Wärmepumpe

Bivalente Wärmepumpe: Hybrid-Lösung für Altbau-Sanierung

Von Urik Muller
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Das Wichtigste in Kürze:
  • Hybrid-Prinzip: Bivalente Wärmepumpe kombiniert elektrische Wärmepumpe mit fossilem Zweitsystem (Gas/Öl) für 65-85% erneuerbare Wärme-Abdeckung
  • Bivalenzpunkt-Schaltung: Automatische Kessel-Aktivierung bei -2°C bis -7°C Außentemperatur – Wärmepumpe arbeitet 340-350 Tage/Jahr allein
  • Betriebsarten-Differenz: Bivalent-parallel (beide Erzeuger gleichzeitig, JAZ 4,2-4,8) versus bivalent-alternativ (komplette Umschaltung, JAZ 3,5-4,0)
  • Renewable Ready Vorteil: Wärmepumpen-Ergänzung zu bestehendem Kessel 17.500-25.500 EUR – 8.000 EUR günstiger als Komplett-Neuinstallation
  • KfW-Förderung asymmetrisch: 55% nur für Wärmepumpen-Komponente (max. 16.500 EUR), Gas-Kessel nicht förderfähig – monovalente Alternative erhält höheren Gesamt-Zuschuss
  • Intelligente Steuerung: Vaillant triVAI und Viessmann Hybrid Pro Control wählen Erzeuger nach Strom/Gas-Preis-Verhältnis – bis 25% Betriebskosten-Einsparung
  • TCO-Paradox: Bivalent-Neuinstallation 68.820 EUR über 20 Jahre versus monovalent 55.420 EUR – Wirtschaftlichkeit nur bei Kessel-Erhalt gegeben
Die bivalente Wärmepumpe kombiniert elektrische Wärmepumpen-Technologie mit fossilem Zweitsystem aus unterschiedlicher Energiequelle für hybride Wärme-Bereitstellung. Der strategische Ansatz nutzt Wärmepumpe für Basis-Last 65-85% Jahres-Heizarbeit bei Außentemperaturen über Bivalenzpunkt minus 2 bis minus 7 Grad Celsius mit automatischer Kessel-Aktivierung für Spitzenlast-Abdeckung an 15-30 Frost-Tagen jährlich. Die Diversifikation ermöglicht GEG-konforme 65%-Erneuerbare-Erfüllung ohne monovalente Wärmepumpen-Überdimensionierung bei gleichzeitiger Versorgungs-Sicherheit durch redundante Erzeuger-Struktur.

Was unterscheidet bivalente von monovalenten Wärmepumpen?

Die bivalente Wärmepumpe differenziert sich durch Zwei-Erzeuger-Architektur mit komplementären Energieträgern gegen monovalente Allein-Auslegung.

Technische Definition: Diversifizierte Energiequellen

Die bivalente Auslegung integriert elektrische Wärmepumpe als Primär-Erzeuger mit fossilem Kessel (Gas, Öl) oder Biomasse-Heizung als Sekundär-Erzeuger für kombinierte Wärme-Bereitstellung. Die Wärmepumpe nutzt Umweltwärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser mit Kompressions-Kältekreis-Prozess für thermodynamische Temperatur-Anhebung. Der Zweitsystem verbrennt fossile oder biogene Brennstoffe für direkte thermochemische Energie-Umwandlung mit Wirkungs-Graden 85-98% je nach Kessel-Technologie.
Die VDI 4650 Blatt 2 definiert bivalenten Betrieb als Kombination von mindestens zwei Wärmeerzeugern mit unterschiedlichen Primär-Energieträgern für gemeinsame Wärme-Bereitstellung. Die Norm unterscheidet bivalent von monoenergetisch (beide Erzeuger nutzen Strom) und monovalent (ein Erzeuger deckt gesamte Heizlast allein). Die Energieträger-Diversifikation charakterisiert bivalente Systeme fundamental.
Abgrenzung zu verwandten Konzepten:
System-TypPrimär-ErzeugerSekundär-ErzeugerEnergieträger-AnzahlGEG-Status
MonovalentWärmepumpe 100% HeizlastKeiner1 (Strom)100% erneuerbar
MonoenergetischWärmepumpe 85-95%Heizstab 5-15%1 (Strom)100% erneuerbar
BivalentWärmepumpe 65-85%Gas/Öl-Kessel 15-35%2 (Strom + Gas/Öl)65-85% erneuerbar
TrivalentWärmepumpe + SolarGas/Öl-Kessel3 (Strom + Solar + Gas/Öl)70-90% erneuerbar

Bivalenzpunkt: Schalt-Schwelle zwischen Betriebsmodi

Der Bivalenzpunkt definiert kritische Außentemperatur bei welcher Wärmepumpen-Heizleistung exakt Gebäude-Heizlast entspricht – unterhalb erfordert Leistungs-Defizit Zweitsystem-Aktivierung. Die grafische Ermittlung verschneidet Heizlast-Gerade (steigend mit sinkender Außentemperatur) mit Wärmepumpen-Leistungs-Kurve (fallend durch reduzierte Quelltemperatur) für Schnittpunkt-Bestimmung.
Berechnung Bivalenzpunkt nach VDI 4650:
Die Heizlast bei Norm-Außentemperatur -12°C beträgt beispielhaft 15 kW für teilsanierten Altbau 165 m². Die Wärmepumpe mit 10 kW Nennleistung bei A7/W35 erreicht bei A-7/W55 nur noch 7,2 kW durch erhöhten Temperatur-Hub und niedrigere Quelltemperatur. Der Bivalenzpunkt errechnet sich:
Heizlast(BP) = WP-Leistung(BP)
Die lineare Interpolation zwischen Auslegungs-Heizlast 15 kW bei -12°C und Wärmepumpen-Leistung 7,2 kW bei -7°C ergibt Bivalenzpunkt bei -4,8°C wo beide Kurven sich schneiden. Die Wärmepumpe deckt oberhalb -4,8°C gesamte Heizlast allein mit Kessel-Aktivierung nur unterhalb dieser Schwelle erforderlich.
Typische Bivalenzpunkte nach Klimazone:
RegionNorm-AußentemperaturTypischer BivalenzpunktWP-Alleinbetriebs-TageKessel-Einsatz-Tage
Norddeutschland Küste-12°C-3°C bis -5°C345-350 Tage15-20 Tage
Mitteldeutschland-14°C-4°C bis -6°C340-345 Tage20-25 Tage
Süddeutschland Alpen-16°C-5°C bis -8°C335-340 Tage25-30 Tage
Die Wärmepumpe arbeitet 93-96% aller Heizperioden-Tage monovalent ohne Kessel-Unterstützung – bivalenter Betrieb beschränkt sich auf 15-30 extreme Frost-Tage jährlich.

Jahres-Heizarbeit-Verteilung: 65-85% Wärmepumpen-Anteil

Die Wärmepumpe deckt 65-85% der Jahres-Heizarbeit trotz nur 93-96% der Tage durch höhere Heizlasten in Übergangszeit. Die thermische Energie-Verteilung folgt nicht Tag-Anzahl sondern Heizlast-Integral über Heizperiode.
Beispiel-Rechnung 165 m² Einfamilienhaus:
  • Jahres-Heizwärmebedarf: 22.000 kWh (teilsaniert, 133 kWh/m²a)
  • Norm-Heizlast bei -12°C: 15 kW
  • Wärmepumpe Nennleistung: 10 kW (67% Auslegungs-Heizlast)
  • Bivalenzpunkt: -5°C
Heizarbeit-Aufteilung nach Temperatur-Bereichen:
Außentemperatur-BereichTage/JahrØ HeizlastHeizarbeitErzeuger
>15°C (keine Heizung)180 Tage0 kW0 kWh-
10-15°C Übergang75 Tage3,5 kW6.300 kWhWP 100%
0-10°C Herbst/Frühjahr85 Tage6,2 kW12.648 kWhWP 100%
-5 bis 0°C Winter20 Tage9,8 kW4.704 kWhWP 100%
<-5°C Frost5 Tage13,5 kW1.620 kWh (WP 7,2 kW = 864 kWh, Kessel 6,3 kW = 756 kWh)WP + Kessel
Jahres-Bilanz:
  • Wärmepumpe: 23.652 kWh von 25.272 kWh gesamt = 93,6% Wärme-Anteil
  • Gas-Kessel: 1.620 kWh = 6,4% Wärme-Anteil
Die Wärmepumpe dominiert Jahres-Heizarbeit massiv trotz Auslegung auf nur 67% Norm-Heizlast durch Konzentration der Heizlast auf wenige extreme Frost-Tage.

Welche Betriebsarten existieren bei bivalenten Systemen?

Die bivalente Wärmepumpe unterscheidet bivalent-parallel mit gleichzeitigem Erzeuger-Betrieb von bivalent-alternativ mit kompletter Umschaltung unterhalb Bivalenzpunkt.

Bivalent-parallel: Simultaner Zwei-Erzeuger-Betrieb

Der bivalent-parallele Betrieb aktiviert beide Wärmeerzeuger gleichzeitig unterhalb Bivalenzpunkt mit Wärmepumpe kontinuierlich in Maximum-Leistung und Kessel modulierend für Differenz-Abdeckung zur aktuellen Heizlast.
Funktionsprinzip bei -10°C Außentemperatur:
  • Aktuelle Heizlast: 13,8 kW (92% Norm-Heizlast 15 kW)
  • Wärmepumpe Leistung bei A-10/W55: 6,5 kW (konstant Maximum)
  • Gas-Kessel Modulation: 13,8 - 6,5 = 7,3 kW (53% Kessel-Anteil)
Die Wärmepumpe läuft kontinuierlich in optimalem Leistungs-Bereich ohne Taktung während Gas-Kessel nur Differenz-Last abdeckt. Die thermodynamische Effizienz bleibt erhalten da Wärmepumpe auch bei -10°C Außentemperatur COP 2,3-2,7 erreicht – deutlich über Heizstab-Wirkungsgrad 1,0 und konkurrenzfähig zu Gas-Verbrennung.
Effizienz-Berechnung paralleler Betrieb:
Strompreis: 0,30 EUR/kWh, Gaspreis: 0,11 EUR/kWh
  • Wärmepumpe Wärme-Gestehungskosten: 0,30 EUR ÷ COP 2,5 = 0,12 EUR/kWh
  • Gas-Kessel Wärme-Gestehungskosten: 0,11 EUR ÷ 0,95 Wirkungsgrad = 0,116 EUR/kWh
Die Wärmepumpe bleibt wirtschaftlich nahezu gleichwertig auch bei reduzierten Leistungszahlen durch parallele Nutzung beider Systeme in jeweiligen Stärke-Bereichen.
Vorteile bivalent-parallel:
  • Maximale Wärmepumpen-Nutzung: Kontinuierlicher Betrieb auch bei Frost nutzt Umweltwärme-Potenzial vollständig
  • Hohe System-JAZ: 4,2-4,8 durch dominante Wärmepumpen-Heizarbeit 75-85% trotz Frost-Perioden
  • Sanfte Regelung: Kessel moduliert gleitend ohne harte Ein/Aus-Schaltungen für Komfort-Stabilität
  • Heizstab-Vermeidung: Kein teurer Notstrom-Betrieb (COP 1,0) bei Wärmepumpen-Leistungs-Grenze
  • Vorlauf-Optimierung: Wärmepumpe hebt Temperatur von 30°C auf 45°C, Kessel nur Delta 10-15 K für finale 55-60°C
Einsatz-Empfehlung:
  • Gebäude mit Vorlauftemperaturen ≤60°C (Niedertemperatur-Heizkörper, Fußbodenheizung)
  • Gut bis mittelmäßig sanierte Altbauten mit Heizlast 10-18 kW
  • Maximale Effizienz-Priorisierung über Installations-Einfachheit

Bivalent-alternativ: Komplette Erzeuger-Umschaltung

Der bivalent-alternative Betrieb schaltet Wärmepumpe komplett ab unterhalb Bivalenzpunkt mit vollständiger Heizlast-Übernahme durch Gas-Kessel bis Außentemperatur wieder über Schwelle steigt.
Umschalt-Mechanik:
  • Außentemperatur sinkt unter -5°C Bivalenzpunkt → Wärmepumpe stoppt sofort
  • Gas-Kessel startet von kaltem Zustand und übernimmt 100% Heizlast
  • Wärmepumpe bleibt deaktiviert während gesamter Frost-Periode (typisch 2-5 Tage)
  • Außentemperatur steigt über -4°C (Hysterese +1 K) → Kessel stoppt, Wärmepumpe startet
Die harte Umschaltung vermeidet hydraulische Komplexität und eliminiert Interferenz zwischen beiden Systemen – technisch simpelste Implementierung.
Effizienz-Nachteile alternativer Betrieb:
  • Verschenktes WP-Potenzial: Wärmepumpe erreicht auch bei -10°C noch COP 2,2-2,5 – Abschaltung ignoriert 120-150% Effizienz-Vorteil über Gas
  • Kessel-Kaltstart: Gas-Kessel startet von Umgebungs-Temperatur statt von Wärmepumpen-Vorwärm-Niveau 35-40°C
  • Reduzierte Gesamt-JAZ: 3,5-4,0 statt 4,2-4,8 bei parallelem Betrieb durch komplette WP-Pause in Frost-Zeiten
  • Komfort-Einbußen: Temperatur-Einbrüche bei Umschaltung durch Kessel-Startzeit 3-8 Minuten
Anwendungs-Szenarien alternativer Betrieb:
MerkmalVorteil alternativBeispiel-Gebäude
Vorlauftemperatur >65°CWP-Effizienz bei Hochtemperatur <COP 2,0Unsanierter Altbau pre-1970 mit Original-Heizkörpern
Extreme Heizlast >20 kWWP-Leistung bei Frost zu gering für Parallel-BeitragGroßes Mehrfamilienhaus 400+ m²
Einfache HydraulikKeine komplexe Puffer-Integration erforderlichBudget-Installation mit Bestand-Kessel
Verdichter-SchutzVermeidung WP-Betrieb <-15°C AußentemperaturAlpine Regionen mit <-20°C Extremtemperaturen

Bivalent-teilparallel: Hybrid-Kompromiss

Die bivalent-teilparallele Variante kombiniert beide Modi mit parallelem Betrieb bis kritischer Abschalt-Temperatur -10 bis -12°C und alternativem Betrieb nur bei extremsten Frost für Verdichter-Lebensdauer-Schutz.
Schalt-Logik drei Temperatur-Bereiche:
  • >Bivalenzpunkt (-5°C): Wärmepumpe monovalent 100%
  • Bivalenzpunkt bis Abschalt-Temperatur (-5 bis -10°C): Wärmepumpe + Kessel parallel
  • <Abschalt-Temperatur (-10°C): Kessel alternativ 100%, WP pausiert
Die Strategie nutzt Wärmepumpen-Effizienz-Potenzial bis -10°C vollständig aus während Verdichter-Schutz bei extremen Frost <-10°C greift – tritt nur 2-5 Tage pro Jahr auf in deutschen Klimazonen.
JAZ-Optimierung teilparallel:
  • Parallelbetrieb -5 bis -10°C: 85% der Frost-Tage mit WP-Beitrag COP 2,3-2,7
  • Alternativbetrieb <-10°C: 15% der Frost-Tage mit reinem Kessel-Betrieb
  • System-JAZ: 4,0-4,5 – Kompromiss zwischen parallel (4,2-4,8) und alternativ (3,5-4,0)

Wie erfolgt die hydraulische Integration?

Die hydraulische Einbindung bivalenter Systeme erfordert Entkopplung der inkompatiblen Volumen-Ströme zwischen Wärmepumpen-Anforderung und Heizkreis-Charakteristik durch Pufferspeicher nach Schema 5 Bundesverband Wärmepumpe.

Pufferspeicher als zentrale Entkopplungs-Komponente

Der Pufferspeicher trennt Erzeuger-Hydraulik von Verbraucher-Hydraulik für störungsfreien Betrieb mit unterschiedlichen Volumen-Strömen und Temperaturspreizungen.
Hydraulische Inkompatibilität ohne Puffer:
ParameterWärmepumpen-AnforderungHeizkörper-HeizkreisKonflikt
Volumenstrom1.500-2.000 L/h konstant800-1.400 L/h variabelWP fordert hohen konstanten Flow
Temperaturspreizung3-5 K (eng)10-20 K (weit)WP braucht geringe Delta-T
RegelverhaltenKontinuierlich modulierendTaktend durch ThermostatventileWP-Taktung vermeiden
RücklauftemperaturNiedrig 30-35°C optimalVariabel 35-50°CWP-Effizienz sinkt mit warmem Rücklauf
Die direkte Kopplung ohne Puffer führt zu übermäßigem Wärmepumpen-Takten durch Thermostatventil-Schließung in einzelnen Räumen – Volumenstrom-Reduktion bei konstantem WP-Förder-Strom erzeugt Druck-Aufbau und Sicherheits-Abschaltung.
Pufferspeicher-Funktionen:
  • Hydraulische Entkopplung: Erzeuger-Kreislauf unabhängig von Verbraucher-Kreislauf
  • Mindestlaufzeit-Sicherung: Speicher-Kapazität verhindert Kurztaktung bei geringen Lasten
  • Abtau-Puffer: Thermische Masse für Kreislauf-Umkehr ohne Raum-Auskühlung
  • Sperrzeiten-Überbrückung: 2-4 Stunden Wärme-Vorrat bei Netzbetreiber-Abschaltung §14a EnWG

Dimensionierung: 30-50 Liter pro kW Heizleistung

Die Pufferspeicher-Größe berechnet sich aus Wärmepumpen-Heizleistung multipliziert mit spezifischem Volumen 30-50 Liter pro Kilowatt abhängig von Gebäude-Charakteristik.
Dimensionierungs-Formel:
V_Puffer = P_WP × (30-50) L/kW
Beispiel 10 kW Wärmepumpe: V = 10 kW × 40 L/kW = 400 Liter
Faktor-Bestimmung 30 versus 50 L/kW:
Gebäude-TypFaktorBegründung
Neubau KfW40 + Fußbodenheizung20-30 L/kWEstrich als träge thermische Masse – integraler Speicher im Boden
Neubau Standard + Niedertemperatur-Heizkörper30-40 L/kWModerate thermische Trägheit in Wand-Heizkörpern
Altbau saniert + Standard-Heizkörper40-50 L/kWGeringe Speicher-Masse in Gussheizkörpern alt
Altbau unsaniert + hohe Vorlauf50-60 L/kWMaximaler Puffer für Temperatur-Stabilisierung
Praxis-Beispiel 165 m² Einfamilienhaus teilsaniert:
  • Wärmepumpe: 10 kW Nennleistung
  • Standard-Heizkörper: Geringe thermische Masse
  • Dimensionierung: 10 kW × 45 L/kW = 450 Liter Pufferspeicher
  • Gewähltes Produkt: 500 Liter für Standard-Verfügbarkeit

Serielle Zweitsystem-Einbindung für Effizienz-Maximum

Die Positionierung des Gas-Kessels im Hydraulik-Schema beeinflusst Wärmepumpen-Effizienz massiv – korrekte serielle Schaltung im Vorlauf nach Wärmepumpe maximiert Leistungszahl.
Optimale Hydraulik-Konfiguration:
Rücklauf Gebäude (30°C)

Wärmepumpe (30→45°C, ΔT 15K, COP 3,8)

Gas-Kessel (45→55°C, ΔT 10K, nur bei Bedarf)

Vorlauf Heizkörper (55°C)
Effizienz-Vorteil serielle Schaltung:
  • Wärmepumpe arbeitet mit niedrigem Temperatur-Hub 30→45°C für COP 3,5-4,0
  • Gas-Kessel übernimmt nur Restdelta 45→55°C für 10 K Temperatur-Anhebung
  • Wärmepumpe nutzt kältesten Rücklauf-Punkt für Maximum-Effizienz
Fataler Fehler: Parallele Puffer-Einbindung mit Rücklauf-Erwärmung
Rücklauf Gebäude (30°C)

Gas-Kessel belädt Puffer unten (30→40°C)

Wärmepumpe entnimmt aus Puffer (40°C statt 30°C!)

WP-Effizienz sinkt: COP 4,0 → 3,2 (-20%)
Die Rücklauftemperatur-Anhebung von 30°C auf 40°C durch Gas-Kessel-Vorwärmung reduziert Wärmepumpen-Leistungszahl um 15-25% – kritischer Planungs-Fehler bei unsachgemäßer Hydraulik-Auslegung.
Korrektiv-Regel:
Wärmepumpe IMMER an kältestem Punkt im Rücklauf platzieren – Gas-Kessel ausschließlich im Vorlauf nach Wärmepumpe für Temperatur-Boost.

Schichtungs-Qualität: Temperatur-Trennung im Speicher

Der Pufferspeicher erreicht maximale Effizienz durch stabile Temperatur-Schichtung mit heißer Zone oben (55-60°C) und kalter Zone unten (30-35°C) ohne turbulente Vermischung.
Schichtlade-Technologien:
  • Prallplatten-System: Horizontale Lochbleche bremsen Ein-/Ausström-Geschwindigkeit
  • Schichtlade-Rohr: Vertikales Rohr mit temperatur-gesteuerter Klappe für Dichte-optimierte Einschichtung
  • Mehr-Ebenen-Entnahme: 3-5 Anschluss-Ebenen für Temperatur-adaptive Heizkreis-Versorgung
Effizienz-Gewinn durch Schichtung:
  • Ohne Schichtung: Speicher-Durchmischung 47°C homogen – WP muss von 47°C auf 55°C heben (COP 3,2)
  • Mit Schichtung: WP entnimmt 32°C unten, belädt 45°C Mitte – Kessel entnimmt 45°C, belädt 55°C oben (WP COP 3,9)
Die Schichtungs-Qualität erhöht System-JAZ um 8-15% durch optimierte Temperatur-Niveaus für beide Erzeuger.

Welche intelligenten Regelungs-Systeme existieren?

Die moderne bivalente Regelung optimiert Erzeuger-Auswahl nach ökonomischen oder ökologischen Zielfunktionen statt starrer Temperatur-Schwellen.

Vaillant triVAI: Kosten-basierte Erzeuger-Selektion

Die Vaillant triVAI-Funktion in multiMATIC VRC 700/720 Reglern berechnet Wirtschaftlichkeits-Schwelle kontinuierlich aus aktuellen Energie-Preisen für dynamische Bivalenzpunkt-Anpassung.
Benutzer-Eingabe Parameter:
  • Strompreis Arbeit: 0,30 EUR/kWh (manuell aktualisierbar)
  • Gaspreis Arbeit: 0,11 EUR/kWh (manuell aktualisierbar)
  • Kessel-Wirkungsgrad: 95% (Herstellerangabe, fix)
triVAI-Grenzwert Berechnung:
Grenzwert = Strompreis ÷ Gaspreis = 0,30 ÷ 0,11 = 2,73
Korrektur Kessel-Wirkungsgrad: 2,73 × 0,95 = 2,59
Regelungs-Entscheidung:
  • Aktuelle WP-Leistungszahl >2,59 → Wärmepumpe läuft (günstiger als Gas)
  • Aktuelle WP-Leistungszahl <2,59 → Gas-Kessel startet (günstiger als Wärmepumpe)
Dynamische Anpassung Preis-Schwankungen:
SzenarioStrompreisGaspreisGrenzwertWP-Mindest-COPInterpretation
Basis 20240,30 EUR0,11 EUR2,732,59WP läuft bis COP 2,6
Gas-Krise0,30 EUR0,22 EUR1,361,29WP läuft auch bei niedrigem COP 1,4
PV-Überschuss0,10 EUR0,11 EUR0,910,86WP läuft immer (selbst COP 1,0 günstiger)
Strom-Spitze0,60 EUR0,11 EUR5,455,18Kessel läuft fast immer (WP-COP 5,2+ unrealistisch)
Die Arbitrage-Logik nutzt Energie-Markt-Volatilität für Betriebs-Kosten-Minimierung – besonders effektiv bei dynamischen Strom-Tarifen mit stündlichen Preis-Schwankungen 0,15-0,45 EUR/kWh.
Wirtschaftlichkeits-Steigerung triVAI:
  • Einsparung gegen starre Bivalenzpunkt-Regelung: 10-25% Betriebskosten
  • Jährliche Reduktion typisches EFH: 180-450 EUR
  • Amortisation Regelungs-Mehrkosten (800 EUR): 1,8-4,4 Jahre

Viessmann Hybrid Pro Control: Öko-Modus mit CO₂-Optimierung

Die Viessmann Hybrid Pro Control in Vitocaldens-Systemen erweitert ökonomische Steuerung um ökologisches Emissions-Minimierungs-Ziel.
Drei Betriebs-Modi:
  • Ökonomi-Modus: Identisch zu triVAI – Kosten-Minimierung nach Energie-Preisen
  • Ökologi-Modus: CO₂-Emissions-Minimierung nach Emissionsfaktoren
  • Balance-Modus: Gewichtete Kombination Kosten 70% + CO₂ 30%
Ökologi-Modus Emissions-Kalkulation:
Standard-Emissionsfaktoren Deutschland 2024:
  • Strom Netz-Mix: 420 g CO₂/kWh (Bundesnetzagentur, sinkend durch Erneuerbare-Ausbau)
  • Erdgas Verbrennung: 202 g CO₂/kWh (konstant, fossil)
Emissions-Berechnung pro kWh Wärme:
  • Wärmepumpe COP 3,5: 420 g ÷ 3,5 = 120 g CO₂/kWh Wärme
  • Gas-Kessel 95% Wirkungsgrad: 202 g ÷ 0,95 = 213 g CO₂/kWh Wärme
Die Wärmepumpe emittiert 44% weniger CO₂ pro Kilowattstunde Wärme – Ökologi-Modus priorisiert Wärmepumpe auch bei höheren Kosten für Klima-Beitrag.
Dynamische Emissions-Faktoren Integration:
Die Viessmann ViCare App integriert stündliche CO₂-Intensität des Strom-Netzes via API für Echtzeit-Optimierung:
  • Windstrom-Überschuss nachts: 150 g CO₂/kWh Strom → WP läuft (43 g CO₂/kWh Wärme bei COP 3,5)
  • Kohle-Strom mittags: 650 g CO₂/kWh Strom → Kessel läuft (186 g CO₂/kWh Wärme günstiger)
Prädiktive Steuerung mit Wetter-Forecast:
Die Regelung integriert 48-Stunden-Wettervorhersage für strategische Speicher-Beladung:
  • Solarstrom-Prognose: PV-Überschuss 11-15 Uhr morgen → Puffer-Vorbeladung mit WP auf 55°C
  • Temperatur-Verlauf: Frost-Periode -8°C für 3 Tage → Präventive Kessel-Aktivierung
  • Wind-Prognose: Starker Westwind → Niedriger Strom-CO₂ erwartet → WP-Präferenz

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Was kostet eine bivalente Wärmepumpe mit Förderung?

Die Gesamt-Investition variiert massiv zwischen Renewable Ready-Ergänzung zu bestehendem Kessel versus Komplett-Neuinstallation mit neuem Gas-System.

Renewable Ready: Wärmepumpen-Ergänzung zu Bestand-Kessel

Die kostengünstigste bivalente Variante nutzt funktionsfähigen Gas-Kessel Baujahr 2005-2020 als Sekundär-System mit reiner Wärmepumpen-Ergänzung.
Investitions-Kalkulation Beispiel-Projekt:
165 m² Einfamilienhaus, Gas-Brennwertkessel 20 kW Baujahr 2012, Heizkörper-Heizung 55°C Vorlauf
KostenpositionBeschreibungBetrag
Luft-Wasser-WP 10 kWMonoblock R290, COP 4,5 bei A7/W3514.800 EUR
Pufferspeicher 400 LKlasse B, Schichtlade-System1.850 EUR
Hydraulik-IntegrationUmwälzpumpe, Armaturen, Rohre, Sicherheitsgruppe2.100 EUR
Regelungs-UpgradetriVAI-fähiger Regler mit Außenfühler950 EUR
Elektro-InstallationDrehstrom 16A, FI-Schutz, Zähler1.200 EUR
Montage & Inbetriebnahme2 Techniker, 2 Tage, hydraulischer Abgleich3.400 EUR
Brutto-InvestitionSumme vor Förderung24.300 EUR
KfW-Förderung 55%Grund 30% + Geschwindigkeit 20% + Effizienz 5% R290-13.365 EUR
Netto-InvestitionEigenanteil nach Förderung10.935 EUR
Förder-Mechanik Renewable Ready:
Die förderfähigen Kosten umfassen ALLE Wärmepumpen-bezogenen Komponenten vollständig:
  • Wärmepumpe ✓
  • Pufferspeicher ✓
  • Hydraulik-Einbindung ✓
  • Regelungstechnik ✓
  • Umfeld-Maßnahmen (Elektrik, Fundamentplatte) ✓
  • Bestehender Gas-Kessel ✗ (keine Kosten anfallend)
Die 24.300 EUR Investment qualifiziert komplett für 55%-Förderung mit 13.365 EUR Zuschuss – keine Kosten-Aufteilung erforderlich da kein neuer Gas-Kessel installiert wird.

Bivalent-Neuinstallation: Wärmepumpe plus neuer Gas-Kessel

Die Komplett-Neuinstallation mit beidem neuen Systemen erhöht Investition durch Gas-Komponenten bei reduzierter effektiver Förderquote.
Vollkosten-Kalkulation identisches Projekt:
KostenpositionBeschreibungBetragFörderfähig
Luft-Wasser-WP 10 kWIdentisch Renewable Ready14.800 EUR✓ Ja
Pufferspeicher 500 LGrößer für beide Erzeuger2.100 EUR✓ Ja
Gas-Brennwertkessel 20 kWWandhängend, modulierend 4-20 kW6.800 EUR✗ Nein
Abgassystem KunststoffKonzentrisch 80/125 mm, 8 m1.400 EUR✗ Nein
Hydraulik-IntegrationKomplexer durch zwei Erzeuger3.800 EUR⚠️ Teilweise
Regelungs-SystemHybrid Pro Control1.650 EUR✓ Ja
Elektro + Gas-InstallationDrehstrom + Gas-Anschluss2.200 EUR⚠️ Teilweise
Montage gesamt3 Techniker, 3 Tage5.500 EUR⚠️ Teilweise
Brutto-Investition gesamt38.250 EUR
Förderfähige BasisWP + Puffer + Regelung + 50% Hydraulik/Montage24.825 EUR
KfW-Förderung 55%Begrenzt auf förderfähige Basis-13.654 EUR
Netto-InvestitionEigenanteil nach Förderung24.596 EUR
Effektive Förderquote Gesamt-Investment:
13.654 EUR Zuschuss ÷ 38.250 EUR Gesamt-Kosten = 35,7% effektive Förderung
Die fossilen Komponenten (Gas-Kessel 6.800 EUR + Abgas 1.400 EUR = 8.200 EUR) erhalten 0% Förderung – dramatische Reduktion der Gesamt-Förderquote von nominell 55% auf real 35,7%.
Kosten-Vergleich Renewable Ready versus Neuinstallation:
VarianteBruttoKfW-ZuschussNetto-EigenanteilDifferenz
Renewable Ready (Kessel vorhanden)24.300 EUR13.365 EUR (55%)10.935 EURBasis
Neuinstallation (beide Erzeuger neu)38.250 EUR13.654 EUR (35,7%)24.596 EUR+13.661 EUR
Die Renewable Ready-Variante spart 13.661 EUR Eigenanteil (56% günstiger) durch Verzicht auf Gas-Kessel-Neuinstallation – massiver wirtschaftlicher Vorteil bei funktionsfähigem Bestand-Kessel.

20-Jahre Total Cost of Ownership

Die Betriebs-Kosten-Betrachtung über Lebensdauer zeigt bivalente Nachteile durch doppelte Wartung und Grundgebühren.
Betriebskosten-Vergleich jährlich (22.000 kWh Wärmebedarf):
KostenartBivalent (JAZ 4,3)Monovalent (JAZ 3,8)Differenz
Strom WP1.163 EUR¹1.737 EUR²-574 EUR
Gas Kessel363 EUR³0 EUR+363 EUR
Strom-Grundpreis156 EUR156 EUR0 EUR
Gas-Grundpreis192 EUR0 EUR+192 EUR
Wartung WP180 EUR180 EUR0 EUR
Wartung Kessel190 EUR0 EUR+190 EUR
Schornsteinfeger135 EUR0 EUR+135 EUR
Summe pro Jahr2.379 EUR2.073 EUR+306 EUR
¹ 18.700 kWh WP-Wärme ÷ 4,3 JAZ = 4.349 kWh Strom × 0,30 EUR = 1.163 EUR
² 22.000 kWh ÷ 3,8 JAZ = 5.789 kWh × 0,30 EUR = 1.737 EUR
³ 3.300 kWh Kessel-Wärme ÷ 0,95 = 3.474 kWh Gas × 0,11 EUR = 363 EUR
Total Cost of Ownership 20 Jahre:
PositionBivalent Renewable ReadyBivalent NeuinstallationMonovalent WP
Netto-Investition10.935 EUR24.596 EUR15.500 EUR⁴
Betriebskosten 20 J.47.580 EUR47.580 EUR41.460 EUR
TCO gesamt58.515 EUR72.176 EUR56.960 EUR
⁴ 32.000 EUR Brutto - 16.500 EUR KfW-Förderung 55%
Wirtschaftliche Kern-Erkenntnisse:
  • Renewable Ready bivalent: Vergleichbar zu monovalent (+1.555 EUR über 20 Jahre) – vertretbar bei bestehendem Kessel
  • Bivalent-Neuinstallation: 15.216 EUR teurer als monovalent über 20 Jahre – wirtschaftlich nicht darstellbar
  • Betriebskosten-Nachteil: 306 EUR/Jahr durch doppelte Wartung überwiegt Gas-Einsparung durch höhere JAZ
Die bivalente Neuinstallation amortisiert sich nie gegen monovalente Alternative bei aktueller Förder-Kulisse.

Für welche Gebäude eignet sich bivalente Auslegung?

Die bivalente Wärmepumpe zeigt klare Stärken bei spezifischen Gebäude-Profilen mit besonderem Fokus auf Bestand-Kessel-Erhalt.

Ideal-Szenario: Funktionsfähiger Gas-Kessel 10-20 Jahre alt

Der Gas-Brennwertkessel Baujahr 2005-2015 mit verbliebener technischer Lebensdauer 10-20 Jahre bildet optimale Ausgangslage für Renewable Ready-Strategie.
Qualifikations-Kriterien Kessel-Eignung:
Baujahr 2005-2020: Moderne Brennwerttechnik mit 95%+ Wirkungsgrad
Funktionsfähig: Keine akuten Defekte oder anstehende Reparaturen >1.500 EUR
Wartungshistorie: Regelmäßige Inspektion dokumentiert
Modulationsfähig: Leistungs-Anpassung 30-100% für bivalent-parallelen Betrieb
Hydraulisch integrierbar: Vorlauf-Einbindung nach Wärmepumpe technisch möglich
Beispiel-Gebäude optimales Profil:
  • Baujahr: 1985, teilsaniert 2010 (Fenster, Dach-Dämmung)
  • Wohnfläche: 165 m²
  • Heizlast: 12 kW bei -12°C (73 W/m²)
  • Heizsystem: Heizkörper 55°C Vorlauf
  • Gas-Kessel: Vaillant ecoTEC plus Bj. 2012, 20 kW
  • Jahresverbrauch Gas: 24.000 kWh (145 kWh/m²a)
Renewable Ready Implementierung:
  • Wärmepumpe 10 kW für Basis-Last bis -5°C Bivalenzpunkt
  • Bestand-Kessel 20 kW für Spitzenlast <-5°C
  • Bivalent-parallel Betrieb für Maximum-Effizienz
  • Investition: 24.300 EUR brutto, 10.935 EUR netto nach 55%-Förderung
  • Jahres-Energie-Kosten: 1.526 EUR (1.163 EUR WP + 363 EUR Gas)
  • Einsparung gegen reine Gas-Heizung: 1.014 EUR/Jahr
  • Amortisation: 10,8 Jahre (Renewable Ready) versus 24,3 Jahre (Neuinstallation mit neuem Kessel)

Grenzfall: Unsanierter Altbau mit Hochtemperatur-Bedarf

Der unsanierte Altbau pre-1980 mit Original-Heizkörpern und Vorlauftemperaturen 65-75°C stellt Herausforderung für beide Auslegungs-Varianten dar.
Kritische Gebäude-Parameter:
  • Heizlast: >200 W/m² (15-25 kW Gesamt bei 120-150 m²)
  • Vorlauftemperatur: 70-75°C bei -10°C Außentemperatur
  • U-Werte: Außenwand 1,2-1,8 W/m²K (unsaniert)
  • Fenster: Einfach-/Zweifachverglasung alt
  • Dach: Ungedämmt oder <10 cm Dämmung
Bivalent-alternativ als Übergangslösung:
Die bivalent-alternative Auslegung mit Wärmepumpe für Übergangszeit 0-10°C und Kessel-Übernahme <0°C bildet Kompromiss:
  • Wärmepumpe 8-10 kW dimensioniert für 50°C Vorlauf in Übergangszeit
  • WP-Deckungsanteil: 60-70% Jahres-Heizarbeit (April-Oktober monovalent)
  • Kessel-Betrieb: November-März bei Frost komplett
  • JAZ-Erwartung: 3,2-3,6 (suboptimal aber GEG-konform)
Alternative monovalent Hochtemperatur-WP:
Die moderne R290-Hochtemperatur-Wärmepumpe wie Wolf CHA oder Vaillant aroTHERM plus erreicht 70°C Vorlauf bis -10°C:
  • Investition: 32.000-42.000 EUR (größere Maschine + Heizkörper-Anpassung)
  • KfW-Förderung: 17.600-23.100 EUR (55% voll wirksam)
  • Netto-Eigenanteil: 14.400-18.900 EUR
  • JAZ-Erwartung: 3,0-3,4 (vergleichbar zu bivalent-alternativ)
Strategische Entscheidung:
FaktorBivalent-alternativMonovalent HochtemperaturEmpfehlung
Investment bei Bestand-Kessel10.935 EUR14.400 EURBivalent +3.465 EUR günstiger
Investment Neuinstallation24.596 EUR14.400 EURMonovalent +10.196 EUR günstiger
Betriebskosten 20 J.47.580 EUR41.460 EURMonovalent +6.120 EUR günstiger
Sanierungs-FlexibilitätHoch (schrittweise)Mittel (WP-Überdimensionierung)Bivalent vorteilhaft
GEG-Compliance65-70% erneuerbar100% erneuerbarMonovalent vorteilhaft
Empfehlung Altbau unsaniert:
  • Kessel funktionsfähig: Renewable Ready bivalent für schrittweise Dekarbonisierung ohne Sanierungs-Zwang
  • Kessel defekt: Monovalent R290-Hochtemperatur trotz höherer Investition für langfristig niedrigere TCO
  • Sanierung geplant 5-10 Jahre: Sofort monovalent für zukunftssichere Dimensionierung

Optimal: Teilsanierter Bestand mit Niedertemperatur-Potenzial

Der teilsanierte Altbau mit neuen Fenstern und Dach-Dämmung bei Heizlast 10-14 kW und Vorlauftemperaturen 50-60°C bildet Grenzbereich wo beide Varianten technisch machbar.
Technische Eckdaten Grenzfall:
  • Heizlast: 80-120 W/m² (10-14 kW bei 120-140 m²)
  • U-Werte: Außenwand 0,8-1,2 W/m²K (teilsaniert)
  • Fenster: 3-fach Verglasung U_w 1,1 W/m²K
  • Vorlauftemperatur: 55°C bei -10°C, absenkbar auf 50°C bei Heizkörper-Optimierung
Wirtschaftlichkeits-Kalkulation Grenzfall:
VarianteBrutto-InvestKfW-ZuschussNettoBetriebs 20JTCO 20J
Bivalent (Kessel vorhanden)22.500 EUR12.375 EUR10.125 EUR46.200 EUR56.325 EUR
Bivalent (Kessel neu)35.000 EUR12.650 EUR22.350 EUR46.200 EUR68.550 EUR
Monovalent 12 kW30.000 EUR16.500 EUR13.500 EUR41.460 EUR54.960 EUR
Entscheidungs-Matrix:
  • Kessel <10 Jahre + funktionsfähig: Bivalent Renewable Ready (TCO 56.325 EUR, +1.365 EUR vs. monovalent, aber Risiko-Streuung)
  • Kessel >15 Jahre oder defekt: Monovalent (TCO 54.960 EUR günstigst, zukunftssicher)
  • Sanierungs-Unsicherheit: Bivalent als Flexibilitäts-Reserve für verzögerte Dämmung

Strategische Handlungsempfehlung: Wann bivalent wählen?

Die bivalente Wärmepumpe bietet optimale Lösung ausschließlich bei Erhalt funktionsfähiger Gas-Infrastruktur – Neuinstallation mit neuem Kessel ist wirtschaftlich nicht darstellbar.

Klare Kaufempfehlung bivalent für:

1. Renewable Ready-Kandidaten (Priorität #1):
✓ Gas-Brennwertkessel Baujahr 2005-2020 funktionsfähig
✓ Verbliebene Lebensdauer 10-20 Jahre dokumentiert
✓ Teilsaniertes Gebäude Heizlast 10-18 kW
✓ Vorlauftemperatur 50-60°C Heizkörper-Heizung
✓ Investitions-Budget 9.000-12.000 EUR nach Förderung
Wirtschaftliche Kern-Daten:
  • Netto-Investment: 10.125-11.935 EUR
  • TCO 20 Jahre: 56.325-58.515 EUR
  • Differenz zu monovalent: +1.365-3.555 EUR (2-6% teurer)
  • Amortisation: 9-13 Jahre gegen reine Gas-Heizung
  • CO₂-Reduktion: 65-75% sofort
2. Sanierungs-Flexibilität priorisiert:
✓ Ungewisse energetische Sanierung binnen 5-10 Jahren
✓ Budget-Constraints verhindern Vollsanierung vor WP-Installation
✓ Schrittweise Gebäude-Verbesserung geplant (Fenster 2026, Dämmung 2029)
✓ Redundanz-Wunsch für Versorgungs-Sicherheit Winter
Die bivalente Auslegung eliminiert Zwang zur Komplett-Sanierung vor Wärmepumpen-Installation – Gas-Kessel sichert Komfort während schrittweiser Modernisierung über mehrere Jahre.
3. Risiko-Aversion bei Altbau-Ungewissheit:
✓ Heizlast-Unsicherheit durch unvollständige Gebäude-Dokumentation
✓ Sorge vor Wärmepumpen-Leistungs-Defizit bei Extremwetter
✓ Psychologische Sicherheit durch Backup-System
Die bivalente Reserve-Funktion beruhigt konservative Eigentümer bei Technologie-Umstieg.

Alternative monovalent prüfen bei:

1. Kessel-Defekt oder Alter >20 Jahre:
Die Neuinstallation beider Erzeuger macht bivalente Lösung unwirtschaftlich:
  • TCO-Differenz: +15.216 EUR über 20 Jahre
  • Amortisation unmöglich gegen monovalent
  • Doppelte Wartungs-Komplexität ohne Kosten-Vorteil
2. Gut saniertes Gebäude Heizlast <12 kW:
Moderne R290-Wärmepumpen decken 12 kW Heizlast monovalent problemlos:
  • Vorlauftemperatur 55°C bis -10°C erreichbar
  • JAZ 3,8-4,2 ohne Gas-Kessel-Interferenz
  • Einfachere Hydraulik, geringere Betriebs-Kosten
3. GEG-100%-Erneuerbar angestrebt:
Die monovalente Auslegung erfüllt strengste Nachhaltigkeits-Standards:
  • 100% erneuerbare Wärme-Bereitstellung
  • Kein fossil Lock-in durch Gas-Infrastruktur
  • Zukunftssicher bei steigenden CO₂-Preisen
4. Maximale Förder-Ausschöpfung:
Die 55%-Förderung wirkt voll bei monovalenter Installation:
  • 16.500 EUR Zuschuss statt 12.375 EUR bivalent
  • +4.125 EUR Förder-Vorteil finanziert Mehrkosten

Kritischer Installations-Erfolgsfaktor

Die bivalente Wärmepumpe erfordert hydraulische Expertise für optimale Effizienz – Standard-Installateure unterschätzen Regelungs-Komplexität häufig.
Installateur-Anforderungen bivalent:
  • Hydraulik-Kompetenz Schema 5: Pufferspeicher-Dimensionierung, serielle Erzeuger-Einbindung, Schichtungs-Optimierung
  • Regelungs-Expertise: triVAI oder Hybrid Pro Control Parametrierung nach Energie-Preisen
  • Bivalenzpunkt-Kalkulation: VDI 4650-konforme Auslegung nach Heizlast-Kurve
  • Heizlast-Berechnung DIN EN 12831: Raumweise Ermittlung verhindert Überdimensionierung
  • Hydraulischer Abgleich Verfahren B: Alle Heizkörper voreingestellt für optimale Verteilung
Red Flags bei Angebots-Prüfung:
❌ "Bivalenzpunkt setzen wir pauschal auf -5°C" (muss gebäudespezifisch berechnet werden)
❌ "Parallelschaltung beide Erzeuger in Puffer reicht" (serielle Vorlauf-Einbindung effizienter)
Pufferspeicher <30 L/kW oder >60 L/kW (Über-/Unterdimensionierung)
❌ Keine triVAI/Hybrid-Regelung angeboten (verschenkt 10-25% Optimierungs-Potenzial)
❌ Hydraulischer Abgleich "nicht nötig bei Wärmepumpe" (fataler Effizienz-Verlust)
Best Practice Fachpartner-Auswahl:
  • Minimum 3 bivalent-spezialisierte Installateure anfragen (nicht nur WP-Basis-Schulung)
  • Heizlast-Berechnung DIN EN 12831 verlangen mit Raum-Protokoll
  • Hydraulik-Schema zeichnen lassen (Prüfung serielle versus parallele Einbindung)
  • Bivalenzpunkt-Begründung einfordern (nicht Pauschal-Wert)
  • Inbetriebnahme-Protokoll mit JAZ-Nachweis vertraglich fixieren
  • Referenz-Installation besichtigen mit dokumentierter Energie-Einsparung
Die Installateur-Qualität entscheidet über 15-30% JAZ-Differenz bei bivalenten Systemen – mehr Sensitivität als monovalente Plug-and-Play-Lösungen.

Fazit: Bivalent nur bei Kessel-Erhalt wirtschaftlich sinnvoll

Die bivalente Wärmepumpe repräsentiert strategische Übergangslösung für schrittweise Dekarbonisierung bei funktionsfähiger Gas-Infrastruktur mit klarer Abgrenzung zwischen Renewable Ready-Erfolg und Neuinstallations-Falle.
Kern-Stärken zusammengefasst:
  • Renewable Ready Wirtschaftlichkeit: 10.125-11.935 EUR Netto-Investment bei Kessel-Erhalt – vergleichbar zu monovalent bei sofortiger CO₂-Reduktion 65-75%
  • Sanierungs-Flexibilität: Schrittweise Gebäude-Modernisierung ohne Zwangs-Vollsanierung vor WP-Installation – Gas-Kessel als Sicherheits-Reserve
  • GEG-Compliance 65%: Erfüllt erneuerbare Pflicht durch nachweisbare Wärmepumpen-Jahresarbeit 65-85% ohne monovalente Überdimensionierung
  • Intelligente Regelung: triVAI/Hybrid Pro Control optimieren Erzeuger-Wahl nach Energie-Preisen für 10-25% Betriebskosten-Einsparung
  • Versorgungs-Sicherheit: Redundante Erzeuger-Struktur eliminiert Komfort-Risiko bei WP-Ausfall oder Extremwetter <-15°C
Kritische Schwächen transparent adressiert:
  • Neuinstallations-Unwirtschaftlichkeit: TCO 72.176 EUR versus monovalent 56.960 EUR (+26,7% teurer) über 20 Jahre – Amortisation unmöglich
  • Förder-Asymmetrie: 35,7% effektive Förderquote bei Neuinstallation versus 55% monovalent durch fossilen Komponenten-Ausschluss
  • Betriebs-Mehrkosten: +306 EUR/Jahr (doppelte Wartung, Gas-Grundpreis, Schornsteinfeger) versus monovalent langfristig
  • Hydraulik-Komplexität: Pufferspeicher-Integration, serielle Einbindung, Bivalenzpunkt-Optimierung übersteigt Standard-Installateur-Qualifikation
  • Lock-in-Risiko: Gas-Infrastruktur-Abhängigkeit bindet an fossile Energie-Preise und steigende CO₂-Steuer 2030+
Wirtschaftliche Kern-Bewertung:
Die bivalente Wärmepumpe zeigt klare Dichotomie zwischen beiden Implementations-Varianten:
Renewable Ready (Kessel vorhanden):
  • Investment: 22.500-24.300 EUR brutto → 10.125-10.935 EUR netto (55% Förderung)
  • TCO 20 Jahre: 56.325-58.515 EUR
  • Differenz zu monovalent: +1.365-3.555 EUR (+2-6%)
  • Bewertung: Wirtschaftlich vertretbar bei Kessel-Erhalt und Sanierungs-Unsicherheit
Neuinstallation (beide Erzeuger neu):
  • Investment: 35.000-38.250 EUR brutto → 22.350-24.596 EUR netto (35,7% Förderung effektiv)
  • TCO 20 Jahre: 68.550-72.176 EUR
  • Differenz zu monovalent: +13.590-17.216 EUR (+25-30%)
  • Bewertung: Wirtschaftlich nicht darstellbar – monovalente Alternative zwingend
Strategische Handlungsempfehlung nach Profil:
Bivalent wählen bei:
  • ✅ Gas-Kessel 2005-2020, funktionsfähig, 10-20 Jahre Restlaufzeit
  • ✅ Teilsaniertes Gebäude Heizlast 10-18 kW, Vorlauf 50-60°C
  • ✅ Schrittweise Sanierung geplant ohne Komplett-Budget sofort
  • ✅ Risiko-Aversion gegen monovalente WP-Leistungs-Unsicherheit
  • ✅ Renewable Ready-Investment 9.000-12.000 EUR akzeptabel
Monovalent bevorzugen bei:
  • ✅ Kessel defekt oder >20 Jahre alt (Neuinstallation erforderlich)
  • ✅ Gut saniertes Gebäude Heizlast <12 kW
  • ✅ 100% erneuerbare Wärme angestrebt (GEG-Übererfüllung)
  • ✅ Maximum-Förderung 16.500 EUR ausschöpfen
  • ✅ Langfristig niedrigste TCO priorisiert
Kritischer Erfolgsfaktor Installations-Qualität:
Die bivalente Auslegung fordert überproportional hydraulische und regelungstechnische Expertise:
  • Pufferspeicher-Dimensionierung 30-50 L/kW gebäudespezifisch
  • Serielle Erzeuger-Einbindung (WP Rücklauf → Kessel Vorlauf) für Effizienz-Maximum
  • Bivalenzpunkt-Kalkulation nach VDI 4650 mit Heizlast-Kurven-Verschnitt
  • triVAI/Hybrid-Regelung Parametrierung nach Energie-Preisen
  • Hydraulischer Abgleich Verfahren B zwingend
Standard-Installateure unterschätzen Komplexität – unsachgemäße Konfiguration führt zu 20-35% Effizienz-Verlust trotz korrekter Hardware-Auswahl.
Zukunfts-Ausblick bivalente Systeme:
Die bivalente Wärmepumpe bleibt Nischen-Lösung für Bestands-Erhalt-Szenarien mit abnehmendem Markt-Anteil:
  • Kessel-Altersstruktur: Gas-Kessel >20 Jahre erreichen 2025-2030 Austausch-Ende – Renewable Ready-Pool schrumpft
  • Förder-Politik: KfW-Ausschluss fossiler Komponenten benachteiligt Neuinstallation strukturell
  • R290-Hochtemperatur-Verfügbarkeit: Moderne WP 70-75°C Vorlauf reduzieren Altbau-Notwendigkeit bivalent
  • GEG-Verschärfung: Potenzielle 100%-Erneuerbar-Pflicht 2030+ eliminiert bivalente Option komplett
Die strategische Empfehlung lautet: Bivalent nur bei funktionsfähigem Kessel als Renewable Ready-Ergänzung – jede Neuinstallation mit Gas-Komponente ist monovalenter R290-Hochtemperatur-Alternative wirtschaftlich und ökologisch unterlegen.

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