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Großwärmepumpen: Kosten, Herstellers für Fernwärmenetze

13 Min. Lesezeit

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Das Wichtigste in Kürze

  • Definition: Eine Großwärmepumpe leistet nach Definition des BMWE mindestens 500 kW thermisch und versorgt Fernwärme- oder Industrienetze statt einzelner Gebäude.
  • Marktgröße 2026: In Deutschland sind rund 200 MW installiert, weitere über 900 MW befinden sich in Bau oder Planung.
  • Investition: Das Projekt Mannheim zeigt mit 165 MW für rund 200 Millionen Euro die Größenordnung realer Vorhaben.
  • Effizienz: Die bereits laufende 20-MW-Pilotanlage in Mannheim (Flusswärmepumpe 1) erreicht im Jahresmittel eine gemessene Arbeitszahl von 2,7; die neue 165-MW-Anlage liefert erst ab Winter 2028 eigene Betriebsdaten.
  • Förderung: Das Modul 4 der Bundesförderung effiziente Wärmenetze deckt die Wirtschaftlichkeitslücke im laufenden Betrieb strombetriebener Großwärmepumpen.
  • Hersteller: Ochsner deckt bis 2.500 kW ab, Viessmann bis 589 kW im Kaskadenverbund, MAN Energy Solutions liefert Module bis 50 MW je Modul für Fernwärmeprojekte wie in Köln.
  • Lohnt sich für: Stadtwerke und Industriebetriebe mit einem Wärmenetz ab etwa 10 GWh Jahresverbrauch, ab dem das individuelle Netzentgelt nach § 19 StromNEV greift.

Was ist eine Großwärmepumpe und wie funktioniert sie?

Eine Großwärmepumpe ist eine Wärmepumpe mit einer thermischen Leistung von mindestens 500 kW, die Umweltwärme aus Flusswasser, Abwasser oder industrieller Abwärme auf das Temperaturniveau eines Fernwärmenetzes anhebt. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) legt diese Schwelle in seiner Klarstellung vom 23. April 2026 fest. Technisch arbeitet die Anlage nach dem Kompressions-Kältekreislauf: Ein Kältemittel verdampft bei niedriger Temperatur, ein Verdichter erhöht Druck und Temperatur, ein Kondensator gibt die Wärme an das Netzwasser ab, ein Expansionsventil senkt den Druck wieder ab. Der Kreislauf unterscheidet die Großwärmepumpe von einer Gebäude-Wärmepumpe nur in der Dimensionierung, nicht im Funktionsprinzip. Sie erreicht Vorlauftemperaturen von 90 bis 130 °C.

Ab welcher Leistung gilt eine Wärmepumpe als Großwärmepumpe?

Offiziell gilt eine Wärmepumpe laut BMWE ab 500 kW thermischer Leistung als Großwärmepumpe; Fachverbände verwenden in der Praxis niedrigere Schwellen. Diese Uneinheitlichkeit entsteht, weil die BMWE-Schwelle an Förderprogramme gekoppelt ist. Fachverbände meinen dagegen technische Bauartgrenzen.
Leistungsschwellen für den Begriff Großwärmepumpe nach Institution.

Institution

Schwellenwert

Kontext

 

BMWE

≥ 500 kW thermisch

Offizielle Förder- und Planungsdefinition (Stand 2026-04-23)

Bundesverband Wärmepumpe (BWP)

ca. 100 kW

Branchenübliche technische Abgrenzung

Bundesverband Geothermie

> 50 kW

Abgrenzung für geothermische Großanlagen

Für Förderentscheidungen und Genehmigungsverfahren ist ausschließlich die BMWE-Schwelle von 500 kW maßgeblich; die niedrigeren Werte dienen nur der technischen Einordnung innerhalb der Branche.

Welche Bauarten und Kältemittel kommen bei Großwärmepumpen zum Einsatz?

Bauartseitig unterscheidet die Branche Flusswasser-, Abwasser- und Luft-Wasser-Großwärmepumpen, die überwiegend natürliche Kältemittel wie Ammoniak (NH3), CO2 und Propan (R290) nutzen, ergänzt durch Isobutan bei Flusswasseranlagen. Ammoniak hat als natürliches Kältemittel ein Treibhauspotenzial (GWP) von 0, verlangt jedoch nach EN 378 besondere Sicherheitsauflagen wegen seiner Toxizität. Die Mannheimer Anlage des börsennotierten Energieversorgers MVV Energie mit Sitz in Mannheim setzt Isobutan als Kältemittel ein, die im Bau befindliche MAN-Anlage in Helsinki soll mit CO2 bei einer Leistung von 20 bis 33 MW arbeiten. Die Wahl des Kältemittels richtet sich nach der geforderten Vorlauftemperatur und der Wärmequelle.

Welche Wärmequellen nutzen Großwärmepumpen?

Großwärmepumpen entziehen Wärme vier Hauptquellen: Flusswasser, Abwasser aus Kläranlagen, industrieller Abwärme und Umgebungsluft. Flusswasser bietet über das Jahr ein stabiles Temperaturniveau und eignet sich für Anlagen im zweistelligen Megawatt-Bereich, wie die Projekte in Mannheim und Köln zeigen. Klarwasser aus kommunalen Kläranlagen liefert ganzjährig Temperaturen von 10 bis 20 °C und wird bevorzugt in Stadtnähe genutzt, da lange Zuleitungen entfallen.
Industrielle Abwärme eignet sich unabhängig vom Zugang zu einem Fluss oder einer Kläranlage und erschließt damit auch Standorte ohne direkten Gewässeranschluss. Luft als Wärmequelle kommt bei kleineren Großwärmepumpen ohne Zugang zu Wasser oder Abwärme zum Einsatz, etwa bei der MAN-Anlage in Helsinki mit 20 bis 33 MW Leistung.
Das Rheinwasser der Mannheimer Flusswärmepumpe 1 schwankt jahreszeitlich zwischen etwa 5 °C im Winter und 25 °C im Sommer; die seit 2023 laufende 20-MW-Anlage erreicht darüber im Jahresmittel eine gemessene Arbeitszahl von 2,7. Betreiber wählen die Wärmequelle deshalb nicht allein nach Verfügbarkeit, sondern auch nach der Stabilität ihres Temperaturniveaus über das Jahr.

Wie werden Großwärmepumpen in Fernwärme- und Stadtwärmenetze integriert?

Großwärmepumpen speisen ihre Wärme direkt in den Vorlauf eines Fernwärmenetzes ein und ersetzen dort fossile Heizkessel oder Blockheizkraftwerke. Nach dem Wärmeplanungsgesetz müssen neue Wärmenetze seit dem 1. März 2025 zu mindestens 65 % aus erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme gespeist werden – eine Schwelle, die Großwärmepumpen in Kombination mit einem Wärmespeicher regelmäßig erfüllen. Das Kölner Projekt von MAN Energy Solutions und dem Kölner Energieversorger RheinEnergie plant drei Module mit je 50 MW für insgesamt 150 MW und soll bei Vorlauftemperaturen bis 110 °C rund 50.000 Haushalte versorgen. Ein nachgeschalteter Wärmespeicher entkoppelt dabei die Wärmeerzeugung vom momentanen Netzverbrauch und ermöglicht den Betrieb der Großwärmepumpe im effizienten Teillastbereich auch bei schwankender Nachfrage.

Wie nutzen Großwärmepumpen industrielle Abwärme für die Stadtwärme?

Großwärmepumpen heben industrielle Abwärme von Produktionsprozessen, Rechenzentren oder Kühlanlagen auf Fernwärme-Vorlauftemperatur an und speisen sie ins Stadtnetz ein. Der Temperaturhub und damit der Stromverbrauch der Wärmepumpe sinken gegenüber einer Flusswasseranlage mit niedrigerer Quelltemperatur, da diese Abwärme häufig bereits 30 bis 60 °C erreicht. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) im Auftrag von Agora Energiewende beziffert das Potenzial von Großwärmepumpen – einschließlich der Abwärmenutzung – auf bis zu 70 % der Fernwärme in Deutschland bis zum Jahr 2045. Kommunen und Stadtwerke prüfen dafür systematisch Industriestandorte in Netznähe, da kurze Leitungswege die Investitionskosten der Abwärmeanbindung senken.

Was kosten Großwärmepumpen und wie wirtschaftlich sind sie im Betrieb?

Das Projekt Mannheim von MVV Energie realisiert 165 MW Leistung – aufgeteilt auf zwei Module à 82,5 MW – für eine Investition von rund 200 Millionen Euro. Daraus errechnet sich ein spezifischer Wert von etwa 1,21 Millionen Euro pro Megawatt. Das Energiewirtschaftliche Institut Köln (EWI) stuft diesen Wert als projektspezifisch und nicht als feste Kennzahl ein: Seine Regressionsanalyse von 75 Projekten zeigt zwar Skaleneffekte über die elektrische Leistung, zugleich aber eine erhebliche Streuung, da bei der Umsetzung zusätzliche Fixkosten anfallen, die nicht mit der Leistung skalieren.
Beispiel: Referenz-Fernwärmenetz mit 20 MW Großwärmepumpe
Gegeben: thermische Leistung 20 MW, angenommener spezifischer Investitionswert 1,21 Mio. €/MW (linear abgeleitet aus dem 165-MW-Referenzprojekt Mannheim)
Berechnung: 20 MW × 1,21 Mio. €/MW = 24,2 Mio. €
Ergebnis: rund 24 Mio. € als grobe Orientierungsgröße – laut EWI weichen die tatsächlichen Kosten bei einer kleineren 20-MW-Anlage wegen leistungsunabhängiger Fixkosten typischerweise nach oben ab, der Wert ist kein linear übertragbarer Festpreis.
Investitions- und Leistungsdaten dokumentierter Großwärmepumpen-Projekte in Deutschland und Europa.

Projekt

Leistung

Investition

 

Mannheim (MVV Energie)

165 MW

ca. 200 Mio. €

Köln (MAN Energy Solutions/RheinEnergie, im Bau)

150 MW

ca. 280 Mio. €

Stuttgart-Münster (EnBW)

bis 24 MW (Nennleistung)

nicht veröffentlicht

Helsinki (MAN Energy Solutions)

20–33 MW

nicht veröffentlicht

Wirtschaftlich tragen zwei Hebel die Betriebskosten: das individuelle Netzentgelt nach § 19 StromNEV, das ab 7.000 Benutzungsstunden und 10 GWh Jahresverbrauch reduzierte Stromkosten ermöglicht, sowie die Betriebskostenförderung über Modul 4 der Bundesförderung effiziente Wärmenetze, die die Differenz zwischen Wärmegestehungskosten und erzielbarem Wärmepreis abdeckt.

Welche Leistungs- und Effizienzkennzahlen erreichen Großwärmepumpen in der Praxis?

Die zentrale Effizienzkennzahl einer Großwärmepumpe ist der Coefficient of Performance (COP); für die bereits seit 2023 laufende 20-MW-Pilotanlage in Mannheim (Flusswärmepumpe 1) ist eine gemessene Jahresarbeitszahl von 2,7 dokumentiert. Die Prüfnorm DIN EN 14511 legt fest, wie der COP unter Referenzbedingungen zu ermitteln ist.
COP = Qab ÷ Wzu
Wo:
  • Qab: abgegebene Wärmeleistung in kW oder MW
  • Wzu: zugeführte elektrische Leistung in kW oder MW
Beispiel: Referenz-Fernwärmenetz mit 20 MW Großwärmepumpe
Gegeben: abgegebene Wärmeleistung Qab = 20 MW, COP = 2,7 (gemessene Jahresarbeitszahl der Mannheimer 20-MW-Pilotanlage Flusswärmepumpe 1)
Berechnung: Wzu = 20 MW ÷ 2,7 ≈ 7,41 MW
Ergebnis: Die Anlage benötigt rund 7,41 MW elektrische Leistung, um 20 MW Wärmeleistung bereitzustellen.
Der exergetische Gütegrad liegt bei Großwärmepumpen zwischen 40 und 60 %; er beschreibt, wie nah die Anlage an den thermodynamisch maximal möglichen Wirkungsgrad herankommt. Höhere Vorlauftemperaturen senken den COP, da der Temperaturhub zwischen Wärmequelle und Netzvorlauf steigt.

Wie werden Großwärmepumpen gesteuert und im Betrieb optimiert?

Großwärmepumpen werden über eine zentrale Leittechnik gesteuert, die Vorlauftemperatur, Verdichterdrehzahl und Quellwassermenge an den aktuellen Wärmebedarf des Netzes anpasst. Betreiber optimieren den Betrieb, indem sie die Anlage möglichst im effizienten Teillastbereich fahren und Lastspitzen über einen Wärmespeicher abfangen statt die Verdichterleistung sprunghaft zu erhöhen. Am Beispiel Mannheim zeigt sich das Prinzip konkret: Die Anlage ist in zwei Module à 82,5 MW aufgeteilt. Bei geringerem Wärmebedarf läuft nur ein Modul, wodurch der exergetische Gütegrad im Bereich von 40 bis 60 % bleibt, statt eine einzelne Großanlage ineffizient herunterzuregeln. Eine vorausschauende Steuerung nutzt Wetterprognosen und historische Lastgänge, um die Verdichterleistung vor erwarteten Verbrauchsspitzen anzuheben und so den COP über den Tagesverlauf zu stabilisieren.

Welche Förderung gibt es 2026 für Großwärmepumpen?

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Die zentrale Förderung für Großwärmepumpen 2026 ist die Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW), die Investitions- und Betriebskosten über getrennte Module abdeckt. Modul 4 übernimmt dabei die Wirtschaftlichkeitslücke zwischen den Wärmegestehungskosten einer strombetriebenen Großwärmepumpe und dem am Markt erzielbaren Wärmepreis – berechenbar über den BAFA-Förderrechner. Am 5. März 2026 veröffentlichte die BAFA zusätzlich eine Handreichung zu Großwärmepumpen und Großwärmespeichern in der Fernwärme, eine neue bundesweite Handreichung mit Planungs- und Genehmigungsleitlinien speziell für diese Anlagenklasse.
Fördermodule der Bundesförderung effiziente Wärmenetze mit Bezug zu Großwärmepumpen, Stand 2026.

Modul

Förderinhalt

Quelle

 

BEW Modul 4

Deckung der Wirtschaftlichkeitslücke im Betrieb strombetriebener Großwärmepumpen

BAFA

Individuelles Netzentgelt § 19 StromNEV

Reduziertes Netzentgelt ab 7.000 Volllaststunden und 10 GWh/Jahr

Bundesnetzagentur

Ergänzend verlangt das Wärmeplanungsgesetz von neuen Wärmenetzen ab dem 1. März 2025 einen Mindestanteil von 65 % erneuerbarer Energien oder unvermeidbarer Abwärme – eine Vorgabe, die Betreiber häufig über den Zubau von Großwärmepumpen erfüllen und die damit indirekt fördernd wirkt.

Welche Hersteller bieten Großwärmepumpen in Deutschland an?

Am deutschen Markt für Großwärmepumpen positionieren sich vor allem Ochsner, Viessmann und MAN Energy Solutions, das seit Juni 2025 zunehmend unter dem Namen Everllence auftritt. Die drei Anbieter unterscheiden sich deutlich im adressierten Leistungssegment: Ochsner deckt den mittleren Bereich bis 2.500 kW ab, Viessmann bedient mit Kaskadenlösungen den unteren bis mittleren Großwärmepumpen-Bereich, während MAN Energy Solutions einzelne Module im zweistelligen Megawatt-Bereich für Fernwärmeprojekte liefert.
Vergleich der Leistungsbereiche, Vorlauftemperaturen und technischen Besonderheiten führender Großwärmepumpen-Hersteller in Deutschland.

Hersteller

Leistungsbereich

Max. Vorlauftemperatur

Besonderheit

 

Ochsner

bis 2.500 kW

130 °C

Eigenes TÜV-zertifiziertes Prüflabor, Volllasttests bis 800 kW

Viessmann (Vitocal 300-G PRO, Kaskade)

bis 589 kW

nicht öffentlich beziffert

Serienfertigung, integrierte Kaskadenfunktion aus mehreren Geräten

MAN Energy Solutions (Everllence)

bis 50.000 kW je Modul (Projekt Köln)

110 °C

Kompressorfertigung in Berlin und Oberhausen

Was zeichnet Ochsner als Großwärmepumpen-Hersteller aus?

Ochsner deckt im Großwärmepumpen-Segment einen Leistungsbereich bis 2.500 kW ab und erreicht Vorlauftemperaturen bis 130 °C – höher als der bekannte Vergleichswert von MAN Energy Solutions mit 110 °C. Der österreichische Anbieter betreibt ein eigenes Prüflabor und testet dort Anlagen bis 800 kW unter Volllast, bevor er sie an Kunden ausliefert. Diese hohe Vorlauftemperatur macht Ochsner-Anlagen besonders für Bestandsnetze relevant, die ohne größere Umbauten weiterbetrieben werden sollen.

Welche Großwärmepumpen bietet Viessmann an?

Viessmann bietet mit der Baureihe Vitocal 300-G PRO Einzelgeräte bis 222,2 kW Heizleistung, die laut Hersteller über die integrierte Kaskadenfunktion eine Gesamtleistung von bis zu 589 kW erreichen. Die kleinere Baureihe Vitocal 300-A deckt 13,2 bis 55,8 kW pro Gerät ab und erreicht im Kaskadenverbund aus bis zu fünf Geräten bis zu 279 kW; die maximale Kaskadenleistung der 300-G PRO gibt der Hersteller dagegen als eigenen Wert an, nicht als einfaches Vielfaches der Einzelgeräteleistung. Seit der 2023 angekündigten und im Januar 2024 abgeschlossenen Übernahme durch Carrier Global für rund 12 Milliarden Euro firmiert die Wärmepumpensparte als Viessmann Climate Solutions und bleibt als Marke am deutschen Markt präsent.

Welche Rolle spielt MAN Energy Solutions (Everllence) bei Großwärmepumpen?

MAN Energy Solutions, das seinen Markennamen seit Juni 2025 zunehmend zu Everllence wandelt, liefert Großwärmepumpen-Module im zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Megawattbereich für Fernwärmeprojekte. Für das Kölner Fernwärmeprojekt mit RheinEnergie baut der Hersteller drei Module à 50 MW für insgesamt 150 MW bei Vorlauftemperaturen bis 110 °C, ausgelegt auf die Versorgung von rund 50.000 Haushalten. In Helsinki errichtet MAN eine Luft-Wasser-Großwärmepumpe mit 20 bis 33 MW Leistung und dem Kältemittel CO2, die zur Heizperiode 2026/2027 in Betrieb gehen und jährlich rund 26.000 Tonnen CO2 einsparen soll. Ein drittes Referenzprojekt in den USA für den Automobilhersteller Scout Motors nutzt zwei Module à 12,5 MW für insgesamt 25 MW.

Welche Nachteile, Risiken und Genehmigungshürden haben Großwärmepumpen?

Risiko 1: Wasserrechtliche Genehmigung bei Flusswasseranlagen

Symptom: Flusswasser-Großwärmepumpen benötigen eine wasserrechtliche Erlaubnis für Entnahme und Rückgabe des Kühlwassers. Folge: Naturschutz- und Wasserrechtsprüfungen binden Projektzeit vor Baubeginn, wie das Kölner MAN-Projekt zeigt: Die erforderlichen Genehmigungen für Wasserentnahme, Anlagenbetrieb und Wiedereinleitung liegen inzwischen vor, die Bauarbeiten haben begonnen; bis zur geplanten Inbetriebnahme Ende 2027 vergehen dennoch mehrere Jahre zwischen Planung, Genehmigungsverfahren und Bau. Prävention: Betreiber binden Wasserbehörden und Naturschutzverbände frühzeitig in die Planung ein, bevor Investitionsentscheidungen fallen.

Risiko 2: Sicherheitsauflagen durch Kältemittel

Symptom: Ammoniak als Kältemittel ist toxisch und brennbar unter bestimmten Konzentrationen. Folge: Die Norm EN 378 verlangt zusätzliche Sicherheitseinrichtungen wie Gaswarnanlagen und Abstandsflächen, was die Investitionskosten erhöht. Prävention: Der Einsatz alternativer natürlicher Kältemittel wie CO2 oder Propan reduziert Sicherheitsauflagen bei vergleichbarer Effizienz, wie das Helsinki-Projekt von MAN zeigt.

Risiko 3: Verzögerter Marktausbau in Deutschland

Symptom: Der Ausbau von Großwärmepumpen verläuft in Deutschland im europäischen Vergleich langsam (siehe Marktentwicklung weiter unten). Folge: Langsamerer Ausbau verzögert die im Wärmeplanungsgesetz geforderte Dekarbonisierung der Wärmenetze. Prävention: Die Kombination aus BEW-Förderung und der neuen BAFA-Handreichung vom März 2026 soll Planungs- und Genehmigungsprozesse beschleunigen.

Was ist der Deutsche Großwärmepumpen-Kongress und was waren seine Themen 2024 und 2026?

Der Deutscher Großwärmepumpen-Kongress ist eine spezialisierte Fachveranstaltung, die sich ausschließlich Großwärmepumpen widmet, organisiert vom Bundesverband Wärmepumpe (BWP). Die Ausgabe 2024 fand am 2. und 3. Juli in Düsseldorf statt; die Ausgabe 2026 findet am 9. und 10. Juni in Berlin statt. Die Ausgabe 2026 setzt den Schwerpunkt auf Contracting- und Finanzierungsmodelle sowie modulare Anlagenkonzepte für schnelleren Netzausbau, während der Kongress 2024 unter anderem die sichere Nutzung von Kohlenwasserstoff-Kältemitteln sowie Hochtemperaturanwendungen in der Industrie behandelte.

Wie entwickelt sich der Markt für Großwärmepumpen in Deutschland?

Der deutsche Markt für Großwärmepumpen wächst von rund 200 MW installierter Leistung Anfang 2026 auf eine vom Energiewirtschaftlichen Institut Köln (EWI) prognostizierte Leistung von rund 1.150 MW bis 2030 – eine Verfünf- bis Versechsfachung. Treiber dieses Wachstums sind die im Wärmeplanungsgesetz verankerte 65-%-Pflicht für neue Wärmenetze sowie über 70 Projekte mit mehr als 900 MW, die sich laut Bundesverband Wärmepumpe bereits in Bau oder Planung befinden. Trotz dieses Wachstums bleibt Deutschland mit 200 MW deutlich hinter Dänemark zurück, das bereits 580 MW auf einer um 90 % kleineren Fläche installiert hat – ein Hinweis darauf, dass das deutsche Marktpotenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist.

Häufige Fragen zu Großwärmepumpen

Was unterscheidet eine Großwärmepumpe von einer normalen Wärmepumpe?

Eine Großwärmepumpe unterscheidet sich von einer Gebäude-Wärmepumpe durch die Leistungsklasse ab 500 kW und den Einsatzzweck: Sie versorgt Fernwärmenetze oder industrielle Prozesse statt einzelner Gebäude.

Welches Kältemittel verwenden Großwärmepumpen?

Großwärmepumpen setzen überwiegend natürliche Kältemittel wie Ammoniak, CO2 und Propan ein; die Wahl richtet sich nach geforderter Vorlauftemperatur und Sicherheitsauflagen nach EN 378.

Wie hoch ist der COP einer Großwärmepumpe?

Im realen Betrieb erreicht die Mannheimer Flusswärmepumpe 1 (20 MW, in Betrieb seit 2023) im Jahresmittel eine gemessene Arbeitszahl von 2,7; der Wert hängt stark von Quelltemperatur und Vorlaufniveau ab.

Wer fördert Großwärmepumpen 2026?

Die Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW) fördert Großwärmepumpen über Modul 4 mit einer Deckung der Wirtschaftlichkeitslücke im Betrieb, verwaltet durch die BAFA.

Welche Hersteller bauen Großwärmepumpen in Deutschland?

Ochsner, Viessmann und MAN Energy Solutions (Everllence) zählen zu den am Markt aktiven Herstellern, mit unterschiedlichen Leistungsschwerpunkten von 13,2 kW bis 150 MW.

Wann findet der Deutsche Großwärmepumpen-Kongress 2026 statt?

Der Deutscher Großwärmepumpen-Kongress 2026 findet am 9. und 10. Juni in Berlin statt und behandelt schwerpunktmäßig Contracting- und Finanzierungsmodelle.

Fazit: Für wen und wann lohnt sich eine Großwärmepumpe?

Eine Großwärmepumpe lohnt sich für Betreiber von Fernwärmenetzen und Industriestandorte, die eine verfügbare Wärmequelle wie Flusswasser, Abwasser oder Abwärme in Netznähe erschließen können und die 65-%-Pflicht des Wärmeplanungsgesetzes erfüllen müssen.
Entscheidungsmatrix: Eignung von Großwärmepumpen nach Betreiberprofil.

Profil

Eignung

Begründung

 

Stadtwerk mit Fernwärmenetz > 10 GWh/Jahr

hoch

Nutzt individuelles Netzentgelt nach § 19 StromNEV und BEW-Förderung

Industriebetrieb mit Abwärmequelle

hoch

Niedriger Temperaturhub senkt Stromverbrauch, kurze Leitungswege

Kleines Wärmenetz ohne Wasser-/Abwärmequelle

gering

Fehlende Wärmequelle erzwingt teurere Luft-Wasser-Lösung oder Fremdbezug

Neubau-Wärmenetz ab 2025

hoch

Erfüllt die 65-%-Pflicht des Wärmeplanungsgesetzes direkt

Betreiber ohne Zugang zu Flusswasser, Abwasser oder industrieller Abwärme prüfen vor der Investition die wirtschaftliche Darstellbarkeit einer Luft-Wasser-Großwärmepumpe, da diese Bauart einen höheren Temperaturhub und damit einen niedrigeren COP als Flusswasseranlagen aufweist.

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REDAKTION

Urik Muller

Senior Texter

Leidenschaftlich für Wärmepumpen