Bundesverbands Wärmepumpe unter 794 Hausbesitzern (Erhebungszeitraum 17. bis 31. März 2025) zeigt eine hohe Zufriedenheit: 67 Prozent sind sehr zufrieden, 29 Prozent eher zufrieden, nur 2 Prozent eher unzufrieden. Der schwächste Einzelwert betrifft mit 54 Prozent Zufriedenheit die Qualität der Installationsarbeiten – ein Hinweis darauf, dass die Anlagentechnik selbst zuverlässiger bewertet wird als die handwerkliche Ausführung.

Wie entwickeln sich Technik, Recht und Förderung von Wärmepumpen 2026 und darüber hinaus?

Für 2026 gelten in Deutschland verschärfte förderrechtliche Mindestanforderungen an die Effizienz von Wärmepumpen, gestaffelt nach Wärmequelle und Gebäudetyp.
BAFA-Mindest-Jahresarbeitszahl für die Förderfähigkeit von Wärmepumpen 2026.

Wärmequelle

Mindest-JAZ Bestand

Mindest-JAZ Neubau

 

Luft/Wasser

3,5

4,5

Sole/Wasser

3,8

4,5

Wasser/Wasser

3,8

4,5

Zuständig für die Förderung des Wärmepumpen-Neueinbaus ist seit 2024 die KfW, während das BAFA nur noch die Optimierung bestehender Heizungsanlagen fördert. Bis zum 20. Juli 2026 erhielt, wer eine Wärmepumpe mit der Wärmequelle Erdreich, Wasser oder Abwasser oder mit einem Naturkältemittel wie R290 installierte, zusätzlich zur Grundförderung einen Effizienzbonus von 5 Prozent; die BEG-Förderreform streicht diesen Bonus für alle ab dem 21. Juli 2026 gestellten Anträge ersatzlos, bereits bewilligte Anträge genießen Bestandsschutz zu den bisherigen Konditionen. Parallel greift ab dem 1. Januar 2027 die erste Stufe der F-Gase-Verordnung, und ab dem 1. Januar 2026 verschärft die BEG-Förderung die Schallanforderung an Außengeräte auf 10 dB unter dem EU-Ökodesign-Grenzwert.

Häufige Fragen zu Wärmepumpen

Was kostet eine Heizlastberechnung für ein Einfamilienhaus?

Eine normgerechte, raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 kostet für ein Einfamilienhaus je nach Anbieter üblicherweise 300 bis 800 Euro und ist die verlässlichste Grundlage gegen Fehldimensionierung.

Wie oft muss eine Wärmepumpe im Winter abtauen?

Bei Außentemperaturen zwischen 0 und 5 °C und hoher Luftfeuchtigkeit taut eine Luftwärmepumpe bis zu 10-mal täglich ab, wobei jeder Vorgang 5 bis 15 Minuten dauert.

Was bedeutet der Bivalenzpunkt einer Wärmepumpe?

Der Bivalenzpunkt ist die tiefste Außentemperatur, bei der die Wärmepumpe die gesamte Heizlast noch allein deckt. Unterhalb dieser Temperatur schaltet ein Heizstab unterstützend zu; der Bundesverband Wärmepumpe empfiehlt für den monoenergetischen Betrieb einen Bivalenzpunkt von −5 bis −8 °C.

Braucht man für eine Monoblock-Wärmepumpe einen Kälteschein?

Nein, für die Aufstellung einer Monoblock-Wärmepumpe ist kein Kälteschein nötig, da der Kältekreis werkseitig geschlossen bleibt; bei Split-Anlagen ist er wegen der Vor-Ort-Montage des Kältekreises zwingend erforderlich.

Wie laut ist eine Wärmepumpe im Betrieb?

Das Außengerät muss die TA-Lärm-Nachtgrenzwerte von 35 dB(A) in reinen und 40 dB(A) in allgemeinen Wohngebieten einhalten, ab 2026 gilt zusätzlich eine verschärfte BEG-Schallanforderung von 10 dB unter dem EU-Grenzwert.

Wie zufrieden sind Wärmepumpen-Besitzer in Deutschland?

Laut einer forsa-Umfrage unter 794 Hausbesitzern sind 67 Prozent sehr zufrieden und 29 Prozent eher zufrieden mit ihrer Wärmepumpe, nur 2 Prozent eher unzufrieden.

Was kostet die Wartung einer Wärmepumpe pro Jahr?

Die jährliche Wartung einer Wärmepumpe kostet laut Verbraucherzentrale 150 bis 300 Euro und sichert die dauerhafte Effizienz der Anlage.

Braucht eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe eine Genehmigung?

Ja, der Betrieb einer Wasser-Wasser-Wärmepumpe erfordert zwingend eine wasserrechtliche Erlaubnis nach dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG), deren Umfang von Fördermenge, Wasserqualität und Bohrtiefe abhängt.

Für wen lohnt sich eine Wärmepumpe – und wann?

Die Eignung einer Wärmepumpe hängt vom Gebäudezustand, dem vorhandenen Heizsystem und der verfügbaren Grundstücksfläche ab.

Profil 1: Teilsaniertes Einfamilienhaus mit Fußbodenheizung

Bei einer Vorlauftemperatur von 30 bis 45 °C erreicht eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Bestand eine JAZ von im Mittel 3,4 und ist ohne Genehmigung und mit einer Installationsdauer von 2 bis 4 Tagen die naheliegendste Lösung.

Profil 2: Grundstück mit Platz für Bohrung oder Erdarbeiten

Wer eine Bohrung bis 100 Meter oder Erdarbeiten für Kollektoren realisieren kann, profitiert von der höheren Effizienz einer Sole-Wasser-Wärmepumpe (JAZ im Mittel 4,3) und der günstigeren BAFA-Förderschwelle – der höhere Installationsaufwand von 7 bis 10 Tagen amortisiert sich über die Lebensdauer der Anlage.

Profil 3: Passivhaus oder Niedrigenergiehaus ohne wassergeführtes Heizsystem

Fehlt ein wassergeführtes Verteilsystem und ist der Wärmebedarf gering, deckt eine Luft-Luft-Wärmepumpe Heizung und im Sommer zusätzlich die Kühlung ab, kann jedoch kein Warmwasser bereiten.

Profil 4: Grundstück mit ausreichender Grundwasserführung

Bei nachgewiesener Grundwasserqualität und -menge profitiert eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe von konstant 8 bis 12 °C Quelltemperatur, verlangt aber zwingend eine wasserrechtliche Erlaubnis nach WHG und die längste Installationszeit von 7 bis 14 Tagen.

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REDAKTION

Urik Muller

Senior Texter

Leidenschaftlich für Wärmepumpen