Das Wichtigste in Kürze
- Definition: Ein Holzvergaser ist ein Biomasse-Heizkessel, der Scheitholz im Zweikammer-Verfahren zu Holzgas vergast und dieses bei rund 1.100 °C nachverbrennt statt es einstufig abzubrennen.
- Preis 2026: Ein Kessel der 20-bis-30-kW-Klasse kostet je nach Hersteller 3.416 bis 10.428 Euro inklusive Mehrwertsteuer, ohne Pufferspeicher.
- Pufferspeicher: Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 55 Liter je kW Nennwärmeleistung, zusätzlich 1.900 bis 3.800 Euro Anschaffungskosten.
- Wirkungsgrad: Aktuelle Modelle erreichen 90 bis 95,4 % Kesselwirkungsgrad statt der niedrigeren Werte einstufiger Kaminöfen ohne Nachverbrennung.
- Förderung 2026: Ohne Einkommensbonus liegt der Fördersatz bei 46 % der Kosten, mit maximalem Einkommensbonus bei gedeckelten 70 bzw. 80 %.
- Emissionsproblem: Holz-Kleinfeuerungsanlagen verursachten 2020 laut Umweltbundesamt 18 % der deutschen PM2,5-Emissionen statt eines vernachlässigbaren Anteils.
- Zielgruppe: Lohnt sich vor allem für Eigentümer mit eigenem Holzzugang und Platz für Lager und Pufferspeicher, weniger für vollautomatisierten Betrieb ohne Präsenz vor Ort.
Was ist ein Holzvergaser und wie funktioniert er?
Ein Holzvergaser ist ein Heizkessel, der Scheitholz in zwei räumlich getrennten Kammern verarbeitet: In der oberen Kammer entsteht durch Pyrolyse brennbares Holzgas, in der unteren Kammer verbrennt dieses Gas bei rund 1.100 °C vollständig aus.
Eine
keramische Brennerplatte trennt die Vergasungs- von der Verbrennungskammer und presst das entstehende Gas durch eine schmale Düse in die Nachverbrennungszone. Dieses
Zweikammer-Verfahren unterscheidet den Holzvergaser vom einstufigen Kaminofen und erklärt seinen hohen Wirkungsgrad. Die Bauart ist nach
DIN EN 303-5 geprüft, einer Norm für Heizkessel für feste Brennstoffe mit Nennwärmeleistungen bis 500 kW. Der Holzvergaser zählt damit zur übergeordneten Kesselklasse der Festbrennstoffkessel und ist eine Unterart der Biomasseheizung.
Der Vergasungsprozess läuft in vier Schritten ab:
- Trocknung und Pyrolyse des Scheitholzes im Füllraum der oberen Kammer
- Zusammenpressen des entstehenden Holzgases an der keramischen Brennerplatte
- Nachverbrennung des Gases in der unteren Kammer bei rund 1.100 °C
- Wärmeübertragung an das Heizwasser und Weiterleitung in den Pufferspeicher
Zwei Vergasungsverfahren kommen vor: Beim Gegenstromverfahren strömt die Luft entgegen der Holzbewegung bei niedrigeren Temperaturen um 100 °C, beim Gleichstromverfahren laufen Luft und Gas in dieselbe Richtung bei mehreren hundert Grad. Der Standard ist die autotherme Vergasung, bei der die Wärme für die Pyrolyse aus der teilweisen Verbrennung des Holzes selbst stammt; die seltenere allotherme Vergasung liefert ein höherwertiges, stickstofffreies Gas.
Zum Schutz vor Überhitzung schreibt der Gesetzgeber eine thermische Ablaufsicherung vor, ein Sicherheitsventil, das bei Grenztemperatur automatisch Kaltwasser einspeist. Eine Rücklaufanhebung hält die Rücklauftemperatur bei mindestens 55 °C, um die Bildung aggressiver Kondensate und Teerablagerungen zu verhindern. Fachbegrifflich bezeichnet man Holzvergaser auch als Holzvergaserkessel, Scheitholzvergaser oder Stückholzvergaser – alle drei Begriffe meinen dieselbe Bauart.
Was unterscheidet einen Holzvergaser von einem klassischen Kaminofen oder Scheitholzkessel?
Ein Holzvergaser trennt Vergasung und Verbrennung in zwei Kammern und erreicht dadurch einen Wirkungsgrad von 90 bis 95,4 %, während ein klassischer Kaminofen Scheitholz einstufig ohne separate Nachverbrennung abbrennt.
Der entscheidende Unterschied liegt im Sturzbrand-/Unterbrandprinzip des Holzvergasers: Die Flamme brennt nach unten in Richtung der Brennerdüse statt frei im Feuerraum nach oben, wie es beim Kaminofen der Fall ist. Ein reiner Kaminofen heizt zudem nur den Aufstellraum und ist keine Zentralheizung, während ein Holzvergaser über den Pufferspeicher das gesamte Gebäude inklusive Warmwasser versorgt.
Vergleich der wichtigsten Merkmale von Holzvergaser, Kaminofen und klassischem Scheitholzkessel.
Merkmal | Holzvergaser | Klassischer Kaminofen / Scheitholzkessel |
Verbrennungsprinzip | Zweikammer, getrennte Vergasung und Nachverbrennung bei ca. 1.100 °C | Einstufige Verbrennung ohne separate Vergasungsstufe |
Kesselwirkungsgrad | 90 bis 95,4 % (ETA, Atmos, Attack, KWB) | Niedriger, da keine getrennte Nachverbrennung erfolgt |
Zentralheizungsfähig | Ja, mit gesetzlicher Pufferspeicherpflicht | Kaminofen: nein, reiner Raumheizer; Scheitholzkessel: teilweise |
Pufferspeicherpflicht (1. BImSchV §5) | Ja, mindestens 55 Liter je kW Nennwärmeleistung | Entfällt bei reinen Einzelraumfeuerstätten |
Hauptzweck | Effiziente Ganzhausheizung | Ambiente und Zusatzwärme |
Welche Holzvergaser-Hersteller gibt es (ETA, Atmos, Attack, KWB) und wie unterscheiden sie sich?
Vier häufig verglichene Hersteller ETA, Atmos, Attack und KWB unterscheiden sich in Leistungsbereich, Kesselwirkungsgrad und Preis, wobei Attack das günstigste Modell bietet und ETA unter anderem mit einer Touch-Display-Steuerung ausgestattet ist.
ETA (Österreich)
ETA bietet die Modellreihe SH Touch mit Touch-Display-Steuerung. Der ETA SH 20 Touch (10-20 kW) erreicht 95,4 % Kesselwirkungsgrad bei Teillast und 91,6 % bei Nennlast.
ATMOS (Tschechien)
Die GSE-Serie deckt Leistungsklassen von DC18 bis DC50 GSE ab, umgerechnet etwa 19 bis 50 kW. Der
Atmos DC 25 GSE erreicht 92,5 % Wirkungsgrad, und der Hersteller bewirbt ihn mit bis zu 70 %
Gesamtförderung nach der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).
Attack (Slowakei)
Die SLX-Serie ist in acht Leistungsstufen von 20 bis 55 kW erhältlich und erreicht je nach Baugröße 90,3 bis 91,8 % Kesselwirkungsgrad; das im 30-kW-Segment mit 3.416,33 Euro günstigste Einzelmodell der SLX-Serie im Vergleich, der Attack SLX 30 Profi, liegt bei 90,3 %.
KWB (Österreich)
Der KWB Classicfire 2 deckt 18 bis 38 kW ab und erreicht 91 bis 93 % Wirkungsgrad. Der Hersteller richtet sich vor allem an Landwirte und Forstwirte mit eigenem Holzzugang.
Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen den Modellen ist die Lambdasonde, die den Restsauerstoffgehalt im Abgas misst und die Verbrennungsluft entsprechend nachregelt – bei ETA erfolgt die Bedienung dieser Regelungstechnik über das namensgebende Touch-Display der SH-Touch-Serie.
Herstellervergleich Holzvergaser nach Land, Leistungsbereich, Wirkungsgrad und Preis eines Beispielmodells.
Hersteller | Land | Leistungsbereich | Kesselwirkungsgrad | Preis Beispielmodell (inkl. MwSt.) |
ETA | Österreich | 10-30 kW | 95,4 % / 91,6 % (Teil-/Nennlast, SH 20) | 10.427,99 € (SH 30 Touch, 15-30 kW) |
ATMOS | Tschechien | ca. 19-50 kW | 92,5 % (DC 25 GSE) | 4.810,50 € (30 kW Dokogen) |
Attack | Slowakei | 20-55 kW (8 Stufen) | 90,3-91,8 % (30-kW-Modell: 90,3 %) | 3.416,33 € (SLX 30 Profi, ohne Speicher) |
KWB | Österreich | 18-38 kW | 91-93 % | kein öffentlich verifizierter Einzelpreis |
Was kostet ein Holzvergaser mit 30 kW – und was konkret der ETA Holzvergaser 30 kW?
Ein Holzvergaser mit 30 kW Nennleistung kostet je nach Hersteller zwischen 3.416,33 und rund 10.400 Euro inklusive Mehrwertsteuer, wobei der ETA Holzvergaser SH 30 Touch mit 10.427,99 Euro bei einem Händler das obere Preissegment markiert; je nach Händler schwankt der ETA-Preis am Markt zwischen etwa 9.500 und 13.700 Euro.
Zwischen den Preisen liegt der ATMOS 30 kW Dokogen mit 4.810,50 Euro. Zum reinen Kesselpreis kommt der gesetzlich vorgeschriebene Pufferspeicher hinzu, der laut energieheld.de zusätzlich 1.900 bis 3.800 Euro kostet.
Kostenaufschlüsselung für einen Holzvergaser der 30-kW-Klasse nach Hersteller inklusive Pufferspeicher.
Position | Preis |
Kessel Attack SLX 30 Profi (30 kW, ohne Speicher) | 3.416,33 € |
Kessel ATMOS 30 kW Dokogen | 4.810,50 € |
Kessel ETA SH 30 Touch (15-30 kW) | 10.427,99 € |
Pufferspeicher (Marktspanne) | 1.900 bis 3.800 € |
Gesamtinvestition, Beispiel Attack (Kessel + Puffer) | 5.316 bis 7.216 € |
Gesamtinvestition, Beispiel ETA (Kessel + Puffer) | 12.328 bis 14.228 € |
V(Puffer) = 55 l × P (kW)
Wo:
- V(Puffer): Mindest-Pufferspeichervolumen in Litern
- P: Nennwärmeleistung des Kessels in kW
Beispiel: Teilsaniertes Einfamilienhaus, 150 m², Baujahr 1990er
Gegeben: Jahreswärmebedarf ca. 20.000 kWh, gewählter Holzvergaserkessel 20 bis 25 kW.
Berechnung: 55 l/kW × 20 kW = 1.100 Liter; 55 l/kW × 25 kW = 1.375 Liter.
Ergebnis: Der Pufferspeicher muss zwischen 1.100 und 1.375 Litern fassen, zusätzlich zum Kesselpreis 1.900 bis 3.800 Euro.
Was ist in einem Holzvergaser-Komplettset enthalten und was kostet es?
Ein Holzvergaser-Komplettset besteht aus dem Heizkessel, dem vorgeschriebenen Pufferspeicher, der Regelungstechnik mit Lambdasonde und dem hydraulischen Anschlusszubehör inklusive Rücklaufanhebung und thermischer Ablaufsicherung.
Die Gesamtkosten eines Komplettsets ergeben sich aus der Summe von Kessel- und Pufferspeicherpreis und liegen in der 30-kW-Klasse je nach Hersteller zwischen rund 5.316 und 14.228 Euro. Montage- und Installationskosten sind darin nicht enthalten, da sie regional stark schwanken und in den verfügbaren Quellen nicht unabhängig beziffert sind.
Preisspannen für ein Holzvergaser-Komplettset aus Kessel und Pufferspeicher in der 30-kW-Klasse.
Hersteller | Kesselpreis | Pufferspeicher (Spanne) | Gesamt (Spanne) |
Attack SLX 30 Profi | 3.416,33 € | 1.900-3.800 € | 5.316-7.216 € |
ATMOS 30 kW Dokogen | 4.810,50 € | 1.900-3.800 € | 6.711-8.611 € |
ETA SH 30 Touch | 10.427,99 € | 1.900-3.800 € | 12.328-14.228 € |
Wie erzeugt man mit einem Holzvergaser Strom, und gibt es 5-kW-BHKW-Anlagen für Privathaushalte?
Ein Holzvergaser-BHKW erzeugt Strom, indem ein Gasmotor mit dem im Vergaser erzeugten Holzgas läuft; für Privathaushalte existiert derzeit kein serienmäßiges 5-kW-Modell, das kleinste aktuell lieferbare Gerät liegt laut Hersteller re2.energy bei 35 kW elektrisch.
Diese Marktlücke bei sehr kleinen Leistungsklassen betrifft konkret die Nachfrage nach einem 5-kW-Holzvergaser-BHKW: Der frühere Spanner HKA10, ein kompaktes Holzvergaser-Blockheizkraftwerk zur Stromeigenversorgung mit 9 kW elektrischer Leistung, kam dieser Anforderung am nächsten, wird laut Herstellerangabe jedoch nicht mehr gefertigt und ist nicht mehr lieferbar.
Technische Kennzahlen des eingestellten Holzvergaser-BHKW Spanner HKA10 und des aktuell kleinsten Nachfolgemodells HKA35.
Kennzahl | Spanner HKA10 (eingestellt) | Spanner HKA35 (aktuell kleinstes Modell) |
Elektrische Dauerleistung | 9 kW | 35 kW |
Thermische Leistung | 25 kW | 79,5 kW |
Anschaffungskosten | 59.000 € | keine öffentliche Herstellerangabe gefunden |
Für
Prosumer, die bereits eine
Photovoltaikanlage oder einen Stromspeicher betreiben, ergänzt ein solches BHKW die wetterabhängige PV-Erzeugung durch witterungsunabhängige Stromproduktion aus Scheitholz oder Hackschnitzeln – allerdings nur noch in der deutlich größeren, ab 35 kW elektrisch beginnenden Leistungsklasse.
Welchen Wirkungsgrad und welche technischen Kennzahlen erreicht ein Holzvergaser?
Ein Holzvergaser erreicht je nach Hersteller einen Kesselwirkungsgrad von 90 bis 95,4 %, während die 1. BImSchV für neu installierte Scheitholzkessel seit 2017 einen CO-Grenzwert von 400 mg/m³ in der Emissionsstufe 2 vorschreibt.
Die Emissionsgrenzwerte unterscheiden sich je nachdem, ob sie aus dem allgemeinen Immissionsschutzrecht oder aus der Förderrichtlinie stammen – eine Verwechslung, die bei der Modellauswahl häufig vorkommt.
Emissionsgrenzwerte für Holzvergaser nach Regelwerk, Schadstoff und Geltungsbereich.
Regelwerk / Stufe | Staub | CO | Gilt für |
1. BImSchV Stufe 1 (ab 22.03.2010) | 100 mg/m³ | 1.000 mg/m³ | Allgemeine Neuanlagen-Grenzwerte |
1. BImSchV Stufe 2 (ab 01.01.2017) | 20 mg/m³ | 400 mg/m³ | Alle seit 2017 neu installierten Scheitholzanlagen |
BEG-EM-Förderung (Nennlast) | ca. 15 mg/m³ (Richtwert, Scheitholz/Pelletöfen) | 200 mg/m³ | Fördervoraussetzung KfW-458, ab 21.07.2026 |
BEG-EM-Förderung (Teillast) | ca. 10 mg/m³ (Richtwert, automatisch beschickte Kessel) | 250 mg/m³ | Fördervoraussetzung KfW-458, ab 21.07.2026 |
Beim Brennstoffverbrauch gibt energieheld.de für einen 15-kW-Holzvergaser mit Pufferspeicher etwa 16 Raummeter Scheitholz pro Jahr an.
1 Fm = 1,4 Rm
Wo:
- Fm: Festmeter, Kubikmeter Vollholz ohne Zwischenräume
- Rm: Raummeter, lose geschichtetes Scheitholz inklusive Zwischenräume
Beispiel: 15-kW-Holzvergaser mit Pufferspeicher
Gegeben: Jahresverbrauch etwa 16 Raummeter Scheitholz.
Berechnung: 16 Rm ÷ 1,4 = 11,4 Fm.
Ergebnis: Der jährliche Brennstoffbedarf entspricht rund 11,4 Festmetern Scheitholz.
Welche Förderung gibt es 2026 für einen Holzvergaser (BAFA/KfW)?
Die Förderung für einen Holzvergaser setzt sich 2026 aus
30 % Grundförderung, einem degressiven Klimageschwindigkeitsbonus und einem
Einkommensbonus zusammen und ist bei 70 bzw. 80 % der förderfähigen Kosten gedeckelt.
Seit 2024 bearbeitet ausschließlich die KfW über das Programm 458 den Antrag; das BAFA ist seit demselben Jahr nur noch für Gebäudehülle, Anlagenoptimierung und Netze zuständig. Mit der Reform vom 21.07.2026 gelten neue Förderbedingungen: Förderfähig sind maximal 28.000 Euro Kosten für die erste Wohneinheit. Voraussetzung ist ein jahreszeitbedingter Raumheizungsnutzungsgrad von mindestens 81 %. Der frühere Emissionsminderungszuschlag und der Effizienzbonus sind mit der Reform 2026 entfallen, ebenso die vormalige Pflicht zur Kombination mit einer Solarthermie- oder Wärmepumpenanlage für bestimmte Boni.
Bausteine des Fördersatzes für Holzvergaser nach der BEG-EM-Richtlinie 2026.
Baustein | Höhe | Bedingung |
Grundförderung | 30 % | Für alle Antragsteller, Biomasseheizung nach Nr. 5.3 |
Klimageschwindigkeitsbonus (21.07.2026-31.01.2027) | 16 Prozentpunkte | Erste Bonusstufe |
Klimageschwindigkeitsbonus (Feb.-Aug. 2027) | 12 Prozentpunkte | Erste degressive Stufe |
Klimageschwindigkeitsbonus (Aug. 2027-Feb. 2028) | 8 Prozentpunkte | Zweite degressive Stufe |
Klimageschwindigkeitsbonus (Feb.-Aug. 2028) | 4 Prozentpunkte | Dritte degressive Stufe |
Klimageschwindigkeitsbonus (ab Aug. 2028) | 0 Prozentpunkte | Bonus vollständig entfallen |
Einkommensbonus | 40 % / 30 % / 10 % | zvE ≤30.000 € / 30.001-40.000 € / 40.001-50.000 € |
Maximaler Gesamtfördersatz (Deckel) | 80 % / 70 % | zvE ≤30.000 € (bzw. ≤40.000 € mit Familienzuschlag) / sonst |
Gesamtförderersatz = Grundförderung (30 %) + Klimageschwindigkeitsbonus (bis 16 %) + Einkommensbonus (bis 40 %), gedeckelt bei 70 % bzw. 80 %
Wo:
- Grundförderung: fixer Satz für Biomasseheizungen nach Nr. 5.3
- Klimageschwindigkeitsbonus: degressiver Zeitbonus 2026-2028
- Einkommensbonus: einkommensabhängiger Zuschlag nach zu versteuerndem Einkommen (zvE)
- Deckel: gesetzliche Obergrenze des Gesamtfördersatzes
Beispiel: Teilsaniertes Einfamilienhaus ohne Einkommensbonus
Gegeben: Förderfähige Kosten für Kessel und Pufferspeicher rund 13.278 Euro (ETA SH 30 Touch 10.427,99 € plus Pufferspeicher, beispielhaft 2.850 € innerhalb der Marktspanne von 1.900 bis 3.800 €), keine Einkommensbonus-Berechtigung.
Berechnung: 30 % Grundförderung + 16 % Klimageschwindigkeitsbonus = 46 % Gesamtfördersatz; 13.278 € × 46 % = 6.107,88 €.
Ergebnis: Der Zuschuss beträgt rund 6.108 Euro, die Eigenleistung sinkt auf etwa 7.170 Euro.
Kann man einen Holzvergaser mit einer Wärmepumpe kombinieren?
Ein Holzvergaser lässt sich technisch mit einer Wärmepumpe kombinieren; seit dem 21.07.2026 verlangt die BEG EM dafür jedoch keine verpflichtende Kombination und gewährt keinen eigenen Kombinationsbonus mehr.
In der Vorgängerfassung von 2023 war eine Kombination mit Solarthermie oder Wärmepumpe teilweise Voraussetzung für bestimmte Boni; diese Regelung ist mit der Reform 2026 entfallen. In der Praxis übernimmt die
Wärmepumpe die Grundlast über das Jahr, während der Holzvergaser an kalten Tagen zusätzlich Wärme liefert und den vorhandenen Holzbestand nutzt. Der gemeinsame Pufferspeicher muss dabei weiterhin die für den Holzvergaser vorgeschriebenen
55 Liter je kW erfüllen.
Wie laufen Planung, Installation und Anbieterwahl bei einem Holzvergaser ab?
Die Installation eines Holzvergasers erfordert eine Fachunternehmererklärung, die Abnahme durch den Schornsteinfeger und einen KfW-Förderantrag vor Maßnahmenbeginn über das Online-Portal "Meine KfW".
- Schritt 1: Modellvergleich über die FNR-Marktübersicht Scheitholzvergaser-/Kombikessel der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe
- Schritt 2: Angebot und Dimensionierung durch einen zertifizierten Fachbetrieb, inklusive Pufferspeichergröße nach der 55-l/kW-Formel
- Schritt 3: Förderantrag im KfW-Portal "Meine KfW" vor Beginn der Maßnahme
- Schritt 4: Einbau durch den Fachbetrieb inklusive Pufferspeicher, Rücklaufanhebung und thermischer Ablaufsicherung
- Schritt 5: Abnahme durch den Schornsteinfeger und Ausstellung der Fachunternehmererklärung als Fördernachweis
Welche Nachteile, Risiken und typischen Fehler gibt es bei Holzvergasern?
Die größten Risiken eines Holzvergasers sind zu feuchtes Brennholz, eine zu niedrige Rücklauftemperatur und ein unterdimensionierter Pufferspeicher, die Teerbildung, Korrosion und häufiges Takten verursachen.
Fehler 1: Zu feuchtes Brennholz
Symptom
Die Holzfeuchte liegt über dem gesetzlichen Grenzwert von 25 % Trockenmasse nach 1. BImSchV §3.
Folge
Zu feuchtes Brennholz verursacht unvollständige Verbrennung, Teerablagerungen im Kessel und reduzierten Wirkungsgrad.
Prävention
Betreiber lagern das Scheitholz mindestens zwei Jahre und prüfen die Feuchte vor dem Einsatz.
Fehler 2: Rücklauftemperatur unter 55 °C
Symptom
Kalter Heizungsrücklauf trifft direkt auf den heißen Kessel.
Folge
Die zu niedrige Rücklauftemperatur bildet laut Wikipedia-Eintrag zum Holzvergaserkessel aggressive Kondensate und Teerablagerungen.
Prävention
Eine Rücklaufanhebung als Pflichtbauteil hält den Rücklauf auf mindestens 55 °C.
Fehler 3: Unterdimensionierter Pufferspeicher
Symptom
Das Speichervolumen liegt unter 55 Litern je kW Nennwärmeleistung.
Folge
Der unterdimensionierte Pufferspeicher verursacht häufiges Takten des Kessels, unwirtschaftlichen Betrieb und den Ausschluss von der Förderung.
Prävention
Betreiber halten die gesetzliche Mindestgröße nach 1. BImSchV §5 ein: zwölf Liter je Liter Füllraum, mindestens jedoch 55 Liter je kW.
Über den Betrieb hinaus verursachen Holzkleinfeuerungsanlagen laut Umweltbundesamt 18 % der deutschen PM2,5-Emissionen (2020) und im Winter zwischen 10 und 20 % der lokalen Feinstaubbelastung. Moderne Holzvergaser mit Nachverbrennung müssen den Emissionsgrenzwerten der Stufe 2 genügen, die den zulässigen Staub-Ausstoß gegenüber der älteren Stufe 1 von 100 auf 20 mg/m³ senkt – eine Reduktion um 80 % gegenüber dem früheren Grenzwert, ohne die Emission vollständig zu eliminieren.
Was sagen unabhängige Tests und Prüfinstitute zu Holzvergasern?
Ein flächendeckender Stiftung-Warentest-Test für Holzvergaser ist nicht auffindbar; ein unabhängiges Prüfinstitut prüft die Geräte stattdessen über die Typprüfung nach DIN EN 303-5, und die TFZ Bayern ergänzt dies über Emissionsmessungen.
Die TFZ Bayern dokumentiert die gesetzlichen CO-Grenzwerte, etwa den Wert von 400 mg/m³ in der seit 01.01.2017 geltenden Emissionsstufe 2. Die DIN-EN-303-5-Typprüfung umfasst Begriffe, Anforderungen, Prüfverfahren und Kennzeichnung von Heizkesseln für feste Brennstoffe bis 500 kW und dient als objektiver Qualitätsnachweis, da ein herstellerübergreifernder Verbrauchertest bislang fehlt.
Was hat es mit dem "Holzvergaser-Auto" auf sich – gibt es das heute noch zu kaufen?
Das Holzvergaser-Auto bezeichnet ein historisches Kraftfahrzeug mit mobilem Holzgasgenerator; ein solches Serienfahrzeug ist 2026 nicht mehr im Handel erhältlich, obwohl Nutzer den Suchbegriff "Holzvergaser" fälschlich auch dafür verwenden.
Georg Imbert erfand die Technik und meldete ab 1902 erste Patente an; das erste damit betriebene Kraftfahrzeug fuhr 1922. Europas Industrie fertigte bis 1950 laut Neuer Deutscher Biographie rund 500.000 Holzgasgeneratoren. Ein Fahrzeug erreichte je Tankfüllung eine Reichweite von 80 bis 170 Kilometern, bei einem Leistungsverlust von rund 20 % gegenüber Benzinbetrieb. Ein Liter Benzin ließ sich durch etwa 2 bis 3 Kilogramm Holz ersetzen.
Technische Kennzahlen historischer Kraftfahrzeuge mit Holzgasgenerator.
Kennzahl | Wert |
Reichweite je Tankfüllung | 80 bis 170 km |
Leistungsverlust gegenüber Benzinbetrieb | ca. 20 % |
Kraftstoffäquivalent | 2 bis 3 kg Holz je Liter Benzin |
Produzierte Generatoren bis 1950 (Europa) | 500.000 Stück |
Benzinäquivalent = Holzmenge (kg) ÷ 2 bis 3 kg/l
Wo:
- Benzinäquivalent: ersetzte Benzinmenge in Litern
- Holzmenge: eingesetztes Holz in kg
Beispiel: Vergleichsfahrt mit 10 Litern Benzin-Referenzverbrauch
Gegeben: Referenzverbrauch 10 Liter Benzin, Kraftstoffäquivalent 2 bis 3 kg Holz je Liter.
Berechnung: 10 l × 2 kg/l = 20 kg Holz; 10 l × 3 kg/l = 30 kg Holz.
Ergebnis: Für dieselbe Fahrleistung wie mit 10 Litern Benzin waren 20 bis 30 Kilogramm Holz nötig.
Als heutige Restnutzung nennt der Wikipedia-Eintrag zu Holzgas Lastwagen in Nordkorea, die wegen Erdölsanktionen weiterhin mit Holzgas fahren.
Wie entwickeln sich Technik, Preise und Förderung für Holzvergaser?
Die Förderung für Holzvergaser sinkt zwischen 2026 und 2028 planmäßig, weil der Klimageschwindigkeitsbonus von 16 Prozentpunkten in vier Stufen bis auf 0 % im August 2028 abgeschmolzen wird.
Parallel dazu entfiel mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) am 29.07.2026 die allgemeine Pflicht zu 65 % erneuerbarer Energie beim Heizungstausch. Für Käufer ohne Förderabsicht bedeutet das mehr Wahlfreiheit bei der Heiztechnik. Wer jedoch die BEG-EM-Förderung nutzen will, muss laut ADAC weiterhin die 65-%-EE-Vorgabe als Fördervoraussetzung erfüllen – ein Holzvergaser als Biomasseheizung erfüllt dieses Kriterium vollständig, unabhängig vom Wegfall der allgemeinen Pflicht.
Häufige Fragen zu Holzvergasern
Wie viel Holz verbraucht ein 15-kW-Holzvergaser pro Jahr?
Ein 15-kW-Holzvergaser mit Pufferspeicher verbraucht laut energieheld.de etwa 16 Raummeter Scheitholz pro Jahr, umgerechnet rund 11,4 Festmeter.
Wie groß muss der Pufferspeicher für einen Holzvergaser sein?
Der Pufferspeicher muss mindestens 55 Liter je kW Nennwärmeleistung fassen, bei einem 25-kW-Kessel also 1.375 Liter, wie es 1. BImSchV §5 und die BEG EM 2026 vorschreiben.
Welche Holzfeuchte schreibt der Gesetzgeber vor?
Nach 1. BImSchV §3 darf Scheitholz in Feuerungsanlagen nur eingesetzt werden, wenn seine Feuchte unter 25 % bezogen auf das Trockengewicht liegt.
Ist ein Holzvergaser genehmigungspflichtig?
Ein Holzvergaser benötigt keine Baugenehmigung, jedoch eine Fachunternehmererklärung und die Abnahme durch den Schornsteinfeger vor Inbetriebnahme.
Was ist der Unterschied zwischen Festmeter und Raummeter?
Ein Festmeter Holz ohne Zwischenräume entspricht 1,4 Raummetern lose geschichtetem Scheitholz, da Raummeter die Luftzwischenräume mit einrechnet.
Wer ist seit 2024 für die Heizungsförderung zuständig?
Seit 2024 bearbeitet ausschließlich die KfW über das Programm 458 die Zuschüsse zum Heizungstausch, das BAFA fördert nur noch Gebäudehülle, Optimierung und Netze.
Kann man ein Holzgasauto heute noch neu kaufen?
Ein Serienfahrzeug mit Holzgasgenerator ist 2026 nicht mehr im Handel erhältlich; die Technik kommt laut Wikipedia aktuell nur noch vereinzelt bei Lastwagen in Nordkorea zum Einsatz.
Für wen lohnt sich ein Holzvergaser?
Ein Holzvergaser lohnt sich für Eigentümer mit eigenem Holzzugang und ausreichend Lagerfläche, weniger für Neubauten ohne Platz oder für Haushalte, die einen vollautomatischen Heizbetrieb ohne Präsenz vor Ort wünschen.
Teilsaniertes Einfamilienhaus mit eigenem Holzzugang
Für ein teilsaniertes Einfamilienhaus mit rund 20.000 kWh Jahreswärmebedarf und eigenem Waldbesitz oder günstigem Scheitholzbezug amortisiert sich ein Kessel der 20-bis-25-kW-Klasse über die Kombination aus niedrigen Brennstoffkosten und einem Fördersatz von 46 % ohne Einkommensbonus.
Neubau oder kleines Grundstück ohne Lagerfläche
Ohne Platz für einen Pufferspeicher von mindestens 1.100 Litern und eine mehrjährige Holzlagerung ist ein Holzvergaser ungeeignet; eine Wärmepumpe ohne Pufferspeicherpflicht ist hier die praktikablere Alternative.
Prosumer mit Interesse an Eigenstromerzeugung
Wer bereits Photovoltaik oder einen Stromspeicher betreibt und zusätzlich witterungsunabhängigen Strom erzeugen will, kann diese Lücke über ein Holzvergaser-BHKW wie den aktuell lieferbaren Spanner HKA35 (35 kW elektrisch) schließen – ein deutlich größeres Investitionsvolumen als beim eingestellten 9-kW-Vorgängermodell HKA10.
Haushalt mit niedrigem Einkommen und Förderfokus
Bei einem zu versteuernden Einkommen bis 30.000 Euro erhöht der Einkommensbonus von 40 % den Gesamtfördersatz bis zum Deckel von 80 %, wodurch die Investition in einen Holzvergaser der 20-bis-30-kW-Klasse deutlich günstiger wird als ohne Bonus.