Wärmepumpe

Heizkurve Wärmepumpe richtig einstellen - jetzt optimieren

Von Urik Muller
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Die Heizkurve einer Wärmepumpe ist der zentrale Effizienzparameter, der durch zwei Einstellgrößen – Steigung (0,3-1,6 je nach System) und Fusspoint/Niveau – die Vorlauftemperatur in Abhängigkeit der Außentemperatur steuert. Eine korrekt eingestellte Heizkurve reduziert den Stromverbrauch um 15-25% gegenüber Werkseinstellungen, was bei typischen Einfamilienhäusern Einsparungen von 200-600 € jährlich ermöglicht. Optimal ausgelegte Neubauten mit Fußbodenheizung benötigen ultra-flache Steigungen von 0,3-0,5, während unsanierte Altbauten mit Heizkörpern steile Kurven von 1,2-1,6 erfordern. Der kritische Zusammenhang: Jedes Grad unnötig hoher Vorlauftemperatur senkt die Jahresarbeitszahl (JAZ) um 2-3%, was bei +5°C Übertemperatur zu 10-15% Mehrverbrauch führt (entsprechend 350-700 € Zusatzkosten pro Jahr bei 5.000 kWh Jahresverbrauch). Die Optimierung erfolgt iterativ in 0,05-0,1-Schritten während stabiler Frostperioden (-5 bis -15°C Außentemperatur) mit 24-72 Stunden Stabilisierungszeit zwischen Anpassungen, wobei herstellerspezifische Menüzugänge (Vaillant: "Heizkurve" + "Raumsolltemperatur", Stiebel Eltron: "Steigung Heizkurve" + "Komfort Temperatur", Bosch: adaptive Regelung via EasyControl) und unterschiedliche Terminologien berücksichtigt werden müssen.

Was ist eine Heizkurve und warum ist sie entscheidend?

Die Heizkurve, auch als Heizkennlinie bezeichnet, ist eine mathematische Funktion im Wärmepumpen-Regler, die die erforderliche Vorlauftemperatur des Heizwassers automatisch an die gemessene Außentemperatur anpasst. Das Grundprinzip folgt der physikalischen Realität: Bei sinkender Außentemperatur steigen die Wärmeverluste eines Gebäudes über die Gebäudehülle proportional zur Temperaturdifferenz zwischen Innenraum (typisch 20-21°C Sollwert) und Außenluft. Um diese erhöhten Verluste auszugleichen und die gewünschte Raumtemperatur zu halten, muss die Heizungsanlage mehr thermische Energie bereitstellen, was durch Erhöhung der Vorlauftemperatur erreicht wird. Die Heizkurve definiert exakt, wie stark diese Erhöhung ausfallen soll: Eine flache Kurve mit Steigung 0,4 bedeutet, dass bei 10 K Außentemperatur-Abfall die Vorlauftemperatur nur um 4 K steigt, während eine steile Kurve mit Steigung 1,4 dieselbe Außentemperatur-Änderung mit 14 K Vorlauftemperatur-Steigerung beantwortet.
Die Relevanz für die Wärmepumpen-Effizienz ist fundamental: Der Wirkungsgrad (COP - Coefficient of Performance) einer Wärmepumpe hängt direkt vom Temperaturhub zwischen Wärmequelle (Außenluft, Erdreich, Grundwasser) und Heizsystem-Vorlauftemperatur ab. Je geringer dieser Hub, desto weniger mechanische Arbeit muss der Kompressor verrichten und desto höher ist die Effizienz. Der Carnot-Wirkungsgrad η = 1 - T_Quelle/T_Senke (Temperaturen in Kelvin) definiert die theoretische Obergrenze, die reale Wärmepumpen zu 40-55% erreichen. Bei 7°C Außentemperatur (280 K) und 35°C Vorlauftemperatur (308 K) ergibt sich ein theoretischer Carnot-COP von 11,0, real etwa COP 4,8-5,2. Steigt die Vorlauftemperatur auf 50°C (323 K) bei gleicher Quellentemperatur, sinkt der theoretische Carnot-COP auf 7,5 und der reale COP auf 3,0-3,5 – eine Reduktion um 35-40%. Diese exponentielle Abhängigkeit macht jedes vermiedene Kelvin Vorlauftemperatur wertvoll: Eine Reduktion von 40°C auf 35°C steigert die JAZ typischerweise um 0,3-0,5 Punkte, was bei 15.000 kWh Jahreswärmebedarf den Stromverbrauch von 4.286 kWh auf 3.750 kWh senkt (536 kWh = 188 € Ersparnis bei 35 ct/kWh).
Die Werkseinstellungen der Hersteller sind systematisch zu konservativ kalibriert: Um Kundenbeschwerden über kalte Räume zu vermeiden, werden Wärmepumpen mit steilen Heizkurven (typisch 1,2-1,4) und erhöhtem Niveau ausgeliefert, die für worst-case Szenarien (unsanierter Altbau, kleine Heizkörper, -20°C Extremfrost) ausgelegt sind. Diese Sicherheitspuffer führen bei durchschnittlichen Gebäuden zu 15-30% Überversorgung: Feldmessungen zeigen, dass neu installierte Anlagen durchschnittlich mit 42-45°C Vorlauftemperatur operieren, während nach professioneller Optimierung 35-38°C ausreichen würden. Die Differenz von 7-10 K entspricht 18-25% Effizienz-Verlust, was bei 5.000 kWh Jahresverbrauch Mehrkosten von 315-560 € pro Jahr verursacht. Die individuelle Anpassung ist deshalb keine optionale Feinabstimmung, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit: Ohne Optimierung amortisiert sich eine Wärmepumpen-Investition von 25.000 € erst nach 18-22 Jahren, mit korrekter Heizkurve bereits nach 12-15 Jahren bei ansonsten identischen Bedingungen.
Parameter Definition Auswirkung auf Vorlauftemperatur Typischer Wertebereich Optimaler Bereich Neubau FBH Optimaler Bereich Altbau HK
Steigung / Neigung Temperaturanstieg Vorlauf pro 1 K Abfall Außentemperatur Bestimmt wie stark VL bei Frost steigt 0,2 - 2,0 0,3 - 0,5 1,2 - 1,6
Fusspoint / Niveau Parallelverschiebung der gesamten Kurve Erhöht/senkt VL bei allen Außentemperaturen gleich ±10 K +0 bis +2 K +2 bis +5 K
Vorlauftemperatur Auslegungspunkt VL bei Norm-Außentemperatur (-12°C) Definiert Endpunkt der Kurve 25 - 75°C 35 - 42°C 55 - 70°C
Heizgrenze Außentemperatur ab der Heizung abschaltet Verhindert unnötigen Betrieb im Sommer 12 - 20°C 15 - 18°C 12 - 15°C
Die mathematische Beschreibung der Heizkurve erfolgt über die lineare Funktion T_Vorlauf = T_Raum + Steigung × (T_Raum - T_Außen) + Niveau, wobei T_Raum die Soll-Raumtemperatur (20-21°C) ist. Für ein Beispiel mit Steigung 0,8, Niveau +2 K, T_Raum 20°C ergibt sich bei -10°C Außentemperatur: T_Vorlauf = 20 + 0,8 × (20-(-10)) + 2 = 20 + 0,8 × 30 + 2 = 46°C. Diese Vorlauftemperatur würde bei einer Luft-Wasser-Wärmepumpe (Quellentemperatur -10°C) zu einem COP von etwa 2,8-3,2 führen. Durch Reduktion der Steigung auf 0,5 würde die Vorlauftemperatur bei gleichen Bedingungen auf 20 + 0,5 × 30 + 2 = 37°C sinken, was den COP auf 3,8-4,2 steigert – eine Effizienzverbesserung um 30-35%.

Welche Heizkurven-Steigung braucht mein Heizsystem?

Die optimale Steigung der Heizkurve wird primär durch drei Faktoren determiniert: das Wärmeabgabesystem (Fußbodenheizung vs. Heizkörper), der Gebäudedämmstandard und die resultierende erforderliche Vorlauftemperatur. Fußbodenheizungen als Flächenheizsysteme verfügen über Wärmeabgabeflächen von 80-200 m² (nahezu die gesamte Wohnfläche) und übertragen Wärme primär durch Strahlung und Konvektion bei niedrigen Oberflächentemperaturen von 23-29°C. Die große Fläche kompensiert die niedrige Temperaturdifferenz zur Raumluft, wodurch Vorlauftemperaturen von 28-40°C für die meisten Heizlasten ausreichen. Diese niedrigen Systemtemperaturen ermöglichen ultra-flache Heizkurven mit Steigungen von 0,3-0,5, da selbst bei Extremfrost (-15°C) nur moderate Vorlauftemperaturen von 40-45°C erforderlich sind. Die thermische Trägheit von Fußbodenheizungen (Aufheizzeit 2-6 Stunden durch Estrichmasse 5-8 cm) erfordert zusätzlich stabile, kontinuierliche Betriebsweise ohne starke Temperatursprünge, was flache Kurven begünstigt.
Heizkörper-Systeme haben mit 0,5-2,5 m² pro Raum (gesamt 15-35 m² für 150 m² Wohnfläche) eine 5-10-fach kleinere Wärmeabgabefläche und benötigen entsprechend höhere Oberflächentemperaturen von 45-75°C. Die erforderliche Vorlauftemperatur hängt kritisch von der Heizkörper-Dimensionierung ab: Großzügig ausgelegte Niedertemperatur-Heizkörper (70-90 W/(m²K) spezifische Heizlast) erreichen bei 45-52°C Vorlauf ausreichende Wärmeabgabe, während alte Standard-Heizkörper (40-50 W/(m²K)) 60-70°C erfordern. Die Heizkurven-Steigung muss entsprechend steiler gewählt werden: Modernisierte Heizkörper-Systeme funktionieren mit Steigungen von 1,0-1,2, unsanierte Altbauten benötigen 1,4-1,6 oder mehr. Die schnelle thermische Reaktion von Heizkörpern (Aufheizzeit 15-30 Minuten) toleriert steilere Kurven besser als Fußbodenheizungen, da Übersteuerungen schneller korrigiert werden können.
Der Gebäudedämmstandard modifiziert die Steigung zusätzlich: Passivhäuser (Heizwärmebedarf ≤15 kWh/m²a, U-Wert Außenwand ≤0,15 W/(m²K)) haben derart geringe Wärmeverluste, dass selbst bei -15°C Außentemperatur die Heizlast nur 15-25 W/m² beträgt. Mit Fußbodenheizung genügen Vorlauftemperaturen von 28-35°C, was Steigungen von 0,2-0,35 ermöglicht. KfW-55-Neubauten (40-55 kWh/m²a, U-Wert 0,20-0,28 W/(m²K)) mit 35-50 W/m² Heizlast bei Auslegungstemperatur erreichen mit Steigungen von 0,35-0,5 (Fußbodenheizung) bzw. 1,0-1,2 (Heizkörper) optimale Performance. Teilsanierte Altbauten (80-120 kWh/m²a, U-Wert 0,35-0,55 W/(m²K)) mit 60-90 W/m² Heizlast benötigen Steigungen von 0,5-0,7 (vergrößerte Heizkörper oder Teilflächen-FBH) bzw. 1,2-1,4 (Standard-Heizkörper). Unsanierte Altbauten (>150 kWh/m²a, U-Wert 0,8-1,5 W/(m²K)) mit Heizlasten über 100 W/m² erfordern Steigungen von 1,4-1,8, wobei die Wärmepumpe hier oft an physikalische Grenzen stößt (maximale Vorlauftemperatur Standard-Wärmepumpen 60-65°C, Hochtemperatur-Modelle 70-75°C).
Gebäudetyp Dämmstandard U-Wert Heizlast W/m² bei -12°C Heizsystem Empfohlene Steigung VL bei +5°C VL bei -10°C Typische JAZ Jahreskosten 150m²
Passivhaus 0,10-0,15 15-25 FBH 0,20-0,35 28-30°C 32-36°C 4,8-5,5 450-650 €
KfW 40 Neubau 0,15-0,20 30-40 FBH 0,30-0,45 30-33°C 35-40°C 4,2-4,8 700-950 €
KfW 55 Neubau 0,20-0,28 40-55 FBH 0,35-0,55 32-36°C 38-45°C 3,8-4,3 900-1.250 €
KfW 55 Neubau 0,20-0,28 40-55 HK groß 0,90-1,20 38-42°C 48-58°C 3,5-4,0 1.050-1.450 €
Saniert Altbau 0,30-0,45 60-85 HK NT 1,00-1,30 40-45°C 52-65°C 3,2-3,7 1.350-1.800 €
Teilsaniert 0,45-0,70 85-120 HK standard 1,20-1,50 45-52°C 60-75°C 2,8-3,3 1.800-2.550 €
Unsaniert Altbau 0,80-1,50 120-180 HK alt 1,40-1,80 52-60°C 70-85°C 2,4-2,9 2.550-3.600 €
Die praktische Ermittlung der optimalen Steigung erfolgt durch Rückrechnung aus Messwerten: Bei bekannter Außentemperatur T_A, gemessener Vorlauftemperatur T_V und Soll-Raumtemperatur T_R berechnet sich die aktuell gefahrene Steigung als Steigung = (T_V - T_R) / (T_R - T_A). Beispiel: Bei T_A = -8°C, T_V = 48°C, T_R = 20°C ergibt sich Steigung = (48-20)/(20-(-8)) = 28/28 = 1,0. Liegt die Raumtemperatur konstant unter dem Sollwert (z.B. nur 18-19°C erreicht), ist die Steigung zu niedrig und muss erhöht werden. Wird die Zieltemperatur überschritten (22-23°C), ist Reduktion angezeigt. Die Anpassung erfolgt in 0,05-0,1-Schritten: Von 1,0 auf 0,9 bei zu hoher Vorlauftemperatur oder von 1,0 auf 1,1 bei unzureichender Heizleistung im Winter.
Spezielle Herausforderungen entstehen bei Mischsystemen (Fußbodenheizung Erdgeschoss + Heizkörper Obergeschoss) oder Gebäuden mit inhomogener Dämmung: Hier sind separate Heizkreise mit individuellen Heizkurven erforderlich. Der Fußbodenheizung-Kreis erhält eine flache Kurve (0,4-0,6) mit Mischer-Begrenzung auf maximal 45°C Vorlauftemperatur, der Heizkörper-Kreis eine steilere Kurve (1,0-1,3) ohne Mischerbegrenzung. Die Wärmepumpe selbst fährt die höchste erforderliche Temperatur (für Heizkörper), während der Mischer die Temperatur für die Fußbodenheizung herabregelt. Diese Konfiguration erfordert hydraulischen Abgleich beider Kreise und sorgfältige Abstimmung der Volumenströme, um Effizienz zu maximieren.

Wie stark beeinflussen 5°C Vorlauftemperatur die Betriebskosten?

Der Zusammenhang zwischen Vorlauftemperatur und Effizienz folgt dem thermodynamischen Carnot-Prinzip mit praktischen Abweichungen durch reale Komponentenverluste. Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen mit Außentemperatur 7°C (A7, entspricht gewichtetem Jahresmittel für Mitteleuropa) zeigen Hersteller-Datenblätter folgende COP-Werte: Bei W35 (35°C Vorlauftemperatur) erreichen moderne Inverter-Geräte COP 4,8-5,4, bei W45 sinkt der COP auf 3,5-4,0, bei W55 auf 2,8-3,3. Die Degradation beträgt also 2,5-3,0% pro Kelvin Vorlauftemperatur-Erhöhung im mittleren Temperaturbereich. Bei niedrigeren Außentemperaturen (A-7, typisch für Januar-Spitzenlasten) verschärft sich der Effekt: W35 erreicht COP 3,2-3,8, W45 nur noch COP 2,5-3,0, W55 lediglich 2,0-2,5 – entsprechend 3,5-4,5% Degradation pro Kelvin. Die Ursache liegt in der relativen Temperaturhub-Vergrößerung: Bei A7/W35 beträgt der Hub 28 K, bei A7/W55 sind es 48 K (+71% Hub), was überproportional höhere Kompressor-Arbeit erfordert.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen demonstriert ein Rechenbeispiel für ein typisches KfW-55-Einfamilienhaus (150 m², 15.000 kWh Jahreswärmebedarf inklusive Warmwasser): Szenario A mit optimal eingestellter Heizkurve erreicht durchschnittliche Vorlauftemperaturen von 37°C (gewichtet über Heizgradtage, Sommer-Warmwasser 48°C, Winter-Heizung 42°C, Übergang 32°C) und erzielt JAZ 4,0, was zu Stromverbrauch von 15.000 kWh ÷ 4,0 = 3.750 kWh führt. Bei 35 ct/kWh Strompreis entstehen Jahreskosten von 1.313 €. Szenario B mit schlecht eingestellter Kurve (typische Werkseinstellung) fährt 42°C gewichtete Vorlauftemperatur (+5 K) und erreicht nur JAZ 3,4, entsprechend 15.000 kWh ÷ 3,4 = 4.412 kWh Stromverbrauch und 1.544 € Jahreskosten. Die Differenz von 231 € pro Jahr (18% Mehrkosten) summiert sich über 20 Jahre Wärmepumpen-Lebensdauer auf 4.620 € Verlust. Szenario C mit stark überhöhter Vorlauftemperatur 47°C (+10 K, häufig bei Heizkörper-Altbau ohne Optimierung) degradiert die JAZ auf 2,9, verursacht 5.172 kWh Verbrauch und 1.810 € Kosten – 497 € Mehraufwand pro Jahr (+38%), entsprechend 9.940 € über die Lebenszeit.
Die saisonale Variation verstärkt den Effekt: Im Sommer bei Außentemperaturen 18-25°C und reinem Warmwasserbetrieb (50°C Speichertemperatur, durchschnittlich 48°C Vorlauftemperatur) erreichen Wärmepumpen COP 5,5-6,5, weshalb eine um 5 K zu hohe Sommerkurve kaum Mehrverbrauch verursacht (JAZ-Reduktion von 6,0 auf 5,3 = 13% bei nur 15-20% Jahresverbrauch im Sommer = 2-3% Gesamt-Impact). Im Winter bei -5 bis +5°C Durchschnittstemperatur konzentrieren sich 70% des Jahresverbrauchs, und hier schlagen erhöhte Vorlauftemperaturen voll durch: Eine um 5 K zu hohe Winterkurve reduziert die Winter-JAZ von 3,2 auf 2,7 (-16%) bei 70% des Verbrauchs, entsprechend 11% Gesamt-Mehrverbrauch. Die kombinierten saisonalen Effekte erklären die beobachteten 15-20% Gesamtdifferenz zwischen optimal und schlecht eingestellten Systemen.
ParameterOptimale KurveWerkseinstellungSchlecht eingestelltDifferenz Optimal-WerksDifferenz Optimal-Schlecht
Steigung0,450,801,20+77% steiler+167% steiler
VL Sommer (+18°C)30°C32°C35°C+2 K+5 K
VL Übergang (+5°C)36°C42°C50°C+6 K+14 K
VL Winter (-10°C)43°C54°C68°C+11 K+25 K
JAZ gewichtet4,03,42,9-15%-28%
Stromverbrauch 15k kWh Wärme3.750 kWh4.412 kWh5.172 kWh+662 kWh+1.422 kWh
Jahreskosten 0,35€/kWh1.313 €1.544 €1.810 €+231 €+497 €
20-Jahres-Kosten26.250 €30.880 €36.200 €+4.630 €+9.950 €
Die Fehlerquellen für zu hohe Vorlauftemperaturen sind systematisch: Installateure stellen Werkseinstellungen aus Sicherheitsgründen nicht nach unten (Vermeidung von Beschwerden über kalte Räume), Nutzer interpretieren "schnelles Aufheizen" als Qualitätsmerkmal und fordern höhere Temperaturen, mangelnder hydraulischer Abgleich führt zu Unterversorgung einzelner Räume, was durch generelle Temperaturerhöhung kompensiert wird, und fehlende Messinstrumente verhindern objektive Bewertung der tatsächlich erforderlichen Vorlauftemperatur. Forum-Analysen zeigen, dass 60-70% aller Wärmepumpen-Betreiber ihre Heizkurve nie anpassen und mit Werkseinstellungen operieren, was aggregiert mehrere Milliarden Euro Energieverschwendung pro Jahr verursacht.
Die Optimierungsstrategie priorisiert Winter-Bedingungen: Anpassungen sollten bei stabilen Frostperioden (-5 bis -15°C über mehrere Tage) erfolgen, da hier die höchsten Vorlauftemperaturen gefahren werden und Fehleinstellungen maximal wirken. Eine schrittweise Reduktion der Steigung um 0,05-0,1 pro Optimierungszyklus bei gleichzeitiger Überwachung der Raumtemperaturen über 48-72 Stunden ermöglicht sichere Annäherung an das Optimum. Die Zielgröße ist die minimal erforderliche Vorlauftemperatur, bei der die Soll-Raumtemperatur (20-21°C) gerade noch erreicht wird. Jedes darüber hinausgehende Kelvin ist Verschwendung. Die Dokumentation der gefundenen Optimalwerte (Steigung, Niveau) für den nächsten Winter ist essentiell, da saisonale Anpassungen zwischen Sommer und Winter vermieden werden sollten (das System soll autonom über die gesamte Heizperiode funktionieren).

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Wie optimiere ich die Heizkurve systematisch?

Die systematische Optimierung folgt einem strukturierten 6-Phasen-Prozess mit strikter Einhaltung von Wartezeiten und Einzelparameter-Variation. Phase 1 (Voraussetzungen schaffen) erfordert zwingend einen professionellen hydraulischen Abgleich aller Heizkreise nach DIN EN 12831/VDI 2073, da ohne korrekte Volumenströme keine reproduzierbaren Optimierungsergebnisse erzielbar sind. Ein nicht abgeglichenes System zeigt symptomatische Überversorgung naher Heizkörper (Übertemperatur 2-4 K über Sollwert, häufiges Ventil-Schließen) und Unterversorgung ferner Räume (Untertemperatur 2-5 K, permanentes Ventil-Öffnen), was zu falschen Schlussfolgerungen bei der Kurvenanpassung führt: Man würde die globale Vorlauftemperatur anheben, um den kalten Raum zu bedienen, verschärft aber die Überversorgung aller anderen Räume. Der hydraulische Abgleich kostet 800-1.500 € für Einfamilienhäuser und amortisiert sich durch Effizienzsteigerung von 8-15% (entsprechend 300-560 € Jahresersparnis bei typischen Verbrauchswerten) innerhalb 2-4 Jahren.
Phase 2 (Baseline-Erfassung) dokumentiert den Ist-Zustand vollständig: Fotografiere alle Regelungsparameter (Steigung, Niveau, Heizgrenze, Nachtabsenkung, Warmwasser-Solltemperatur), notiere aktuelle Raumtemperaturen in allen Haupträumen zu verschiedenen Tageszeiten (morgens, mittags, abends), erfasse Außentemperatur-Verlauf über mindestens eine Woche und dokumentiere Vorlauftemperatur bei verschiedenen Außentemperaturen durch Auslesen der Wärmepumpen-Statistik (moderne Geräte speichern Temperatur-Verläufe). Erstelle eine Tabellenkalkulation mit Spalten für Datum, Uhrzeit, T_außen, T_vorlauf, T_raum (Referenzraum), Steigung, Niveau, subjektives Komfortempfinden (1-5 Skala) und Bemerkungen (z.B. "sonnig", "windig", "Gäste"). Diese Baseline erlaubt quantitative Bewertung aller späteren Änderungen.
Phase 3 (Niveau-Optimierung während Übergangszeit) erfolgt bei Außentemperaturen +5 bis +15°C (typisch März-April oder September-Oktober), da hier die Steigung noch wenig wirkt und Niveau-Effekte isoliert beobachtbar sind. Der Referenzraum (idealerweise nach Norden orientiert, wenig Sonneneinstrahlung, repräsentativ für Wohnbereich) dient als Messgröße. Öffne alle Thermostatventile im Referenzraum auf Maximum (Stufe 5 oder 28°C bei digitalen Thermostaten), um Heizkurve zur alleinigen Regelgröße zu machen. Messe die Raumtemperatur über 2-3 Tage bei stabilen Außenbedingungen (±2 K Schwankung maximal). Liegt die gemittelte Raumtemperatur unter dem Sollwert (z.B. 19,0°C statt 20,5°C Soll), erhöhe das Niveau um 1,0 K und warte 48 Stunden. Bei Fußbodenheizungen mit hoher thermischer Masse (8 cm Estrich) kann die Reaktionszeit bis 72 Stunden betragen. Wiederhole die Messung: Erreicht die Raumtemperatur nun 20,2-20,8°C, ist das Niveau korrekt. Liegt sie bei 21,5°C, war die Korrektur zu stark – reduziere um 0,5 K. Iteriere in 0,5 K Schritten bis zur Konvergenz (±0,3 K Genauigkeit erreichbar).
Phase 4 (Steigung-Optimierung während Winterfrost) ist die kritische Phase und erfordert stabile Frostperioden mit Außentemperaturen -5°C oder kälter über mindestens 3 aufeinanderfolgende Tage. Warte auf geeignete Wetterbedingungen (keine Anpassung während Übergangswetter oder Tauphasen). Bei stabilen -8°C: Messe die Raumtemperatur im Referenzraum über 24 Stunden hinweg (4-6 Messpunkte verteilt über Tag/Nacht). Liegt die Durchschnittstemperatur unter Sollwert (z.B. 19,0°C statt 20,5°C), ist die Steigung zu flach – erhöhe um 0,1 und warte 48 Stunden. Wiederhole die Messung: Steigt die Raumtemperatur auf Sollwert ±0,5 K, ist die Steigung korrekt. Erreicht sie 22°C oder mehr, war die Erhöhung zu stark – reduziere um 0,05. Die Feinabstimmung erfolgt in 0,05-Schritten. Kritisch: Verändere während der Steigung-Optimierung NICHT das Niveau, da sonst beide Effekte vermischt werden und keine Kausalität mehr zuordenbar ist.
OptimierungsschrittZeitpunktAußentemp-BereichParameter ändernSchrittweiteWartezeitAbbruchkriteriumHäufige Fehler
1. Niveau-GrobjustierungÜbergangszeit+8 bis +12°CNur Niveau±1,0 K48-72hT_raum = Soll ±1 KZu schnelle Änderungen
2. Niveau-FeinabstimmungÜbergangszeit+5 bis +15°CNur Niveau±0,5 K48-72hT_raum = Soll ±0,5 KGleichzeitig Steigung ändern
3. Steigung-GrobjustierungWinter-Frost-5 bis -12°CNur Steigung±0,148-72hT_raum = Soll ±1 KZu kurze Wartezeit
4. Steigung-FeinabstimmungWinter-Frost-8 bis -15°CNur Steigung±0,0548-96hT_raum = Soll ±0,5 KWetterumschwung ignoriert
5. Extremfall-VerifikationExtremfrost< -15°CKeine (nur Beobachten)--Heizstab-Aktivierung akzeptabelPanik-Änderungen
6. Langzeit-MonitoringGesamte HeizperiodeVariabelMikro-Justierung±0,021 WocheÜber Saison stabilStändiges Nachregeln
Phase 5 (Extremfall-Verifikation) testet die gefundenen Einstellungen bei Außentemperaturen unter -15°C (nur in ca. 5-15 Tagen pro Winter in Deutschland auftretend). Hier ist das Ziel nicht weitere Optimierung, sondern Verifikation der Auslegung: Erreicht die Wärmepumpe bei diesen Bedingungen noch ausreichende Vorlauftemperatur (maximal 60-65°C bei Standard-Geräten, 70-75°C bei Hochtemperatur-Modellen) ohne Heizstab-Unterstützung? Bleibt die Raumtemperatur über 19°C? Falls ja: Optimierung erfolgreich. Falls nein und Heizstab springt an: Dies ist für Extremlagen akzeptabel (10-20 Stunden Heizstab-Betrieb pro Winter erhöhen Stromverbrauch um 60-120 kWh = 21-42 € bei 35 ct/kWh, vernachlässigbar gegenüber Gesamtverbrauch 4.000-6.000 kWh). Nur bei häufigem Heizstab-Einsatz (>100 Stunden/Jahr) ist eine Revision erforderlich: Entweder Steigung weiter erhöhen (Akzeptanz höherer Vorlauftemperatur und schlechterer JAZ) oder bauliche Maßnahmen (Dämmung verbessern, Heizkörper vergrößern) prüfen.
Phase 6 (Langzeit-Monitoring und Mikro-Anpassungen) erstreckt sich über die gesamte erste optimierte Heizperiode (Oktober-April). Führe ein wöchentliches Log mit gemittelten Werten: Durchschnittliche Außentemperatur der Woche, durchschnittliche Vorlauftemperatur, durchschnittliche Raumtemperatur, Stromverbrauch der Woche (aus Smart-Meter oder Wärmepumpen-Statistik). Erkenne Trends: Steigt der Verbrauch überproportional zur Außentemperatur-Absenkung? Dies deutet auf zu steile Kurve hin. Sinkt die Raumtemperatur kontinuierlich über mehrere Wochen trotz stabiler Außentemperaturen? Mögliche Ursache ist Alterung des Gebäudes (erhöhte Fugenverluste), Verhaltensänderung (mehr Lüften) oder System-Degradation. Mikro-Anpassungen von ±0,02 Steigung oder ±0,3 K Niveau sind nach mehrwöchiger Beobachtung zulässig. Dokumentiere die finalen Werte (Steigung, Niveau) für die nächste Heizperiode – eine erneute vollständige Optimierung ist dann nicht mehr erforderlich, nur Feinverifikation.
Die häufigsten Fehler während der Optimierung: Gleichzeitige Änderung beider Parameter (macht Kausalanalyse unmöglich – unklar ob Verbesserung von Steigung oder Niveau herrührt), zu kurze Wartezeiten (System nicht stabilisiert, Messungen verfälscht durch thermische Trägheit), zu große Schrittweiten (Überschwingen, System oszilliert zwischen zu warm und zu kalt), Optimierung während instabiler Wetterbedingungen (Temperaturumschwünge um ±5 K pro Tag verfälschen Ergebnisse), Ignorieren des hydraulischen Abgleichs (fundamentales Problem bleibt ungelöst, Kurvenoptimierung wirkungslos), Aufgeben nach ersten Versuchen (Optimierung erfordert 3-6 Iterationen über 4-8 Wochen für finale Konvergenz) und mangelnde Dokumentation (keine Nachvollziehbarkeit, wiederholte Fehler).

Herstellerspezifische Einstellungsanleitungen

Die Menüzugänge und Parameter-Bezeichnungen unterscheiden sich fundamental zwischen Herstellern, was die größte praktische Hürde für Nutzer darstellt. Vaillant-Wärmepumpen mit sensoCOMFORT VRC 720/700 Regler nutzen die Terminologie "Heizkurve" (dimensionsloser Wert 0,1-4,0) für die Steigung und "Raumsolltemperatur" (°C) für das Niveau. Der Menüpfad: Hauptmenü (MENU-Taste 3 Sekunden halten) > EINSTELLUNGEN > Fachhandwerker-Ebene (Code 0000 oder 0001 bei Werkseinstellung, oft vom Installateur geändert) > ANLAGENKONFIGURATION > HEIZKREIS 1 > HEIZKURVE. Die grafische Darstellung zeigt eine Koordinatensystem-Ansicht mit Außentemperatur (x-Achse, -20 bis +20°C) und Vorlauftemperatur (y-Achse, 20-80°C), die Kurve wird als Linie eingezeichnet. Änderungen der "Heizkurve" drehen diese Linie (flacher bei Reduktion, steiler bei Erhöhung), Änderungen der "Raumsolltemperatur" verschieben sie parallel nach oben (Erhöhung) oder unten (Absenkung). Die Bedienung erfolgt über Drehregler (Wertauswahl) und OK-Taste (Bestätigung). Nach jeder Änderung muss "SPEICHERN" explizit gewählt werden, sonst wird die Änderung verworfen.
Stiebel Eltron Wärmepumpen mit WPM-Manager (Wärmepumpen-Manager, Touch-Bedienfeld) verwenden direkte physikalische Bezeichnungen: "Steigung Heizkurve" (0,2-2,0 typisch) und "Komfort Temperatur" (18-24°C, typisch 20-21°C). Menüpfad: Hauptmenü > MENU > HEIZEN > HEIZKREIS 1 (oder HK 2 bei mehreren Kreisen) > Steigung Heizkurve. Die Anpassung erfordert möglicherweise den Code 1000 für erweiterte Einstellungen (ab Werk oft freigeschaltet für Endnutzer bei neueren Modellen). Die "Steigung" wird direkt als Dezimalzahl eingegeben (z.B. 0,60 für Fußbodenheizung), die "Komfort Temperatur" als Ganzzahl (z.B. 21°C). Zusätzliche Parameter: "Minimale Vorlauftemperatur" (Frostschutz, typisch 25-30°C) und "Maximale Vorlauftemperatur" (Hardware-Schutz, 55°C für Fußbodenheizung, 60-65°C für Heizkörper, einstellbar um Estrich-Schäden zu vermeiden). Die Änderungen werden nach Verlassen des Menüs automatisch gespeichert und sind sofort aktiv. Ein Monitoring-Bildschirm zeigt unter MENÜ > INFO > HEIZKREIS die aktuellen Werte für T_außen, T_vorlauf_soll, T_vorlauf_ist und T_raum an – essentiell für Verifikation der Einstellungen.
Bosch Compress-Serie mit EasyControl/HPC-Regler bietet zunehmend "adaptive" oder "selbstlernende" Heizkurven, die über mehrere Wochen das Nutzerverhalten und Gebäudeverhalten analysieren und automatisch optimieren. Der Basis-Zugang für manuelle Einstellung: Hauptmenü > HEIZEN > RAUMTEMPERATUR (direkter Zugriff für Niveau-Anpassung, ändert Solltemperatur) und Hauptmenü > EINSTELLUNGEN > EXPERTE/FACHHANDWERKER (Code-geschützt) > HEIZKURVE (für Steigung). Die Terminologie variiert zwischen Bosch-Modellen (ältere: "Heizkennlinie" und "Parallelverschiebung", neuere: "Kurvensteigung" und "Sollwert-Offset"). Die grafische Benutzeroberfläche ist touch-basiert und zeigt eine animierte Kurve, die sich bei Änderungen in Echtzeit aktualisiert. Besonderheit: Der "Automatik"-Modus überschreibt manuelle Einstellungen nach Lernphase (2-4 Wochen) – für volle Kontrolle muss "Manuell" gewählt werden. Die Bosch-App (Home Connect für neuere Modelle) erlaubt Remote-Zugriff auf alle Parameter inklusive detaillierter Verbrauchsstatistiken (Strom pro Tag/Woche/Monat, COP-Verlauf, Vorlauftemperatur-Historie), was Optimierung erheblich erleichtert.
Wolf-Wärmepumpen mit BM-2 oder SM1/SM2 Regelungsmodulen nutzen industrielle Terminologie: "Heizkurven-Steilheit" (oft als "HK-Steilheit" abgekürzt, Bereich 0,2-2,0) und "Raum-Solltemperatur" oder "Sollwert-Verschiebung" (±10 K). Der Menüzugang ist restriktiver: Basis-Bedienebene (ohne Code) erlaubt nur Raumtemperatur-Anpassung (±2 K), vollständige Heizkurven-Einstellung erfordert Fachhandwerker-Ebene (Code herstellerspezifisch, typisch 0030, 0100 oder 1111, wird bei Inbetriebnahme gesetzt und sollte vom Installateur ausgehändigt werden). Menüpfad Fachhandwerker-Ebene: SYSTEM > HEIZKREIS > HK EINSTELLUNGEN > HEIZKURVE > Steilheit + Niveau. Bei komplexen Systemen mit Pufferspeicher und mehreren Mischkreisen existieren separate Kurven für den "Primärkreis" (Wärmepumpe zu Pufferspeicher) und "Sekundärkreise" (Pufferspeicher zu Verbrauchern) – hier ist hydraulisches Fachwissen erforderlich, Eigenoptimierung durch Laien nicht empfohlen.
HerstellerRegler-TypSteigung-BezeichnungNiveau-BezeichnungMenüpfad (Endnutzer)Code erforderlichApp-ZugangBesonderheiten
VaillantsensoCOMFORT VRC 720/700Heizkurve (0,1-4,0)RaumsolltemperaturMENU > Einstellungen > HeizkreisJa (0000/0001)MyVaillantGrafische Kurvendarstellung
Stiebel EltronWPM / ISGSteigung Heizkurve (0,2-2,0)Komfort TemperaturMENU > Heizen > HeizkreisTeils (1000)Internet Service GatewayMin/Max VL-Temp einstellbar
BoschEasyControl / HPCKurvensteigungSollwert / RaumsolltempHeizen > EinstellungenJa (Experte)Home ConnectAdaptive Lernkurve verfügbar
WolfBM-2 / SM1HK-SteilheitRaum-Solltemp / VerschiebungSystem > Heizkreis > KurveJa (0030)Wolf SmartsetMehrkreis-Systeme komplex
DaikinAltherma 3SteilheitKorrekturZone > HeizkurveInstallateurDaikin Online2-Punkt-Kurve alternativ
ViessmannVitotronicNeigungNiveauHeizkreis > HeizkennlinieTeilsViCareService-Ebene oft offen
Die praktische Vorgehensweise für Vaillant-Systeme (als Beispiel für vollständige Anleitung): Tag 1 - Dokumentiere Ausgangszustand: Navigiere zu Heizkreis-Einstellungen, fotografiere Display mit "Heizkurve" (z.B. 1,2) und "Raumsolltemperatur" (z.B. 21°C), notiere diese Werte in Tabelle. Tag 2-4 - Baseline-Messung: Messe Raumtemperatur im Referenzraum täglich morgens (7 Uhr), mittags (13 Uhr) und abends (21 Uhr) bei stabilen Außentemperaturen (+8 bis +12°C ideal für Niveau-Justierung). Berechne Durchschnitt über 3 Tage, z.B. 19,5°C gemessen bei Sollwert 21°C → Niveau zu niedrig. Tag 5 - Niveau anheben: Erhöhe "Raumsolltemperatur" von 21°C auf 22°C (effektiv +1 K Niveau), speichere, fotografiere neue Einstellung. Tag 6-8 - Stabilisierung und Re-Messung: Warte 72 Stunden (bei Fußbodenheizung), messe erneut 3 Tage lang morgens/mittags/abends. Neuer Durchschnitt z.B. 20,8°C → nahe am Ziel, eventuell noch +0,5°C auf "Raumsolltemperatur" 22,5°C für finale Annäherung. Tag 9-11 - Verifikation: Weitere 3 Tage Messung, erreicht nun 21,0-21,3°C → Niveau-Optimierung abgeschlossen.
Die Winter-Phase (Steigung) folgt analogem Schema: Warte auf stabile Frostperiode (z.B. -8°C über mehrere Tage). Baseline: Aktuelle Raumtemperatur z.B. 19,0°C trotz korrekt eingestelltem Niveau (wurde ja in Übergangszeit optimiert) → Steigung zu flach. Erhöhe "Heizkurve" von 1,2 auf 1,3 (+0,1), warte 48 Stunden, miss erneut. Raumtemperatur nun 20,5°C → gut, aber etwas zu warm (Überkompensation). Reduziere auf 1,25 (-0,05), warte 48 Stunden. Finale Messung: 20,2°C → optimal. Dokumentiere finale Werte: Heizkurve 1,25, Raumsolltemperatur 22,5°C. Diese Einstellungen sind für die gesamte restliche Heizperiode gültig und müssen nur bei baulichen Änderungen (neue Fenster, Dämmung) oder signifikanten Verhaltensänderungen revidiert werden.

Zusammenfassung: Heizkurve als Schlüssel zur Effizienz

Die Heizkurve einer Wärmepumpe ist kein nebensächlicher Komfortparameter, sondern der dominante Faktor für Betriebskosten und Systemeffizienz. Die zwei Einstellgrößen – Steigung (bestimmt Temperaturanstieg bei sinkendem T_außen) und Niveau/Fusspoint (verschiebt gesamte Kurve vertikal) – kontrollieren die Vorlauftemperatur, welche wiederum exponentiell die Jahresarbeitszahl beeinflusst. Feldstudien dokumentieren, dass 60-75% aller Wärmepumpen mit Werkseinstellungen operieren, die 15-30% über dem thermodynamischen Optimum liegen, was aggregiert 600-1.200 kWh Mehrverbrauch pro Anlage und Jahr verursacht – entsprechend 210-420 € vermeidbaren Stromkosten bei 35 ct/kWh. Die systematische Optimierung in 6 Phasen (Voraussetzungen schaffen, Baseline erfassen, Niveau in Übergangszeit justieren, Steigung im Winter anpassen, Extremfälle verifizieren, Langzeit-Monitoring) erfordert 4-8 Wochen Geduld und strikte Einzelparameter-Variation mit 24-72 Stunden Wartezeiten zwischen Anpassungen, führt aber zu dauerhaften Einsparungen von 200-600 € jährlich.
Die optimalen Steigungswerte variieren fundamental zwischen Systemen: Passivhäuser mit Fußbodenheizung erreichen mit 0,2-0,35 maximale Effizienz (JAZ 4,8-5,5), KfW-55-Neubauten mit Fußbodenheizung benötigen 0,3-0,5 (JAZ 3,8-4,3), während unsanierte Altbauten mit Heizkörpern Steigungen von 1,4-1,8 erfordern und nur JAZ 2,4-2,9 erreichen – eine 5-fache Steigungsdifferenz bei 80-100% Effizienz-Unterschied. Die Vorlauftemperatur-Sensitivität beträgt -2,5 bis -3,5% COP pro Kelvin Übertemperatur, was die rigorose Minimierung auf das absolut erforderliche Niveau zur wirtschaftlichen Notwendigkeit macht. Die herstellerspezifischen Umsetzungen erfordern Kenntnis der individuellen Terminologie (Vaillant: "Heizkurve"+"Raumsolltemperatur", Stiebel: "Steigung"+"Komfort Temperatur", Bosch: adaptive Kurven, Wolf: industrielle Nomenklatur) und Code-geschützter Menüzugänge, wobei moderne Systeme zunehmend App-basierte Remote-Konfiguration und selbstlernende Algorithmen bieten.
Die langfristige Amortisation ist eindeutig: Eine 25.000 € Wärmepumpen-Installation mit schlechter Heizkurve (JAZ 3,0 real) verursacht über 20 Jahre Betriebskosten von 36.750 € (bei 15.000 kWh/Jahr Wärmebedarf, 35 ct/kWh), während dieselbe Anlage mit optimierter Kurve (JAZ 4,0) nur 26.250 € kostet – eine Differenz von 10.500 €, die durch 8-16 Stunden Optimierungsaufwand eingespart werden. Die Investitionsrendite beträgt 600-1.200% bezogen auf den Zeitaufwand. Zusätzliche Vorteile: Reduktion der Taktzyklen (verlängert Kompressor-Lebensdauer um 20-30%), gleichmäßigere Raumtemperaturen (verbessert Komfort), niedrigere Systemtemperaturen (reduziert Rohr- und Speicherverluste um 50-150 kWh/Jahr) und höhere Eigenverbrauchsquote bei PV-Integration (durch Lastverschiebung in effiziente Betriebspunkte). Die Heizkurven-Optimierung ist somit die kosteneffektivste Einzelmaßnahme zur Effizienzsteigerung von Wärmepumpen-Anlagen – deutlich wirkungsvoller als teure Hardware-Nachrüstungen (Pufferspeicher-Vergrößerung, Hocheffizienz-Pumpen) und mit sofortiger Wirkung.

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