Innendämmung: Kosten, Materialien, Förderung und Bauphysik
Das Wichtigste in Kürze
- Wann sinnvoll: Innendämmung ist die richtige Wahl bei Denkmalschutz, Fachwerk, Grenzbebauung und Mietwohnungen — also immer dann, wenn Außendämmung technisch oder rechtlich ausgeschlossen ist.
- Materialien: Kapillaraktive Systeme (Kalziumsilikat, Multipor, Holzfaser) sind schimmelresistenter, aber schlechter dämmend als dampfbremsende Systeme (PUR/PIR, Mineralwolle mit Folie). Der Zielkonflikt muss gebäudeindividuell gelöst werden.
- BEG-EM Sonderregel 8.1.4: Für Innendämmung gilt WLS ≤ 040 + Mindestdicke 4 cm — ohne U-Wert-Nachweis. Der für Außenwände geforderte U-Wert 0,20 W/(m²K) ist bei Innendämmung bauphysikalisch kaum erreichbar und wird deshalb nicht verlangt.
- Kosten eingebaut: 55–130 €/m² je nach System, bei Aerogel bis 400 €/m².
- Förderung 2026: BAFA BEG-EM 15 % Grundzuschuss + 5 % iSFP-Bonus = max. 20 %, bis 12.000 €/Wohneinheit/Jahr. Achtung: Zusatzförderung für konventionelle Dämmstoffe läuft am 31.12.2026 aus.
- Wärmepumpen-Angle: 6–8 cm Innendämmung senkt die Heizlast im Altbau (Bj. <1960) um 30–40 % und kann die Vorlauftemperatur unter die 50-°C-Schwelle bringen — oft der einzige Weg zur Wärmepumpen-Tauglichkeit bei Denkmalschutz oder Grenzbebauung.
- Wohnraumverlust: Bei 8 cm Dämmung plus Verkleidung (≈10 cm Gesamtstärke) verliert ein 20-m²-Raum mit zwei Außenwänden ca. 1,0 m² Grundfläche — ein Opportunitätswert, der in der Wirtschaftlichkeitsrechnung erscheinen muss.
Was Innendämmung kann — und wo ihre Grenzen liegen
Innendämmung bedeutet: Die Dämmschicht wird nicht an der Außenfassade, sondern auf der Innenseite der Außenwand aufgebracht. Das klingt einfach, ist bauphysikalisch aber deutlich anspruchsvoller als Außendämmung — und führt bei falscher Ausführung zu Schimmel, Frostschäden oder Bauteilzerstörung.
Der entscheidende Unterschied: Bei der Außendämmung bleibt die Bestandswand auf der warmen Seite der Dämmschicht. Bei der Innendämmung ist es umgekehrt — die Bestandswand liegt im kalten Bereich. Das erzeugt ein grundsätzlich anderes Taupunkt-Verhalten, auf das weiter unten detailliert eingegangen wird.
Was Innendämmung leistet:
- Reduzierung des U-Werts einer Altbau-Außenwand (typisch 1,2–1,8 W/(m²K)) auf 0,3–0,6 W/(m²K) je nach Dämmdicke und System
- Senkung der Heizlast ohne Eingriff in die Fassade
- Schnellere Aufheizbarkeit des Raums (weniger thermische Masse auf der Raumseite) — ein Vorteil bei diskontinuierlicher Nutzung (Kirche, Ferienwohnung, Gewerbeobjekt)
- Schimmelprävention an kalten Wandoberflächen durch Erhöhung der raumseitigen Oberflächentemperatur
Was Innendämmung nicht kann:
- Wärmebrücken an einbindenden Decken und Innenwänden vollständig beseitigen — diese bleiben thermisch unbehandelt und müssen flankierend gedämmt werden
- Den sommerlichen Wärmeschutz verbessern — durch den Verlust der thermischen Speichermasse auf der Raumseite kann das Dachgeschoss im Sommer sogar schneller aufheizen
- Den U-Wert 0,20 W/(m²K) erreichen, der für die Standard-Außenwandförderung (BEG-EM 8.1.2) gilt — deshalb existiert die Sonderregel 8.1.4 für Innendämmung
Die sechs Szenarien, in denen Innendämmung alternativlos ist
Außendämmung ist bauphysikalisch fast immer die bessere Wahl — wenn sie möglich ist. In sechs klar abgrenzbaren Situationen ist sie es nicht:
1. Denkmalschutz und erhaltenswerte Fassaden: Stuck, Klinker, Jugendstil-Ornamentik oder unter Ensembleschutz stehende Fassaden dürfen nicht überputzt oder verkleidet werden. Die Untere Denkmalschutzbehörde genehmigt Außendämmung in solchen Fällen in der Regel nicht. Innendämmung ist die einzige förderfähige Sanierungsoption.
2. Fachwerkhäuser mit Sichtfachwerk: Außendämmung würde die charakteristische Fachwerkansicht zerstören. Darüber hinaus ist bei Fachwerkwänden ein diffusionsoffenes System zwingend erforderlich (WTA 8-5) — die Holzkonstruktion muss Feuchte nach innen abgeben können.
3. Grenzbebauung: Wo das Gebäude direkt an der Grundstücksgrenze steht, fehlt der Platz für eine Außendämmung. BGH V ZR 23/20 (2021) erlaubt zwar grenzüberschreitende Dämmaßnahmen, aber nur in Bundesländern mit entsprechenden Nachbarrechtsgesetzen (u. a. Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, NRW) und nur bei Duldung durch den Nachbarn.
4. Mietwohnungen und einzelne Räume: Bei vermieteten Objekten ist der Eingriff in die Außenfassade aufwendig, kostspielig und erfordert häufig Abstimmung mit der Eigentümergemeinschaft. Für eine einzelne kalte Giebelwand oder ein Eckzimmer ist Innendämmung die wirtschaftlich sinnvollere Lösung.
5. Decken gegen unbeheizte Räume: Durchfahrten, Garagen, Lager- und Tiefgaragendecken werden von unten gedämmt — das ist per Definition Innendämmung. Dieser Sonderfall wird weiter unten behandelt.
6. Kirchen, Museen, Gewerbeobjekte mit diskontinuierlicher Nutzung: Hier ist die schnelle Aufheizbarkeit durch Innendämmung (geringere thermische Trägheit) ein funktionaler Vorteil.
Das Taupunkt-Problem verständlich erklärt
Der häufigste Einwand gegen Innendämmung ist das Schimmelrisiko — und er ist berechtigt, wenn die Bauphysik nicht verstanden wird. Das Kernproblem: Innendämmung verschiebt den Taupunkt in eine kritische Zone.
In einer ungedämmten Altbauwand fällt die Temperatur gleichmäßig von innen nach außen. Der Taupunkt — der Punkt, an dem die Raumluft-Feuchte kondensiert — liegt typischerweise im äußeren Wanddrittel, wo er kaum Schaden anrichtet. Sobald innen eine Dämmschicht aufgebracht wird, bleibt die Bestandswand im kalten Bereich. Der Taupunkt wandert zur Raumseite und liegt nach der Maßnahme oft genau an der Grenzfläche zwischen Altwand und Dämmstoff — also dort, wo Wasserdampf aus der Raumluft durch die Dämmung diffundiert und kondensiert.
Zwei Lösungswege:
Der dampfbremsende Weg verhindert den Feuchteeintrag mechanisch: Eine Dampfbremse mit hohem sd-Wert (z. B. PE-Folie sd ≥ 2 m, oder feuchtevariable Folie pro clima Intello) verhindert, dass Raumluftfeuchte überhaupt in die Konstruktion eindringt. Typische Kombination: Mineralwolle oder PUR/PIR + Dampfbremse + Gipskarton-Vorsatzschale. Das System ist fehlerintolerant: Jede Leckage an Steckdosen, Stößen oder Durchdringungen führt zu lokalem Kondensat.
Der kapillaraktive Weg akzeptiert begrenzten Feuchteeintrag und führt ihn durch kapillaren Rücktransport wieder zurück an die Raumluft, wo er weggelüftet wird. So arbeiten Kalziumsilikat (µ ≈ 3–6), Mineralschaum Multipor (µ ≈ 2–3) und Holzfaser (µ ≈ 3–5). Voraussetzung: ein funktionierendes Lüftungskonzept nach DIN 1946-6.
Rechennachweis — zwei Verfahren:
Das Glaser-Verfahren nach DIN 4108-3 ist der vereinfachte, stationäre Nachweis für Standardfälle. Die hygrothermische Simulation nach DIN EN 15026 (in Deutschland: Fraunhofer WUFI) rechnet instationär mit Jahresgängen, kapillarem Rücktransport und Strahlung. Für Fachwerk, Schlagregenfassaden und alle Dämmdicken über 8 cm ist sie fachlicher Standard. WTA-Merkblatt 6-5 schreibt den numerischen Nachweis für alle Systeme ohne bauaufsichtliche Zulassung zwingend vor. Das Glaser-Verfahren ist bei Fachwerk-Sichtfassaden ausdrücklich unzulässig.
Kapillaraktiv versus dampfbremsend: Die Systementscheidung
| Kriterium | Kapillaraktive Systeme | Dampfbremsende Systeme |
|---|---|---|
| Typische Materialien | Kalziumsilikat, Multipor, Holzfaser | Mineralwolle + PE-Folie, PUR/PIR-Verbundplatte |
| λ-Wert | 0,036–0,065 W/(mK) | 0,022–0,040 W/(mK) |
| Schimmelschutz | Hoch (kapillarer Rücktransport) | Hoch bei korrekter Ausführung |
| Fehlertoleranz | Höher | Gering (Leckagen = Kondensat) |
| Lüftungskonzept | Zwingend erforderlich (DIN 1946-6) | Empfohlen |
| Geeignet bei | Denkmal, Fachwerk, Altbau, Schimmelsanierung | Mietwohnung, Platznot, Neubaustandard |
| Nicht geeignet bei | Feuchter Bestandswand, schlechtem Lüftungsverhalten | Fachwerk, fehlender Installationssorgfalt |
| WUFI-Nachweis | Empfohlen | Bei Dicken >8 cm erforderlich |
Die wichtigste Einzelregel vor jeder Innendämmung: Die Fassade muss außen trocken und regensicher sein. Feuchte, die von außen in die Wand eindringt, wird durch die Innendämmung eingeschlossen und kann bei Frost zur Bauteilzerstörung führen.
Dämmstoffe im Vergleich: Von Kalziumsilikat bis Aerogel
| System | λ [W/(mK)] | µ / sd bei 80 mm | Material €/m² (80 mm) | Gesamt eingebaut €/m² | Typische Anwendung | Hauptnachteil |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Kalziumsilikat (Remmers iQ-Therm, Sto Calcetherm, Skamol) | 0,055–0,065 | µ 3–6 / sd 0,24–0,48 m | 35–55 | 70–120 | Schimmelsanierung, Denkmal, Teilflächen | Hohes λ, große Dicke nötig |
| Mineralschaum Multipor (Xella) | 0,040–0,045 | µ 2–3 / sd 0,16–0,24 m | 25–40 | 60–100 | Flächendeckend, Denkmal, Decken | Mittleres λ, Eigensystem |
| Holzfaser innen (Steico Internal, Gutex Thermoroom) | 0,036–0,045 | µ 3–5 / sd 0,24–0,40 m | 30–55 | 80–130 | Fachwerk, ökologisch | Pilzschutz beachten |
| PUR/PIR-Verbundplatte mit GK (Bauder Purenotherm, Linzmeier) | 0,022–0,027 | µ ≥ 50 / sd ≥ 4 m | 30–50 | 70–110 | Platznot, Mietwohnung | Diffusionsdicht → fehlerintolerant |
| Mineralwolle + Dampfbremse + GK (Isover, Rockwool, Knauf) | 0,032–0,040 | µ 1–2, Folie sd 2–100 m | 15–30 | 55–90 | Klassisches System, günstig | Foliensorgfalt kritisch |
| Aerogel (Aspen Spaceloft, Sto Aevero) | 0,015–0,018 | µ 4–5 | 130–200 | 250–400 | Extreme Platznot, Denkmal | Preis 3–5× höher |
| EPS/XPS innen | 0,032–0,040 | µ 30–100 | 8–15 | 40–70 | Decke Durchfahrt, Deckendämmung unterseitig | In Außenwänden riskant |
| Zellulose-Einblasdämmung (Isofloc, Thermofloc) | 0,038–0,040 | µ 1–2 | 20–35 | 45–75 | Fachwerk-Gefache, Ständerkonstruktion | Nur mit Hohlraum |
Regionale Preisabweichungen: Bayern/BW +10–15 %, Ostdeutschland -5–10 %. DIY-Ersparnis bei Multipor und Mineralwolle ca. 30–40 %; bei Kalziumsilikat und PUR-Verbundplatten wegen Verarbeitungs-Know-how nicht empfohlen.
Welche Dämmdicke ist wirklich sinnvoll?
Für die BEG-EM-Förderung genügt Dämmstoff WLS ≤ 040 ab 4 cm Dicke — das ist die Mindestanforderung nach TMA 8.1.4 und reicht für den Zuschuss aus. Wirtschaftlich und bauphysikalisch optimal sind 6–8 cm:
- 4 cm: Förderfähig, aber U-Wert-Verbesserung begrenzt (Altbau 1,5 → ca. 0,7 W/(m²K) mit Multipor)
- 6 cm: Gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis, U-Wert Altbau ca. 0,55 W/(m²K)
- 8 cm: Optimum bei den meisten Systemen, U-Wert Altbau ca. 0,42 W/(m²K); bei Multipor BAFA-Sonderregel erfüllt
- >10 cm: Nutzen steigt nur noch marginal; Taupunkt-Risiko und Wohnraumverlust steigen überproportional; WUFI-Nachweis faktisch immer erforderlich
Wohnraumverlust konkret: 8 cm Dämmstoff plus Verkleidung ergibt ca. 10 cm Gesamtstärke. Ein 20-m²-Raum mit zwei 5-m-Außenwänden verliert damit ca. 1,0 m² Grundfläche (5 %) — bei einem regionalen Wohnflächenwert von 2.500 €/m² (München Altbau) entspricht das einem Opportunitätswert von 2.500 €, der in jede seriöse Wirtschaftlichkeitsrechnung gehört.
Kosten 2026: Material, Einbau, Gesamtinvestition
Die Kosten setzen sich aus Dämmstoff, Kleber/Mörtel, Armierung, Putz oder Verkleidung sowie Handwerkerlohn (90–130 €/h je nach Region) zusammen.
| System (80 mm) | Material €/m² | Einbau €/m² | Gesamt €/m² | 50 m² gesamt |
|---|---|---|---|---|
| Kalziumsilikat | 35–55 | 35–65 | 70–120 | 3.500–6.000 € |
| Multipor Mineralschaum | 25–40 | 35–60 | 60–100 | 3.000–5.000 € |
| Holzfaser innen | 30–55 | 50–75 | 80–130 | 4.000–6.500 € |
| PUR/PIR-Verbundplatte | 30–50 | 40–60 | 70–110 | 3.500–5.500 € |
| Mineralwolle + Dampfbremse + GK | 15–30 | 40–60 | 55–90 | 2.750–4.500 € |
| Aerogel | 130–200 | 120–200 | 250–400 | 12.500–20.000 € |
Die Kosten einer Bestandsaufnahme durch einen Energieeffizienz-Experten (Pflicht für die BAFA-Förderung) liegen bei 500–1.500 € für ein Einfamilienhaus. Die Kosten des Energieberaters sind selbst zu 50 % förderfähig (max. 650 € über BAFA EBW).
BEG-EM, KfW und Steuerbonus: Förderung bis 2026
Die entscheidende Sonderregel 8.1.4
Die häufigste Fehlinformation in der Ratgeber-Landschaft: Für Innendämmung gilt kein U-Wert-Zielwert wie bei der Standard-Außenwandförderung (8.1.2: U ≤ 0,20 W/(m²K)). Das BAFA erkennt an, dass dieser Wert bei Innendämmung bauphysikalisch kaum erreichbar ist, und hat eine Sonderregel geschaffen: WLS ≤ 040 (also λ ≤ 0,040 W/(mK)) und Dämmstoffdicke ≥ 4 cm — das ist alles, was gefordert wird. Für Denkmal-Außenwände gilt zusätzlich 8.1.7 mit U ≤ 0,45 W/(m²K).
Förder-Übersicht 2026
| Programm | Fördersatz | Max. förderfähige Kosten | Anforderung | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| BAFA BEG-EM (Zuschuss) | 15 % + 5 % iSFP | 30.000 € / 60.000 €/WE | WLS ≤ 040, ≥ 4 cm | Energieeffizienz-Experte Pflicht |
| KfW 358 (Ergänzungskredit) | ab 0,01 % Effektivzins | bis 120.000 €/WE | Kombinierbar mit BAFA | Einkommen ≤ 90.000 €/Jahr |
| KfW 359 | Marktzinsniveau | bis 120.000 €/WE | Kombinierbar mit BAFA | Für Vermieter, WEGs |
| § 35c EStG (Steuerbonus) | 20 % auf 3 Jahre | max. 40.000 € pro Objekt | Selbstgenutztes Eigentum, >10 Jahre alt | Nicht kombinierbar mit BAFA |
⚠️ Fristen-Hinweis: 31.12.2026
Die Zusatzförderung für konventionelle Dämmstoffe (pauschal 20 €/m²) läuft zum 31.12.2026 aus. Wer Mineralwolle oder EPS-basierte Innendämmung plant und diese Förderung noch nutzen möchte, muss den Antrag bei der BAFA vor Beginn der Maßnahme stellen — und das deutlich vor dem Jahresende, da Bearbeitungszeiten einzurechnen sind.
Rechenbeispiel Altbau 1955: Amortisation und Wohnraumverlust
Ausgangssituation: Altbau Baujahr 1955, 100 m² Außenwandfläche, Ausgangs-U-Wert 1,5 W/(m²K), Gasheizung.
Maßnahme: 8 cm Multipor (λ = 0,042 W/(mK))
| Kennwert | Wert |
|---|---|
| U-Wert nach Dämmung | ca. 0,42 W/(m²K) |
| Jährliche Heizkosten-Ersparnis (18 ct/kWh, HGT 75 Kh/a) | ca. 9–11 €/m²·a = 900–1.100 €/Jahr |
| Investitionskosten (80 €/m² × 100 m²) | 8.000 € |
| Nach BAFA-Förderung 20 % (iSFP) | 6.400 € Eigenanteil |
| Statische Amortisation (ohne Wohnraumverlust) | 6–7 Jahre |
| Wohnraumverlust bei 20-m²-Raum mit 2 Außenwänden | ca. 1,0 m² (5 % der Grundfläche) |
| Opportunitätswert Wohnfläche (München, 2.500 €/m²) | ca. 2.500 € |
| Amortisation inkl. Opportunitätskosten | ca. 8–9 Jahre |
Klassische Ratgeber-Amortisationen von 15–25 Jahren entstehen, weil Opportunitätskosten und Wohnraumverlust eingerechnet werden. Beide Zahlen stimmen — sie berechnen schlicht unterschiedliche Szenarien.
Innendämmung im Fachwerk: Diffusionsoffen zwingend
Fachwerkwände sind der anspruchsvollste Fall der Innendämmung. Das tragende Holzgerüst ist hygroskopisch und muss Feuchte nach innen abgeben können — eine Dampfbremse würde das Holz einschließen und zur Fäulnis führen.
Zwingend erforderlich bei Fachwerk:
- Diffusionsoffenes System (µ-Wert möglichst niedrig): Holzfaser, Zellulose-Einblasdämmung oder Kalkputz-basierte Systeme
- Nachweis nach WTA-Merkblatt 8-5 (Fachwerkwände, Innendämmung)
- Hygrothermische Simulation nach DIN EN 15026 (WUFI) — das Glaser-Verfahren nach DIN 4108-3 ist für Fachwerk ausdrücklich unzulässig
- Holzschutz nach DIN 68800 beachten; bei Holzfaser-Systemen Pilzschutzbehandlung prüfen
Förderung bei Fachwerk: Die BEG-EM-Sonderregel für Fachwerk (8.1.7) verlangt nur U ≤ 0,65 W/(m²K) — ein Wert, der bei WTA-konformer Innendämmung gut erreichbar ist.
Wichtig: Die Ausführung von Fachwerk-Innendämmung gehört in Fachhand, die mit WTA-Merkblättern vertraut ist. Die Fehlerkosten (Holzfäule, Tragsicherheit) übersteigen jeden Einsparvorteil durch Eigenleistung.
Die fünf häufigsten Einbaufehler — und wie sie Schimmel verursachen
| Fehler | Bauphysikalische Wirkung | Vermeidung |
|---|---|---|
| Feuchte Bestandswand vor Dämmung | Eingeschlossene Feuchte kondensiert bei Frost → Bauteilzerstörung, Schimmel | Feuchtegehalt der Wand messen (CM-Methode), ggf. erst trocknen |
| Dampfbremse mit Leckagen (Steckdosen, Stöße, Durchdringungen) | Lokale Kondensat-Nester an Leckagestellen, unsichtbar hinter GK | Leckage-Test (Blower-Door), Installationslösungen für Steckdosen (Kabelabdichtung) |
| Kapillaraktiver Dämmstoff ohne Lüftungskonzept | Feuchte-Überladung des Systems, Kapillartransport reicht nicht aus | Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 vor Maßnahme erstellen, ggf. KWL nachrüsten |
| Fehlende flankierende Dämmung an Anschlusspunkten | Wärmebrücken an einbindenden Decken und Innenwänden → Taupunkt unterschritten | Anschlussdetails planen, Leibungen und Deckenflächen zumindest 50 cm mitdämmen |
| Glaser-Verfahren bei Fachwerk oder >8 cm Dämmdicke | Rechennachweis gibt grünes Licht, obwohl instationäre Effekte Schaden verursachen | WUFI-Simulation beauftragen, WTA-Merkblatt 6-5 beachten |
Innendämmung der Deckenunterseite: Sonderfall mit eigenen Regeln
Das Keyword "Innendämmung Decke unterseitig" beschreibt einen klar abgrenzbaren Anwendungsfall: die Dämmung von Decken gegen unbeheizte Räume von unten, also von der beheizten Raumseite aus.
Typische Situationen:
- Decke über Durchfahrt oder Außenstellplatz
- Decke über unbeheizter Garage oder Lager
- Decke über Tiefgaragenstellplatz
Bauphysikalischer Unterschied zur Wanddämmung: Bei der Deckendämmung von unten ist die Dampfdiffusion weniger kritisch, da die Wärmestromrichtung (nach unten = kalte Seite) das Taupunkt-Problem entschärft. EPS und XPS sind hier — anders als bei Außenwänden — bauphysikalisch unbedenklich und werden häufig eingesetzt.
Materialempfehlung: EPS WLS 035 oder XPS, 8–12 cm, direkt verklebt + gedübelt, Brandschutzputz oder GK-Verkleidung je nach Nutzung. Kosten: 40–70 €/m² eingebaut.
Förderung: BAFA BEG-EM fördert Deckendämmung nach TMA 8.1.5 (U ≤ 0,25 W/(m²K) für Kellerdecke/Decke gegen Außenluft). Die Anforderungen unterscheiden sich von der Außenwand-Sonderregel 8.1.4 — hier gilt ein expliziter U-Wert. Für die Abgrenzung zur Kellerdeckendämmung (Dammung der Kellerdecke von oben) und zur Kellerdämmung allgemein: → Kellerdeckendämmung und → Kellerdämmung im Überblick.
Innendämmung plus Wärmepumpe: Wann der Systemwechsel gelingt
Der entscheidende Systemangle, den kein Wettbewerber sauber darstellt: Innendämmung ist bei Altbauten mit Denkmalschutz oder Grenzbebauung oft die einzige Möglichkeit, die Heizlast so weit zu senken, dass eine Luft-Wärmepumpe wirtschaftlich betrieben werden kann.
Das Rechenbeispiel:
Ein Altbau Baujahr 1955 hat typische Wand-U-Werte von 1,2–1,8 W/(m²K). Bei 100 m² Außenwandfläche fließen allein über die Wände 18–27 kW Wärmeleistung bei -12 °C Außentemperatur ab. Wärmepumpen werden ineffizient, sobald die erforderliche Vorlauftemperatur über 50 °C steigt — und genau das passiert bei schlecht gedämmten Altbauten.
Wirkungskette Innendämmung → Wärmepumpe:
| Maßnahme | U-Wert Wand | Heizlast-Reduktion | Vorlauftemperatur |
|---|---|---|---|
| Ausgangszustand (Bj. 1955) | 1,5 W/(m²K) | — | 65–75 °C |
| + 6 cm Multipor innen | ca. 0,50 W/(m²K) | ca. 25 % | 55–60 °C |
| + 8 cm Multipor innen | ca. 0,42 W/(m²K) | ca. 30 % | 50–55 °C |
| + 8 cm + Fenster neu (Uw 0,9) + Dach | je nach Ausgangszustand | 40–55 % gesamt | ≤ 50 °C → WP-tauglich |
Die Kombination aus Innendämmung (6–8 cm), Fenstertausch auf Dreifachverglasung und Dachdämmung bringt den Großteil aller Altbauten unter die 50-°C-Vorlaufschwelle. Für diese Systemkombination ist der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) der sinnvollste Planungsrahmen — er erhöht zudem die Förderquote auf 20 %.
Mehr zum Thema: → Wärmepumpe nachrüsten im Altbau, → Wärmepumpe Stromverbrauch
FAQ: Die zwölf häufigsten Fragen zur Innendämmung
Ist Innendämmung sinnvoll?
Ja — wenn Außendämmung technisch oder rechtlich ausgeschlossen ist. Bei Denkmalschutz, Fachwerk, Grenzbebauung oder einzelnen kalten Räumen ist sie die richtige Wahl. Wo Außendämmung möglich ist, bleibt sie bauphysikalisch überlegen.
Welches Material ist die beste Innendämmung?
Für Denkmalschutz und Altbau allgemein: Multipor Mineralschaum (λ 0,042) als Kompromiss aus Dämmleistung, Schimmelschutz und Preis. Bei Schimmelsanierung: Kalziumsilikat. Bei Fachwerk: Holzfaser oder Zellulose. Bei extremer Platznot: Aerogel oder PUR/PIR-Verbundplatte.
Wie dick muss Innendämmung sein?
Für die BEG-EM-Förderung genügen 4 cm (WLS ≤ 040). Wirtschaftlich optimal sind 6–8 cm. Über 10 cm steigt das Taupunkt-Risiko überproportional.
Was kostet Innendämmung pro m²?
Eingebaut 55–130 €/m² je nach System. Multipor: 60–100 €/m². Kalziumsilikat: 70–120 €/m². Aerogel: 250–400 €/m².
Wird Innendämmung 2026 gefördert?
Ja. BAFA BEG-EM: 15 % + 5 % iSFP-Bonus = max. 20 %, Förderdeckel 60.000 €/WE mit iSFP. Alternativ: Steuerbonus 20 % nach § 35c EStG. Achtung: Zusatzförderung für konventionelle Dämmstoffe nur noch bis 31.12.2026.
Welchen U-Wert muss Innendämmung erreichen?
Für die BAFA-Förderung gilt kein U-Wert-Zielwert — nur WLS ≤ 040 und ≥ 4 cm Dicke (TMA 8.1.4). Für Denkmal-Außenwände gilt separat U ≤ 0,45 W/(m²K) (8.1.7).
Führt Innendämmung zu Schimmel?
Nur bei falscher Ausführung: feuchte Bestandswand, leckende Dampfbremse oder kapillaraktives System ohne Lüftungskonzept. Korrekt ausgeführte Systeme erhöhen die Wandoberflächentemperatur und senken das Schimmelrisiko.
Was ist besser: Innen- oder Außendämmung?
Außendämmung fast immer — Taupunkt in der Dämmschicht, Wärmebrücken umhüllt, kein Wohnflächenverlust. Innendämmung nur bei Denkmalschutz, Fachwerk, Grenzbebauung oder einzelnen Räumen.
Braucht Innendämmung eine Dampfbremse?
Bei Mineralwolle und PUR/PIR: ja. Bei kapillaraktiven Systemen (Kalziumsilikat, Multipor, Holzfaser mit Kalkputz): nein — aber Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 zwingend.
Welche Nachteile hat Innendämmung?
Wohnraumverlust 3–5 %, Taupunktverschiebung, unvermeidliche flankierende Wärmebrücken an einbindenden Bauteilen, schlechterer sommerlicher Wärmeschutz durch Verlust der thermischen Speichermasse.
Kann ich Innendämmung selber machen?
Multipor und Holzfaser lassen sich bei einfachen Flächen in Eigenleistung verkleben. Kalziumsilikat und dampfbremsende Systeme mit Folie gehören wegen der Fehlerintoleranz in Fachhand. Für die BAFA-Förderung muss ein Fachunternehmen die Ausführung bestätigen.
Kann Innendämmung eine Wärmepumpe ermöglichen?
Ja. Bei Altbau Baujahr <1960 senkt eine Innendämmung von 6–8 cm den Wand-U-Wert von 1,5 auf ca. 0,4 W/(m²K). In Kombination mit Fenstertausch und Dachdämmung reicht das häufig, um die Vorlauftemperatur unter 50 °C zu bringen — und Luft-Wärmepumpen-Betrieb zu ermöglichen.
